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bis Mästsöu (Bd. 2, Sp. 314a bis 315a)
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Artikelverweis  s
1. n. des Art. verkürzt aus ªs allg.
2. Pron. verkürzt aus ës, s. d.
 
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Saira, Sairasa [Saira Str.; Sairà Rapp.; Sèirà Hattst.; Sæirâ Betschd. Bühl Ndrröd.; Sairasa Ingw.] m.
1. Spottlied Hattst.
2. Rda. Eim deⁿ S. lëseⁿ (ʰeralëseⁿ Rapp.) Vorwürfe machen, zurechtweisen Str Kumm nur, dir will ich deⁿ S. singeⁿ durchprügeln Betschd., auch mit Worten abstrafen Ingw. — Nach dem Kehrreim des frz. Revolutionsliedes (Carillon national) von 1789: »Ah! a ira, a ira, a ira! Les aristocrats à la lanterne!«
 
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, se [sæ Olti. Steinbr. Su. Hag. Lobs.;Liebsd. Mü. Geberschw. Hlkr. Logelnh. Dü. Horbg. Ingersh. Barr Bf. Str. K. Z. Dehli.; sa Hindish. Illk.; Pl. san(t) Su. Dü., san Co., sąį M., santə Felleri. Illk., sèntə K., sènt u. sèntə Z.] Interj. hier, da hast du, nimm, im Gebrauch ganz dem frz. tiens, tenez entsprechend. Se, do hes e Su, hol mⁱr e Sigar! Hf. Se hes! das geschieht dir recht! Schadenfroh: Se, do hes! das ist recht! Su. Sänte, iʰ gib üʰ dene Tisch für e Mark anstatt für 30 Su (1,20) Barr. ‘sä — sänn’ Klein.Basel 267. S. Swz. 2, 296. Schwäb. 444. Bayer. 2, 201: got. sai.

se se Lockruf
1. für Ziegen: Mutti, se se! Su.
2. für Rinder: Se se, Bläss, Geberschw. M. Z. Dehli.
3. für Schweine: Heiz, se se! Lobs.

säha [sèha Hi.] Interj. Zuruf an die Zugtiere: links herum!
 
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PfWB LothWB RhWB Saü, Soü, Söü, Süi [Soi Hi. Lutterb. NBreis.; Sày Felleri.; Sòi Ruf. Hirzfn. Obhergh. Gebw. Su. Hlkr. Dü. Rapp. Mark. Bf.; Sòy Co.; Sùi M.; Sy Geud. Han. Obbr.; Søy K. Z. Wh.; Saù Ndrröd.;

[Bd. 2, Sp. 314b]


Pl. Sèj Mü. Co., Søwə Wh., wie Sing. M. U.] f.
1. Schwein, Sau. Si is drëckiger aˡs e Soü, wo drei Wucheⁿ nit gemistet gha het Ruf. ‘De hungrije Soüe trähmts vam Ecker’ Dehli. JB. XI 62. Rda. u. Spw.: Er macht alles lër, wie e S. isst alles auf Gebw. Wenn d S. gsoffeⁿ het, gheit si dr Kübel um, sagt man scherzend, wenn einer sein geleertes Glas umgekehrt auf den Tisch setzt, zum Zeichen, dass er nicht mehr trinken will Dü. Wëⁿⁿ mr siʰ under d (in deⁿ Co.) Kleieⁿ mischt, frësseⁿ eⁱneⁿ d S. Barr; s. auch Kleieⁿ. Der geʰt mit iʰm um, wie d S. mit eⁱⁿme Bëttlsack unsanft Obbruck. Ich möcht uf dr S. furt! mir geht die Geduld aus Hag. Obbruck. ‘Möcht m'r do nit uff d'r Söej furt, wenn m'r ken Schwanz im Stall het?’ möchte man da nicht aus der Haut fahren vor Ärger? Elsass 1892, Nr. 36, Seite 3, ebenso Roppenh., Var. keⁱⁿ Hor Hlkr., keⁱn Bürst Dunzenh. Ingenh. ‘Mer mennt, mer misst uf der Soü furt, un wann mer ken Ferkel im Stall hat’ W. JB. XI 39. Ankummeⁿ wie d S. im Judeⁿhus schlecht aufgenommen werden Lützelstn.; ähnl. Dehli. JB. XI 40. Als. 1850, 31. ‘Sie komme-n-an mit ihrem G'schmuus Grad wie e Söu in's Juddehuus!’ Hirtz Ged. 165. Von jem., der eine schlechte Erziehung genossen, heisst es: Er is bi deⁿ S. ufzogeⁿ woreⁿ Su. Ebenso: Mit deⁿ Säüeⁿ gfrësseⁿ han Steinbr. Wird jem. allzu vertraulich oder auch grob angeredet, so verwahrt er sich dagegen: Ich ha noʰ keⁱⁿ S. mit dⁱr ghüeteⁿ Mittl. Ähnlich spricht die Mutter zum ungeratenen Sohn: Mr meint grad, iʰ hätt d S. mit dⁱr ghüeteⁿ NBreis.

