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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
worfeln bis worfler (Bd. 30, Sp. 1458 bis 1460)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) worfeln, vb., älter meist worffeln, iterativbildung zu worfen, vb. (s. d.), das in jüngerem gebrauch durch worfeln verdrängt wird, 'getreide durch werfen mit der wurfschaufel oder windmaschine von der spreu reinigen'. auch wurfeln nomenclator lat.-germ. (1634) 365, wörffeln Bastel v. d. Sohle Harnisch (1648) 230; Gottsched Lucian (1745) 207 u. a., mundartlich würfeln Regel Ruhla 193, nd. wörpeln Block idiot. von Eilsdorf 102. ein md.-nd. wort, das durch die Lutherbibel auch nach Oberdeutschland drang. worffeln ventilare Orsaeus nomenclator method. (1623) 193; worfeln spalare ..., sventolare, stürtzen, wenden, wannen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c; Adelung 4, 1613: Boas ... worffelt diese nacht gersten auff seiner tennen Ruth 3, 2; und ob nun anderer saame unter dem weitzen gefunden wird, indem ers (der sämann) worffelt und siebet, ... soll er dan darumb den weitzen nicht zu seiner kost brauchen? Jac. Böhme drei principien göttl. wesens (1682) 436; geschäfftige arbeiter, die da worfeln, sieben, sichten und einpacken Gottsched anmuth. gelehrsamkeit (1751) 4, 199; ... wollen beym dreschen schon schwingen und worfeln, dasz der staub in die lüfte fliegt maler Müller w. (1811) 2, 17. jung gern im zusammenhang eines bildes: es sei eine zeit gottes, in welcher der herr der menschen sinnen und gedanken, tun und treiben, arg durcheinander worfele auf seiner tenne W. Raabe s. w. I 6, 214. in weiterer verwendung auch für das reinigen von bohnen, sand u. ä. durch schaufelwurf: gleichnisz von geworfeltenbohnen Göthe I 41, 1, 295 W.; unreiner ... sand

[Bd. 30, Sp. 1459]


wird ... geworfelt Muspratt chemie (1889) 2, 390. in bildlichem gebrauch: sie fallen dem herren, der sie worffelt, in aller demuht zu seinen füszen J. Dyke wahre bulle (1637) 46; sie worfeln meine wort am hofe des fürsten mit der vernunfftschauffel auff mancherlei weise Q. Kuhlmann Berlinsche kühljubel (1688) 46; (ich wills) ... beschreiben, wie ihn der kutscher worfelte und siebte Jean Paul w. 7, 136 H.; der neue gemeinderath, der siebenmal geworfelte, gesiebte und durchgebeutelte Hebbel w. 10, 235 Werner; part. gewürfelt für 'gewandt, durchtrieben' thüring., s. Regel Ruhlaer ma. (1868) 193. —
 
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worfelgerät, n.:

messer und sichel und korb, tenne und worfelgerät
R. Al. Schröder Elysium (1912) 165.


 
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worfeln, n., substantivierter inf. von worfeln, vb.: spreu, ..., beim worfeln vom winde weggetrieben Göthe I 41, 1, 276 W.
 
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worfelschaufel, f., worffelschauffel, worfelscheit pala da spalare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c: die worfelschaufel erregt nicht mehr die neugierde der knaben, wie weit dieszmal die körner fliegen werden; gleichmäszig fegt und bläst die maschine E. Förster reisen in Italien 1 (1862) 268. bildlich: die zeit ist eben eine starke worfelschaufel Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 2, 239. —
 
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-schwung, m., schwung mit der worfelschaufel:

und (wenn) dann des dreschers worfelschwung der wind
durchwandelt, und die spreu umher zerweht
Bürger s. w. 164 B. (Ilias 6, 615).


