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Gründliches mythologisches Lexikon von Benjamin HederichLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
ACARNAN bis ACHAEA (Bd. , Sp. )
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Artikelverweis ACARNAN, nis, Gr. Ἀκαρνὰν, ᾶνος, ( Tab. XXV.) Alkmäons und der Callirhoe Sohn, erlangte mit seinem Bruder, dem Amphoterus, durch seiner Mutter Vorbitte vom Jupiter, daß sie beyde aus mäßigen Knaben alsofort erwachsene und starke Männer wurden, damit sie den Tod ihres Vaters an dem Phegeus rächen könnten. Sie bewerkstelligten auch solches darauf sogleich, und richteten zuerst dessen beyde Söhne, den Pronous und Argenor, bey dem Agapenor hin, wo sie ungefähr zusammenkamen; worauf sie denn auch den Phegeus in seiner Residenz zu Psophis selbst überfielen und nebst dessen Gemahlinn hinrichteten. Sie wurden darüber zwar von den Pfophisern bis nach Tegea verfolget, jedoch aber hierselbst gegen ihre Feinde in Schutz genommen; und, als sie nachher mit einer Colonie ihrer Leute in den Epirus giengen; gab Acarnan der von ihnen besetzeten Landschaft von sich den Namen Acarnanien. Apollodor. lib. III. c. 7. §. 6. 7. Es lag solche zwischen dem Flusse Achelous und dem ambracischen Meerbusen, oder dem heutigen Aspri und Golfo di Larta, und enthält, nach einigen Karten annoch den Ort Acarnanien, woran sie also leicht zu erkennen ist. Cellar. Not. O. A. lib. II. c. 13. p. 1100.
 
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ACASTE, es, Gr. Ἀκάστη, ου, ( Tab. III.) des Oceans und der Tethys Tochter. Hesiod. Theog. v. 356.
 
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ACASTVS, Gr. Ἄκαστος, ου, ( Tab. XV.) des Pelias und der Anaxibia, oder, nach andern, der Philomaches Sohn, Apollodor. lib. I. c. 9. §. 10. half in seiner Jugend das calydonische Schwein mit erlegen, Ovid. Metam. lib. VIII. v. 306. und gieng hernachmals unter den Argonauten auch mit nach Colchis. Val. Flacc. lib. I. v. 164. et Apollon. lib. I. v. 224. Als bey seiner Zurückkunft seine Schwestern durch der Medea Betrug den Vater umgebracht hatten, Apollodor. l. c. §. 27. et Ovid. Metam. lib. VII. v. 297. so erhielt er

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zwar durch Jasons Vorschub das Königreich, Dio. dor Sic. lib. IIII. c. 54. sagte aber co dann nicht allein diesen siebst der Medea aus seiner Residenz Jolcus fort, Apollodor. l. c. §. 28. sondern verfolgete auch seine Schwestern aufs heftigste. Es flüchtete daher Alcestis zu ihrem Vetter, dem Könige Admetus, nach Pheris. Ob sie nun wohl keine Hand mit an den Vater geleget, so forderte sie dennoch Akastus von dem Admetus wieder; und, da solcher sie nicht in der Güte ausliefern wollte, so verwüstete er nicht nur dessen Land mit Feuer und Schwerte, sondern belagerte ihn auch selbst mit einer starken Armee in Pheris. Als sich nun Admetus des Nachts einst aus der Stadt wagete, so fiel er dem Akastus unvermuthet in die Hände, der ihn denn hinzurichten drohete, wo er ihm nicht die Alcestis auslieferte. So bald diese vernahm, in was für Gefahr Admetus ihrenthalben schwebete, so überlieferte sie sich ihrem Bruder selbst. Um diese Zeit zog Herkules ungefähr mit des Diomedes Pferden aus Thracien durch solche Gegend. Da er nun sowohl des Admetus Betrübniß über der Alcestis schlechten Zustand, als auch dieser Unschuld und Gefahr vernahm, so griff er den Akastus mit seinen Leuten an, schlug dessen Heer, befreyete die Alcestis, und stellete sie dem Admetus wieder zu. Palæphatus de Incredibil. c. 41. Indessen hatte Akastus seinem umgebrachten Vater zu Ehren ein prächtiges Spiel zu Jolcus angestellet, auf welchem Zethus im doppelten Wettrennen oder dem Laufe von sieben Stadien, (Dolichodromus) Calais in dem Laufe eines doppelten (Diaulos) und Castor eines einfachen Stadii, Pollux im Gefechte mit dem Streitriemen, Telamon mit der Wurfscheibe, Peleus im Ringen, Herkules im Pammachio, Meleager mit dem Wurfspieße, Bellerophon im Pferderennen, Jolaus mit dem vierspännigen Wagen, Cephalus mit der Schleuder, Eurytus im Schießen mit Pfeilen, Olympus mit der Pfeife, Orpheus mit der Cithar, Linus im Singen,

