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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unhold bis unholdenkunst (Bd. 24, Sp. 1064 bis 1069)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unhold, adj. adv. , gth. v. hold. ahd., as., ags. unhold; mhd., mnd. unholt; mnl. onhout; frühdän. uhuld, altschwed. ohulder, schwed. ohuld. ohnhuld W. Spangenberg, unhuld Nigrinus, Harsdörffer. vgl. unholdig, -holdisch, -holdenhaft, -holdselig; abhold, widerhold; abgeneigt, ungeneigt; ungnädig, abgünstig, ungünstig.
1) gth. v. hold 1; ungnädig II 2, ungünstig 4 b entsprechend 'ungeneigt'. wie hold 1 a: dienon unholden herron Notker 2, 457, 26 P.;

vater Zeus, wie bist du vor allen göttern mir unhold!
Bürger 365 (Il. 1, 211);

von der schwiegermutter Freytag 16, 30 u. dgl.; fast nur noch in gehobener sprache. wie hold 1 b: unholden, ungetreuen ... leuten Möser 3, 342; s. unhuldig 1 und vgl. die ags., mhd., mnl. bed. 'untreu'. veraltet.
2) ohne bezug auf herrn- oder dienerverhältnis 'abgeneigt, feindlich, böse'; vgl. DWB hold 1 b ende und 2. a) im milderen sinne, wie ungünstig 4 c, heute vielfach durch abhold wiedergegeben: Graff 4, 915; die der arianischen meinung nit unholt waren Hedio chron. 128b; Hippel ehe 152; der himmel war dem erdboden so u. (vgl. 1), dasz bäume und felder nicht einen tropffen regen bekahmen A. Olearius pers. baumgarten 12; die Ägypter waren den fischen insgemein u. Lohenstein Cleopatra 155, 626; Arm. 2, 43b; Schönaich neol. wb. 359, 17 K.; uns, freunde, werde ... nie die Charis u. (vgl. 1) Herder 22, 98; endlich ward das glück ihm u. 25, 200 (mnl. wb. 5, 770); es waltet ein unholder geist über ihren guten vorsätzen und hoffnungen Schiller briefe 6, 57; unholde Korcyräer Immermann 16, 365; nach 4 weisend: warst du (schicksal) ... u. auf Deutschlands geist? Herder 12, 227; 'abgeneigt, des andern bestes gern zu suchen u. zu befördern' Adelung; jemandem u. seyn, eine unholde antwort ders.; man kann ihm doch nicht u. seyn maler Müller 1, 315; alles ist mir u. Suwaroff bei Häusser d. gesch. 2, 253; mit unholden blicken (augen) ansehen François Reckenburg. 1, 152; Rückert 2, 224. b) wie in der ä. spr. 'feindlich, feindselig, schädigend, böse, verrucht, schändlich' u. dgl. (ungünstig 4 a entsprechend); u. heisset feind und zuwider Ant. Praetorii gründl. bericht v. zauberei (1629) 35: Nabot, der Israelit unholdt Sachs 10, 412, 19 K.; schächer Treuer Dädalus 1, 317; diese edelhulda oder vielmehr unhulde ehebrecherin Harsdörffer geschichtspiegel 254; dise drey unholde huldinnen (drey hofemetzen, heucheley, misgunst, verleumdung) Butschky Pathm. 689. ein sach u. Sachs 19, 182, 21 G.; Kornemann mons Veneris 224; veraltet. in n. spr. nicht ohne einflusz der bed. 3 und des subst. unhold (vgl. unholdig): als unholder mond Creuzer symbolik 2, 159;

und was unhold trabt im berge,
fuchs und wolf, die schlimmen plager
Weber Dreizehnlinden 45.


