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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hund bis hundeartig (Bd. 10, Sp. 1910 bis 1920)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hund, m. canis.
goth. hund-s; alts. altnfr. ags. fries. hund, niederl. hond; engl. hound geht nur noch auf den jagdhund; altnord. hund-r, dän. schwed. hund; ahd. hunt, mhd. hunt. die urverwandten sprachen gewähren sanskr. çuni-s und çvâ, gen. çunas; zend. çuni-s; griech. κυών, gen. κυνός; lat. canis; litt. szunis, und sz,

[Bd. 10, Sp. 1911]


gen. szuns; altpreusz. suni-s (Fick 52), so dasz der schlieszende t-laut an dem namen dieses alten hausthieres der Indogermanen eigenthümlich deutsch erscheint. nach welcher eigenschaft der hund seine benennung empfangen, ist unsicher; dasz an die goth. wurzel hanþ, infinitiv hinþan in fra-hinþan fangen, gefangen nehmen nicht gedacht, der hund also nicht als fänger, jäger hingestellt werden darf, ist längst erkannt; ob zusammenhang mit griech. κύειν schwanger, trächtig sein besteht und das thier von seiner groszen fruchtbarkeit genannt worden sei, steht dahin. Bedeutung.
I. hund im eigentlichen sinne.
1) das wort geht auf die grosze familie des canis familiaris, und zwar in beiden natürlichen geschlechtern; nur wenn der weibliche hund ausdrücklich hervorgehoben werden soll, wird hündin (s. d.) gesagt. zusammensetzungen bezeichnen die einzelnen racen, entweder nach ihrer ähnlichkeit mit andern thieren in kopfbildung oder fell, vgl. wolfshund, löwenhund, tigerhund; oder häufiger nach ihrer verwendung: schäferhund, hirtenhund, metzgerhund, haushund, hofhund, jagdhund, jägerhund (hühnerhund, wachtelhund, dachshund zur jagd auf solche thiere), kettenhund u. s. w.
2) besondere eigenschaften der hunde durch adjectiva gegeben: der hund ist treu, falsch, böse, munter, faul, bissig; böse hunde haben zerrissen fell. Schottel 1118a; alte hunde sind übel bendig zu machen. 1113b; stinkende hunde. Happel acad. rom. 25;

herzog Rprecht veracht das offenbäre,
er kam z ban grosz und schwäre,
er stank im ban als ain hund.
Liliencron volksl. 2, 46, 53;

der hund ist toll, wüthend: rapidus canis wutender o. tobendiger hundt Dief. 482a; ein toller hund laufet nicht über sieben tag. Pistorius thes. par. 10, 21; damit ein wütender hund, er seie so rasend wie er wölle, dem schäfer keinen schaden thue. Sebiz feldb. 147; alemannisch heiszt es tauber hund. wtiger oder tauber hund, rabiosus canis Maaler 232b; sonst auch törichter hund, rabiosus canis Stieler 866;

der träg, der nit gern gat her für,
der spricht, der löw stat vor der thür,
der dorecht hundt in heim behalt (er fürchte sich vor einem tollen hunde, der ihn begegnen könne). narrensch. 97, 31;

räudige hunde; ein bunter hund, im gegensatz zu dem mit einfarbigem fell, gilt als auffallende erscheinung, sprichwörtlich er ist bekannt wie ein bunter hund, notus est omnibus et singulis. Stieler 866; aber auch als falsch, tückisch:

der letzte, Triegewicht,
ist wie ein bunter hund, er läszt die tücken nicht.
Kongehl Innoc. 47;

ein wachsamer, lauter hund; gegensatz der stumme hund: alle ire wächter sind blind, sie wissen alle nichts, stumme hunde sind sie, die nicht strafen können, sind faul, liegen und schlafen gerne. Jes. 56, 10;

weil aber ich in meinem sinn
ein stummer hund gewesen bin,
der nicht gethan nach seiner pflicht.
B. Ringwald tr. Eck H 4b;

der nasse, begossene, zitternde hund, ein bild äuszerster kläglichkeit: stund so elend und erbärmlich allda, dasz es einen nassen hund hette erbarmen sollen. eselkönig 335; er und sein camerad zitterten wie nasse hunde. Simpl. 1, 253 Kurz;

da kam ich aus der schlacht wie ein begossner hund.
Kotzebue dram. sp. 1, 216.


