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mä bis Gänsemaieⁿ (Bd. 1, Sp. 637a bis 638b)
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Artikelverweis  , ämä [ma Scherw.; m Rapp.] in der Kinderspr. eine in unartigem Tone gegebene verneinende Erwiderung = ich will nicht, wenn ich nur wollte, es fällt mir nicht ein. Gi in dim Schwesterle dr halb Äpfl! — Antw.: ämä! Rapp.
 
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[mé Katzent.;K. Ingenh.;Hf.] Interj., welche in der Kinderspr. das Blöken des Schafes bezeichnet. Davon abgel. s Mälämmele Schaf Hf.
 
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Mai I, Maieⁿ [Mái Mü. Bühl; Mai O. Str.; Mæi U.; tr Maija Su.; Mèiə M. Ingersh.] m. Mai. E küeʰleʳ M. bringt vil Laüb un Hai (Heu) Ruf., vil Frucht un Hai Hi. Geberschw. Im Meieⁿ git's vil Meieⁿ Blumen Ingersh. Zss. Maiatzel, –käfer, –luft, –blüemel, –rëgeⁿ. Wetterregel: s is keⁱⁿ Maieⁿ so güut, s schneit äm Hirt naʰ (noch) uf deⁿ Hüut auch im Mai kann es noch schneien Mb. JB. VI 149. ‘Im Meyen kompt die Son z zweien’ tritt in das Zeichen der Zwillinge Fisch. Prakt. 18. ‘Man hat den Mey gern kiel und nass, der füllt kisten und fass’ Str. 1625 JB. VII 112. ‘Den Meyen voll wind begert das baurengesind’ Fisch. Prakt. 18. Über Maigebräuche s. JB. III 126; VI 168; X 226; XII 196. — Schweiz. 4, 1. Bayer. 1, 1549.

Maieⁿ [Maiə O. Str.; Mèiə M. Ingersh. Illk.; Mæiə K. Z. Han. Weyersh.] m., Wittenh. f.
1. Blume, Blumenstrauss O. Str. Du hes e schöner M. uf m Huet Liebsd. Dü. N-e nëtt Maiele ein schönes Blümchen Heidw. Kingeli, leg diʰ weigliʰ aⁿ, mues drnoʰ n-e M. haⁿ Sier., s. auch Zibelewäjeⁿ. Die M. schmeckt

[Bd. 1, Sp. 637b]


(riecht) guet Wittenh. s het e schöner M. gebundeⁿ Str. Syn. Struss Rchw. und U. ganz allg., wo M. in Bed. 1 unbekannt ist, auch Buscheⁿ. ‘Meygen und Grass’ 1515 Mieg II 136. ^'sie (die Liebenden) schicken einander meyle' Geiler Narr. 129 (LXI schar). ^'Servia ein streußlein oder meylein auß Blumen' Gol. 412. ^'.. decretiert worden, dass hinfüro bey dem Taüffen kein Kindlinssbrod vnd keine Meyen noch anders praesent .. gegeben werden' Joner 12. ^'Fïr das vo shaidät (stirbt) foor acht taag Gït s maaiä vas äs vïnshä maag' Landsman Lied. 21.
2. Maibaum, ein mit Blumen und Bändern geschmückter, frisch abgehauener Baum oder grösserer Zweig, wie er im Elsass bei mannigfachen freudigen Anlässen in Gebrauch ist:
a) Am 1. und am 31. Mai ‘steckt’ der Bauernbursche seiner Geliebten einen M., meist hoch oben auf dem Dach oder über der Thoreinfahrt Illk. K. Z. Han.; in Weyersh. am Vorabend von Christi Himmelfahrt Als. 1850, 139. Als Zeichen der Verachtung werden aber auch Schandmaieⁿ gesteckt, namentl. für Mädchen von lockerem Lebenswandel; statt der Blumen sind dann an demselben allerhand sonderbare Gegenstände befestigt, z. B. Strohwische, alte zerrissene Strümpfe, krepierte Gänschen u. s. w. K. Z. Han. CS. 71. Über M. an Hochzeiten s. JB. III 134.
b) früher allg., jetzt seltener wird dem neuernannten Bürgermeister und seinem Beigeordneten zum Zeichen ehrender Freude ein M. vor dem Haus aufgestellt Olti. Hi. Hlkr. Ruf. Su. Osenb. Dü. Rchw.

