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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ständchen bis ständeeifersucht (Bd. 17, Sp. 732 bis 737)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ständchen, n. , deminutiv zu stand.
1) den bedeutungen des grundworts entsprechend ganz selten und vereinzelt. zu stand 4, d, krambude:

und sie findet bei der schwarzen Eve,
auf dem ständchen nah am Hühnerborn,
Magelone, Till und Genoveve,
und fragmente aus dem Wunderhorn.
Kind 1, 245 (der jahrmarkt zu Knofelingen).

zu stand 8, deutlich als freie momentane bildung: unsere nation kennet sich schwerlich, bald ist es religions- bald politische parthei, bald die unübersteigliche grenze eines standes oder ständchens, was ... den gedanken an ein theilnehmendes publicum ... aufhält. Herder 17, 297 Suphan.
2) gewöhnlich sagt man ständchen in bedeutungen, die bei dem grundwort nicht entwickelt sind und deren gemeinsame grundlage die vorstellung eines stehenbleibens und kurzen verweilens auf der strasze oder vor einem hause ist; vgl.: ständlein, ständchen, n. stationcella cioè dimora piccola che si fà stando in piedi, massime in piazza. Kramer 2, 931c; 'ständichen, ständchen (das, dimin.) statiuncula. Steinbach 2, 671.
a) 'eine kurze musik, welche man vor einem hause oder fenster stehend bringet'. Adelung unter stand (6), vgl. auch ständlein, ständerlein. so seit ende des 17. jahrh. bezeugt: ständgen, et nachtständgen, statiuncula musica. Stieler 2133; ständchen ... 2) improprie eine nachtmusic, symphonia nocturna, concentus nocturnus. Steinbach 2, 671; ständgen, ist eine nächtliche music, so ein amante seiner geliebten durch andere machen läst, oder selbst allein vor ihrem hause in ein musicalisches instrument, als: laute u. d. g. eine charmante arie singet. Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1894 f. (Schultz alltagsl. s. 11); ständchen, ständerlein, symphonia nocturna, da man mit musicalischen instrumenten vor einem haus oder unter einem fenster einer persohn zu ehren, in der nacht stehen bleibet, und bisweilen dazu singet. Frisch 2, 318a. s. auch Heynatz Antibarb. 2, 441 ('Campe schlägt sangständchen oder ständchensang für serenade ... vor'). sache und wort besonders üblich bei studenten, vgl. Kluge studentenspr. 127b. zeitschr. f. d. wortforschung 1, 49, sowie Weigand 2, 795. Gombert bemerkungen 3, 1. 5, 20. Kluge6 375b (zuerst bei Zesen 1645, vgl. unten). s. ferner ständlein, ständerlein. — belege: nun ist Schelling also hier! ... nun kann der tanz losgehen, mit ständchen, fackelzug, gastmahlen, ehrenbezeigungen aller art! Varnhagen tageb. 1, 344;

ein ständgen hat mein schatz Lisette gern bey nacht,
drm hab ich heute schon ein trefflich stck erdacht,
das wil ich vor ihrer thr
singen, dazu mssen mir
die geigen
nicht schweigen.
Chr. Reuter Harlequins hochzeit-schmausz s. 55 neudr. (10);

hast du schon angethan dein schlafgewändchen?
die schöpfung ruht im sternennachtgewande.
dem schönen haupt gelöst das lockenbändchen?
ich trage fest um's herz die alten bande.
o so wie du die schönste bist im ländchen,
so würd' ich sein der glücklichste im lande,
wenn einen augenblick mein leises ständchen
dein fenster aufzuschlieszen wär' im stande.
Rückert (1882) 5, 88 (sicil. 48).

[Bd. 17, Sp. 733]


s. auch Voss 2, 128 (idyllen 8, überschr.). Uhland ged. (1864) 240 (sterbekl. 1, überschr.). freier:

das sind die wölfe, die heulen so wild ...
sie hörten von meiner ankunft gewisz,
die bestien, und mir zur ehre
illuminierten sie den wald
und singen ihre chöre.
das ist ein ständchen, ich merke es jetzt,
ich soll gefeiert werden.
Heine 2, 455 Elster (Deutschl. 12).

