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g(e)- bis aⁿgeʰnig (Bd. 1, Sp. 187a bis 189a)
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Artikelverweis  g(e)- [k- O.; in U. kə- und k-: k- vor Vokalen, f, h, k, s,  Str. K. Z., auch vor den übrigen Kons. ausser d, t Betschd. Bühl]
1. bildet mit Infinitiven im Genitiv Collectiva meist tadelnden Sinnes, welche eine Wiederholung oder ein Andauern bezeichnen: [Kfârs Dü.], Gepappls Schwätzerei, Gedokters das Medicinieren, Gedrängs Drängen, Gereds Gerede, Gemachs (überflüssiges oder auf den Schein berechnetes) Thun; Ghüls Heulerei, Geläufs Lauferei, Gsings Singerei, Gsuffs Sauferei, Gutz Fopperei; vor Adj.: e Gelangs un e Gebreits Z.
2. vor Verben der Sinneswahrnehmung: der ghört deⁿ Guckuck aʰ nimmeʰʳ krischeⁿ Dehli.; gsëʰne sehen Str.; gspüreⁿ U., vgl. gsëʰⁿ, gspürn: Schweiz. 2, 46. Schwäb. 223.
3. vor anderen Verben: ogsteʰn schal werden, von Flüssigkeiten, vom Scheiden der Sahne und der Milch; usgsteʰn ausstehn, leiden; ogschirreⁿ abschirren Ingenh.
4. vor subst. Sammelnamen: Gelust Lust, Gschicht Schicht, Gschmuck Schmuck, Ongstalt Anstalten, Gstell Stelle, Gstift Stift, Gstöck Stockwerk, Gspass Spass, Gschwell Schwelle, Gewilber Wildbrett K. Z.
5. vor Adj.: getüchti tüchtig Dunzenh. Ingenh.
 
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gaⁿ, geʰ(n) [kó Olti. Fisl. Sier.;Pfetterhsn. Hi. Steinbr. Heidw. Lutterb. Gebw. Ruf. Co. Ingersh. Bf. Dü.;Steinb. Geisp.; kiè M.; kén Str. K. Z. Gundersho. Wörth Betschd.; kên W. Präs. 1. Sg. kà Fisl. Hi. Steinbr. Lutterb. Ruf. Hlkr. M. Ingersh.;Niedermuspach; kìw i Ingersh.;Co. Dü. U.;W.; 2. kó Sier.; kiè M.; ké Lutterb.

[Bd. 1, Sp. 187b]


Ruf. Hlkr. U.; kê W.; 3. kót Olti. Uffh.; kièt M.; két Hi. AThann Heidw. Lutterb. Ruf. Banzenh. Hlkr. M. U. kêt W.; Pl. kén Lutterb. Ruf. Hlkr. Str. U.; kien M. Imper. 3. Sg. kà Mü. Ruf. Obhergh. Hlkr. M.;U.;W.; 1. Pl. ké mər Ruf. U. 2. Pl. ként Mü.; két Ruf.; kén U.; Conj. Prät. 1. 3. Sg. kiè S. Co. Bf.; kìa Steinb. Hlkr. Dü.; kè M.; kî Betschd.; ké Hf. Lobs.; két, ká Hf.; kát K. Z.; kæt Str.] gängd Pfm. II 6; giengt Pfm. IV 6. Wëⁿⁿ mr s Wochs zwei öder dreimol gingt, no (dann) ging's Betschd. [Pl. kìètə Bf., kéə, kétə Lobs.] Part. (bin) kàə Lutterb. Ruf. Co. (s hàt) kà Wh. ‘wie ists doch gangen’ Fisch. Flöhh. 45. ‘Es ist mir ... gangen wie allen Elenden’ Mosch. II 879. Dunzenh. Z. Wortspiel zur 1. Pers. Pl. Ind. Präs.: Geʰⁿ mⁱr? seid ihr alle bereit zum Fortgehn? worauf ein anderer erwidert: Gemer (d. i. Gemar) is nit wit vuⁿ Ostʰeⁱ Rapp., nit wit von Colmer — Verwechselung mit geben s. an geʰn, us geʰn.
1. gehn. Was mr vur vierzig Joʰr faʰrt, muss mr naʰ vierzig geʰn Dehli. Geʰt s? geʰt s bi-n-üʰ? geʰt s allewil? Gruss beim Vorübergehen zu Leuten, die bei der Arbeit sind Su. Antworten: Jo, ne bissle, ne wenigle Hattst. Wie allewil Kembs. Als gmach, wie s Gëld chunnt, aber s chunnt gar gmach Liebsd. Merci, s geʰt guet bis s besser kummt Dollern. Ne so. So la la. Eso leidlig. Wie s mag. Schlëcht gnue Gewenh. Wie mr s tribt Krüth. Jo, wenn s will Orschw. Uf zwei Beineⁿ

