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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zaum bis zaumrecht (Bd. 31, Sp. 399 bis 404)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zaum , pl. zäume, m., riemenzeug am kopf der pferde und saumthiere, um diese zu lenken und zu bändigen; ahd. zaum, mhd. zoum, as., mnd., nnd. tôm, mnld., nnld. toom, afrs. tâm, altn. taumr in gleicher bedeutung, woneben das wort im mnd. auch die stelle, wo netze gezogen werden (Schiller-Lübben 4, 473a) bedeutet und ags. téam ein gespann zugochsen bezeichnet. eine dritte bedeutungslinie zeigt sich in fries.-nld.-ags. nachkommenschaft, geschlecht. alle vereinigen sich in dem begriff ziehen, welcher den ansatz germ. *taugm-a- (zum verbum *teuhan ziehen) ergibt. die von einigen vertretene ableitung aus der grundwurzel * tu (s. darüber zauen sp. 396) erweist sich angesichts der in ziehen ursprünglichen bedeutung 'erzeugen' (vgl. mnd. togen unde boren erzeugt und geboren) als unnöthig. danach also ein ziehriemen, früher gewisz nur so viel wie seil, tau, wie die ahd. glosse fona zoumum de resticolis (Graff 5, 624) und die fortdauernde bedeutung seil und binde darthun. im fries., luxemb., pfälz. und bair. wandelt sich ou zu ā, im md.-nd. zu ō; rein lautlich zu verstehen ist der umlaut des elsässischen; grammatischer umlaut im pl. setzt sich zuerst im md. durch. von dem kampf um das pluralend-e im obd. zeugt die hybride form des acc. sing. den zǒme N. Wyle translat. 27 K.; den zaume Tauler serm. (1508) 17d; gelegentlich begegnet schwacher plur.: der zöumen Forer Gesners thierb. 3, 108. die schwächung des endconsonanten verräth die form zaun 1. dtsche bib. 8, 432, Luther 23, 531 W., S. Franck sprüchw. (1545) 1, 19a u. a., sogar noch Brendicke berl. 195a.
sprachlich als ein einfacher gedrehter oder geflochtener strick erwiesen (s. auch unten 1), wofür auch die zeugnisze für das flechten des zaums (s. DWB zaumflechter und -stricker) sprechen, hat der zaum doch früh die ihn zum brauchbaren geräth gestaltenden haltestücke um genick, nase und an den backen erhalten: den breiten kopfriemen oder sattel, die beiden backen-, einen stirn- und einen kehlriemen (insgesamt das hauptgestell). den nasenriemen erhält regelmäszig nur der stangenzaum (th. 10, 2, 820 und stange sp. 801) mit der kandarre, dem zugleich eine kinnkette zukommt; auch brechzaum (lupus Stieler 2594, Kramer teutsch-it. 1426c) genannt. am gebisz (bei reitpferden eine trense), das über die zunge gelegt ist, sind die beiden zügel befestigt, während an die kandarre noch eigene zügel geknüpft sind. ein dressierzaum für junge pferde ist der kappzaum (th. 5, 201). einen leichten z. nennt Stieler 2594 strenzenzaum. ochsen werden ohne gebisz gezäumt. vgl. Krünitz 241, 63. im sprachgebrauch umfaszt z. gewöhnlich das kopfgestell, gebisz und zügel, doch ist in den letzten jahrhunderten, wenn es sich um die lenkung