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und Eumolpus im Singen zu der Pfeife des Olympus den Preis behielt, Cycnus aber den Pilus unversehens tödtete, und Glaucus von seinem eignen Pferde zerrissen wurde; Hygin. Fab. 273. und soll er der erste gewesen seyn, welcher solche Spiele angestellet hat, Plin. hist. nat. L. VII. c. 56. welches andere nicht einräumen. Da aber bey dieser Feyerlichkeit Astydamia, des Akastus Gemahlinn, sich in den Peleus verliebete, allein bey diesem auf ihren Antrag eine abschlägliche Antwort bekam, so verklagte sie ihn bey dem Akastus, als ob er ihr selbst ungebührliche Dinge angemuthet hätte. Dieser wollte nun zwar den Peleus nicht eigenmächtig dafür abstrafen, weil er ihn selbst ehemals eines geschehenen Todtschlages wegen wieder mit den Göttern ausgesöhnet hatte, führete ihn aber mit sich auf die Jagd; und da sich Peleus ungemein bemühet, und daher sich niedergelegt hatte, etwas auszuruhen, so entführete ihm Akastus im Schlafe sein Schwert, und ließ ihn also unbewehrt zu seinem Glücke und Unglücke liegen. Es würde auch bald darauf mit ihm geschehen gewesen seyn, als ihn die Centauren also antrafen, wo ihn nicht noch Chiron gerettet hätte. Apollodor. lib. III. c. 12. §. 3 Conf. Schol. Apollon. ad l. c. Damit er sich nun an dem Akastus solcher Verrätherey wegen rächete, so brachte er den Jason, Castor, und Pollux nebst andern auf seine Seite, überfiel damit die Stadt Jolcus, und, als er Astydamien in seine Hände bekam, ließ er sie hinrichten, in kleine Stücken zerhauen, diese hin und her zerstreuen, und über dieselbe sein Heer in die Stadt hineinziehen. Apollodor. l. c. §. 7. Indessen scheint es, daß Akastus selbst hierbey sich noch mit der Flucht gerettet habe, weil er den Peleus hernach wieder von dem Throne vertrieben hat; so wie nachher Neoptolemus, des Peleus Enkel, solch Unrecht an ihm zu rächen, einen Anschlag auf ihn machte, und, nachdem er dessen Söhne Menalippus und Plisthenes auf der Jagd ertappet und niedergemacht

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hatte, endlich den Akastus auch selbst in seine Gewalt bekam. Auf seiner Großmutter, der Tethys, Vorbitte aber ließ er ihm das Leben, dagegen ihmdieser das Reich und die Herrschaft also fort dafür abtrat, Dict. Cret. lib. VI. c. 7. und endlich noch ar der Läusesucht starb. Plutarch in Sylla c. 22. Seine Töchter waren Laodamia und Sterope, von denen jene den Protesilaus heurathete, sich aber endlich selbst mit dessen Bilde verbrannte; Hygin. Fab. 104. diese aber ihrer Mutter so fern zum Behelfe dienete, daß sie gegen des Peleus Gemahlinn schriftlich vorgab, als ob selbiger sie heurathen werde, womit sie denn machte, daß solche leichtgläubige Dame sich aus Verdrusse selbst erhieng. Apollodor. l. c.
 