3) die dämonologische, der von ungeheuer u. unheimlich nahetretende bed. kann aus 2 flieszen (s. Praetorius unter 2), im sprachgefühl fehlt es auch an andern anknüpfungspunkten nicht (vgl. Albrecht magia 238 unter 5 u. bes. DWB unhold, m., f., n.; die substantivierung scheint im ausbau dieser bed. dem adj. vorangegangen zu sein): also hastu woll vernommen die sect und samelung der nachtfarenden leute, unholden zauberin, die die katzen und besam reiten M. Widman

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v. Kemnat bei Hansen quellen u. unters. z. g. d. hexenwahns 235; Pomarini gr. postilla vorr. 2, 4a; die unholde Circe Schaidenreiszer Od. 35b; diese unholde frau J. Grimm myth. 24, 841; die unholden feinde des lebens die winterriesen Freytag 8, 134; unholdester (vgl. 6) schreckensgebilde Gerhard ak. abh. 1, 18; Ratzel völkerk. 2, 784; die fledermaus ist ein unholdes thier Freytag 9, 17; macht unholder (teuflischer) gewalten 8, 364; von sachen: mit seinem gesicht unhuldt (: schuldt) Nigrinus v. zäuberern 301; ohnhulde künste Spangenberg lustg. 113; des unholden sees Valvassor ehre d. herz. Crain 1, 166; ein heidnisch unhold wesen Weber Dreizehnlinden 52; unhold, das klingt hexenmäszig Schönaich neol. wb. 359, 16 K.; kaum prädicativ, eher adverbial: jetzt lag die kirche völlig ausgeödet, schwarz und u. wie ein wald, wo grauen und schrecken hauset, da Handel-Mazzetti St. Schwerdtner 335.
4) auf den affect eingeschränkt, ergiebt 2 die bed. 'widerwillig, ärgerlich, verdrieszlich, zornig, unartig, unangenehm, wunderlich' u. dgl., ungünstig 3 entsprechend. vgl. unholdselig miszvergnügt Staub - Tobler 2, 1184, unholdsdunst Lohenstein rosen 107, unholdsmut Harsdörffer gespr. 4, 130:

bin ich doch weder so verdrüszlich,
noch so verdrossen und unhold
Weckherlin 2, 256, 13;

mürrische, unholde sinnesart Abbt 6, 1, 101; viele meiner brüder werden mir u. werden (es mir verübeln), dasz Hampel hephata 19; u. (adv.) geben (vgl. unmild; gs. mit guter weise) Lessing 3, 23, 465 (Nathan 1, 3); jem. u. begegnen Göthe 22, 196, 4 W.; die unholde begegnung Claudius 5, 194; u. (ungentle) scheinen A. W. Schlegel Shak. 4, 292; du bist gar u., bruder Göthe 9, 140, 17 W.; in unholden augenblicken augenblicken übler laune 9, 131, 23 W.; 6, 206 W.; die holden frauen können förmlich ... u. werden, wenn ... Holtei erz. schr. 23, 139; unter einwirkung von unhold, m., B I 3 b γ 'wer sich nicht regieren läszt':

an dir gesellen unhold, barsch und toll
ist wahrlich wenig zu verlieren
Göthe Faust 3259;

je stolzer und unholder er sich gebärdet, um so milder benimmt sich der ingenieur Federer berge u. menschen 237; diesen unholden worten Schiller 12, 526; Voss krit. blätter 1, 452; den unholdesten neckereien P. Heyse nov. 12, 354 (vgl. 6); die unholde kälte seiner älteren tochter Treitschke aufs. 1, 31; unholdes wesen etwa chicanen Freytag 2, 50.
5) wie hold 2, ungünstig 2 passiv 'unge(be)liebt, unlieb, verhaszt, widrig, leidig, elend, unliebenswürdig, verwünscht, unerwünscht, fatal' u. ä. mnl. wb. 5, 770 f.: wann die menschen selber zu unholden werden, das ist, durch ihr gottloses wesen sich gegen gott verhaszt, u. und unwerdt machen, so straffe gott der herr solche leute Albrecht magia (1628) 238 (vgl. sich hold machen);

der sich durch tugenden der boszheit unhold macht
Lohenstein Epicharis 41;