[Bd. 1, Sp. 188a]


Hirzf. Uf deⁿ Köpf (der Schuhnägel) Damb. Geʰt s eso? Neiⁿ, es leit (das geschnittene Korn) antworten Schnitter Heidolsh. Neiⁿ, mⁱr trajeⁿs antworten Leute, die etwas tragen Elsenh. Geʰt s guet? — Wënn de nit lachs Elsenh. Wënn s e bitzele besser tʰät geʰⁿ, könnt mⁱr s nimme us halteⁿ Mü. Geʰt s sëlbander? Frage an einen Bauern, der mit einem Ochsen zu Acker fährt; natürlich erfolgt keine Antwort AThann. Auf die Frage: wie geʰt s? antworten alte Leute: s geʰt aⁿfangeⁿ awe mit mⁱr Wittenh. od.: im (dem) alteⁿ Hufeⁿ zue (zum Sterben) Blotzh. Uffh. AThann. Von der Arbeit: s geʰt wie gschmiert allg., wie am Rädle Gebw., Rädl K. Z. Beim Kartenspiel: s geʰt nit! Erwiderung: Wann's nit geʰt, sell's ritteⁿ! Hf. s geʰt iʰm us deⁿ Händⁿ er arbeitet gut und schnell Su. Das geʰt dauert noʰ lang Hi. Mr siʰt iʰm s Mul g. man sieht ihn reden, hört ihn aber nicht Str. Abweisung: Geʰ oder ich lach dich us! Geʰ tapfer druf los Str. Geʰ häm Batareⁿ schwitzeⁿ! Rauw. ‘Gang geh Band (Weideruten) haue’ pack dich fort! Mü. Mat. 46. Geʰ furt un sa, d bis do gsin Str. Gang heim, trink eins! Deutung des Elfuhrläutens Ruf. Dernoʰ kaⁿⁿst g. dann magst du zusehn Hi. Los miʰ bal goʰⁿ? lass mich in Ruhe Olti. Loss dis Ding geʰn lass die Sache gut sein Hf. Mit Präp.: in deⁿ neüjeⁿ g. auf die Dörfer gehn um neuen Wein zu trinken; in s Küechl g. um Fastnachtsküchlein zu essen Str. Er geʰt in s 47. Joʰr er ist 46 Jahre alt Hf. ‘I geh in's acht e fufzi'st Johr ererst’ Pfm. II 2. In d Forb g. zum Färber gehn Geud. Mr is keⁱⁿ Christ, wäⁿⁿ mr nit iⁿ di Killich gieʰt M. JB. X 250. S geʰt (stark) uf elf es ist lange zehn vorbei Hf. Der geʰt neweⁿ deⁿ Lüteⁿ nus un seit nit Hund un nit Narr grüsst nicht Z. Zue eⁱnander geʰn von Liebenden: sich den Hof machen Hf. Se is gangeⁿ mit iʰm (nicht mit iʰm gangeⁿ) sie war damals mit ihm schwanger Hi. S geʰt mit eiⁿm ist schwanger Z. D Pfirschi geʰn mit deⁿ Trüwleⁿ reifen zu gleicher Zeit Ingenh. ‘wann der schaffener über die briefe gän wil, soll er die pflegere besenden’ Str. 1446 Brucker 274. Das geʰt um d Kirseⁿ die Kirschen finden guten Absatz Liebsd. S geʰt von eiⁿm wie Wasser bei

[Bd. 1, Sp. 188b]


starkem Durchfall Co. z Grab geʰⁿ an einem Begräbnis Teil nehmen Pfetterhsn. z Opfer geʰⁿ um den Altar gehn zum Opferspenden Su. z Weid g.; z nüt (nix Ruf.) geʰⁿ zu Grunde gehn, erfolglos bleiben Geberschw.; futü g. zu Grunde gehn, crepieren. Er kann geʰn (sterben), wënn er will Hf.
2. mit Dat. passen, anstehn. s geʰt eiⁿm (von Kleidung und Manieren); ironisch: dis geʰt dir wie iⁿ ⁱme Hätsch (einem Eber) e Kummet Lobs.; s geʰt iʰm wie e Häriⁿ in eime Fokol einem Faux-col; willkommen sein: ‘Das geht dr Fraü grad’ = a lui va Lustig I 101. ‘das Bett, das fine, das wird'm geh’ ds. I 253. ‘’s geht ’m glaüb nur halwer, Eüch do az'treffe’ es passt ihm nicht ganz ds. II 23.
3. S geʰt im Hus ein Gespenst geht um Mutzig.
4. Umschreibung des Futurum: der geʰt um (wird ihm) de Mänung saueⁿ Dehli. s Kind geʰt schlofeⁿ schläft ein. Was geʰn mir macheⁿ? Wh. Hüt geʰⁿ mⁱr verreⁱseⁿ heute verreisen wir Rauw. goʰⁿ, geʰⁿ wird in O. einem Verbum der Bewegung hinzugefügt, um Absicht, Ziel oder Art und Weise zu bezeichnen. Er kummt geʰ z riteⁿ, geʰ faʰreⁿ Stöber. Lue wie deʳ kommt geʰn tschienkeⁿ Rapp. Iʰ geʰ geʰⁿ badeⁿ Horbg., luegeⁿ Ruf., iʰ bin gangeⁿ geʰⁿ höreⁿ um zu hören Dü. [I kà kè Pryot khoifə M.], wozu Mankel S. 57 das frz. je vais aller vergleicht und ‘ich bin im Begriffe zu gehen’ übersetzt. — Schweiz. 2, 1. Schwäb. 224. Bayer. 1, 858.