mit verben: einer jungfer ein ständlein, sive ständgen machen, virginis ostium occentare. Stieler 2133; einem ein ständchen machen, noctu occentare ostium alicujus. Steinbach 2, 671. dafür in neuerer sprache stets jemanden ein ständchen bringen. Adelung, vgl. S. Kleemann, zeitschr. f. d. wortforschung 1, 49 (belege von 1745—57): kurtz darauf wurde der geheime rath Gasser zum prorector erwehlet. seine hausbursche brachten ihm ein ständgen. der reisende avanturier (1749) 2, 479; hab' mich von ihnen geschlichen, meinem liebchen ein ständchen zu bringen. Fr. Müller 2, 148; die piferari von Robert, die ... jene pfeifer aus den albanischen gebirgen vorstellen, welche um weihnachtzeit nach Rom kommen, vor den Marienbildern musizieren und gleichsam der muttergottes ein heiliges ständchen bringen. Heine 4, 52 Elster;

nach vierzehn jahren wollen wir
diesz ständchen wieder bringen.
Göthe (1840) 6, 15 (feier des geburtst. des erbpr. Carl Friedr. 1783).

ironisch:

sie geht spazieren alle nachmittage
solo und kehrt zur dämm'rungsstunde heim.
dann woll'n wir auf sie passen hier und bringen
ein ständchen ihr mit geigen, hinterm steg
gespielt, und rumpeltopf und vogelpfeife.
ich kenn' ein zotenlied auf leichte weiber.
das singen wir und machen sie zum märchen
von ganz Bologna.
Immermann 16, 382 Hempel (Card. u. Cel. 1, 1).

andre verbindungen gelegentlich: oder wer sänge uns so artige hirtenlieder, wie jenes, das ich neulich, o Möris, dir abhorchte, als du in nachahmendem gebehrdenspiel ein ständchen an die schöne Amaryllis aufführtest? — dieses ständchen war eine ... freie übersezung der dritten idylle Theokrits, wo ein waldsänger im character eines geishirten singt und tanzt, als ob er vor der felsengrotte der grausamen Amaryllis um liebe flehte. Voss Virgils ländl. ged. 2, s. 459 (zu id. 9, 21—5); wenn wir so alle mitten im ... vormusizieren des ständchens säszen. J. Paul 52 (Katzenb. 2), 66 (hier also mit aufgabe der vorstellung, dasz ein ständchen stehend ausgeführt wird); dann sprang sie schnell hervor .. und sang ihm das lustige ständchen, das Friedrich gestern belauscht. Eichendorff2 2, 64 (vgl. ständchensinger); einer, der sich vor dem hause seiner geliebten mit dem freunde prügelt, weil er kein ständchen zusammen bringen kann, um sie an's fenster zu locken. Hebbel tageb. 3, s. 461. im bilde: die nachtfalter rannten mit ungeschickter galanterie die blumen an, denen das ständchen galt, das sie mit schweren flügeln absummten. Ludwig 2, 288. — ständchen bezeichnet dann auch geradezu das musikstück, das bei solchen gelegenheiten vorgetragen wird oder dafür bestimmt ist; eine bestimmte musicalische form ist dafür nicht vorhanden, vgl. Riemann musiklex.5 1081b. — auch sehr gewöhnlich als überschrift von liedern, so z. b. Bürger 30b. vgl. dazu: das ständchen ist nicht das beste gedicht; mir war am meisten an der äuszern form eines ständchens gelegen, die bey einem stücke, das unter dem fenster eines geliebten mädchens geklimpert wird, das wichtigste ist. Zelter an Göthe 1, 12. — ständchen werden meistens am abend gebracht und das wort wird zunächst in diesem sinne verstanden, also gleichbedeutend mit serenade (theil 10, 1, 623), s. oben die angaben der wörterbücher. doch giebt es auch morgenständchen, s. th. 6, 2581, und im gegensatz dazu werden jene andern als abend- oder nachtständchen bezeichnet, s. theil 1, 26. 7, 217. so in den ältesten belegen: nichts desto weniger must' er sich zur lust bekwämen, und einem abend-ständichen von lauten und stimmen, welches ihm der grafe bringen liesz, zuhören. Zesen Ibrahim (1645) 1, 224; weil kein man gefunden würd, dehr sich bemühet, seiner frauen haar-band am arme zu tragen; ... ihr ein abend-ständichen zu bringen. 350. ferner fackelständchen (theil 3, 229) u. a.: genähert habe ich mich diesem vorzüglichen manne niemals als