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des pferdes handelt, an seine stelle das wort zügel getreten. in den wörterbüchern mit habenae, frenum, camus (kappzaum), weniger genau mit lorum (zügel), capistrum (halfter) wiedergegeben. die ohrriemen meint aureae (Calepinus XI ling. 146a), das gebisz orea (ebda. 1002a); vgl. Diefenbach gl. 247a. 272a. 336a, n. gl. 46b. 70a. 200a. 239a; voc. opt. 29b. 30a; gemma gemm. d 2a. l 1b. o 7a; Alberus G g 4b; Frisius 30b. 179a. 581b. 615b; Maaler; Calepinus; Schottel; Reyher thes. p 2 rb; Stieler u. s. w.
1) in der ältesten bedeutung strick, band auszer im ahd. nur noch selten nachweisbar: z. wurfriemen Wackernagel hdwb. 397b; an einer winde: welicher dann das windenseil einzeucht, oder so man den zaum nider leget und die winden ab will heben; der hinauf steiget, dem gibt man zwen pfenning Tucher baumeisterbuch 45; langes, dickes tau, das um den wiesbaum geschlungen wird, um die wagenladung fest zu halten; groszer strang bei maurern und zimmerleuten Martin-L. els. 2, 904a; 'z. (am pfluge) zucht' Stalder 2, 466;

er aber liesz sich mit eim zaum
starck pinden an den segelbaum
H. Sachs 7, 412 K.;

baiulum i. frenum ein bendel oder zoum gemma gemm. c 4a; habenula ein riemlein, am (lies ein) z. oder ein binden, wie es die wundrtzte brauchen B. Garth lex. 329a (vgl. DWB zaumbandage und -binde); bandstückchen oder zäume (an der orgel) ... zäume werden sie genannt, weil ihre länge das masz ist, wie weit sich die falte beim aufziehen des balges aufthun kann G. Töpfer lehrb. d. orgelbaukunst (1855) 573. diese bedeutung als ursprüngliche zuerst von Adelung (wb.2 4, 1659) erkannt; danach so Voigtel 3, 680b, Campe, Hübner31 4, 1000a; plur., durch den trichter getriebenes, bandartiges schmalzbackwerk Fischer schwäb. 6, 1061; s. unten 3;
2) wenngleich seit der ahd. zeit und sehr reich in der mhd. periode, der zeit des blühenden ritterthums, für habena, frenum bezeugt, gilt z. in diesem sinne doch erst unumschränkt, nachdem es das concurrierende breidel (s. th. 2, 354), brîdel, brittel, das als ältere lesart brittel neben jüngerem z. noch Hiob 30, 11, ps. 31, 9 in der ältesten dtsch. bibel 7, 207. 284 und im cod. Teplens. 3, 5 begegnet, verdrängt hat;
a) in eigentlicher verwendung
α) allgemeines: häufig verziert: mit schildkrötenschalen besetzt Forer Gesners thierb. 3, 108; mit guldin zäumen Spreng Il. 5, 66b; der keyser ... auff einem weiszen, stoltzen hengst, mit einem gulden bisz, z., stegreiff Kirchhof wendunm. 2, 57 Öst.; einen weiszen zelter mit zäumen von carmoisinsammet ritt der papst (Ranke s. w. 1, 218), wenn der kaiser ihm den steigbügel beim aufsteigen zu halten und das pferd am zaum zu führen hatte; um so zäher lebte uralte herstellungsweise im rechtsbrauch fort, wenn der herr oder sein bote auf einem pferde, das er mit einem zaume aus lindenbast lenkte, ins land einritt: J. Grimm rechtsalterth.4 1, 355. 362; aber noch im 17. jahrh. von livländischen bauern so angefertigt:

ik stige up den berkenbom,
davon hauw ik sadel und tom
A. Olearius reise (1663) 113;

landesverwiesene durften heimkehren, wenn sie sich bei feierlichem einzug des fürsten an dem zaum seines rosses hielten: Schiller-Lübb. 4, 573b; J. Grimm rechtsalterth.4 1, 368; 2, 341; nun so leg ich den z. lediglich einem iedlichen auf den hals (des pferdes) und sei frei (d. h. lasse ihn frei; indem ihm damit ein freies pferd geschenkt wird) Meisterlin chron. v. Nürnberg in chron. dtsch. städte 3, 44; so denn: (zogen) auf ir selbs zawm (d. h. auf eigene kosten) 2, 47; auf eignem z. und sold Th. Körner 3, 31 Hemp.; ebenso: so laszt mich ein abtei auff meine sondere weisz und eygenen z. willigs muts stifften Fischart Garg. 435 ndr., oder s. v. w. unabhängig, nach gutdünken? zaum und stegreif halten als höflicher dienst:

(wir) lerendt unser jungen kinder, ...
den stegreiff halten und den zoum
Murner narr. 85 ndr.;

zur vollständigen ausrüstung eines reitpferdes gehören zaum und sattel: eyn weyssz pfrd ..., das wol bereit wr mit zam und mit satel summerteil d. heyl. leb. 78b b;

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diese folgen zwar dem pferde nicht, wenn es verkauft wird; aber insgemein verbleibt der zaum, den das pferd beim verkauf trägt, dabei, und es wird dafür dem stallknecht ein besonderes zaumgeld (s. d., auch zaumrecht) entrichtet: Jablonski lex. 1427a;

manche die freyen nach hoheit und ehren,
kuffen ohn sattel und zaum ein pferd Venusgärtlein 13 ndr.;

häufig z. und zügel:

ein edles pferd macht sich von zaum und zügel frey
Lohenstein Agripp. 43;

aber auch:

ein rosz on ein zaum
und ein junger on ein rt
theten nie kein gt sprichw. klugreden (1548) 1408;

nach Adelung wb. 2 4, 1659 in einigen gegenden auch das leit- oder gängelband der kinder, wofür auch leitzaum gesagt wird;
β) gebrauch des zaums; in den verben lebt z. th. die alte bedeutung zügel fort; gewöhnen: soll man ihnen (den 19 monate alten füllen) halfftern anlegen und die zum an die barren (krippen) hencken M. Herr feldbau 186a; an den z. gewöhnen Schiller 15, 1, 21 G.; zäumen: z. anlegen Konrad v. Würzb. troj. kr. 15 076 K.; Frisius 30b; gebisz und z. anlegen Lohenstein Arm. 1, 30a; unter den z. nehmen Reyher thes. p 2 rb; den z. straff halten: adducere habenas den z. an sich ziehen nomencl. lat.-germ. Hamburg. (1634) 374; vgl. übertr.:

und creutziget sein fleisch und blut
und liget ihm scharpff in dem zaum
H. Sachs 16, 514 G.;

den zaum schieszen lassen:

den zaum den liess ich schiessen
und sprengte hin zu ihr
A. Metzger (1612) in
Böhme lied. d. Deutsch. 272;

Stieler 2594; Kramer teutsch-it. 2, 520b; den z. nachlassen Frisius 1139b; dem pferde den z. folgen lassen Orsäus 199; dem pferd den z. lassen, hängen lassen Kramer 2, 1426a; liesse ich dem pferde den z., willens dahin zu reiten, wohin es mich bringen würde Zendorius winternächte 33; dem rosz den z. verhengen (nach vorn hängen) und es lassen in den feind rennen equum in hostem permittere Maaler 421b; mit lossem, verhängtem z. drauf sprengen, mit vollem z. rennen Kramer 2, 1426b; wiehernde rappen und verhängte zäume Freiligrath ges. dicht. 1, 128; weitere belege s. th. 12, 524 ob.; in vollem z. lauffen Duez nom. 181; abzäumen: zoch ... den pferden ire zaume ab und liesse sie weyden und grasen V. Warbeck Magelone 39 Bo.; den z. abstreiffen Kramer; am z. fassen und führen: daz ros bî dem zoume vâhen Hugo von Trimberg renner 13893 Ehr.; so fielen mir ... (die) häscher meinem pferde in z. Chr. Reuter Schelm. 104 vollst. ausg. ndr.; war, dass im ein biderman begegnet uf dem veldt, den mag er wol mit im dahin laden, aber er soll inn nit in den zam griffen, dass er in mit im ziehen well 1488 Reyscher altwürtt. statutarrechte 43; nach dem absteigen des reiters das pferd beim z-e halten Abr. a s. Clara etw. f. alle 2, 218; führen maler Müller w. 1, 185; feuriges pferd u. ä.:

(deine stute) schäumt und drängt in zaum und zügel
Fr. W. Weber dreizehnlinden 136 350;

hat auch ein rosz ... einen kurtzen halsz, das ligt hart im z. und drücket hart J. Walther pferde- u. viehzucht 6; besonderes: das pferdgespreng, das trabschencken, das libtraben, das zaumdntzelen Fischart geschichtkl. 279 ndr. (s. unter zäumen 2 a); das er nit vil zaum greiffens leiden mochte (nicht reiten mochte) Kirchhof wendunm. 1, 458 Öst.;
b) übertragen seit dem ma., vgl. êwiger êren zoum Trimberg renner 4987 Ehr., und überaus reich vertreten, wobei wendungen älteren eig. gebrauches kund werden;
α) in verbaler verbindung; zäumen: den Fuckern und dergleychen geselschafften ein zawm ynsz maul legen Luther 6, 466; 7, 9; ... und sporn in die seiten 34, 2, 198 W.; ain zaume und pysze inn das maul legen Sickingen bei O. Clemen reform.-flugschr. 2, 210; lege meinen gedanken ... keinen z. an B. v. Arnim Günd.

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2, 190; der freyen rede z. und sporn ... geben Shakespeare 5, 150; halten: den aussern menschen in ainem tzaume halten Tauler serm. (1508) 147a b; gewöhnlicher im z.: den Josua ... demütigen und ym z. halten Luther 23, 549 W.; sehr häufig;

(ihre kinder) mit guter zucht halten im zaumb
H. Sachs 12, 486 K.;

den povel Luther 19, 281 W.; die unterthanen Rätel Curäi chron. 116; das Bayerland Chemnitz schwed. krieg 2, 100; untertrucken, i. z. h. Hulsius 2, 327a; wütende löwen Herder 26, 35 S.; die hände derer soldaten v. Fleming teutsche sold. 186; dasz vleisch in zoume Jeroschin 14087 Strehlke; ut carnem zuchtigen und halten ym z. Luther 29, 232; 26, 218 W.; fleisch und blut H. Sachs 6, 190 K.; das der leyb eyngefasset bleyb und ym zawm gehalten werde Luther 15, 450 W.; um des stabreims willen besonders beliebt die zunge im z. h.: H. Sachs 18, 169 G.; sprichwörtlich und allgemein; halte dein maul im z. Äg. Albertinus hirnschl. 3, (den) mund Moscherosch ges. 4; sich: du mst ... dich selbs im zoum halten Keisersberg bilgersch. 9d; H. Sachs 22, 225 G.; Göthe 15, 33 W.; abstr.: gemüt Fischart Stauff. 35 H.; die begierden Butschky Pathm. 45; deine kühnheit im z-e zu halten Lessing 6, 117 M.; nichts ... konnte meinen gekränkten stolz im z-e halten Pfeffel pros. vers. 1, 8; den z. der neigungen des andern in händen (halten) Bode Montaigne 2, 20; erweitert: die Gallier in z-e und gehorsam zu halten Lohenstein Arm. 1, 961; mit den waffen ebda 1, 7b, das volk ... durch harte strafen Fichte s. w. 7, 219, wodurch die anschauung aufgegeben ist; hielte (gott nicht) sonderlich dem Trcken den z., er bliebe nicht so lange von diesem spiele J. Prätorius philos. colus 87; anziehen: den gebietigern der z. etwas kürtzer angezogen Schütz hist. rer. Pruss. 4, Cc 2b; hängen (s. th. 4, 2, 451):

dasz sie der bgird den zaum nicht häng
Fischart lob. d. laut. 368 H.;