wenn er (Werthers gesandter, 'ein widriger mensch') nur nicht so u. wäre, wär' alles gut Göthe 19, 89, 4 W.; eine unholde wirthin allg. d. bibl. 108, 235, gäste Arnim 2, 135, Weber Dreizehnlinden 28, friedensbrecher H. v. Barth kalkalpen 540; den unholden mann, dem ihr vater sie vermählen will Freytag 17, 182. Pansner schimpfwb. 73b. in dem schwachen, unholden greisen alter Harsdörffer secret. 2, 40; gedanke Thümmel reise 1, 84; der unholde, aber politisch notwendige zuwachs polnischen gebietes Meinecke Boyen 2, 84; die leute wurden u. aus dem schlafe geweckt Rosegger 2, 325.
6) hold 3, ungünstig 5 entsprechend, injucundus, unanmutig, unschön, garstig, abstoszend u. dgl.: bei nicht unholder gegend und wetter (vgl. DWB ungeheuer, DWB unheimlich, unfreundlich) Knebel nachl. 3, 378; Schiller 4, 64; bei unholder schneestöberei E. M. Arndt br. a. e. freundin 312; schriften 1, 219; Weber Dreizehnlinden 76;

[Bd. 24, Sp. 1066]


u. von gestalt Voss Theokrit 6, 23; töne I. A. Naumann vögel 4, 202, eindrücke Herbart 10, 279, wirkungen D. Fr. Strausz 6, 65; alles unholde erinnern (vgl. 5) Handel - Mazzetti St. Schwerdtner 336; der unholde mund verzog sich betrübt in die länge Scheffel 2, 48; W. empfand es sehr u., dasz Schiller briefe 2, 225; u. lächelnd Fouqué gefühle 1, 152. beliebt sind mischungen; z. b. unholde winde (vgl. 3, 4, 5) Kretschmann 2, 237; Denis bei O. Jahn Mozart 3, 345; Gerock d. letzte strausz 29; bei den unholden Huillitsches Forster 4, 240 (vgl. 5 u. Arndt unter unhuld 4); unholdes jahr Lenau 336 (vgl. 1, 2, 5); Freytag br. a. d. herzog 57; der tag, der so u. (mit sturm) einbrach Göthe IV 3, 120, 12 W.; das unwirtbare meer (vertauschte) ... seinen unholden namen Voss krit. blätter 2, 320.
 
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unhold, m., f., n. ; subst. zum vorhergehenden adj.
A. losere substantivierung, dem adj. und seinen verbindungen theilweise noch nahestehend: Mars, der u. aller kunst P. Fleming 173, 22; Tscherning vortrab K 1a; geistliche unholden feinde der geistlichkeit Christstein weltmann 77; seine neider und unholden Gottsched beytr. z. crit. hist. 1, 238; Schwabe tintenfässl 104; Naumann Nimrod 488 bei Schönaich 359, 20 K.; in dieser verwendung veraltet. 'der unliebe, böse, feindselige' Lexer 2, 1898; unholdester αἰνότατε Bürger 156 (Il. 3, 25);

ein unholder gehört nur mit unholden zusammen
Herder 26, 379 (papagei u. rabe).