3) der hund bellt, gauzt, heult, jault, knurrt, winselt; des abends las sie widerumb auch heulen wie die hunde. ps. 59, 7; und wird nicht ein hund dich thüren anbellen. Judith 11, 13; lasse inzwischen die leute reden, und die hunde bellen. Schottel 1147;

lasz irre hunde heulen
vor ihrer herren haus.
W. Müller winterreise;

er schlägt an, kläfft, plafft, päfft, packt, beiszt: todter hund beiszt nicht. Schottel 1114b; wann ein alter hund baffet, so siehe aus. 1121b; machst du dich selbst zum schaaf, so beiszen dich die hunde. 1130a; es schadet nicht wan die hunde schon bellen, wan sie nur nicht beiszen. 1143b; hunde, die viel bellen, beiszen nicht; er läuft, ist läufisch; der hund läuft, canis catulit Stieler 866; im schmerz und in der angst zieht der hund den schwanz ein, in der freude oder bittend wedelt er mit dem schwanze: da lief der hund vorhin, welchen sie mit sich genomen hatten, und wedelt mit seinem schwanz, sprang und stellet sich frölich. Tob. 11, 9;

[Bd. 10, Sp. 1912]


der hund wirt kaum halp gewert,
was er mit seinem schwanz begert. fastn. sp. 528, 20;

in demut kriecht er, liegt er auf dem bauche;

doch einen hund an unverschämtheit gleich
lebt er (der schmeichler), und bellt, und kriecht sich adelich und reich.
Voss 6, 301.

durch seine kunststücke belustigt er den menschen, er wird dazu abgerichtet;

auch hetten sie bei inen einen hunt,
der kunt tanzen und überspringen:
da lachten sie derselben dingen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 172, 655.


4) der hund ist der begleiter des menschen, und sein haus- und zimmergenosse. seine treue und anhänglichkeit ist sprichwörtlich, vgl. hundetreu; fremden lockungen widersteht er: an fremden hunden und kindern ist das brod verlohren. Pistorius thes. par. 9, 35; wie kein anderes thier wird er geschätzt:

einen mann hungerte manche stund:
er gieng und kaufte sich einen hund.
Simrock sprichw. 267.

mit der katze und dem hahn gehört er notwendig zu einem hausstande (rechtsalt. 588); daher, wenn verbrecher mit einem hunde und einem hahne ersäuft werden, hierdurch die vertilgung des gesamten hauses angedeutet sein soll: wer seinen vater oder muter totit oder andir sein elderen, den sol man .. in einen lederin sag vornehin (einnähen) mit einem affin unde einr notern und mit einem hanen und mit einem hunde, und sol in werfin in ein waʒsir. Magdeb. blume 2, 5, 18. mit dem hahn ist er auch formelhaft verbunden in der redensart da kräht weder hund noch hahn danach, wahrscheinlich doch aus weder huhn noch hahn (sp. 161) verderbt;

unds würde weder hund noch hahn nach krähen. (
Schink) theater (1778) s. 48.

auch in andern formeln ist seine zugehörigkeit zu menschen und hausstande betont: kein hund und kein seel heiszt in Tirol gar niemand. Schöpf tirol. idiot. s. v; dasz ich bisz an die kitzing weder hund noch katze, viel weniger einen menschen antreffen würde. Simpl. 1, 412 Kurz; unangesehen auf dem ebenen land in den dörfern weder hund noch katze anzutreffen. 2, 31;

kein freund, kein mensch, kein hund erfährt mein ungemach.
Günther ged., nachlese 56.