wann ihme gott den z. henget und den lauff lasset Schopff wett. 76; Fischer schwäb. wb. 6, 1061; verhengte den ... begierden den z. v. Brandis tirol. adler (1678) 50; wo ... dem alten menschen der z. gelassen wird Luther 30, 1, 220; dem teufel 23, 72 W.; allen mtwilligen und unrwigen war der z. gelassen Stumpf Schweytzerchron. 343a; der sünde den z. lassen Mathesius Sarepta 112b; den begirden den z. zu lang lassen Heyden Plinius 210; die entscheidung überlassen: alssdann lest der mensch gott den tzawm, ergibt sich yhm tzu eygen Luther 10, 1, 1, 38 W.; gern im reim: rawm und zawm ... lassen 24, 531 W.; zaum: raum Treuer Däd. 1, 240; zuweilen der jugend begeren den z. schiesen lassen Fischart ehez. 312 H.; ihnen einen freyen z. zu hurerey Luther 33, 650 W.; der freude freyen z. ... lassen Stoppe Parnasz 8; führen: ain volkomener man mag seinen gantzen leib am zm fern Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 296; die dürfftigkeit führet offt der begier den z. gar kurtz Chr. v. Ryssel seelenfrieden 364; in den z. fallen: der neyd fallt ihm und seinem pferdt ... in z. Abr. a s. Clara Judas 1, 95; ungebärdig sein:

wir dringen auff den zaum
Logau sinnged. 351 Eit.;

die menschliche vernunfft ... wil ... auff iren z. gehen Luther 28, 540 W.; stolz sein:

der all mal hohen zaum mir trug
H. Sachs 8, 82 K.;
Ayrer 2069 K.;


β) in substantivischer verbindung: under dem zoum ... der gehorsam (halten) Keisersberg bilgersch. (1512) 8; biss sie auch nach dem z. der herrschaft griffen Stumpf Schweytzerchronik 342b; hielt er seinen zorn am z. der vernunfft Schaidenreisser Odyssea 72b; z. der erziehung Lessing 6, 138 M.; z. der mässigkeit Albr. v. Eyb spiegel 96b; der tugend z. Neumark lustwäldch. 94; stabreimend: das sie ... eynes ... starcken zumes und zigels vonnten hat Fischart ehz. 308 H.; der falschen eifersucht z. und zügel (anlegen) Herder 17, 12 S.; z. und gebisz: wie solt ich meinem glück z. und gebisz in den mund legen Hippel lebensl. 1, 268; Lavater verm. schr. 2, 192; ohne z.:

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wann solch gedanken machen flügel
wie ein adler on zaum und zügel
H. Sachs 19, 328 G.;

effrenate ohne z. Calepinus septem ling. 3 1, 306b;
γ) im sinne von zwang: so du ausserhalb dem kloster on zam lebest Eberlin v. Günzburg 2, 130 ndr.; kein weib noch jungfraw der massen ym z. leben mus Luther 30, 2, 190 W.; der stoltzen feinde (gen. obj.) z. Besser schr. 1, 26; die leute ym z. und zwang halten Luther 24, 676 W.; ein mittel der einschränkung, z. b. gesetze sind ein z. des volkes Voigtel wb. 3, 680b; das volk in zucht und z. halten Schleiermacher s. w. I 5, 100; rotwelsch: z. polizeiaufsicht württ. vierteljahrsh. n. f. 16, 73;
δ) im sprichwort gemäsz seiner bedeutung im volksleben auszerordentlich beliebt: ain weyser mann kan sich selbs im z. reyten G. Mayr sprüchw. A 8a; z. und sporn machen das pferd gut Lehmann florileg. (1662) 1, 147; man faszt das pferd beym z., den mann beym wort Schellhorn sprw. 106; hat der teuffel das pferd gefressen, so fresz er auch den z. Lehmann florileg. (1662) 2, 714; H. R. Manuel weinspiel 283 ndr.; man soll z. und sattel nicht mit dem pferd zum schinder führen Lehmann flor. (1662) 3, 227; ein güldener z. macht das pferd nicht besser 1, 458; wissen, wie man eine sache angreift, bewandert sein in etwas, sich auf seinen nutzen verstehn: ich will dir meinen advokaten schicken, der weis, wo die zäume hängen Rabener w. 3, 289; ob ich gleich selbst wissen musz, wo in meinem stall die zäume hängen Göthe IV 20, 91 W.; IV 23, 23; 27, 198 W.; gespr. 2, 209 Bied.; H. v. Kleist 1, 390 Schm.; Adelung wb. 2 4, 1659; weiteres bei Müller-Fr. 2, 693a;
3) als diminutiv zäumchen, obd. -lein im besondern die bedeutung unter 1 specialisierend; a) anatomisch: häute, die zwei theile des körpers verbinden, wie das zungenband und die vorhaut: ahd. zoumili funiculos in fimbris Graff 5, 624; Kramer teutsch-it., Ludwig, allg. haush.-lex. 3, 808, Adelung; b) band im haar (s.zaumband): die mägde sollen nicht tragen gestückte zeumlin, noch messerscheiden gestückt Straszburger policeyordnung 46 Frisch 2, 465c; tômeken eine art schuhe Schiller-Lübben 4, 574a; c) was für ein spiel: spielt er ... des zumlins Fischart geschichtklitt. 261 ndr.?
 