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ACCA LAVRENTIA, oder, wie sie auch vielfältig genannt wird, Larentia, æ, war, nach einigen, des Faustulus Frau und Amme des Romulus und Remus, die aber, als sie nach des Faustulus Tode, den Carutius, einen reichen Tuscier, geheurathet hatte, endlich auch dessen Vermögen überkommen, und solches bey ihrem Absterben hinwiederum dem Romulus vermacht, welcher denn dagegen verordnet, daß ihr jährlich zu Ehren öffentliche Parentalien gehalten werden sollten. Macer apud Macrob. Saturn. l. I. c. 10. Andere hingegen behaupten, daß sie erst zu des Ancus Martius Zeiten gelebet und eine der berühmtesten Huren gewesen, die des bemeldeten Carutius Reichthum auf eine gar besondere Art erlanget. Denn als dereinst der Küster in dem Tempel des Herkules vor langer Weile diesen seinen Gott auf ein Würfelspiel ausforderte, mit der Bedingung, daß wer gewinnen würde, von dem andern eine gute Mahlzeit und ein hübsches Mägdchen auf die Nacht haben sollte. Als er nun hierauf die Würfel in des Herkules Hand geleget, so habe dieser das Spiel gewonnen; da denn der Küster, nach gegebener Mahlzeit, ihm diese Acca zugeführet und des Nachts in dem Tempel bey ihm verschlossen. Wie solche des Morgens wieder ihre Wege

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gegangen, so habe sie vorgegeben, daß Herkules ihr befohlen, das nicht aus den Händen gehen zu lassen, was ihr zuerst gutes aufstoßen würde. Da nun Carutius ihr begegnet, und sich dabey ungemein in ihre Schönheit vergaffet, habe sie ihn dergestalt zu fassen gewußt, daß er sie endlich gar geheurathet und ihr alle sein Vermögen überlassen. Als sie nachher gestorben, so habe sie das römische Volk zum Erben eingesetzet, wofür ihr Ancus Martius in dem Velabro ein schönes Grabmaal errichten lassen, und zugleich die Verordnung gemacht, daß ihr jährlich ihr besonderes Opfer gebracht werden sollte; Macrob. ipse l. c. wie denn auch solches in den von ihr so genannten Accalibus durch den Flaminem Quirinalem beständig geschah. Gell. N. A. lib. VI. c. 7. et ad eum Gronovius l. c. Noch andere melden, daß sie durch ihre Buhlerey so viel zusammen gebracht, daß sie endlich dem römischen Volke den Aggrum Turacem, Semurium, Lincerium und Solinium vermachen können, Cato apud Macrob. l. c. und werden sonst die ihr zu Ehren angestelleten Accalia auch vielfältig Larentalia, oder auch Larentinaila, genannt, welche denn jedesmal den 23 December, oder nach dem römischen Calender, den X. Cal. Ian. einfielen. Gyrald. Calend. Rom. et Graec. Opp. Tom. II. p. 847. Wie aber dergleichen Hure göttlich zu verehren die größte Schwachheit war: also haben auch die ersten Verfechter der christlichen Religion, Cyprian, de Idolor. Vanit. c. 2. §. 6. Minutius Felix Octau. c. 25. §. 9. und Lactanz Instit. lib. I. c. 20. nicht ermangelt, solches den Römern empfindlichst vorzurücken. Sie soll auch eben die Wölfinn gewesen seyn, welche, nach gemeinem Vorgeben, den Romulus und Remus erhalten, als sie Amulius, ihres Großvaters Bruder, so fort nach ihrer Geburt in die Tieber werfen lassen; und wie lupa bey den Lateinern auch eine gemeine Metze heißt, so soll sie ihres lüderlichen Lebens halber eben mit solchem Namen beleget worden seyn, welches aber hernach die

