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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
metzelsuppe bis metzgen (Bd. 12, Sp. 2154 bis 2156)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) metzelsuppe, f. suppe in der beim schlachten eines schweines die würste gekocht werden, wurstsuppe. oberdeutsch: was soll ich von den metzelsuppen, den würsten, leberwürsten, hirnwürsten, blutwürsten und dergleichen dingen sagen. esels adel 116; zur sogenannten wurst- oder metzelsuppe. Schm. 1, 1345 Fromm.; metzelsuppe, gastmahl beim schweineschlachten gegeben Vilmar 269 aus der obergrafschaft Hanau;

wär ich doch daheim geblieben ..
bei den frommen metzelsuppen!
H. Heine 17, 89 (vorher schwäbisch ist die mundart);

ein metzelsuppenlied Uhland ged. 65.
 
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metzeltag, m. tag an welchem in einem hause ein schwein geschlachtet, schlachtfest gehalten wird: metzeltag, tag der wirtschaft wird im Basler nachdruck des neuen test. Luthers schlachttag (Jac. 5, 5) erklärt. Fromm. 6, 44a.
 
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metzelung, f. caedes:

chor. was auch sollte sonst der treffliche
vornehmen, hier in dieser abgeschiedenheit?
publ. wenn ichs gerade sagen soll, scharfrichterei:
ich las entzückt sein trauerspiel Cardenio,
die gröszte, mehr als ekelhafte, metzelung.
Platen 279;

metzelung laniatus Steinbach 2, 60.
 
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metzen, verb.
1) (vgl. das masc. metz) behauen, als bildhauer formen: ahd. dolatis lapidibus gimëzzôten steinon Steinmeyer u. Sievers 1, 446, 3; mëzzôn dolare lapidem Schm. 1, 1702 Fromm.; nhd.

und was Lysippus hat gemetzt,
ist nit ein schnipf mehr über.
Balde ebenda;

wo man den marmel gräbt,
aus welchem die natur hat unser bild gemetzet.
Hoffmannswaldau auserles. ged. 4, 10.


2) in stücke hauen, niedermachen (vgl. DWB metzeln 1):

du wollest doch nicht mehr der feinde scharfes schwerdt,
die ganz uns willens sind zu dämpfen, lassen wetzen:
du zuflucht Israels, lasz doch dem wilden metzen
nach solcher angst und noth, nach dieser langen pein
und schweren kriegeslast, einmal ein ende sein.
Opitz 3, 323;

so metzet stark mit schwerdern drein.
Hildebrand volksl. 402 (von 1664).


3) metzen, schwäbisch, schlachten. Schm. 1, 1702 Fromm.
4) das wenig, aber altbezeugte metzen, mit dem dazu gehörigen masc. metz, ahd. mëzzo (thie mëzzon Otfrid an Hartmut 68) begegnet zunächst als ein steinhauerausdruck, in offenbarem wurzelhaften zusammenhang mit meiszen schneiden, stückweise abtrennen (sp. 1986) und meiszel (sp. 1984); wozu auch niederl. metsen struere, exstruere muros, parietes etc. (Kilian) mit der weiterbildung metselen gehört. zu diesem metzen musz das verbum metzeln oben sp. 2153 als frequentativum angesehen werden, das, wie metzen selbst auch (vgl. ihre begrebnussen zwüschen Gnadenthal und s. Peters platz ... wurden zerstöret, die aufgerichten grabstein mit den hebraischen epitaphien nachmalen zermetzet, und die maur des inneren stattgrabens damit bedeckt. Wurstisen 171), auf dem grundbegriffe des zerkleinerns und stückweisen abtrennens seine bedeutungen weiter entfaltet hat, und der anklang an ital. macellare schlachten von lat. macellum fleischbank, wozu man metzeln stellt, erscheint nur als ein zufälliger. ist dies aber richtig, so können auch metzgen und die dazu gehörige sippe nicht, wie man will, entlehnungen aus den romanischen sprachen sein, sondern sie müssen mit metzen zusammengebracht werden; und metzeln und metzgen als handwerkliche ausdrücke betonen somit nicht das tödten des viehes (das heiszt stechen, vergl. nebeneinandergestellt stechen und metzelen weisth. 1, 507, s. die stelle unter metzeln 2), sondern das kunstgerechte zerkleinern desselben für die wirtschaft.
 
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metzen, verb. als müller die mahlmetze nehmen (vergl. DWB metze 2, sp. 2153):

der müller sprach (zu einem früheren müller, nun bettler): o hetstu fleiszig
zugsehn und mit der molten gmetzt,
und basz die weizenseck beschetzt,
dörftst jetzund nit partecken lesen.
B. Waldis Esop 4, 47, 21;

[Bd. 12, Sp. 2155]



sprachen, er (der müller) thet jn zweimal metzen.
Eyring 2, 78;

wer nicht richtig mahlt und metzet,
hat den grund auf sand gesetzet:
müller, weiszt du das? mildheim. liederb. nr. 442, 2;

tirol. metzen und metznen, beim mahlen den gesetzlichen antheil nehmen. Schöpf 436; in der Oberpfalz und Franken metzen und mitzen Schm. 1, 1705 Fromm.; niederd. matten, s. oben sp. 1765.
 