[Bd. 17, Sp. 734]


in einer nacht, da wir (die Straszburger studenten) ihm (dem professor Schöpflin) ein fackelständchen brachten. Göthe 26, 47. — der plural von ständchen ist gewöhnlich dem sing. gleich: ich erinnere mich der zeit noch wohl, da ich die artige zigeunerin hiess, und da sich die jungen herren von Toledo um die ehre rauften mir ständchen zu bringen; ich machte, meiner treu! eine theurung in den saiten, so viele guitarren und lauten wurden mir zu liebe zersprengt! Wieland 11, 231 (don Sylvio 1, 3, 7); man konnte kaum etwas malerischeres sehen, als diese phantastischen studententrachten, ihre sangreichen wanderzüge in der umgebung, die nächtlichen ständchen unter den fenstern imaginärer liebchen. Eichendorff 31, 35 Koch;

man bringt dir keine ständchen jetzt,
du armes krankes kind!
Uhland ged. 240;

sieh, dieser ist's, der deinen buhlen schlug, ...
ein ende setzte jenem nächt'gen flüstern,
den ständchen, dem gekos.
Grillparzer4 8, 5 (bruderzw. 1).

doch findet sich in weniger sorgfältiger sprache auch ständchens: die bürger brachten ständchens. Charl. Schiller brief vom sept. 1803 bei Düntzer Göthe u. Karl Aug. 2, 442. (hessisch natürlich ständerchen.)
b) kurzes geplauder im stehen. Weigand 2, 795, so zuweilen in volksthümlicher sprache, vgl. DWB ständerling 1, -lein, ständlein 1, b: ein ständchen, ständerchen machen, ein weilchen stehen bleiben, um mit jem. zu schwatzen. Hetzel wie der Deutsche spricht 298; und doch blieb sie selbst, die ihm vorleuchtete, auf jeder treppenstufe stehen und verwickelte ihn durch ihre fragen in neues erzählen. ... da oben auf der stufe vor der thür ... wurde das längste 'ständchen' gehalten. Ludwig 2, 317.
c) vereinzelt: mache mich auch zu keinem ecksteine: da machen alle hunde ein ständgen dran. Weise comödienprobe (1695) 37.
d) holl. standje bedeutet lärm, zank, vgl. Franck 955.
3) ständchen als deminutiv zu stande, f. giebt Adelung an, vgl. DWB stand 11, a und ständlein. so siebenb. für ein holzgefäsz. Haltrich 88.
 
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ständchensinger, m.: er erzählte, wie er als junges studentchen einst sich seiner haut habe wehren müssen, als er nächtlicher weile einem unter dem hause einer schönen plärrenden ständchensinger im vorbeigehen ein 'halt's maul!' zugerufen habe. Keller 7, 224.
 
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standdiele, standele, f. 'bei den kahnbauern, eine dicke planke, welche an dem steuer eines Elbkahnes die stelle des schaftes vertritt'. Campe. Jacobsson 4, 254a. Bobrik 659a. vgl. DWB stand 11, c.
 
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stande, f. gröszeres holzgefäsz, stellfasz, kübel, kufe; ableitung zu stehen, vgl. DWB ständel, DWB ständer, DWB standner.
1) so im deutschen seit alter zeit: ahd. stanta, -da, -de (plur. stantun, -en, -in) alveus statarius, orca, cadus, cupella. Graff 6, 697 f.; mhd. stande Lexer handwb. 2, 1136; mnd. Schiller-Lübben 4, 362a; auch entstellt zu stange, vgl. das. in glossen: angaria ... stanga, stanta, -e. Dief. gloss. 34c; biota (auch bigota, dyota u. s. w., vas protensum in altum) zwirigs vsslin hd. nd. stande, sthande, hd. stand, stanne, ... stantt vel potig. 74c; stande, stand. nov. gloss. 53b; cubella ... stande, -te, stande vat, schande, kübel. gloss. 160b; cupa ... weinstande, putt, standte. 163a; cupella u. s. w. stanta (ahd.). ebenda (nov. gloss. 124a); dyota ... hd. win-, weinstande, -stantner, stande zu wine o. zu biere mit zweien oren. 183a; orca ... standen. 399b; sisireol stanta (ahd.). 538c; statuarium ... schanck o. standt (?). 550c; vigeta stande, stand. 618c; s. auch Dief.-Wülcker 862. Hoffmann fundgruben 1, 392a. Heyne hausaltert. 2, 361, anm. 128. Brinckmeier gloss. diplom. 2, 573c; biota est vas protensum in altum ein stande. Dief. mlat.-hd.-böhm. wb. (v. 1470) 51a. so auch nl. stande, labrum, alveus statuarius, orca, cadus. Kilian 2, 629b, vgl. die anm. mittelengl. stande Stratmann - Bradley 573b. — nhd. stande oder bütte, labrum solium. grosse stand, cuppa. Dasypodius; standen (die) wasserstanden, alveus, labrum, orca stataria, cuppa. Maaler 384b; standt, f. bütte, une truelle, ange. Hulsius (1616) 306a; stande, f. cupa, truelle. zuber, labrum, butte. Schottel 1421; stande ... mastello, tinello, massimè più largo di sotto che di sopra à diversi usi. v. schaff. kübel. Kramer dict. 2, 906c; stande (die,