gändig [kæntik M.] Adv. kürzlich, neulich.

PfWB LothWB RhWB ab geʰn
1. sich absondern: statt Wasser geʰt Bluet ab Bf.
2. weg laufen Zinsw.
3. ausgehn, auslöschen: s Für, s Liecht geʰt ab Bf. ‘D’ Welt gieng jo ab’ die Menschheit würde aussterben Lustig I 112.
4. ausser Gebrauch kommen: der Gebruch is ab gangeⁿ Su.
5. Dis geʰt dⁱr nit lër ab dafür bleibst du nicht ohne Strafe Bf. Schweiz. 2, 8.

abgeʰnig Adj.
1. im Veralten begriffen (Mode) Su. Ingersh.
2. als unbrauchbarer Rest übrig bleibend: s abgeʰnige (das übrig gebliebene) Ësseⁿ Hlkr.

abgëʰnd [àpkant Olti.] Adj. wertlos. — Schweiz. 2, 9.

abgëʰndig, abgängig [àpkantik Olti. Bf.; ôkai K. Z.] Adj. abgängig, dem Verderben entgegengehend: ªs a. Ësseⁿ,

[Bd. 1, Sp. 189a]


abgändigi Chleider Olti.; von Obst: abgefallen, minderwertig Bf. K. Z.Schweiz. 2, 337.

abe geʰn abwärts gehn und zurückgehn (in Vermögen oder Gesundheit). Dëʳ geʰt d Matteⁿ, d Schissgass abe Banzenh. Er geʰt hindeⁿ awe Steinb.Schweiz. 2, 10.

PfWB ʰⁱna geʰⁿ abwärts gehn; bildl. sein Vermögen verlieren, dem Tod entgegen gehn. Er geʰt d Matteⁿ na stirbt bald; er geʰt ëne [âna Su.] na. S geʰt na zue mit iʰm er geht dem Ruin entgegen Rapp.

an geʰn intrans.
1. beginnen, anfangen: morn geʰt d Schuel wider an; auch trans. was soll mr do angeʰn? Wh.
2. in Brand geraten: [Wù e s kàə? M.] Dis Hus is nit alleiⁿ (von selbst) aⁿgangeⁿ Su.
3. ausbrechen (von einer Blutung): s is iʰm en Oder angangeⁿ Hf.
4. anstossen, falsch ankommen: do könnt mr schön an geʰn! Hf.
5. nicht missfallen: s geʰt an das lässt sich hören Str. ‘wenn noch en Eierkuche un Win, un Brod, und Fleisch derbi wär, gäng's schun an!’ Wasselnh. 1817 JB. XI 73. Das geʰt ⁱʰm aⁿ passt ihm, ist Wasser auf seine Mühle Hi. Trans.
6. ansprechen, ersuchen: ich hab ⁱʰne drum an gangeⁿ Hf.
7. zugehören: er geʰt miʰ vom Vater hëre noch e bissl an Hf.
8. berühren, betreffen, bekümmern: das geʰt mich nix an; das geʰt dich keⁱⁿn Drëck, Hafeⁿdrëck, Hafeⁿkäs, Zeichele an Obhergh. An geʰn wird zuweilen mit an gën verwechselt: [s ket nə nit â Günsb.; in M. richtig kièt, was in Günsb. két wäre]. s git diʰ nix on, s het diʰ nix on gën Ingenh.
9. tadeln, Vorwürfe machen Geiler P. I 3. — Schweiz. 2, 16; zu 4. 5 vgl. Schwäb. 224. Bayer. 1, 859.

aⁿgeʰnig [ôkienik M.] Adj. abhängig (Land am Berg).