[Bd. 2, Sp. 315a]


Verwünschung: Wënn dich nummeⁿ d Sei frësseⁿ täteⁿ! Co. A. im Gespräch So?! B. führt scherzend weiter aus: [Sòi haist t Fròi, t Màkt Mûr, tù hamər ʿSpak fers kànts Jûr] Dü. s stusst mⁱr nüechterling uf wie es Müllers S. am Noʰmittag Su. In Verbindung mit Subst. u. Adj. bedeutet S. eine Steigerung des Begriffs: Soüarweⁱt, –glück, –kälte, –wëtter; soügrob, –kalt, –voll, –woʰl allg. Andere Zss. Soüboʰn, -disleⁿ, –glock, –hund, –käs, –kübel, –mageⁿ, –stall, –teüfel, –triber, –wurst. Flurnamen mit Sui zusammengesetzt M. JB. IX 212.
2. Ass im Kartenspiel. D S. suecheⁿ ein Spiel aus der Kunkelstube Hi. Ruf. Co. Dü. JB. XIV 144. Hërz Soi, Kritz S., Schüfl S., Eckstein S. Weier aufm Land.
3. Scheltname für ein schmutziges Frauenzimmer allg., für ein schmutziges Kind, halb scherzh. Olti. Zss. Saübaschi. — Basel 270. Bayer. 2, 198. Hess. 338.

Demin. Säüle [Sèilə Olti. Pfetterhsn.; Sejalə NBreis.; Seila Hirzfn.; Sæjla Su.; Sèila Dü. Rixh.; Seilə M.; Sejl K. Z.; Sèjl Han. Kindw.; Sæijl Bühl Ndrröd.; Sæiləliχ Schleit.; Sæiχl Aschb. Stundw.; in der Kinderspr. Sili Fisl.] n. kleines Schwein. ‘D'r Metzgher het s Seïle g'stoche’ aus einem Kinderliedchen Riedish. Stöber Volksb. 81. Zu einem schmutzigen Kinde sagt man: Gël, s S. het diʰ gwäscheⁿ? Su. Wirft man die Tasse um, so heisst es: Du hes s wie d Säüleⁿ, wëⁿⁿ si gnue hän, se gheieⁿ si s Trögle um Su. Zum Kinde: Gang ewëg, suⁿst s Silli bisst diʰ! Fisl. Er het Säüler [Sèilər Pl.] gmacht er hat sich in der Betrunkenheit erbrechen müssen Dü. s. auch. Heiz, Heizle.

Bratsöu [Prótsy Str.] f. Bratpfanne, auch für Gänse usw.

Drëcksaü, Drëcksöü f. unsauberes Frauenzimmer.

Fëldsäüle n. Hamster Hirzfn. Rixh. s. auch Kornfërle.

PfWB Mästsöu f.
1. Mastschwein K. Z. Ndrröd.
2. häufiger übtr. Schimpfwort für ein dickes, schlampiges Weib Dunzenh.