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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sobald bis sochen (Bd. 16, Sp. 1385 bis 1389)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sobald , zusammenrückung von so bald, in bestimmten adverbialen anwendungen und in conjunctionalem gebrauche begegnend, in letzterem heute durchaus fest. für die gebrauchsarten, in denen die schreibung sobald bezeugt ist, sind hier auch belege gegeben, die die getrennte schreibung bieten.
1) adverbial.
a) in verbindung mit nicht, wie nicht sehr bald. vgl. DWB so II, A, 2: ein ostensibles briefchen darüber schreiben, möchte ich wohl so bald nicht können. Lessing 12, 532; er wird so bald nicht wieder kommen. Adelung (unter bald); ich werde ihn so bald nicht wieder sehen. ebenda; der herzog ladt mich eben zum essen ins kloster und zu einem nachmittag spaziergang da komm ich sobald nicht los. Göthe br. 5, 98 Weim. ausg. (an frau v. Stein, 27. märz 1781). Campe fordert in diesem falle getrennte schreibung.
b) wie alsbald, sogleich, darauf. vgl. DWB so II, A, 5: und da sie fur jn kam, ward er so bald entzündet gegen jr. Jud. 10, 19; überdies so war denen herren von Goldberg anbefohlen,

[Bd. 16, Sp. 1386]


auf meine abforderung mir sobald 200 schützen sollten zugeschickt werden. Schweinichen 3, 170;

da kommt sie und wandelt;
ich eile sobald
ein singender vogel
zum buschigen wald.
Göthe 1, 99;

als einleitung eines nachsatzes:

so diser morgen sterne
ynn uns auff geht,
so bald versteht
der mensch die hohen gaben.
Laz. Spengler bei
Wackernagel kirchenl. 3, 49b.

über sobald — sobald s. 2, e.
c) in verbindung mit nicht und folgendem als als einleitung eines nachsatzes, wie kaum. vgl. DWB so II, A, 1, l sp. 1353 unten: ich hatte deinen brief so bald nicht gelesen, als ich schrieb. Adelung; nicht sobald war der kriegsplan zwischen dem könig von Schweden und dem churfürsten von Sachsen zu Halle entworfen, und für den letzteren der angriff auf Böhmen, für Gustav Adolph der einfall in die ligistischen länder bestimmt, nicht sobald die allianzen mit den benachbarten fürsten von Weimar und von Anhalt geschlossen, und zur wiedereroberung des magdeburgischen stiftes die vorkehrungen gemacht, als sich der könig zu seinem einmarsch in das reich in bewegung setzte. Schiller 8, 204; Pisistratus erhielt eine leibwache, und nicht sobald sah er sich an ihrer spitze, als er die cidatelle von Athen in besitz nahm. 9, 180; der unhold hatte sich nicht sobald entfernt, als man an der hinteren seite des schlosses ein gefährt in den hof rollen hörte. Mörike Mozart auf d. reise nach Prag;

so bald sieht jener nîcht den prinz allein,
als er ihn tödten will.
J. E. Schlegel bei
Adelung.

mit folgendem so als einleitung eines selbständigen satzes: er ward ihrer nicht so bald ansichtig, so. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827b; er schenckte seinen feinden nichts, und so bald kam nicht eine schrift gegen ihn heraus, so war er mit der antwort fertig. Liscow 467; und ihre liebe ist nicht so bald glücklich, so ist sie nicht mehr. Wieland 11, 219; sobald merkte der knabe nicht, dasz es ihm gelang, so freute er sich und dankte wohl gott. Stilling 1 (1806), 92;

herr Hüon, dem die liebe
die sinne schärft, sieht nicht so bald
ihr herz beklemmt, ihr schönes auge trübe,
so drückt er sie mit zärtlicher gewalt ...
zum saal hinaus.
Wieland 22, 232 (Ob. 5, 77).

mit einem deiktischen zwischensatz: so bald mochten sie daselbs nit die höh eingenommen haben, sihe da, so traffen sie den Bittergroll mit seim volck hin und wider zerstrewet an. Garg. 265b. Adelung erklärt die anknüpfung mit so nach einem solchen vordersatze für falsch. mit folgendem alsbald: und kanns der fürst sobald nicht vormachen, alsbald machts der unterthan nach. H. Müller erquickst. 229. es kann in älterer sprache auch ein selbständiger satz ohne ein solches anknüpfendes wort stehen: die jungfraw Rosamunda ... den brieff alsbald mit grossen freuden auffschlosse, jhn aber so bald nicht anhube zulesen, mit tausentfeltigem leyd umbgeben ward. buch d. l. 245b;

es war so bald nicht morgen wier eilten auff den wall.
Fleming 82.