sein amt ist das hauswesen zu hüten, daher können die schätze bergenden schlösser bildlich des schlossers hunde genannt werden: weil selbiges (geld) sampt vielen klenodien in einem gewölb aufgehoben und von etlichen desz schlossers starken hunden verwahrt war. Simpl. 4, 91 Kurz;und durch bellen gefahr zu verkündigen: aber wer in einem hause zutritt sucht, der musz auch den hunden schmeicheln, damit sie nicht zu unrechter zeit bellen. ich trage immer ein stückchen kuchen für die hunde in der tasche. Kotzebue dram. sp. 3, 239; von fremden und bettlern wird der hund aufgeweckt: dann indem er (der landsknecht) so herumb zeucht den bawren die hundt aufzuwecken und ein paar würst zu samlen, musz er manch unnütz wort mit under fressen. Kirchhof mil. disc. 215; daher sprichwörtlich: man musz den schlafenden hund nicht wecken. Lehmann 82;

drumb magstu wol dein maul zu drücken
und liest den hundt wol billig schlafen.
H. Sachs 3, 3, 13b.


Als hofwart (sp. 1703) ist der platz des hundes auf dem miste, daher er ahd. mistbella (Graff 3, 92), mhd. und noch später mistbelle (Lexer 1, 2176) heiszt: der hund ist tapfer auf seinem mist. Simrock sprichw. 265;

dasz sie zu haus auf irm mist
wie die verzagten hunde bellen
die an helsen tragen schellen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 51, 99;

dem sprichwort nach allzeit du bist
ein freidig hunt uf deiner mist. 3, 125, 14.

aber auch das zimmer ist ihm nicht verschlossen, er sucht sich seine nahrung unter dem tische:

es müst gar ain gescheider hunt sein,
der unterm tisch het gefunden ain pein (beim gastmahl eines geizigen). fastn. sp. 783, 17;

namentlich bei üblem wetter wird er in der stube geduldet: weil es denn heute so abscheulich wetter ist, dasz man keinen hund vor die thür jagt. Bettine briefe 1, ix; und sein platz ist hier gern in der fuszhöhlung des warmen ofens, von wo ihn fortzubringen es der lockmittel bedarf; daher sprichwörtlich, für einen der nicht einmal etwas gewöhnliches versteht: der doch mit all seinem verstand kaum einen hund könte ausz dem ofen

[Bd. 10, Sp. 1913]


locken. Philander 1, 60; gestalten ich, wie ich den wald verlassen, ein solcher elender tropf in der welt war, dasz man keinen hund mit mir aus dem ofen hätte locken können. Simpl. 1, 41 Kurz; wir (musketierer) müssen städt und festungen einnehmen, .. da hingegen ihr reuter auch vor dem geringsten rattennest keinen hund aus dem ofen locken könnet. 279; da musz einer weisz und fürsichtig heiszen, da er doch nicht versteht einen hund aus dem ofen zu locken. Gunsen schalkheitshechel (Gera 1689) ode 22; wo mit der poeterei kein hund mehr aus dem ofen zu locken ist. Wieland in Mercks briefs. 2, 213;

damit lock ich, ihr herrn, noch keinen hund aus dem ofen.
Schiller 95a;

versteh ich gleich nichts von lateinischen brocken,
so weisz ich den hund doch vom ofen zu locken.
Bürger 67a.


5) auch dem jäger ist der hund unentbehrlicher begleiter:

es ritt ein jäger wolgemut
wol in der morgenstunde,
wolt jagen in dem grünen wald
mit seinem ross und hunde.
Uhland volksl. 243.

die weidmannssprache hat in bezug auf ihn mancherlei technische ausdrücke; der hund wird abgeliebt, abgedankt, durch liebkosungen von der fährte zurückgerufen: darauf bringet man den hund vermittelst dem zuspruche wie beim arbeiten, mit recht geben und ablieben, wo möglich auszer dem winde herbei. Göchhausen not. ven. 15; der hund wird gefaszt, am hängeseil, oder am pürsch- oder hetzriemen gefesselt; der hund faszt, wenn er ein wild anpackt, niederzieht und würgen will. Jacobsson 1, 669a; man ruft die hunde, gibt ihnen signale mit horn oder stimme, wenn sie bei der jagd sich verlaufen oder falsch jagen. 2, 294b; die hunde haben gut gepackt, wenn sie etwas gut angefallen haben. 3, 181b.
Bei Brant faszt hund die vorher aufgezählten jagdhundarten zusammen:

dann leidthund, wynd, rüden und bracken
on kosten füllen nit ir backen,
des glich hund, vogel, fäderspil
bringt als kein nutz, und kostet vil. narrensch. 74, 7.