[Bd. 17, Sp. 735]


plur. standen) cupa, vas aquarium, quod uno loco permanet, aqualis. Steinbach 2, 671; stande, f. ein hölzern gefäsz das der böttcher von allerley grösse verfertigt. Frisch 2, 318a. — heute in mundarten weit verbreitet: schweiz. štande Hunziker 250, in Davos standa ('ein groszer, von hand nicht tragbarer, kübel'). Bühler 1, 155, in Basel ('faszähnl. stellgefäsz aus dauben, ohne füsze'). Seiler 277a; bair. a standen Klein 2, 168, stantn (stanne) Schm.2 2, 768, steir. stante Unger-Khull 569a; hess. stande (spr. štanne) 'fasz in form eines abgekürzten kegels, in den küchen und in kellern gebräuchlich, um wasser oder bier darin aufzubewahren'. Vilmar 395, s. auch Pfister 283. Crecelius 804 (stann, stân, schdâne 'gefäsz aus dauben, das unten weiter als oben, mit zwei ohren und einem deckel versehen ist und dazu dient, in küche und keller wasser, mehl, käse u. dgl. aufzubewahren'); nass. stann Kehrein 1, 388; ripuar. stànt, stag Münch § 117, so in Köln und Aachen stang Hönig2 173a. Müller-Weitz 233; thür. mit umlaut stände, nordth. šdène Hertel sprachsch. 233, stänne Kleemann 22a; oberlausitz. stande (gewöhnlich ständer) Anton 13, 6, ebenso schles. Weinhold 93a, in Posen stande Bernd 292, preusz. Frischbier 2, 361b. nd. stande Richey 287. brem. wb. 4, 999 f. (gewöhnlich stange gesprochen). Schütze 4, 187, štand(e) Bauer-Collitz 98b, stanne Strodtmann 380b. Schambach 208a. Woeste 253a; stanne und stande in Lippe. Frommann 6, 485.
2) bedeutung: 'ein hölzernes gefäsz aus böttcherarbeit, welches gemeiniglich drey hohe aus verlängerten dauben bestehende füsze hat, und unten etwas weiter ist, als oben'. Adelung, ebenso Jacobsson 4, 254a, s. auch Campe und die erklärungen unter 1. — belege: item torggel, standen und dergleichen so alles fahrend ist. weisth. 1, 291 (Wagenhausen im Thurgau 1491); wat rechtes se hedden in Tudorper holtmarke? schufelen to eren mollen und bredere to eren standen und bodden. 3, 92 (westfäl. holting v. 1482); thom fruwen gerade gehörig: ... sind dar twey standen, höret eine dartho, wo averst kein tapholl (zapfloch) vorhanden, so gehöret ein töver dartho, dar ein holl in is. 235, 21 (gericht zur Wiszenmühle an d. Aller 1570); als wann du zwo tugen (dauben) in einer standen oder bütten wider eben richten woltest, die gelassen haben, eine hinausz die andere hineinwerts. Würtz wundartzn. 224. — vgl. auch standbütte, -gelte.
3) die stande dient zu mannigfachem gebrauche (was jedenfalls auch verschiedenheiten der form bedingt) und wird danach gewöhnlich durch zusammensetzung näher bestimmt.
a) zur aufbewahrung von wasser, vgl. wasserstande. Adelung. besonders in küchen, um einen vorrat frischen wassers aufzubewahren; so in den ostmitteld. idiotiken angegeben, s. Hertel sprachsch. 233. Kleemann 22a. Anton 13, 6. Weinhold 93a. Bernd 292. hess. bornstanne Vilmar 395; auch in Köln und Aachen stang wasserzuber Hönig2 173a. Müller-Weitz 233. els. schon im 15. jahrh. bezeugt: (der klingler soll die küche) versorgen mit holtze und mit wasser in die standen. quelle bei Ch. Schmidt hist. wb. 337a.
b) zum waschen: butte, darinnen man wäscht, stand, zuber, kübel, badgeschirr, labrum, vas ad lavandum aptum. Henisch 572, 41. so wol auch, wenn im Zürcher tageblatt angezeigt wird: zu verkaufen: ein altes waschschiff, verschiedene gröszere und kleinere standen, ein waschtrog mit 3 abtheilungen und anderes mehr. s. auch waschstande.
c) zum baden, vgl. badstande, theil 1, 1075: labrum, badstanden: zuber, standen; wassergeschirr. Dentzler 1, 373b, badestande Adelung. dasselbige wasser soltu in einem kessel ... sieden, ... so giesz es in die standen, darinn der krancke bedacht ist zu baden. Thurneisser von wassern 105;