2) conjunctional.
a) über die entwicklung dieser anwendung s. DWB so II, A, 1, l sp. 1353 unten und C, 1, b, δ. volleres so bald als, sobald als. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827c: so bald als er zu thür herein trat, kam er mir so traurig vor. Stilling 3 (1806), 7, das den übergang von adverbialem zu conjunctionalem gebrauche deutlich erkennen läszt, ist auch heute noch üblich in der schreibung sobald als. in der umgangssprache dafür auch wol sobald wie. häufiger ist schon seit dem 16. jahrh. einfaches so bald, simulac, simulatque. Dasypodius. Maaler 375d. Frisch 2, 283b, sobald Stieler 84. Campe. Adelung gibt der getrennten schreibung den vorzug, die heute völlig veraltet ist. ein mit diesem sobald eingeleiteter satz kann vor oder hinter dem hauptsatz stehen, auch in diesen eingeschoben werden: so bald sie (die flut) daher gehet, wird sie euch wegnemen. Jes. 28, 18; da sie sahe gemalte menner an der wand in roter farbe, die bilder der Chaldeer, ... entbrand sie gegen jnen, so bald sie jr gewar ward. Hesek. 23, 16; so bald sy vor im wărend, machten sy ir reverentz. Morgant d. riese 141, 28 Bachmann; aber so bald die krysten under sy kămmend, wurdend sy vast all zerhowen. 166, 11; so bald ich gfangen ward trŏwt mir der hoptmann des hers mich zehäncken. 168, 19; aber so bald ich dich gsich, wyll ich es dir büessen. 168, 38; so bald es nacht was, thet Roszmunda Ruollanden usz der

[Bd. 16, Sp. 1387]


gfängnus. 169, 14; und so bald sy ein wenig fŭr kămend, sasz Ruolland ab von sinem pfert und knŭwet nider. 193, 2; so bald man das pfymment legt, cum primum fundamenta iaciuntur. Maaler 375d; so bald mich ye einer ersähen hat, ut quisque me viderat. ebenda; so bald er mich in seine wohnung brachte, begehrte er, ich wolte ihm erzehlen, wie meine sachen beschaffen wären. Simpl. 1, 359, 7 Kurz; so bald er mich sahe, kante er mich. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 827c; so bald ich werde wiederkommen seyn, will ich euch besuchen. ebenda; so bald es mittag seyn wird. 828a; so bald es tag ist. ebenda; so bald Jesus aus dem wasser gestiegen. ebenda; so bald ich hinkommen bin. ebenda; so bald er mich hörete reden, lieffe er davon. ebenda; so bald du wärest eingeschlafen, hätte er dich umgebracht. ebenda; so bald der pfeiffer anfieng zu blasen, erkannte man das lied. Steinbach 2, 594; so bald er abgedankt, hat man ihn verklagt. ebenda; so bald ein thier gebohren ist, liebt es sich. ebenda; der sand soll, so bald er gegraben, mit dem kalcke vermenget werden. ebenda; so bald ich gelegenheit gehabt, habe ich nichts unterlassen. ebenda; sie waren dem sieger gleich, der durch gewisse anlockende maximen sich völker unterwürfig macht; so bald sie sich ihm aber unterworfen haben, diese maximen zu seinem eigenen schaden verläszt. Lessing 11, 26;

ihm (gott) hab' ich mich ergeben
zu sterben und zu leben,
so bald er mir gebeut.
Fleming 289;

ich habe solchen wunsch vielleicht bey mir gespühret,
so bald mein erstes blut und athem sich gerühret.
Canitz 89;

er kam, so bald es ausgewittert.
Ramler fabellese 1, 162 (in
Lichtwers fabet 'der hänfling'. der verf. schreibt: nachdem. 50);

meinst du, es sey der trieb nach jeder lust gestillet,
sobald die zärtlichkeit das herz des mädchens füllet?
Göthe 7, 30;

in einem thal bey armen hirten
erschien mit jedem jungen jahr,
sobald die ersten lerchen schwirrten,
ein mädchen schön und wunderbar.
Schiller 11, 197;

sobald das geld im kasten klingt,
die seele in den himmel springt
oder aus dem fegfeuer springt. angeblich ein ausspruch des ablaszkrämers
Tetzel, wol umgebildet aus der folgenden stelle:

(die ablaszkrämer) schreyen zu frawen und mannen:
legt ein! gebt ewer hilff und stewr
und löst die seel ausz dem fegfewr!
bald der gülden in kasten klinget,
die seel sich auff gehn himel schwinget.
H. Sachs 6, 374, 13 Keller

vgl. Büchmann (1900) 532.
b) sobald möglich: er solle ihm, so bald möglich, neue missos zusenden. Hahn hist. (1721) 1, 211 anmerkung d; sehen sie, dasz sie sich sobald möglich, von ihren geschäften losmachen und ihr werk vollenden. Schiller br. 5, 163 Jonas (an Göthe, 17. febr. 1797); erhohlen sie sich sobald möglich. 165 (an Göthe, 1. märz 1797). heute lieber sobald als möglich.
c) bisweilen nimmt ein satz mit sobald den character eines bedingungssatzes an:

wer Jesum recht erkennt,
der stirbt nicht, wenn er stirbt,
sobald er Jesum nennt.
C. Ziegler 'ich freue mich in dir'.


d) ein folgender hauptsatz kann eingeleitet werden durch so: so bald jr hören werdet den schall der posaunen ..., so fallet nider. Dan. 3, 15; wann min vatter hat verheyssen, so bald Rengnold den alten vom berg überwunden hat, so well er im die wider ledig lăn. Morgant d. riese 191, 38 Bachmann; so bald es viere schlägt, so will ich sie melden. Gellert bei Adelung; denn so bald der junge Sylvio von dem pfarrer des dorfes so viel latein gelernt hatte, dasz er die verwandlungen des Ovidius verstehen, und von dem barbier eines benachbarten fleckens, dem Amfion der gegend, so viel musik, dasz er etliche dutzend alte balladen mit auf der cither begleiten konnte: so nahm sie es auf sich selbst, ihn ... auszubilden. Wieland 11, 9;

sobald ich thu mein augen zu,
so wird mein tod mein schlaf und ruh.
Joh. Olearius 'gottlob, mein Jesus macht mich rein';

sobald ein junger hirt die sanfte glut empfunden,
die leicht ein schmachtend aug in muntern geistern schürt,
so wird des schäfers mund von keiner furcht gebunden,
ein ungeheuchelt wort bekennet, was ihn rührt.
Haller 26, 131 Hirzel.

Adelung bezeichnet ein solches so nach sobald als selten und ungut. nach einem langen vordersatz hat es besondere berechtigung.

[Bd. 16, Sp. 1388]


ein nachsatz kann auch eingeleitet werden durch da (do): so bald er sin byt verbrăcht hat, do verstuond er ein stim. Morgant d. riese 193, 19 Bachmann; so bald Magis die mere vernam, do kam er gen Paris und treyb sin kunst. 280, 33; und so bald sy inn ersach, do erkant sy inn. 281, 10, durch dann (in bezug auf zukünftiges oder wiederholt geschehendes): und sobald von so etwas der pedantismus getrennt ist; dann gute nacht. Göthe br. 5, 156 Weim. ausg. (an Carl August, v. 26. juni 1781), durch sogleich: sobald er es wagte den tractat zu brechen und den mund aufzuthun, sogleich beim ersten wort riefen alle gäste: o Rameau! werke 36, 7.
e) durch ein zweites sobald als einleitung des hauptsatzes wird zunächst ein wirkliches vergleichsverhältnis hergestellt (wie baldso bald) im engen anschlusz an sobald als, doch gestaltet sich dann die anwendung freier. vgl. DWB so II, C, 1, b, θ, ηη: sobald diese gedancken mich einnamen, so bald nam ich hingegen die thür ein. Simpl. 1, 116, 25 Kurz; allein so bald man müde wurde sie zu verfolgen, so bald wurden die christen müde tugendhaft zu seyn. Lessing 11, 26; die einsicht des regenten sei noch so vortrefflich; sobald er es nach derselben versucht, die menschen auf einem wege, den sie selbst sich nicht wählten, vor sich hin zu treiben: sobald erfährt er auch, dass die eigenen lebenskräfte in seiner staatsmaschine stocken oder schlafen. Forster ansichten v. Niederrhein 1, 109;