sprichwörter und redensarten die vom jagdhund ausgehen: viele hund der haasen tod. Schottel 1122a; mit willigen hunden fähet man bald. ebenda; hingegen aber ist ein junger hund zum jagen viel freudiger als ein alter löw. Simpl. 1, 60 Kurz; mit allen hunden gehetzt sein, sehr schlau, wie das wild, das dem jagenden hunde immer zu entgehen wuste; wir erschrecken nicht darvor, wir sind mehr für den hunden gewesen. Fischart bienk. 47a; der mit allen hunden gehetzte pater. Riehl culturgesch. nov. 283.
6) der hund als gehilfe des schäfers (vgl. hirtenhund, schäferhund, schafhund): (meine) herde ... zu dero hut gleicher gestalt mein hund Phylax verblieben. Homburg Dulcimunda (1643) 35;

wie er mit hangender zung um die heerd amtseiferig wandelt!
klug ist wahrlich ein hund!
Voss 2, 179;

dann folg ich der weidenden heerde,
mein hündchen bewahret mir sie.
Göthe 1, 94.

sprichwörtlich: wenn der hund wacht, mag der hirte schlafen. wenn die hunde schlafen, hat der wolf gut schafe stehlen. Simrock sprichw. 263.
7) der lohn für die treue, wachsamkeit und hilfe des hundes ist oft schlechte behandlung und geringes futter, daher es haben, leben wie ein hund: halten das volk gottes wie einen hund. Waissel chron. (1559) 153a; und leiden deszhalb einen guten theil des jahres wie die hunde. Göthe 27, 190;

es möchte kein hund so länger leben. 12, 30;

ein hund habe es besser als so eine bäurin, welche auf dem hofe der schuhwisch sei und alle tage die erste und die letzte sein müsse. J. Gotthelf schuldenb. 323;

alte diener, hund und pferd
sind bei hof in einem werth.
Pistorius thes. par. 1, 47.

sein mühevolles leben zeichnet die redensart arbeiten müssen wie ein hund: dann sei es nicht gesagt, dasz man immer gesund bleibe und arbeiten möge wie ein hund bis in das höchste alter. Uli d. pächter s. 97; damit zusammen hängt müde sein wie ein hund, vergl. hundemüde. von dem schelten des hundes heiszt es einem den hund lesen (vergl.hunzen): von diesem, was er dachte, sagte der reisende dem wirthe eben falls nichts, kein wörtchen, geschweige, dasz er ihm den hund las nach noten. er wollte den wirth nicht beleidigen. schuldenb. 11; das strafende instrument, stock oder knüttel, droht

[Bd. 10, Sp. 1914]


ihm: damit nu denselbigen stolzen göttern der rhum und trotz genomen werde ... wird inen hie ein pflöcklin dafür gesteckt, und der knüttel bei den hund gelegt. Luther 5 150b;

alle gesetz acht man gering,
wo nicht der knüttel war beim hund,
der ihn zur folge bringen kunt. froschmäus. Bb 8b (2, 2, 11).

er ist launischer behandlung ausgesetzt: wie man saget, wenn man dem hund zu will, so hat er das leder gefressen. Luther 6, 316a; wenn man dem hunde an die haut will, so sagt man, er sei wüthig. Simrock sprichw. 265; wer einen hund wil werfen, findet bald einen prügel. Schottel 1131a;

Hans, der hund den hängen man will, hat leder gefressen.
Voss 2, 28.