im wortspiel: Göthe 1, 206 W. s. th. 4, 2, 1888; R. Wagner 7, 78 (Tristan 2, 3).
B. festgewordene substantivierung.
I. unhold, unholde, m.
1) g. unhulþa. ags. unholda. as. unholdo. mhd. unholde. Kauffmann dea Hludana (beitr. 18) 151 ff. nhd. erhält sich das schw. m. unholde (vgl. der holde 2) bis ins 19. jh. (Göthe IV 17, 101, 18 W.; K. J. Weber Deutschland [1826] 1, 539; Paul gramm. [1917] 2, 51, 53) und dauert in zusammensetzungen, die aber überwiegend zu II gehören, bis zur gegenwart (vgl. DWB unholdenhaft, -stein). Adelung verzeichnete nur diese form, 'die meisten schriftsteller aber sagen der unhold' Heynatz antibarb. 2, 524. die kurzform erscheint fürs f. als unhold, unhuld schon in den fastnachtsp. 497, 5; 255, 20 Keller, unhold als st. flectiertes m. seit dem 16. jh.; vereinzelt bleibt der pl. ihr unholds Herder 5, 256. mnd. ist für unhold: unholder überliefert, eigentlich veneficus (unholdare Schm. 1, 1090), hexer, hexerich, hexenmeister, zauberer, wahrsager, dann wohl auch 'unhold' (mhd. unholdære; Riezler hexenprocesse 236; vgl. unholderkraut, unholder, unholderei).
2) ohne unterschied des geschlechts kann u. frauen u. männer bezeichnen: bös unhulde, frauen oder mannen (1467) Staub-Tobler 2, 1182; unholden, hexen und hexenmeister Dannhawer catechism. 1, 186. für die hexe: dasz keine kein u. seyn mag Parac. 2, 255 C; Riezler 164, 172, 200; W. Spangenberg Saul 2500, 2513; für die Gorgo: des gorgonischen unholds Voss Od. 214 B.; diesz unholdspaar böse frau u. procesz Langbein ged. 1, 259. heute scheiden wir unhold u. unholdin (s. d.) Abbt 6, 4, 192.
3) die bedeutung ist (von A und B 3 b δ, ε abgesehen) die des adj. unhold 3. wenn zuweilen u. mit seinem gth. zusammenzufallen scheint, beweist das nicht, dasz beide gleichbedeutig sind (J. Grimm myth. 2, 762). zu den ältesten stellen s. Kauffmann a. a. o. 150 ff.; euphemismus führt zu hold, m., als bezeichnung des teufels in schwurformeln (Staub - Tobler 2, 1182), in der bezeichnung holden (ebda aus hexenproceszacten) ist der teufel wirklich der buhle, holde, holder; einige unsicherheit hat sich bei u. ebenso wie bei ungeheuer (sp. 691) wohl ergeben, bes. begünstigt durch stammesmischung (holdo genius u. holde elbe Falk-Torp 428, dieses zu helan verbergen; auch holder, holunder schwebt gelegentlich vor; anderes Weinholds zs. f. volksk. 27, 229). in anknüpfung

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an das adj. faszt Heyne wb. 2, 190 u. als 'bösen geist, eigentlich der gott nicht ergeben ist' (vgl. Albrecht unter unhold, adj. 5), also als christlichen begriff, während Kauffmann mit recht für ältere entstehung eintritt. die analogie von ungeheuer spricht für die beim adj. unhold 3 angenommene entwicklung.
a) im sinne des mythologischen denkens bezeichnet u. ursprünglich mächtige, feindselig schädigende dämonen und dämonisches, teufel, böse geister, gespenster. für die ä. spr. s. Kauffmann a. a. o.; mhd. wb. 1, 704b; Lexer 2, 1898: die höllischen unholden Lohenstein Arm. 2, 50b; der u. teufel Herder 20, 194; heidengötter Scherer litg. 45; Böhme gesch. d. tanzes 21; teufelsmasken Freytag 11, 18; bilwize J. Grimm myth. 3, 137; 1, 395; bilwizreiter Weber Dreizehnlinden 80; baumgeister Lohenstein Arm. 1, 935 (vgl.unholdenbäume Höfler 240a, bilwizbaum J. Grimm myth. 1, 392); sturmdämonen H. v. Barth kalkalpen 505; krankheitsdämonen Höfler a. a. o.; welch unhold hat doch mein gesicht angehaucht Spangenberg Hecuba 265; bildlich v. krankheit Stolberg 3, 111, unwohlsein Varnhagen v. Ense tageb. 3, 300; asche des verbrannten unholds erzeugt ungeziefer Dähnhardt natursagen 3, 1, 152 ff.; wechselbälge Wieland 18, 132; Grimm sagen 1, 68; kobolde Gries ras. Roland 4, 40 (unhold Amor 1, 227); zwerge Hebbel I 4, 81; der tod Novalis 1, 32 Minor; Tieck 19, 58; Typhon Ritter erdk. 1, 779; gespenster Göthe 411, 57, 23 W.; E. H. Meyer myth. (1903) 93; schreckgespenster Babo schauspiele 114; Schiller 13, 449;

nun kommt die liebe stille nacht,
wo käuzchen nur und unhold wacht
Fr. Kind gedichte 1, 193;

