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raü bis roüisch (Bd. 2, Sp. 215a bis 216b)
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Artikelverweis  PfWB RhWB raü, roü [rài Urbis Ensish. Ruf. Bf.; râi Su. Obhergh. Bf.; rói Hlkr. Co. Horbg. Dü.; roi M.; rì Bisch.; r Geisp.; rỳ Str. Lützelstn.; rǿỳ K. Z. Betschd. Lobs.; røỳ Wh.; raù Lorenzen] Adj.
1. roh, ungekocht (Fleisch, Obst u. ä.). Mues keⁱⁿ r. Óbs ësseⁿ! Ensish. Roüe Ërdäpfl M. Roüi Hërdäpflschälte Schalen von rohen Kartoffeln Dü. s Ross is vum Kummet an dr Brust ufgriweⁿ, ass mr s roü (od. roüe) Fleisch sieʰt ebd. R. Fleisch, Syn. wild Fleisch Granulationen, Fleischknospen einer durch Eiterung heilenden Wunde Z. Spw. Wi mr r. is, so is mr auʰ gkocht der Charakter eines Menschen ist in allen Lagen derselbe Hf. ‘zwey pfunt röwes rintfleisches’ Str. 1390 Brucker 201. ‘die trübel rou und unzitig blibent’ Chron. 133. ‘Raw rudis’ Dasyp. wo auch rohw oder rew werden. Sprechübung: Z Basl uf dr Rʰiⁿbruck ligt e raüi Reʰlëwer Obhergh.
2. rauh: das is r. Wëtter Ensish. Bf. E raüeʳ Hals Bf.
3. heiser Lohr.
4. ungebleicht: röuer Näz Faden Hf.; r. Tuech mit dem die Herrenkragen der schwarzen Röcke gefüttert werden, damit sie steif bleiben Horbg. Z.
5. vom Schweisse leicht angefeuchtet: e r. Hëmb M.
6. ungebildet, hart: e raüer Mensch Bf.
7. Adv. r. bräglti (Hërdäpfl) rohe Kartoffelschnitten direkt in Butter gebacken, im Ggs. zu den bräglteⁿ H. Dü. Zusännele, du bis e nëtts Teüfele, iʰ könnt diʰ r. frësseⁿ Horbg. ‘vnd rauw frisst jhn auch kein

[Bd. 2, Sp. 215b]


Teuffel’ Mosch. I 657. — Basel räu. Bayer. 2, 85.

räʰ, s. räch.
 
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real [reâl Logelnh. Ndhsn.] Adj. rein: dëʳ Wiⁿ is r. Logelnh.; wahr, wahrhaftig: du bis e realer Narr Ndhsn.Basel 301.
 
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PfWB LothWB RhWB reüeⁿ, röueⁿ [rejə Liebsd. Mü. Hlkr. Hf.; ræjə Su.; rojə Logelnh. Geberschw. Dü. Bf.; rùiə M.; rèjə Ruf. Bf. Barr Str. Betschd.; røjə K. Z.; røwə Wh.; raùə Wingen]; Part. g(e)—eⁿ Su. Geberschw. Logelnh. Dü. Bf. K. Z., groüt Logelnh., gereüt Barr Hf.
1. reuen. ‘reie’ St. Mäder. In Sprache und Sittenbildern geschildert von Adam Mäder ... hg. v. Aug. Stöber, Mülhausen 1876. 106. s reüt, röut, raut miʰ allg. s het miʰ groüeⁿ Su., geröujeⁿ Betschd., geröut Wh. Dëʳ dumm Streich roüt miʰ hüt noch Bf. Dëʳ Handl het miʰ schuⁿ gnue groüeⁿ Dü. Wenn's nit nimms, reüt's diʰ Ruf. s is miʰ schuⁿ vilmüol geruieⁿ es hat mich schon oft gereut M. JB. IV. 77. ‘hat sie gar oft gerawen’ Ott von Wattweiler, Lied vom Geckenkrieg 1525, Strophe 11. ‘Schweigen hat nie keynen, aber Reden vberaus vil gerauen’ Fisch. Ehez. 305, 2 (p. 5ª). ‘es hat mich mehr alß Tausentmahl gereuen’ Mosch. II 875. ‘hat es euch nicht gerauen schon’ Co. 1675, Als. 1868, 400.
2. leid tun, dauern: dëʳ arm Teüfl reüt miʰ, ass s ⁱʰm so schlëcht gangeⁿ is Liebsd. ‘Als es ihn (Papst Johann XXIII.) bald härnach geräüwete’ Petri 99. ‘(es) hat diese Auffrüehrer dieser schrifft gerauwen’ Petri 410. — Basel reuje. Bayer. 2, 2.