8) schlechte eigenschaften des hundes werden vielfach hervorgehoben, seine gefräszigkeit, frechheit, geilheit, unverträglichkeit: man lasse denen edelleuten ihr wildpret, denen bauern ihre kirchweih, und denen hunden ihre hochzeit, so bleibt man ungerauft. Pistorius thes. par. 3, 58; der hund friszt wieder, was er gespieen hat. Simrock sprichw. 266 (nach 2. Petr. 2, 22); neidisch wie ein hund. Schottel 1145a;

zwei hunde an einem bein
kommen selten überein. ebenda;

es ist dem einen hunde leid,
dasz der andre in die küche geit. ebenda.

die unverträglichkeit äuszert sich namentlich auch gegen die katzen, daher wie hund und katze leben, in gröster feindschaft: wie wir aber miteinander gelebet, kan sich jeder leicht einbilden, nemblich wie hund und katzen. Simpl. 3, 40 Kurz;

der herr. leben sie auch in einigkeit?
S. Peter. ja herr, wie hunt und katzen,
wo einer den andern kan betriegen und kratzen.
Schade sat. 1, 169, 550;

den amaysen so spinnen feindt,
als wie die hund den katzen seind. mückenkr. 1, 742;

leichte gesellen wollen sich an ihren ehegatten nicht ersättigen lassen, sondern wärmen sich bei andern weibern, und halten ihre eheliche pflichte wie der hund die fasten. Creidius 1, 241; wann er mant seine wort hielt, und nehm sie, wie er spricht, zu seiner fraw. aber ich denk, er wird halten, wie der hund die fasten. Homburg Dulcimunda (1643) s. 40; schwerlich essen die hunde bratwürste, sie stehlen sie denn. Simrock sprichw. 265; den hund nach bratwürsten schicken. Schottel 1113a;

schwerlich indesz mir
waget er wol, auch frech wie ein hund, noch zu schauen ins antlitz! Ilias 9, 373.


9) hunde haben bisweilen ein verstelltes hinken:

an der hunde hinken,
der huren winken,
der frauen weinen,
und krähmer schwören
soll sich niemand kehren.
Pistorius thes. par. 5, 20;

und von dieser vorstellung aus heiszt es der hund hinkt an einem bein, es ist etwas nicht in ordnung, nicht richtig, auf eine geschlechtliche ausschreitung bezogen:

dein herr musz ja gar sein ein narr,
wolt er den bock zum gärtner stelln?
zur frawen schickn ein jungn geselln? ...
ich hab mich allzeit lahn bedünkn,
es müst der hund an ein bein hinkn.
H. J. v. Braunschweig 632.

davon wieder den hund hinken lassen, niederdeutsch den hund hinken lâten, falsch, unzuverlässig sein. Schiller zum meklenb. thier- u. kräuterb. 3, 4b;

weil ich sies abr geheiszen hab,
und sie nicht dürfen stehen ab
götlichem gwalt und müszen dran,
woldn sie den hunt gern hinken lan.
Schade sat. 1, 126, 550.

sich eine ausschreitung erlauben, namentlich von frauen gesagt (vgl. auch hinken sp. 1447): etliche frauen ... welche zwar ihren männern allein trew zu sein geschworen, und lassen doch das hündlein ein wenig hinken. engl. kom. 2, M 5;

es het ein man ein junge fraw,
die must er warten gar genaw;
drumb liesz ers selten auf die gassen,
denn sie den hund pflag hinken lassen.
B. Waldis Esop 2, 88, 4;

disz alles gieng noch hin, als banketieren, trinken,
auch keifen, wann sie nur den hund nicht liesze hinken. (
Rachel) verkehrtes weiber-lob.