Scheffel 1, 208; Auerbach 1, 230; Laistner nebelsagen 90; Baumeister zimmermannssprüche 18; verlockende gespenster Heine 2, 277; böse geister Rückert 8, 196; ungeheuer Göthe 16, 225 W.; H. v. Kleist 2, 96; Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 34; Grendel Scherer kl schr. 1, 479 (Uhland nennt ihn meerunhold Pfeiffers Germ. 2, 344; vgl.see-, DWB bergunhold u. dgl.); Laistner nebelsagen 260 u. s. w.; zauberer, hexen s. 2. abstracter persönlich vorgestellt: der u. klugelgeist Harsdörffer gespr. 3, 349; der u. wüsteney Lohenstein rosen 20; von reichthum, hoffahrt, unverstand Wieland Lucian 1, 80, hasz u. boszheit Freytag handschr. 1, 30 u. s. w.; ein u. von missethat Schiller 3, 38; die unholde der parteisucht Heine 6, 243. eine unholdsgestalt Tiedge 5, 112; unholdskraut = unholdenkraut mandragora autumnalis Pritzel-Jessen 230 (Toxites); unholdsgebilde H. v. Blomberg bilder u. romanzen 218, -sippe Weber Dreizehnlinden 220.
b) ungefähr gleichzeitig mit den bei ungeheuer sp. 703 ff. beobachteten veränderungen gewinnt nichtmythologische vorstellung raum, gestaltet den begriff überwiegend menschlich-sittlich und fördert verwendung des wortes als schelte, rüge u. kraftausdruck. so bezeichnet es, etwas milder als ungetüm u. ungeheuer, zunächst α) einen bösen, rohen, gräszlichen, abscheulichen menschen, einen 'kerl', frevler, bösewicht, wütherich, ein scheusal u. ä.; vgl. DWB ungehalt, m. (und dazu ungeholdt der hs. J des ackermanns a. B. 1, 10): mit namen ein herr, aber mit der that ein unhuld Luther briefe 1, 572 De Wette; der alte pech und grobe unholt (Hans Pfriem) Hayneccius H. Pfriem 248, 1124, 1476; Rätel schles. chron. 206; Rachel sat. ged. 103 ndr.; frevler und u. (anrede) Riemer pol. stockfisch 144; Lohenstein Arm. 2, 108b; die verruchteten unholden med. maulaffe 235; Klopstock od. 2, 159, 26; für Δύσπαρι (Ilias 3, 39) Bürger 206b; fleuch, unhold 71b (der wilde jäger); engelgleicher u. (fiend) A. W. Schlegel Shak. 1, 98 (Rom. u. Jul. 3, 2); das andenken des unholden ... verewigt das nationalschauspiel Hainz von Stein der wilde K. J. Weber Deutschland 1, 539; von jesuiten Göthe IV 17, 101, 18 W., aufständischen bauern Holtei erz. schr. 14, 112, pöbel Treitschke d. gesch. 5, 179, Kriemhilde Hebbel I 4, 336 u. s. w.; es gibt noch wilde menschen, wahre unholde hier oben Auerbach 15, 13. unholdseele Seume ged. 71, unholdzeichen

[Bd. 24, Sp. 1068]