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metzenbüchlein, n. obscön für das geschlechtsglied einer buhlerin: hurnw. summa summarum: den bischofern gebürt mit dem wort gottes und nit mit weltlichen gescheften umb z gahn, aber ir metzenbüchlin ist ihnen mehr angelegen dann die heilig geschrift. Cunz. meister, züchtig auf der gassen! Schade sat. u. pasqu. 3, 284, 26.
 
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metzengeld, n. geld das dem müller statt der mahlmetze gegeben wird, mahlgeld.
 
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metzenknecht, m. dirnenknecht, der dirnen nachläuft: id animadvertere licet in puellarum amatoribus, vulgariter an den metzenknechten, nachtraben, pflastertrettern, kranznarren, tanzköpfen, winkeltauben, grunzen, quales sunt plerique nostrorum studentum, qui semper vadunt in plateis spatiatum. de gener. ebrios. 26; der ainem juden vil mehr, dann ainem bueler oder aim metzenknecht, het gleichnet. Zimm. chron. 3, 371, 28;

jüngling. was geht euch an mein bulerei?
Adamus. meinst in der stadt sonst keiner sei?
du seist allein der metzenknecht?
H. Sachs fastn. sp. 4, 5, 118.


 
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metzgbank, f. fleischbank: spilerei (spielsucht) ist ein schentlichs werk, ein metzgbank des innerlichen menschens. Frölinkint redefürung (1535) C 2a.
 
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metzge, metzg, metzig, f.
1) die schlachtbank, schlachtstätte, fleischbank; wie die verben metzeln, metzen, metzgen und metznen ein im norden unbekanntes wort, dem aber doch wol deutscher ursprung zuzuschreiben ist, vergl. oben unter metzen 4: mhd. mezzi, mezzje, metzige Lexer wb. 1, 2128; macellum metzig, metzg, metzie, meczgg Dief. 341a; meczige, metzg nov. gloss. 242a; metzig, macellum, dicitur locus ubi pecora mactantur. voc. inc. theut. n 5a; die metzg oder schol, laniena, carnarium, laniarium, macellum Maaler 289b; es dauert jetzt allgemein im alemannischen (appenzellisch als metz, metzena und metze Tobler 213a), bairischen und fränkischen sprachgebiete bis an den Düringer wald: anno 1391 jar ward die metz gepawen und die alten abprochen (in Augsburg). d. städtechron. 4, 315, 19; man sol ouch das rint, das schof und die geisz lebendig under die metzig bringen. weisth. 1, 416 (Schwarzwald, 15. jh.; unter die metzig, weil dieselbe wesentlich als schirmdach über offenen stellungen von holzsäulen gedacht ist); die hund wonen gern under der metzig, sie seint dem blut geferd. Keisersb. narrensch. 89b; das flaisch under der metzge. schiff d. pen. 43d; es was ein hund, den hat man gewönt an die metzig zu gehn. Pauli 48; und do er under die metzige kam, do kaufet er nichts anders dann die schwenz und zungen. Steinhöwel Äsop leb. 11; Esopus gieng unerschrocken wider under die metzig und kaufet aber zungen wie vor. 12b; z Hildesheim waʒ Ulenspiegel, und kauft ein gte rote wurst under der metzig. Ulensp. s. 52 Lappenberg; er gieng eins by die metzige, da daʒ fleisch feil waʒ. 87; (zu fliehen sind) wohnungen neben den fleischbänken, schlachthäusern oder metzigen. Ryff spiegel der gesundh. (1574) 5b; sie land mich allmal so lang an der metzig stan (beim fleischeinkaufen), es solt eins das fleisch nit geschenkt nemen. Wickram rollw. 89, 9; ein kalb und junges böckel hieng allbereit dorten, die haar gelassen hatten, damit man kein geld in die metzig zu schicken bedörfte. Simpl. 3, 298 Kurz; wann ich meine magd zur metzg schicke. Schuppius 708; endlich sagte er (der metzger) zu seinen zwei letzten kunden: ich weisz nicht, ich bin seit einiger zeit so weichmüthig, dasz ich gar kein blut mehr sehen kann, und schlosz die metzig zu. Hebel 3, 75; (der jude) bis ihm sein gott wieder einen altar und einen tempel baut, treibt er die freie kunst des schlachtens, die ihm von dorther angestammt ist, an der fleischbank fort. blut musz flieszen, am altar oder in der metzig! 197; das land umher gleicht einer mezge, wo menschenfleisch wohlfeil ist. Göthe 8, 154;

der felber sprach: ich bin so fin,
usz mir macht man die mülterlin,
mich tragt manche schöne jungfrow
in dmetzg under die benke.
Uhland volksl. 31;