[Bd. 10, Sp. 1915]



10) auf der verächtlichkeit des hundes beruht die alte strafe des hundetragens, worüber rechtsalt. 715 ff. ausführlich gehạndelt, und der nach 718 die idee zu grunde liegt, dasz, wie der verurtheilte das schwert, die rute, den strang um den hals trug, er auch den hund tragen sollte, damit anzuzeigen, dasz er wert sei, gleich einem hund erschlagen und aufgehängt, an der seite eines hunds aufgehängt zu werden (vgl. unten 12):

er msz sich offenlich lon schlagen,
ein schwert, brand oder hund umb tragen,
dasz, ob man dsünd sunst nit gdar nennen,
sie doch mög bei der bsz erkennen.
Schade sat. 2, 227, 1157.

das andenken an diese strafe lebt noch in entsprechenden redensarten, wobei der erscheinende ortsname ursprünglich als gaugrenze verstanden werden musz (a. a. o. 717): im Elsasz hunde nach Lenkebach führen. Arnold pfingstm. 120; in Gieszen hunde nach Endebach führen; in Franken hunde führen bis Buschendorf; am verbreitetsten ist hunde nach Bautzen führen; er musz hunde führen bis Bautzen (in verachtung und ungemach sein). Simrock spr. 268; sonst abgeblaszt: er musz die hunde führen, ultimus, extremus est omnium Stieler 866, wobei aber auch die vorstellung vom hundejungen (s. d.) eingreifen kann; bairisch den hund hüeten oder fail haben, von mädchen, auf dem tanzplatz zugegen sein und nicht zum tanz aufgezogen werden, den hund haim füeren, vom tanzplatz nach hause gehen, ohne getanzt zu haben. Schm. 1, 1128 Fromm.; in Hamburg heiszt hundmamsel ein mädchen die auf bällen nicht zum tanz aufgefordert ward. Schütze 2, 171.
11) eine redensart auf den hund kommen ist mehrfach zu erklären versucht worden; theils aus einem würfelspiel der Griechen, in dem ein gewisser verlierender wurf der hund (κύων) hiesz, vergl. morgenblatt 1819 no. 276; theils aus einer strafe der bergleute, die für vergehen den hund, den karren im bergwerke (unten II, 2, a) ziehen müsten, vergl. deutsche romanzeitung 1864 no. 48, eine erklärung die aber auch Veith bergwörterb. 279 als höchst unwahrscheinlich abweist; theils endlich soll die redensart aus mundartlichem hund sein = hunten (drunten, für hie unten) sein, sich gebildet haben. am besten wird sie an den rechtsgebrauch oben 10 angeschlossen, auf den hund kommen, eigentlich bis zur strafe des hundetragens kommen, jetzt bedeutet es theils in verächtliche oder schlimme äuszere verhältnisse, theils mit der gesundheit herunter kommen: er ist ganz auf dem hunde, elend, krank; die bühne kam, nach dem etwas derben ausdrucke der jugend, durch Isidor auf den hund. Immermann Münchh. 1, 28; einen auf den hund bringen, herunter bringen. über den hund kommen, eigentlich jene strafe überstehen, jetzt über widrige verhältnisse hinauskommen; mit ausführung des bildes: komm ich über den hund, komm ich auch über den schwanz, über die nachklänge des elends; wahrscheinlich gehört auch hierher: das wär das rechte, dann kommst du vom hund auf den bettelsack. Simrock sprichw. 268. so steht hund in freierer anwendung dann auch für mangel, fehlen alles erwünschten: ich hab den hund in den töpfen gefunden, me absente omnia peresa sunt, nihil mihi eduliorum reliquum fecerunt. Frisch 1, 475a; du wirst den hund in dem hafen finden, post festum venies. ebenda (aus Apherdianus).
Wie Grimm rechtsalt. 717 als hierher fallend die fügung beibringt: das ding wird den hund haben (res redibit ad restim aus Schilter gloss. 474a), so gehört wieder wol hierzu eine handwerksformel: meister geben ihren gesellen den hund, entlassen sie; die gesellen bekommen den hund, werden entlassen. Röder lebensgesch. eines bad. soldaten s. 46. 47. 49. doch vgl. hundslohn.
12) die verächtlichkeit des hundes, wie sie im obigen rechtsgebrauch sich äuszert, wie sie auch sonst im alten strafverfahren zu tage tritt: ao. 1462 am tage Matthiä ward zu Halle ein jude, Abraham genannt, wegen dieberei zum galgen verurtheilet, und weil er sich nicht wolte taufen lassen, nach damahliger manier mit einer ketten bei denen füszen aufgehangen, und neben ihm auf jeder seite ein hund aufgehenkt. Dreyhaupt Saalcreys 2, 512, zeigen auch eine reihe verbindungen des gewöhnlichen lebens. einer ist so verachtet, dasz nicht einmal ein hund ein stück brot von ihm nimmt; er richtet sie .. aus (schalt sie), das ein hund (wie man sagt) nicht ein stück brods von ihren einem genomen hette. Alberus widder Witzeln G 3b; da macht sie mich aus es hette kein hundt ein stück brots von mir nemen sollen. H. J. v. Braunschweig 861; ausgemacht, dasz kaum ein hund von ihnen einen bissen brod nehmen möchte. Abele unordn. 1669 s. 90; bei straf einer jahmerlichen schimpfir und lästerungslegend,