so bald der rauhe nord der lüfte reich verlieret
und ein belebter saft in alle wesen dringt,
wann sich der erde schoosz mit neuem schmucke zieret,
den ihr ein holder west auf lauen flügeln bringt,
so bald flieht auch das volck aus den verhassten gründen.
Haller 27, 171 Hirzel;

so bald er sie verläszt; so bald ergiebt sie sich.
Gellert 3 (1775), 376;

sobald du dir vertraust, sobald weist du zu leben.
Göthe 12, 101.

in einem verkürzten satze: so bald gesagt, so bald gethan. Adelung, von ihm jedoch als falsche wortfügung bezeichnet.
 
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sobben, verb., nd. 'immer im gesöffe leben, beym bier und toback sitzen'. brem. wb. 4, 968: de ganze nagt dör sobben. ebenda. dazu sobbe, sobber, 'ein säufer, ein nasser bruder, vornehmlich der gerne beim bier und toback weg sitzt.' ebenda. darnach bei Campe verzeichnet. im brem. wb. a. a. o. wird verglichen sobben, sobbeln, fland. caespitare, titubare gressu. Kilian. vgl. weiter sabben, sappen oben theil 8, 1589. 1796 und soppen unten.
 
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sobefinden, n. das befinden auf eine solche, auf diese art. Campe, mit folgendem beleg: das gäbe eine bequeme namensleitung für den ort. nur schade, dasz vielleicht das sobefinden dieselbe nicht bekräftigen will. Popowitsch.
 
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sobel, m., s. DWB zobel.
 
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sober, adj., sobrer mensch, qui moderato victu contentus est. Apin gloss. (1728) 498, nrhein. radich vel sober vel messich vel profitelich frugalis, parcimonicus, sober syn, abstinere. Diefenbach-Wülcker 855 (v. 1507. vgl. Dief. 249a. 5c. xx), sober, maitsam. Schiller-Lübben 4, 282b (Theutonista). auch sobber geschrieben. ebenda (andre quelle). in Ostfriesland sober, ssober, ärmlich, knapp, karg. ten Doornkaat Koolman 3, 253a. mnld. sober, sobrius, siccus, parcus et continens, frugalis. Kilian, ebenso nndl.; das frz. sobre, lat. sobrius. Franck woordenb. 923. dazu soberliken, -licken adv. Schiller-Lübben 4, 283a. 282b, mndl. soberlick, parce Kilian, nndl. soberlijk, adv., weiter sobertjes, deminutive form von sober. ten Doornkaat Koolman 3, 253a, ndl. sobertjes, soberheit und sobrieren, s. diese.
 
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soberheit, f., zu sober, niederrhein. soberheyt, abstinentia, parcimonia. Diefenbach-Wülcker 855a (v. 1507). Schiller-Lübben 4, 282b, mndl. soberheyd, sobrietas, parcitas. Kilian, nndl. soberheid.
 
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soborellen, subst.: alkakengi, schlutten oder soborellen. Gersdorff wundarzn. (1530) 100c. es ist ein druckfehler für boborellen. vgl. DWB boberelle oben theil 2, 199.
 
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sobrieren, verb. zu sober; ndl. sobreren, sobrie vivere, victitare. Kilian; das veraltete frz. sobrier, mener une vie sobre. Godefroy dict. de l'ancienne langue française 7 (1892), 434c. vgl. lat. sobriare, nüchtern machen: dieweil und aber das morgenmal reichlichen ingenommen, het sich der herr camerrichter mit herr Wilhelmen von Newhausen verainiget, das si uf den abent sobrirn und nur mit aim gueten gerstlin abtewen wolten. Zimm. chron.2 3, 599, 39.
 
