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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kariole bis karlsdistel (Bd. 11, Sp. 217 bis 218)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kariole, karjole, f., auch karriol n., kleiner leichter kutschwagen auf zwei rädern, einspänner, frz. cariole, carriole, it. carriuola:

eins (rad) ist eine schiebkarre,
zwei eine karjole.
Müllenhoffs schlesw.-holst. sagen 305;

die göttermagd (Aurora) im karriol.
Pfeffel 3, 165;

den weg lang krimmeln un wimmeln
kutsch' und karjol' un damank stöhlwagen.
Voss de geldhapers 159.

Dazu kariolen, karjolen, rasch fahren, thür. auch karölen:

bei solchem weg karjolt
kein fuhrmann aus dem orte.
Voss 6, 126.

In Baiern, Österreich, Ungarn fahren carriolposten zwischen kleinern stationen. Bei Denzler aber kariol für scariol, scariola.
 
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karisei, s. kersei.
 
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karjammer, m. ein schweiz. wort von geschichtlichem werte, 'lärm, besonders von rufenden, schreienden' Stalder 2, 89. die bestandtheile sind ahd. chara wehklage, klaggeschrei, charôn wehklagen und jâmar, und beide scheinen von alters her gern verbunden zu sein, in der hölle z. b. ist kárôt unde jâmer Haupt 3, 445, Müllenhoff und Scherer denkm. 54. der karjammer aber wird ursprünglich das klaggeschrei über einem todten sein, das pflicht der verwandten war, zu dem sie 'helfen' muszten (s. DWB klage 2, vgl. z. b. Nib. 955, 4. 1007, 2. 1028, 3. 2171), s. dazu das kartag unter karfreitag; es ist denkbar, wie diesz geschrei, durch verfall der uralten sitte seines gemütsinhalts beraubt, zu bloszem 'lärm' werden muszte, wie das gerichtliche zetergeschrei; vgl. DWB ketzerjammer. zum ersten theil des wortes und in der bedeutung stimmen auch preusz. karrwauchs, karrmaus lärm, vermischtes geschrei Hennig 117, nürnb. kormordio schreien wie zetermordio schr. Schm. 2, 325, eig. vielleicht mit wehgeschrei einen geschehenen mord ausrufen (kar zu kor geworden dem folgenden o zu gefallen); vielleicht findet auch der erste theil des frz. charivari, prov. caravil (s. DWB krawall) hier seinen rechten anhalt, es heiszt in der mundart der Normandie carimallot, prov. caray streit, lärm (Diez 591), und dasselbe scheint engl. 'carboil a tumult' Halliw. 232a. tirol. cartummel tumult (17. jh.) Fromm. 6, 291. Schöpf 304. vgl. auch schles. karei (kuri) groszer lärm, zank. Holtei schles. ged.

[Bd. 11, Sp. 218]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) karjolen, karjölen, jauchzen, juchzen, besonders von jauchzendem grellem gesang, nd.:

weest du den lustigen swier, den de pucklige Maz mit dat hackbrett
lezt so kräftig karjölde?
Voss musenalm. 1778 s. 225

in de geldhapers, später krijölede (1825. 2, 81); der wächter stiesz ins horn, um ein verjährtes brautlied aus der rauhen mummenkehle zu karjöhlen. Musaeus 4, 62 (5, 24). götting. karjölen, krajölen, hamb., osnabr., brem. krijölen, krijölken, braunschw. krajaulen, westf. krajilen, kriölen, hannöv. krjeulen Fromm. 5, 153, thür. sächs. kröhlen, krehlen. jölen, jolen ist auch hd. (Keisersberg), das kar- erinnert an das gleiche im vorigen wort; vgl. auch DWB kajinken, DWB krakeelen, DWB kreiieren.
 
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karkwal, m. ein meerfisch, cetus dentatus. Maaler 240d. wal ist ahd. cetus, walfisch.
 
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karl, einer der verbreitetsten eigennamen, besonders als vorname, bei uns wie bei allen Romanen, den Engländern, den Nordländern in manigfachen formen. seine weitgreifende stellung hat er vorzüglich Karl dem groszen zu verdanken, der ja in der volkssage (myth. 906. 908) und volksliteratur allen gegenwärtig blieb. von ihm nannten sogar die Slaven den könig, wie wir von Caesar den kaiser, altsl. kral', böhm. král, serb. kral, slov. králj, poln. król, russ. korol', auch ungr. király, litt. karálus (doch nach Nesselmann 179a 'wahrsch. von káras krieg'), nach lat. Carólus. im 16. jh. heiszt er keiser Carles, z. b. Garg. 171a, mit aufnahme der lat. endung. von der anfänglichen bedeutung s. DWB kerl. bemerkenswert ist, dasz man statt Karlchen kosend auch Karlmann, Karlemann sagt (Frisch 1, 501c), so thür., sächs., schles. (Weinhold 40b), es besteht auch als familienname; ebenso Henrichmann, Heinzmann zu Heinrich u. a.
 
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kärle, kärlein, n. vasculum, demin. zu kar n., bair. östr. kärle, kar'l; ahd. charili in sulzicharili catinulum, karel acetabulum Graff 4, 464: het ein gemüs gekocht und het geriben oder eingebrockt brot in ein kerlin oder ein narten. Keisersberg sünden d. m. 86b; buch ihm selbsten ein schüsselein oder kärle voll. Spangenberg lustg. 407; 'lärs kärly' nennt Brant narr. 110a, 70 schlemmer, 'leer das kärlein' wie becherleeraus 1, 1214, wie 'räum die schüssel' (Reimschüssel), Raumdiekann Garg. 237a (444). s. auch kärrlein.
 
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kärle, kärles, karli, s. DWB kerl.
 
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karlier, s. karnier.
 
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kärm, s. DWB kerbe 3.
 
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karlsdistel, f. carlina acaulis, eberwurz, soll nach Karl d. gr. benannt sein, s. myth. 1233 fg. Nemnich 2, 891.

 

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