[Bd. 10, Sp. 1916]


die ihm so mitfahren soll, dasz kein hund mehr ein biszl brod von ihm nimpt. Schwabe tintenf. A 1a; dasz nicht ein hund sich um ihn kümmert, sein gedenkt: ist doch nicht ein hund in der ganzen welt der meines namens gedenk, ich will der menschen geschweigen. Alberus widder Witzeln K 2b; dasz die hunde ihn anpissen: solt ich den articul verteidigen, der so gar explodiert ist, das die hunde widder ihn seichen. L 6b; von welcher zeit an er bei männiglich so veracht ward, dasz ihn die hunde hätten anpissen mögen. Simpl. 1, 198 Kurz; vor 4 wochen war ich ein kerl, der die fürsten zur verwunderung bewegte, .. jetzt aber so unwerth, dasz mich die hunde anpiszten. 381; nun wird erstlich die böse Cathrina auch die verachtete werden, da die hunde auch werden beigehen und ein bein aufheben. kunst üb. alle künste 105, 8; dann nacher ists nit werth, dasz (dasz es) die hund anbrundeln. Schwabe tintenf. s. 20. anders die redensart er musz es haben als hätte ihn ein hund gebissen, nach Adelungs deutung es ungeahndet, ungeklagt hingehen lassen: ich musz meine feinde toben lassen, musz ihre schmach hinnehmen, als hätte mich ein hund gebissen. Scriver seelensch. 2, 90.
Etwas schlechtes wirft man den hunden vor, deren gefräszigkeit auch das sonst verschmähte verschlingt; etwas gutes soll man nicht den hunden vorwerfen: es ist nicht fein, das man den kindern ir brot neme, und werf es fur die hunde. Matth. 15, 26; denn weil ein pfarrherr sol ein trewer diener Christi sein, mus er, so viel im müglich ist, das sacrament nicht für die sew oder hunde werfen, sondern hören, wer die leute sind. Luther 6, 109a. etwas geht vor, für die hunde, geht zu grunde, geht unter, verdirbt: für die hunde gehn. Gunsen schalkheitshechel (1689) ode 24; wann dich deine seelig verstorbene mutter nicht ernähret hätte, du wärest in deinem wittibstande vor die hunde gegangen. Jucundiss. 121; gewisz, ich beklag es nunmehr recht herzlich, dasz ihre rede so vor die hunde gegangen ist. Lessing 1, 369; über deren verzweifelte und unauflösbare theorien so mancher feine kopf vor die hunde gegangen ist. Bode Tristr. 3, 79.
Eine reihe composita, deren erstes glied hund- bildet, steigern hierdurch den begriff des zweiten gliedes nach der seite der niedrigkeit und verachtung hin; vgl. DWB hundearbeit, hundedemuth, DWB hundedumm, hundedürr, hundeleben, hundezeug u. a.
13) noch manche andere sprichwörter und redensarten von den eigenheiten des hundes übernommen.
a) hund und flöhe gehören zusammen: je magrer der hund, je gröszer die flöhe. Simrock 266; er schüttelt es ab, wie der hund die flöhe; wer sich mit hunden niederlegt, steht mit flöhen auf. H. Heine 9, 176.
b) wann der hund nit lüstig ist zu jagen, so reit er uff dem arsz. Agr. spr. 173b; der hund reitet auf dem arsche mit ihme, in extremis angustiis versatur, fortuna illum frustrata est, fefellit, elusit. Stieler 57; wenn du aber zu grosz werden woltest, würde der hund auf dem a. reiten und wir keine gute freunde bleiben. kunst üb. alle künste 20, 11; nun reitet der hund auf dem spunde (nun ists aus). 55, 8; die lose möhre (meine tochter) hat lange nicht dran gewolt (eine liebschaft eingehen), ich dachte immer der hund würde reiten (es würde nichts draus werden). Schoch stud. leb. D 2a.
c) hunde bellen den mond an, ein bild sinnlosen thuns: sorgen wie die hund, die bellen den mon an, meinen er wöll ins hausz steigen. Garg. 213a;