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soc, m., s. DWB sockel.
 
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sochen, verb. siechen, mundartlich, besonders oberd. Stalder 2, 376. Schmid 496. Schmeller2 2, 214. Schöpf 678. idiot. austriac. 115. Höfer 3, 144. Hügel 211a, soochen Klein 2, 158 (östr.),

[Bd. 16, Sp. 1389]


socken Lexer kärnt. wb. 234, mhd. söchen, sochen Lexer mhd. hdwb. 2, 1049, mndl. (?) zvinen vel zohcken, marcere. Dief. 348b, mit siechen etymologisch verwandt: sô dem vuoʒe wê ist. sô söchent älliu lider mit im unde bleichent. myst. 1, 340, 4; also socht er immer mer, unz daʒ er starp. quelle bei Schmeller2 2, 214;

dar nâch wol zwölf wochen
dô gieng der münch sochen. lieders. 2, 400, 273 Laszberg;

mit sinnverwandten verben zusammengestellt:

davon der mensch nit kranck und socht. fastn. sp. 1083 Keller;

allitterierend: etlich werdent serben und sochen in in selber und sterbent. quelle bei Schmeller2 2, 215; siechen und sochen. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 1083. freier von toten:

die welt ist ein glesin hus,
der glantz ist bald zerbrochen,
das man muoss gar schnell darus
und in der erden sochen.
Hugo v. Montfort 144, 56.

sochend, kränkelnd, kränklich, langsam. Schmeller2 2, 215. das sochen, siechtum, kränklichkeit. Schmeller2 2, 215. Lexer mhd. hdwb. 2, 1083: daʒ bedewt ein sochen in der rechten seiten des haubtes von hizz und von durr. quelle bei Schmeller a. a. o. freier:

da find ich lieb ân herzeleides sochen.
Hadamar v. Laber jagd 265, 5;

die sach tuot dem armen also sochen,
und belangt in des jars und wochen,
das kain end daran wil werden,
des muos der arm man verderben. des teufels netz 3773.

mit verstärkung des auslauts sochent: febris, das feber oder fieber, das kaltwehe ... das sochent. Heupold dict. (1620) 170.
in gleichem sinne sochung, f.:

die nacht der kunig lag mit sorgen.
mit sochung' biʒ an den morgen. gesammtabent. 2, 505, 450 Hagen.

dazu weiter socher, m., siechender, kränkelnder. Schmid 496. Schmeller2 2, 215. Schöpf 678. idiot. austriac. 115. Höfer 3, 144. Hügel 211a, soocher (östr.), sogger (pfälz. württemb.) Klein 2, 158, sprichwörtlich: der socher überlebt den pocher, der kränkelnde, der sich zu halten weisz, überlebt den, der sich im vertrauen auf seine feste gesundheit zu viel erlaubt. Schmid 622. Schmeller. idiot. austriac. Höfer. Hügel. Klein (östr.) a. a. o.;

hüte dich vor dem pocher.
dir schadet nie der socher.
Simrock 375, 7955.

sochig, adj. siech. Campe (als schwäb. bezeichnet), sochiger, siechender. quelle v. 1482 bei Höfler d. krankheitsnamenb. (1899) 655a. zusammensetzungen: absochen, s. dies oben th. 1, 120, auch refl., fort-, herumsochen. Schmeller2 2, 215, aussochen. Schmid 496. weiterbildung sochern, gleicher bedeutung, besonders md., sochern, schern, hin-, ausschern. Frommanns zschr. 3, 336, 16 (fränk.-henneb.). sochern, aussachern. Spiesz 235. sochern, sôchern, suchern, sachern. Vilmar 386: er sey, nachdem er lang zuvor gesochert, gestorben. Marburger quelle v. 1658 ebenda. vgl.: altes unschlitt, dessen flamme nur sochert. salzb. zeitg. v. 1830 bei Schmeller2 2, 215 (schwach ist, kümmerlich brennt?). dazu sôcherung, schwindsucht Vilmar 386.
 
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sochen, m., sächs. kirchsprengel. Fulda bei Campe.

 

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