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Römer, um solche Schande einiger maßen zu bemänteln, auf eine rechte Wölfinn gedeutet. Dempster. ad Rosin. lib. I. c. 1. et Voss. Theol. Gent. lib. I. c. 12. Gleichwohl scheint es, daß es zwo Personen dieses Namens gegeben habe, welche man wohl von einander unterscheiden müsse, nämlich des Romulus und Remus Säugamme, und die Buhlerinn, welche den Carutius geheurathet und hernach unter dem Namen der Flora verehret worden. Denn ob ihnen gleich beyden Feste geweihet waren, so wurden diese Feste doch zu verschiedenen Zeit gefeyret. Der Säugamme ihres fiel in den December, der Buhlerinn ihres hingegen in den Aprilmonat. Diese letzte wurde auch Tarutia oder Tarentia genannt; die Säugamme aber hatte keinen andern Namen. Baniers Erläut. der Götterl. III B. p. 645.
 
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ACCA, eine vertrauete Freundinn der Camilla in dem Kriege wider den Aeneas in Italien. Virgil Aen. XI. v. 897.
 
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ACĔLVS, i, ( Tab. XI.) des Herkules und der Malidis, eine Bedientinn der Omphales, Sohn, von dem die Stadt Acela in Lycien ehemals ihren Namen bekommen haben soll. Nat. Comes lib. VII. c. 1. p. m. 692.
 
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ACERSECŎMES, ae, siehe Ακερσεκόμης.
 
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ACESAMĔNVS, i, Gr. Ἀκεσάμενος, ου, der Periböa Vater, die mit dem Flusse Axius den Pelegon zeugete. Homer. Il. Φ. v. 142.
 
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ACESIVS, i, Gr. Ἀκέσιος, ου, ein Beyname des Apollo, welchen er von ἀκέσαι, mederi, hat, und der so viel, als ein Arzt, oder auch überhaupt ein Abwender des Bösen heißt. Er hat insonderheit seinen Tempel und seine Bildsäule zu Eli, und wurde in eben solchem Verstande auch von den Atheniensern Apollo ἀλεξίκακος genannt. Pausan. Eliac. post c. 24. et Gyrald Syntagm. VII. p. 220.
 
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ACESTES, æ, des Crimisius und der Egesta Sohn, König in Sicilien, der dem Aeneas auf dessen Fahrt nach Italien alle Liebe erwiesen. Er that

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solches um so viel lieber, weil er selbst seinen mütterlichen Ursprung von den Trojanern her hatte. Denn als dem Ungeheuer, welches Neptun dem Laomedon auf den Hals schickte, eine trojanische Jungfer nach der andern zu verschlingen gegeben werden mußte, so thaten die Einwohner ihre Kinder lieber von sich, als daß sie dieselben auf eine so elende Art umkommen ließen. Unter solchen nun nahm auch Hippoteus, oder wie er sonst genannt wird, Hypsostratus, seine Tochter Egesta; und, weil er sie nicht hinweg bringen konnte, so setzete er sie auf ein Schiff, und ließ sie auf gut Glück hinfahren. Sie kam also nach Sicilien, woselbst sich der Fluß Crimisus nach einigen in einen Bär, nach andern aber in einen Hund verwandelte, und unter solcher Gestalt mit ihr diesen Acestes zeugete, welcher denn endlich selbst König in besagter Insel wurde, und insonderheit auch die Stadt Egesta seiner Mutter zu Ehren erbauete. Virgil. Aen. I. v. 550. et ad eum Servius l. c. Conf. Hygin. Fab. 273.
 
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ACHAEA, Gr. Ἀχαιὰ, ᾶς, ein Beynamen der Ceres, den sie von der Angst und Betrübniß bekommen, als sie ihre Tochter die Proserpina verloren hatte, wie denn ἆχος eben dergleichen Gemüthsbeschaffenheit bedeutet. Gyrald. Synt. XIIII. p. 426. Sie wurde unter diesem Namen insonderheit zu Athen von den Gephyräern, die sich dahin geflüchtet hatten, Herodot. Terpsich. p. m. 302. noch mehr aber in Böotien verehret, woselbst man ihr insonderheit das Fest μεγαλάρτια zu Ehren feyerte, welches den Namen von den μεγάλοις ἄρτοις großen Brodten hatte, welche man dabey aufsetzete. Spanhem. ad Callim. Hym. in Cererem v. 672.