er nam sin achs, gab im (dem landvogt) ein schlag,
und g'sëgnet im das wasserbad,
das er grad tod bleib in der standen.
Ruff Etter Heini 5, v. 3444.

zum taufen: und darz liesz ich ouch machen einen toufstein, wann ouch z den selben ziten der touf in einer holzinen standen oder kübel was. Stretlinger chronik 38, 23 Bächtold.

[Bd. 17, Sp. 736]



d) zum keltern des weins: stande in der trotten, labrum. Dasypodius; die trauben werden gewöhnlich in rückbottichen in den weinbergen selbst gestoszen oder in standen, sodann in fässer geschüttet und zur kelter oder trotte geführt, wo die masse gewöhnlich eine zeit lang in groszen zübern oder butten stehen bleibt. Oken 3, 1868. vgl.: stand, grosse weinkuffe, mastello, tina, tinazzo, vaso grande di legno, per il nuovo vino. Hulsius (1618) 237b.
e) in küche und keller gefäsze zur aufbewahrung von allerlei speisevorräten u. ähnl.: milchstande, nd. melckstande Richey 287. brem. wb. 4, 1000. Schütze 4, 187. — sahn-stande, worein man die milch thut dasz sie ihre fettigkeit oben aufsetze. Frisch 2, 318a. vgl. nd. roomstande. Schütze 4, 187. —butterstande, s. theil 2, 586, nd. botterstande Richey 287. brem. wb. 4, 1000. Schütze 4, 187; butter-stande, schmaltz-stande, mastello, tinello da tenervi il butiro ò fresco ò strutto (smalzo). Kramer dict. 2, 906c. (vgl. unter f.) — hess. käsestande, käsestann Kehrein 1, 388, kêseshtanne Pfister 283. —mehlstande, nd. meelstande Schütze 4, 187. — für pökelfleisch: fleisch- ò peckelfleisch-stande, mastello grande da tener le carni salate ò i salumi. Kramer dict. 2, 906c; nd. fleesch-stande Richey 287. brem. wb. 4, 1000. Schütze 4, 187. — besonders häufig sauerkrautstande, s. theil 8, 1872, auch einfach kraut- ò sauerkraut-stande, mastello, mastellone da tener' i cauoli capucci conditi ò conciati. Kramer dict. 2, 907a; schweiz. chrûtstanda Bühler Davos 1, 155, in Basel surchruttstande Seiler 277a; westfäl. sültemaus-stanne Woeste 253a. im kloster (St. Blasien) braucht man alle jahre sechszehn hohe hölzerne gefässe, die man standen nennt, voll sauerkraut. H. Sander reisen 2 (1784), 345 (Alem. 16, 67). — hess. trinkenstanne, 'dergleichen fasz im keller, in welchem das ohnehin nicht haltbare dünnbier, covent, in Hessen trinken, welches niemals in fässer gefüllt wird, sich befindet'. Vilmar 395.
f) die stande dient auch zur lagerung und zum transport von solchen waren im geschäftsleben u. ähnl. und nähert sich dabei, indem eine bestimmte constante grösze vorausgesetzt wird, der bedeutung eines maszes. so schon im 15. jahrh. bei lieferungen von butter und schmalz: jtem 2 standen (pottern) den jungffrawen. probstei-rechnung des jungfrauenclosters in Arnstadt v. 1479; jtem 1 stand (smalcz) von der forder rechnung. jtem 4 standen 20 firtel hure (heuer?) gemacht. ebenda; (unter dem titel: innome pottern:) 7 standenn usz dem vihehoffe der probestie ditz jhar entpfangen. 6 standenn jn der wuchelichen kuchen ditz jhar verspeist. desgl. v. 1495. — fässer mit flüssigkeiten: essigsprit, 4 standen, ca. 11 fusz hoch, 1 jahr alt, sind wegen aufgabe des geschäftes zu verkaufen. anz. im Frankf. journ. v. 30. oct. 1873, hauptbl. s. 4b.
g) s. ferner spülstande, oben sp. 229 und Adelung. Jacobsson 4, 254a. dazu: mee für ein kupfferen spulstanntten, wigt 8  à 25 . Tucher haushaltb. s. 59 Loose (vgl. unten 4, a). ferner scheuerstande, theil 8, 2623: spül-stande, feg-, scheuer-stande, mastello, it. conca, lavello da lavar' i piatti, da fregare, scurare, ricurare le stoviglie. Kramer dict. 2, 907a.
4) erweiterungen der bedeutung.
a) stande bezeichnet zunächst ein hölzernes gefäsz, wird aber gelegentlich auch von ähnlichen gefäszen aus metall gesagt: item v czynen (zinnerne) standen. Elsen von Holczhusen inventar v. 1410 (im Frankf. archiv). s. auch kupfferen spulstanntten unter 3, g.
b) hie und da wird auch ein kleineres geschirr mit stande bezeichnet, so steir. 'ein groszes trinkgefäsz aus holz oder zinn zum stehen'. Unger-Khull 569a.
c) in Schweizer mundarten bezeichnet man so bildlich eine 'unförmlich dicke und schwerfällige weibsperson', so in Davos Bühler 1, 155, in Basel Seiler 277a.
 