[Bd. 12, Sp. 2156]



Gumprecht. ihr wollt, wie es scheint,
ein metzger werden. Florens. wohl, der vater meint,
es giebt hier in der metzig gut zu essen.
Tieck Octavianus 197;

bildlich: sie (die thoren) mangeln der metzig und fleischbank des gewissens. S. Frank mor. encom. 30b.
2) auch die handlung des schlachtens, namentlich im hause und das dabei stattfindende fest: so ein bürli wynet, das heiszt, kauft etwas wein, um denselben daheim zu genieszen, am neujahr, an der mezg und an der sichelten. J. Gotthelf schuldenb. 136; das heiszt sonst schweizerisch metzgete: mezgede, wurstmahl, metzelsuppe Seiler 206b; die metzgeta das schlachten, und ein geschenk von im eigenbesitze geschlachtetem viehe Tobler 213a.
 
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metzgen, verb.
1) wie metzeln 1 und metzen 2, niedermachen, niedersäbeln: als die andern jhre gesellen der gestalt metzgen gesehen. Amadis 74; ein kriegszmann der gern metzget, grimm, streng auf todschlag ist, caedis avarus miles Maaler 289b; doselbst pflegen sie alsdann ein menschen zu metzigen. Micyll. Tac. 449b; der bluthund Sylla .. der ganze blutschuldbücher stelt von marianischen burgern, so er zu metzigen erlaubt. Garg. 261a; fünf proscenia oder bünen, waren mehr denn mannshoch von brettern aufgerüstet, darauf täglich nach mittag ein erbärmlich metzigen sich begeben. Kirchhof wendunm. (1602) 2, 109; derogestalt ging es recht an ein metzgen; und weil die Deutschen keinen Römer gefangen nehmen wolten, sondern in der that ihr losungswort: schlag todt, aufs strengeste ausübten, stachen viel edle Römer einander selbst todt. Lohenstein Arm. 1, 773a;

und mötzigt euch (flöhe) dann auf dem tisch
ja auf dem täller, drauf sie iszt.
Fischart flöhhatz K 2a;

ausdrücklich der bedeutung 3 verglichen: wie ein schaf ist er zum metzgen geführt worden. Reiszner Jerus. 1, 84a.
2) metzgen, auch martern, quälen mit tödtlichem ausgange: also spricht Seneca. würf von dir hinweg die ding die dein herz metzgend, und ob sy anderst nit möchtend hingenommen werden, soltest du das herz darmit herausz zerren. Keisersberg schiff d. pen. 109a;

weil die häring fast ingemein
gemärtert und gemetzget sein. ganszkönig E 2a.


3) am gewöhnlichsten, wie metzeln 2 und metzen 3, handwerksausdruck, vom kunstgerechten schlachten und zerkleinern des viehs: macellare metzgen Dief. 341a; metzgen, mactare. voc. inc. theut. n 5a; metzgen, schlachten, mactare Maaler 289b; welches kalb ein bauer metzgen wil. Keisersberg sünden des munds 18a; wa man andere thiere metziget. narrensch. 90a; ir habt die milch gessen, euch von der woll gecleidet, und was feist gewesen, habt ir gemetzget. Schade sat. u. pasqu. 2, 21, 9; auch würde er wol können die rinder sampt dem andern vieh metzgen. b. d. liebe 7b; als .. es eben in der zeit was, dasz die bauren die schwein metzgen oder schlachten, so kumpt er in ein dorf, da hat ein beürin gemetzget; die rft dem pfaffen hin z und sprach: herr Hans, herr Hans! kompt und nempt da die würst, dann ich hab die beste saw gmetzget, so ich im stall gehabt hab. Wickram rollw. 175, 8 Kurz; an der leber erkennt man alles fleisch eines gemetzigten thiers, ob es gesundt oder ungesundt zu essen. Paracelsus opp. 1, 919 B; noch jetzt allgemein im süden und daher auch bei schriftstellern solcher heimat und mit mundartlichem gepräge: die sau ist nur auf der welt um gemetzget zu werden. Auerbach dorfgesch. 1, 163; wenn man im winter metzget. J. Gotthelf schuldenb. 9; sie lernten weltsch, lernten wirthen, metzgen, krämern und nebenbei saufen. 322.
4) metzgen, zum opfer schlachten, tödten: sol der jüngling (als opfer) geschlachtet werden, so heisz mich jn tödten und metzgen. buch der liebe 226a; dieweil ich getödtet und gemetzget werden musz, so sol mich die hand deiner tochter umbbringen. 227d.

 

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