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zaum- in zusammensetzungen
a) mit substantiven: zaumband, n.: redimiculum ... in foeminis ein haar- oder zumband Corvinus 479. — -bandage, f. : halffter- oder z. ... eine art binden, deren man sich, den untersten kinnbacken zu verbinden, bedienet Noel Chomel 5, 80. — -binde, f. , zusammengesetzte binde für wunden der lippen Krünitz 241, 66; Mozin frz. wb. 3, 216a. — -buch, n. , als buchtitel: diss newe ... biss- oder z. Seutter bissb. (1584). — -flechter, m. : zounflecter frenefactor voc. opt. 29b. — -gebisz, n. : Ludwig teutschengl. lex. 2562. — -geld, n. , trinkgeld für den zaum, der dem pferde verbleibt, an den pferdeknecht beim verkauf eines pferdes: 1 m zoumgelt des herren bischofes stalknechte ... gegeben Marienburger treszlerb. 180 Joach.; und ward mir daneben zum z. 20 thlr. ... in seinem namen gegeben Schweinichen denkw. 242; Haym jur. 1340; Schottel hauptspr. 506, Stieler 682; Zinck öc. lex., Noel Chomel, Adelung, Voigtel, Krünitz; Jac. Grimm rechtsalterth. 4 2, 152; Fischer schwäb. 6, 1062, Unger-Khull 644a. — -holz, n. , beim tüdern, anpflöcken des pferdes auf der weide: Jac. Grimm rechtsalt. 4 1, 555. — -knecht, m. : zaum- oder sattelknechte Fr. Alvares bericht 394. — -kunst, f. : reut- und z. Harsdörfer frauenz. 5, Pp 5a; allg. dtsche bibl. 49, 269. — -leder, n. : lorum voc. opt. 30a. — -macher, m. , verfertiger von zäumen: Fritz Gebhart der z. Tucher baumeisterb. 153 Lex.; lorifex voc. 1482; von den sattlern verschieden: gegen den satlern uber setz man die z. A. Dürer underr. D 4a; zamecher Weinsberg einnahmen-reg. 47. — -muschel, f. : marine ... seynd zahnschnecken oder z-n Marperger kaufmannsmagazin 815. — -pflock, m. , pflock für den zaum durch die nase: Brehm thierleb. 3, 153 P.-L. -recht, n. , recht auf das zaumgeld, dieses selbst: item m. des kompthurs von Cristpurg stalknechte zomrecht gegeben Marienburg. treszlerb. 460 Joach. -riemen, m. ,