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stände, f.
1) thür. für stande, s. das. (1).
2) bei Weckherlin als übersetzung von stanze, vgl. das.: und dan die übrige (gedichte) (darunder meine in vilen sonneten oder klinggesängen und ständen beschriebene buhlschafft [Myrta] mich noch verliebet und betrüebet) in des Teutschlands fewer und aschen gerahten. weltl. ged. vorr. 4a; uber den frühen tod der jungfrawen E. T. etc. stände. s. 637 (überschr.); uber meiner Myrten tod. doppelter sechster, oder stände. 641 (desgl.);

[Bd. 17, Sp. 737]


sechster, oder, stände. 644. vgl. Wackernagel gesch. der d. litt. 2, 205, anm. 8.
3) stände 'wird der raum genannt in dem erzhause bey den schmelzhütten, dahin man jede post erz, welche der schichtmeister liefert, stürzen läszt'. Jacobsson 7, 427a.
 
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ständeabtheilung, f. abtheilung der stände (s. DWB stand 8 und 9, a), vgl. auch standesabtheilung: nach allem bisherigen bedarf es keiner ausführung, wie unpassend ... manche gewöhnliche ständeabtheilungen sind. so ist es denn auch die halbpoetische, halb dem mittelalter entlehnte in wehr-, lehr- und nährstand. wer ist heute noch unser wehrstand? ... und wer ist der lehrstand? doch nicht mehr allein die geistlichkeit? will man indesz darunter den stand der studirten ... verstehen und unter dem nährstande den stand der nichtstudirten, so gilt davon alles obengesagte, namentlich aber auch die völlige unzulässigkeit kastenmäsziger scheidung oder eine[r] begründung der abtheilung der land- und reichsstandschaft nach dieser ... standesabtheilung. (Rotteck)-Welcker staatslex.3 13, 721; s. ferner unter ständeverhältnis.
 
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ständeausschusz, m. (zu stand 9, b): die ständeausschüsse sind entlassen und heimgeschickt. Varnhagen tageb. 2, 117 (13. nov. 1842).
 
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standebeni, adv., u. ähnl. s. DWB stantepede.
 
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ständebildung, f.: so falsch es ist, dasz sich alles nivellire, und der ständebildung der industriellen gesellschaft typische schärfe abgehe, so falsch ist es, dasz sie kastenhaft sich zerklüfte. Bluntschli-Brater d. staatswb. 3, 481; die behauptung kastenmäsziger ständebildung in folge des fabrikwesens. ebenda.
 
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ständeeifersucht, f.: wir würden den späteren rangstreit und die ständeeifersucht zwischen clerus und ritterschaft nicht antreffen. Gervinus nat.-lit.3 1, 91.

 

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