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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mutsche bis mütt (Bd. 12, Sp. 2802 bis 2803)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mutsche, mütsche, f. eine art kleinen brotes, mhd. mutsche Lexer 1, 2259: wan ein bruder asze alle tag zwo mutschen, und ietliche mutsch ein pfund thet, daʒ wer des tages zwei pfund brots. Keisersberg emeis 27; so ist er schuldig zwein fergen iglichem zwo mutschen zu bringen. weisth. 2, 13 (Saargegend); darumb so geben sie den almentschützen alle wochen

[Bd. 12, Sp. 2803]


18 brot, die man nennt mutschen. 1, 453 (an der Bergstrasze, von 1449); der sol dem gottzhusz geben ein pfunt pfeffers, zwo mytschen brots, und ein vierteil wyns. 424 (Schwarzwald, gegen 1400); das wort ist wol verdunkeltes lehnwort aus dem franz. miche, pain qui pèse une livre ou deux, provenz. micha, vergl. Littré 2, 552a; abweichende formen sind mitsche: diese beide kläpper .. haben tags jeder ein halben sester habern, ein jeder hund desz tags 4 mitschen, und der falk desz tags ein pfund fleisch. Philander 2 (1643), 165; mötze: artocopus (panis pistus labore in oleo l. buttrio) mötze Dief. 51c; collyrida, moicz 132c; in Hessen mötzchen, ein gebäck älterer zeit. Vilmar 272; mutze:

eiermüser, karchel, mutzen (als feine cierspeisen). Germ. 23, 297, 109;

vergl. auch mütschel.
 
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mutschein, m. bescheinigung, dasz ein lehen gemutet worden sei; bergmännisch das die mutung enthaltende gesuch und die über die einlegung der mutung erfolgende behördliche bescheinigung. Veith 345. in bildlichem sinne: selbst wenn die erste antwort (die der bräutigam erhält) ein lehnsschein und nicht ein mutschein ist. Hippel 5, 16.
 
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mütschel, f. wie mutsche, mütsche, ein backwerk: spira, ein brätschel, mutschel. Dasyp.; collyra, brot für kinder, als mütscheln, prätzlen, offladen, küchlin und dergl. ebenda; der solte dem andern ain guete neubachne mutschel kaufen. Zimm. chron. 4, 30, 2; mutschel, stella Frischlin nomencl. 282; bair. das mütschelein, art feinen bäckerbrotes. Schm. 1, 1700 Fromm., mhd. mütschelîn; in mancherlei abweichenden formen, die zum theil als nasalierte den versuch machen, das wort an mund anzulehnen: artocopus, mutschel, muntschel, mundschelle, mytzel Dief. 51c; artocopus, mutschell nov. gloss. 36a; im Elsasz mitschel, brot von gewöhnlichem teige, klein und rund. Frommann 4, 473; für desz hauszherrn tisch die kleinen brot, mitscheln, semmeln, fladen, eierkuchen, aschenküchlein und dergleichen. Sebiz feldb. 25; mach darnach kleine kügelin oder brotmitschlen darausz (aus gestoszenen mandeln). 388.
 
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mütschelbrot, n. kleines brot in mütschelform: die in der einöd gelebt hond, zu dreien tagen ein paxillinam, ein alt mütschelbrod gessen hond. Keisersberg brösaml. 1, 61a; einem jeden knaben ward darnach unter dem richthausz ein pfenning und mütschelbrot zur besoldung geben. Wurstisen Basler chronik 506b.
 
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mutschelleib, n. wie mütschelbrot. dim. mutschelleiblein: der solle dem dorf Rastetten zu wihennacht ein halb malter kornes zue brot machen, mit namen mutscheleibelin und sol es den kindern geben zu einer gedehtnisz. weisth. 1, 441 (Rastatt, um 1370).
 
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mutschieren, verb. mutare regimen, administrare provincias alternis vicibus. Stieler 1259, ein rechtsausdruck, aus mhd. muotscharn, md. mûtscharn, entstellt, einem denominativ des subst. muotschar, welches theilung von gesamteigenthum durch übereinkunft, ursprünglich wol theilung oder auseinandersetzung nach verlangen bezeichnet, vergl. Lexer wb. 1, 2247.
 
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mutschierung, f. solche theilung, mhd. muotscharunge: mutschierung bricht keine gesamte hand, divisio ad tempus non infringit simultaneam investituram. Pistorius thes. par. 6, 3.
 
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mutschierungsweise, adv.: bei mir wird gar glück und unglück mutschierungsweise neben und auf einander gepackt. J. Paul litterar. nachlasz 4, 83.
 
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mutschnaubend, part.:

doch die Achäer rückten still heran,
mutschnaubend, und gefaszt in ihrem sinn,
für éinen mann zu stehn.
Bürger 151a (nach Il. 3, 8: μένεα πνείοντες Ἀχαιοί).


 
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mutsfreund, m. freund dem herzen nach, als reimender gegensatz zu blutsfreund (th. 2, 192) gebildet, vgl. auch unter mut II, 1 a. e., sp. 2782: des menschen sohn, unser lieber bluts- und muthsfreund Jesus Christus. Val. Herberger evang. herzpost. 149; weder seiner bluts- noch muhtsfreunden schonete. J. Mestwert fluchspiegel (1674) 61; meine geschwister, bluts- und muthsfreunde empfiengen mich mit ganz auszerordentlichem vergnügen. Felsenb. 1, 81.
 
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mütt, mutt, m. n. trockenmasz, scheffel, örtlich von verschiedener grösze: mut, m. corus, ein maas, eine anzahl etzlicher scheffel pro diversitate regionum Schottel 1367. ahd. mutti, mhd. mütte, mutte, müt, mut; alts. muddi, mnd. mnl. mudde, nnd. müdd, müdde Woeste 178b; wenn der bischof jährlich seine kirchen besuchte: so muszte ihm jedes kirchspiel hundert müdde (modios) hafer ... darbringen. Möser

[Bd. 12, Sp. 2804]


patr. phant. 3, 96; lehnwort aus dem lat. modius, und als solches zunächst von den zinspflichtigen der klöster und kirchen aufgenommen und in die gemeine sprache übergeführt, wo es sich neben den deutschen ausdrücken malter, metze, scheffel u. a. festsetzt: modius, mutte, mudte, mutt, myet, mut, mudde Dief. 364c; mut, mütte nov. gloss. 255a; ein mütt korn bei uns, modius tritici Maaler 295a; wie viel leib brot ein mut korns geb. Keisersberg narrensch. 64b; geit im ze gewinn an dem schaff (salz) 1 pfening oder an dem mutt 5 pfening. d. städtechron. 15, 398, 26; von dem zehenden zu Grenichen zwenzig mtt dinkel und so vil habers. Stettler 1, 183b; zwei mutth korn und zwei muth haffern. Lennep lands. 2, 58 (von 1596); vier mutt frucht. 66 (von 1557);

es (das pferd) erschreckt auch nit ab eim müt
guts habers, den man vor jn schütt.
Haberer Abrah. (1592) G 7a;

schweiz. der mütt, gemäsz zu trockenen dingen, das den vierten theil eines malters ausmacht. Stalder 2, 226; in Schwaben als dim. das mütle Schmid 392; bair. das mutt, auch der und die mutt, dim. müttl, mitl, scheffel Schm. 1, 1694 Fromm.; auch in der form das mött, in Ziegenhain und Oberhessen. Vilmar 272; 3 möth korns undt 3 möth haffern. Lennep lands. 2, 76 (von 1592).

 

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