Herder 26, 203. β) verblaszt, scherzhaft u. kosend verwendet, büszt es seinen sittlichen nachdruck ein: von einem poeten C. F. Weise lustsp. 1, 107; mit seinem gth. spielend: der hier statt von einer holden braut von sechs unholden von bräuknechten (vgl. DWB ungeheuer 5) empfangen wurde Nestroy 2, 144; Auerbach 9, 79; der holde u., liebenswürdige u., ein stück von u. Sanders erg. wb. 275b; dirne, du u.! Voss ged. 2, 73; und nun hantiert der u. (ein mädchen) damit, als ob es ein trommelstock wäre Fontane I 4, 36 (vgl. DWB unhold, adj. 4—6). γ) zugleich auf unhold, adj. 4 weist u. zur bezeichnung eines menschen (bes. kindes) oder thieres, die sich nicht regieren lassen: dat is een u. er läszt sich gar nicht regieren Dähnert 506b; dem kleinen unholden (jungen), der meinen namen trägt Lichtenberg briefe 3, 18; du bist ja der reine u. (unband, wildfang) nordwestd. umgangsspr.; vgl. DWB ungehalt, mnd. ungeholden. δ) zugleich an unhold, adj. 6 rührend: den kleinen braunen u. unterm bette Holtei erz. schr. 3, 143; einen lahmen u. (Hephästus) Platen 2, 464; G. Keller 1, 282; Fontane I 1, 398. ε) selten schlagen andre bedeutungen des adj. u. durch, z. b. 1: darzu ist er (gott) nicht ein unfreundlicher unholt und peinlicher stockmeister, sondern ein freundlicher heiland Pfundelius d. schöne magnificat (1598) 56a; oder 5 (misanthropus Stieler 852): wie Timon ein menschenfeindt und unholde zu Athen gepflegt zu leben E. Menius chron. Carionis (1560) 1, 254a; vgl. S. Dach 718; Claudius 1/2, 27; J. G. Jacobi 1, 47.
II. unholde, -hulde, unhold, -huld, f. heute veraltet und durch unholdin (s. d.) ersetzt. vgl. DWB I 2.
1) dämon, gespenst, dämonisches. zur stammesmischung s. DWB I 3. g. unhulþo δαιμόνιον, δαίμονες, διάβολος. ahd. unholda, unaholda (über das zweisilbige präfix s. sp. 1 u. Kauffmann 152 anm. 2; zum geschlecht ebda 157) diabolus, monstrum, manes, eumenides. mhd.: non debes ... credere nec hulden nec unhulden, nec pilwiz, nahtvaren, nahtvrauwen, maren, truten ... totum sunt demones Berthold v. Regensburg bei Schönbach stud. z. g. d. ad. predigt 2, 18 (dazu 21, weibliche nachtgeister; unhulden greuliche hulden, scheuszliche bräute Laistner rätsel d. sphinx 2, 403). krankheitsdämonen u. s. w. Höfler 240a (im volksglauben vielfach mit den hexen übereinstimmend, ebda). dasz dich die unholden reiten! Mäynhincklers sack (1612) c 1b; die unholden und hexen sollen ihn reiten Hartmann fluchspiegel 148; ihr drey höllisch ohnhulden (Diana u. Eumenides Spangenberg Ajax 2425). deam, quam quidam Dianam vocant, in vulgari die frawen Unhold Joh. Herolt bei Grimm myth. 2, 778; die uff dem mantel, bocke, rocken, bachtrogen und ofengablen zu frawen Unhulden faren Agricola sprichw. (1534) g 8a, 381 (vgl. styx unhuld, fraw huld Alberus 44a; lamina, strix ... nachtfraw, unhuld, die den jungen kinden das blt ausz seugt S s 2a); vgl. DWB frau Hulda, Hulde;

also es auch zu aller zeit
gefehrlich steht umb schöne leut.
der scheutzlichen forcht man nicht sehr,
es wer dann das fraw Unhold wer
oder des teuffels mutter gar
Eyering proverbiorum copia 1, 638;

vgl. DWB fee Hold oder Unhold Göthe bei Bohner 98. sonst veraltet bis auf unholden- in zusammensetzungen (s. u.).
2) ältere bezeichnung der hexe. das ags., as., mnd., nd., mnl., nl. haben an dieser verwendung keinen theil. a) dämonologisch. lamia uneholdi ahd. gl. 3, 674, 23; Lexer 2, 1898; Niger Abbas 2741; Diefenbach gl. 316c; n. gl. 227b; Pinicianus (1516) N 7c; Frisius, Maaler, Frischlin, Decimator, Hulsius, Wiederhold, Kramer, Amaranthes, Frisch, J. G. Walch, Braun (1793); unholde ein altgothisches wort, das eine zauberinn bedeutet Bider (Mylius) märlein (1777) 578: die hexen oder unholden Keisersberg emeis 44c; Tengler bei Hansen quellen u. untersuchungen z. g. d. hexenwahns 300; Parac. (1616) 1, 116 A; (1590) 9, 285;

venite ir unhuldibus
H. Sachs 9, 272, 28 K.