 
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-tenne, f., 'tenne, wo getreide geworfelt wird, schüttboden' Mothes baulex. (1882) 4, 489. —
 
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worfelung, f., tätigkeit des worfelns; spalamento Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c: vorsprung heisset man die körner, welche bey ... worffelung des getreides ... vorwegspringen Zincke öcon. lex. (1744) 3051. bildlich: der kindliche ... glaube an die gründung eines reiches der gerechtigkeit durch worfelung der gesellschaft Carossa d. jahr d. schön. täuschungen (1941) 281. —
 
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worfen, vb., auch wörfen, mhd. (md.) worfen, wurfen (s. u.). schriftsprachlich seit dem 18. jh. durch worfeln (s. d.) verdrängt, das seinerseits iterativbildung zu worfen ist. als schw. verbalbildung zu wurf, vgl. ein uuorphozen iactare bei Tatian 81, 1; ferner carentes uuorfonti (Pa) ahd. gl. 1, 86, 35 St.-S. als worffen, worfin, wurfen vannare, ventilare Diefenbach gl. 606b; 611a; worffen ventilare frumentum Bas. Faber thes. (1587) 919a; Hulsius-Ravellus (1616) 420b. in eigentlicher bedeutung 'getreide mit der wurfschaufel reinigen': das die früchte rein ausgedroschen, geworft und gefegt werden (md.) bei Lexer 3, 977; gemischet getreyde, als is uf deme tenne gewurfet ist Cl. Cranc prophetenübers. Jes. 30, 24 Zies.; Boas ... worffet disse nacht gersten auff seyner tennen Ruth 3, 2 in den bibeldrucken 1524 bis 1527, später: worffelt, s. Luther die deutsche bibel 1, 33 W. in der Zerbster hs. 1523 ist umgekehrt worffelt durch streichung von l zu worffet korrigiert, s. Franke spr. Luthers 2, 72b; Jer. 4, 11; dann wirt der weisz gewörfft gegen den wind und wirt gereiniget von aller sprau Petrus de Crescentiis vom ackerbaw (1531) 39b. in sachlicher erweiterung: die bucheckern ... mit laub und allem ... zu hauf streichen ... und worfen (um 1570) haushaltung in vorwerken 238. in vergleich und bildlichem gebrauch: und di menige der, di dich wurften, wirt sam eyn cleyn stoub Cl. Cranc prophetenübers. Jes. 29, 5 Zies.; vgl. Zacharja 1, 19; wann wir von dem teuffel ... wie der weitzen gereittert und geworfft werden B. Copius hauszkirchenpostill (1591) 1, 126b;

Messia sey gegrüßt ...
... der wunderackerszmann,
der seine schauffel tregt, das korn recht worffen kan
Opitz teutsche poem. 193 ndr.

in md. und nd. maa. noch lebendig, s. Hentrich Eichsfeld 25; Jungandreas schles. zeitwortbildg 41; Kisch Nösner wörter 175; Schröer ma. d. ungr. berglandes 392; wörpen Deiter ma. v. Hastenbeck 158; Flemes Kalenberg 381; Frederking Hahlen bei Minden 35; worpen, warpen Böning Oldenburg 134. —
 
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worfer, m., worffer, kornschwinger vanneur, ventilatore Hulsius-Ravellus (1616)

[Bd. 30, Sp. 1460]


420b; Zehner nomencl. (1645) 340. —
 
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worfgarn, n., s. DWB wurfgarn. —
 
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worfler, m., worfeler spalatore, sventolatore Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c; worfler qui vent le blé, vanneur Mozin-Biber-Hölder wb. d. frz. spr. 3, 206a:

wenn beim blasenden winde getreide die blonde Demeter
scheidet vom spreu und die wehende luft beim schwunge der worfler
über die heilige tenne das hülsengestöber dahinträgt, ...
W. Jordan Ilias 104 (5, 500).

schon bei J. H. Voss: unter der worfeler schwung. bildlich: ich wil auch worffler gen Babel schicken, die sie worffeln sollen und jr land ausfegen (vulgata: ventilatores) Jer. 51, 2f.

 

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