[Bd. 1, Sp. 638a]


Mü. St. Mäder. In Sprache und Sittenbildern geschildert von Adam Mäder ... hg. v. Aug. Stöber, Mülhausen 1876.. Bisweilen stellen die Burschen auch einen M. vor dem Hause des Wirtes auf, bei dem Tanz stattfindet Hf., besonders die Gestellungspflichtigen am Tage vor der Aushebung: D Kunskri han im Wirt e M. gsteckt Illk. Sprw. Wem mr nit hold is, steckt mr keⁱnⁿ M. Hf. Ich hab ⁱʰm keⁱnⁿ M. gsteckt Str.; iron. Dëm ha-n-iʰ e M. gsteckt! einen Streich gespielt Hi.
c) am Pfingstfest zieht die Schuljugend in getrennten Abteilungen — die sog. Pfingstenknechte — unter Absingung eines Bittliedes im Dorfe umher mit einem M. und sammelt Eier, Speck und Wein, um nachher entweder zu teilen od. gemeinschaftlich alles mit einander zu verzehren K. Z. Han. Über Pfingstgebräuche und Pfingstlieder s. Als. 1850, 143; JB. II 186; III 128; V 154; VI 167; VIII 163; X 227. ERW. 1839, 224. ‘Aie Bubbaie, Am Summer geht der Maie. Wenn andri Maide danze gehn, Muess i bi d'r Wagle stehn’ aus einem Wiegenliedchen Obbr. Stöber Volksb. 19. Über eine ähnliche alte Sitte in Thann s. ERW. 1839, 372.
d) am Fronleichnamstage stellt man an den Seiten der Strasse, durch welche die Prozession kommt, Maieⁿ auf Hi.
e) Auf dem letzten Erntewagen errichtet man einen M., d. i. ein Bäumchen od. einen grossen grünen Zweig Liebsd. Hi.; diese letzte Wagenladung heisst davon bisweilen selber M.: Hüt holeⁿ mⁱr dr M.! das letzte Getreide, Futter Roppenzw.; in der Heu- und Grummeternte werden alle vier Ecken des letzten Lastwagens mit M. geziert Z. Dachstn. JB. III 140.
f) am Kirchweihfest wird auf einem freien, ebenen Platze im Dorfe ein M. aufgerichtet, der sog. Kilweⁿmaieⁿ Su. Osenb.; zur Eröffnung des Messti werden drei (näml. Tänze) um den M., auch Messtibaum genannt, getanzt.
g) wenn der Dachstuhl eines neuen Gebäudes aufgerichtet ist und die Latten festgenagelt sind, wenn ‘aufgeschlagen’ ist, wie der technische Ausdruck heisst, K. Z., oder wenn das Gerüst fertig ist Brum., wird ein mit Bändern, Taschentüchern und Halstüchern, sog. Foulards, geschmückter M. hoch oben auf der Dachfirst errichtet; sodann thut der Zimmermeister den Spruch auf dem Dache, den er mit einem Trunk beschliesst, nach welchem er das Glas zur Erde niederwirft,

[Bd. 1, Sp. 638b]


und zuletzt wird der Festimbiss eingenommen Dunzenh. Ingenh. Han. JB. III 140. ‘Si pflanze-n-e grosse Maye-n-uf’ Pfm. I 3. — Schweiz. 4, 2 ff. Schwäb. 370. Bayer. 1, 1550. Eifel. Westerw. Maybaum.

Aʰmdmaieⁿ m. Herbstzeitlose, Colchicum autumnale Olti.

Ankeⁿmaieⁿ m. Sumpfdotterblume, Caltha palustris Roppenzw. Hi. Wittenh. Ensish.; Demin. Ankeⁿmaiele Lutterb. Su. Syn. Butterbluem U.

Chuemaieⁿ m. Kuhblume, Löwenzahn, Taraxacum officinale Rädersd.

Ërnermaieⁿ m. gezierter Baum auf dem letzten Erntewagen, der nach Hause gefahren wird; die Knechte sitzen auf dem Wagen und singen und jubeln Hlkr. An den E. hängt die Hausfrau Geschenke für das Gesinde Dachstn. JB. III 140.

Eselmeieⁿ Pl. Chrysanthemum leuc.

Ëssmaiele n. Blüte der Akazie. Die Akazienblüten werden ihres grossen Honiggehaltes wegen von Kindern oft gegessen, auch in Kuchen gebacken Ruf.

Gänsemaieⁿ m.
1. Massliebchen, Bellis perennis Hlkr. Ingersh. Demin. –maieli Banzenh., –maiele Obhergh. Um zu erfahren, wohin man nach dem Tode kommt, werden die einzelnen Blättchen der Blüte ausgezogen mit den Worten: Himmel, Höll, Fëgfür u. s. w. Banzenh.
2. Wucherblume, Chrysanthemum leucanthemum Hlkr.