[Bd. 24, Sp. 1069]


(so beschwört der fahrende schüler im schwank das unhulden-bannen die hexen); ein wunderlich gesprech von fünff unhulden 5, 285 K.; die unhold oder zauberin Circe Schaidenreiszer Od. vorr. 3; Wickram 7, 259; ohnhulden eselskönig 294; unholten Harsdörffer schauplatz lust- u. lehrr. geschichte 1, 273; Prätorius Blockesberges verr. 65; Christstein weltmann 10; Hohberg georg. 3, 214a; onomatologia curiosa (1769) 450; die zeit, wo zaubrer und unholden ... ihre abscheulichen künste treiben Herder 6, 10 (Hamlet); mir der unholden königin H. L. Wagner theaterstücke 99; hier (beim nachtfest der opéra comique) tanzen die unholden (hexenhaften 'damen') Heine Lutezia 1, 318. sonst nur noch in wissenschaftlicher darstellung: W. Müller ad. religion 363; Riezler hexenprocesse 10, 23, 25 u. o.; auch in mundarten meist veraltet (Staub-Tobler 2, 1182; 1184 zu abholdin; els. wb. 1, 325a; Schmidt els. wb. 380b; Schm. 1, 1090; Schöpf 272). b) als schelte: du unhuld fastnachtsp. 255, 20 K.; 508, 2; 510, 1 bezeichnung des alten weibes; du alte unhuld, pack dich nausz Episcopius aulularia B 2a; die alt künigin, die alt unholt Fortunatus (1509) 117 ndr.; Spangenberg Hecuba 2756; der junge man nennet die alte (seine ältere frau) einen alten balg und unhuldt Albertinus hirnschleiffer 503; veraltet. c) abgeblaszt 'betrügerin. schwindlerin': es were denn, das uns fraw Alleosis hie aber mal aus fleisch gottheit machet; aber wir hören der unhulden nicht Luther 26, 371, 5 W. vgl. unholdenstreich und Luthers frau Hulda.
III. unhold, n. vereinzelt u. mundartlich: ein gespenst Staub-Tobler 2, 1182, 2; H. Braun orthogr. gramm. wb. (1793) 271a. das u. Charon Stolberg 7, 295; vgl. DWB ungeheuer. —
 
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unhold, f., für unhuld, s. d.
 
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unholden = unholdenkerze, -kraut Zedler 49, 1635, Adelung.
 
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unholdenberg (J. Grimm myth. 2, 878),
 
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-fusz (trudenfusz Höfler 176a),
 
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-haft (adv. St. George stern des bundes 38),
 
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-kerze (f. J. Grimm myth. 3, 351; verbascum thapsus Schm. 1, 1091, Pritzel-Jessen 430a, Bock 81a, Lonicerus 312, Diefenbach gl. 94c, Wirsung, Megiser, Pancovius, Nemnich, Adelung ['weil sie ehedem zu zauberischen künsten gebraucht wurde'] Holl pflanzennamen 421b; Fischart binenkorb A 2a; Marperger kaufm. magazin 1297), vgl. unholdinkerze,
 
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-kraut (n. J. Grimm myth. 3, 351; vgl. DWB unholden, unhold-, unholderkraut: 'nerion' Bock 326b [es ist aber diser nerion ein unfreundlichs gewächs, vihe und leuten schädlich, darumb ichs unholdenkraut verteutschet; sein gemeiner nam ist oleander]; eselkönig 347; Lonicerus, Faber, Wirsung, Megiser, Corvinus, Wiederhold, Pancovius, Stieler, Aler, Dentzler, Marperger, Rädlein, Hohberg, Adelung, Nemnich, Krünitz. 'verbascum thapsus' Carrichter bei Pritzel - Jessen 430a, Adelung, Nemnich, Holl. 'verbascum lychnitis' Campe. 'epilobium' Pritzel - Jessen 430a, Nemnich, Holl, Oken natg. 33, 1875; groszes unholdenkraut epilobium grandiflorium Sachs-Villatte. 'auch von andern kräutern, deren sich die unholden zu bedienen pflegten' Adelung; unholdenkräuter hat er gesammelt am berge Swatobor H. Watzlik phönix 238),
 
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-krautsblatt (Heyden Plin. 263 oleander),
 
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-kunst (Wickram 4, 139 anm. 1),

 

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