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s. v. w. zügel: Kramer teutsch-it. 2, 1426b, Ludwig teutschengl. 2562. — -sattel, m. : 1 rtestel und 1 zomstel handelsrechn. d. Deutsch. ord. 110 Sa. -scheide, f. , strangscheide, porte-trait: Mozin 3, 216a. — -schläger, m. : tômsleger verfertiger von riemen für pferdegeschirr Schiller-Lübben 4, 575a. — -schnalle, f. , schnalle an einem zaum: Schedel waarenlex 2, 381. — -seil, n. , leitseil: Schmeller 2 2, 1121, Fischer 6, 1062. — -spange, f. : bulla puckel, z. Orsäus 198; Kramer 2, 846b; Kilian 677b Hass. -spint, merops frenatus, ein vogel aus dem geschlecht der bienenfresser: Brehm thierleb. 5, 37 P.-L. -sticker, m. : tômsticker zaumbesticker Schiller-Lübben 5, 575a. — -strick, m. , vielleicht zügel aus hanf: 1 z., ein clafter davon fur 4 phennig (verkaufen) 1521 act. d. ständetage Preuszens 5, 687; z. ... soll haben 1 klaffter 1687 Birlinger Augsb. wb. 413b. — -stricker, m. : zemstrikcher copeibuch d. stat Wiene 189. — -zeug, n. , 1) binde zum zusammenziehen der wundränder: Blancard lex. medic. renov. 429, Hübner 31 4, 1000a, Mozin 3, 216a; das eine wunde schlieszende heftpflaster: Krünitz 241, 66; 2) s. v. w. zaum 2: Krünitz; v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 70 u. öft.; Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 864; sattel- und z. Tieck schr. 14, 284; sattel und z. vom todten pferde (lösen) Laube ges. schr. 11, 76. — -zügel, m. : Diefenbach n. gl. 46b; Kramer, Ludwig.
b) mit adjectiven: -frei: effrenis Stieler 559; Kramer 2, 1426b; Campe;

last das hertz nicht zaumfrey stehen
und stets zwischen spornen gehen,
womit uns die liebe rührt
Abr. a s. Clara etwas 1, 376bis. —

-gehorsam: zaumgehorchsam Fischart ehz. 279 H. -gerecht, den zaum duldend, sich zäumen und lenken lassend: (Alexander) macht ... (den Bucephalus) bändig, laitig und z. Fischart geschichtkl. 217 ndr.; (das pferd) soll ... hurtig, geschwind und z. seyn Hohberg georg. 2, 144; Steinhausen privatbriefe 1, 314. — -leidig, s. v. w. -gerecht: Kramer; z. machen Pomey 419; Ludwig, Schwan, Schrader frz. -los, 1) eig.: z. on ein zaum Frisius 694b, Maaler, Calepinus XI ling., Diefenbach-W. 911, Reyher thes. p 2 rb, Hulsius, ein z-es pferd Kramer teutsch-it.; wie ein z-es thier H. Sachs 3, 459 K.; laufft wie ein z-er schelliger gaul S. Franck chron. zeitb. (1531) a 6a;

vier zaumlose hengste mit anruf und tritt
beherrschen sie stehend im wildesten ritt
H. Leuthold ged. 4 283;

2) übertr.: die jugent ist so zaumlosz, ungehalten und wilde Luther tischred. (1568) 316a;

die zung ist schnell, zaumlosz und gech
H. Sachs 3, 363 K.;

ist das volck gantz zaunlosz und zaumlosz in alle freyheit und frechheit auszgebrochen Abr. a s. Clara Judas 2, 53; verstockt, zämlosz, stützig, widerpörstig Schöpper syn. b 8d; da aller menschen syn und gedancken z. nur auff gutt, ehr und wollust trachten Luther 6, 51 W.; z. ist die liebe, z. auch die rache Jean Paul w. 15/18, 630 H.; die zolfreien, z-en begird in zaum ... halten S. Franck chron. Germ. (1538) 26e; eine z-e wildheit der menschen Wieland I 3, 70 ak.; z-e einbildungskraft Lavater pred. üb. Jonas 1, 9; dazu -igkeit, f. : effrenatio ..., effrenatio impotentis animi Aler dict. 2, 2228b; rechtlosigkeit und z. gehen immer gepaart Pestalozzi s. schr. 7, 229. — -recht, s. v. w. zaumgerecht: zamrecht auf paide seitten H. Sachs fab. 2, 604 ndr.; sein pferd so lang abzurichten, bisz dasz es z. und thätig wird Xylander Plut. 27a; Fischart ehz. 320 H.; Hohberg georg. cur. aucta 3, 100a; wie man die pferde rittig und z. machen soll Harsdörfer frauenz. 5, Qq 1b; tômrecht Schiller-Lübben 4, 574a; Frisch 2, 465c; Mozin 3, 216a.

 

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