[Bd. 2, Sp. 216a]


bereüeⁿ, beröueⁿ bereuen, Du mues’s b. du wirst es schon noch b. Winzenh. Bedënk dich gutt, eb ass d ja sas, schuns beröus’s, wann's ze spot is Lützelstn.

verröueⁿ [fərøwə Wh. Dehli.] refl. bereuen: Ich hon mich schun deck (oft) veʳröwt driwwer, ass ich dis gsat hon Wh.; vor Leid vergehn: Dër hat sich fast verröüt Dehli.

PfWB LothWB RhWB Reü [Rei Steinb. Stossw.; Rèi, Pl. Rèjər Mü.; Rèì Str.] f. Reue. D R. is e Hund, ass sⁱe nit früejer kummt Steinb.; d R. is e hinkeⁿdeʳ Bott usw. Stossw. D R. kummt hindeⁿ nōch wi e fuler Hund Str. De Röwe un de Rückkörw kummeⁿ hingeⁿ naʰ Hirschland JB. V 137, 68. ‘Fïr d räi ïsh nïmä zit’ Landsman Lied. 76. ‘gewere ruwe’ aufrichtige Reue Str. 1472 Brucker 326. ‘ruw’ Geiler P. II 8. — Bayer. 2, 2.

Reüer, Roüeⁿ, Röüeⁿ(s), Raueⁿ [Ræjər Su.; Rùiər M.; Rojər Dü. Rapp.; Ròjə Bf.; Rjə Betschd.; Røjə K. Z.; Rèjə Han.; Raùə Wingen; Rœỳə Ndrröd.; Røyəs Hag.] m. Reue. Dr R. is e Duppi [Typi langsamer Kerl], r kummt āls hindenoʰ (od. z spot) Dü. Dr R. un gueteⁿ Rot (Ratschläge) kummeⁿ allewil z spot Rapp. Dr R. is e fuler Hund, ër kummt hindeⁿ nōʰ Bf. Dr R. is e Schelm Betschd. Deⁿ R. bekummt mr nit bezaʰlt Hf. ‘s Herz voll vo Reier un vo Sorge’ Lustig I 74. Scherzh. ‘E güeter Räjen isch niemole schlecht!’ Han. JB. XI 142. Spw. Besser mit R. dheim aˡs mit R. drus besser eine Ware mit Reue verkaufen als sie mit Reue behalten und nachher nicht mehr losschlagen können Bf. Ich hab meʰʳ R. aˡs Hor uf m Kopf Ingenh. Ndrröd. Wënn r so vil Eiseⁿ (Geschwüre) am Hindereⁿ (am A.) hätt aˡs R., könnt r nimmʳ sitzeⁿ Dü. Rapp. Vor d Raueⁿ git mr eim nix Wingen. R. bekummeⁿ Reue empfinden Hf. R. han Hag.Basel 237 der Reuje. Eifel das Rauen.

röueⁿs [ryəs Hag.; røwəs Tieffenb. Wh.] Adj. präd. reuig: r. wëreⁿ Reue empfinden, zu bereuen anfangen.

reüig [rèiχ Str.; røjə K. Z. Han.] Adj. präd. reuig: r. sin, r. wëreⁿ von einem Vorsatz od. Vorhaben abkommen, spez. vom Handel abstehn, Reugeld bezahlen. Ich hab e frischs Ross welleⁿ kaufeⁿ, jetz bin

[Bd. 2, Sp. 216b]


iʰ awer wider r. woreⁿ Hf. ‘no wursch au niemmi reïg’ Horsch JB. VIII 192. — Basel reujig.

roüisch [roì Geberschw.; roi Kerzf. Co.] Adj. präd. reuig.