der hund bällt nur umsonst des mondens fackel an.
A. Gryphius 1698 2, 349.


d) im 15. 16. jahrh. begegnet öfters eine redensart der hund geht mir vor dem licht um, im sinne ich habe verdacht, merke etwas; nähere nachweise über entstehen derselben können nicht gegeben werden:

hausfrau, du zeihest mich einer sach,
wie ich auf fremder geigen mach;
du lest dir den hunt vor dem licht umb laufen. fastn. sp. 161, 23;

mir geht der hund umb vor dem liecht,
mich dünkt unser pfaff der böszwicht
der bul heimlich mit meiner frawen.
H. Sachs 4, 3, 45c;

das ist, so ein fraw in der eh
heimlich der bulerei nachgeh,
henk sich bei andern gsellen an,
so dasz zum theil merket ir mann,
dasz sie ist fürwitz überausz,
und vil umbschweifet ausz dem hausz,
dergleich etwas hört oder sicht,
der hund im umbgeht vor dem liecht, ...
so thut er ir denn nicht wol trawen. 61d;

[Bd. 10, Sp. 1917]



das ich weder desz keisers frauen,
noch ihm so vil guts wolt zutrauen,
als ich wolt trauen desz keisers sohn.
doch darf ich nichts sagen davon.
der hund geht mir umb vor dem liecht.
J. Ayrer 372a (1864, 36 Keller).


e) an kleinen riemen lernen die hunde leder kauen; ann riemen lernet der hund leder fressen. Agr. spr. 310a; an riemen nagen lernen die hunde leder fressen. Pistorius thes. par. 7, 71; schon alt: fone demo limble so beginnit ter hunt leder eʒʒen. Müllenhoff u. Scherer 41, 13; aber das ist auch war, welcher hund die leplin friszt, der fresse gewislich auch das leder, wo er dazu komen kündte. Luther 5, 308a.
f) es bekommt einem wie dem hund das gras, übel: wenn sich der hund purgieren wil, so friszt er grasz, und gibt es baldt wider von sich, und empfahet vom grasz kein speisz oder sterke, denn es ist wider sein natur, das selbige zu verdewen. wer nun etwas fürnimpt, anhebt oder tht, das im nit zimet, odder des er keinen fg hat, und da fahr bei ist, zu dem saget mann, es werd im bekommen, wie dem hunde das grasz, und nit wol drob ergehen, es werd kein glück dabei sein, es werd im nit gelingen. Agr. spr. 86b; ich sasz zwar emsig über allerhand büchern, aus denen ich viel gutes lernete, es kamen mir aber auch theils unter die hände, die mir wie dem hund das gras gesegnet wurden. Simpl. 1, 321 Kurz; solche vermahnung bekam mir wie dem hund das gras, dann ich hatte von dieser zeit an weder glück noch stern mehr. 2, 29; aber es wurde ihnen gesegnet, wie dem hund das gras. 3, 32; wie gewissenlos manche vormünder mit allerhand fündlein ein fremdes aas angreifen und auffressen, ist gott bekandt, der manchem schon das aas, wie dem hund das gras gesegnet hat. Otho 1064.
14) die redensart da liegt der hund begraben (da ist der kern der sache) kommt seit dem 17. jahrh. häufiger vor; ihrem ursprunge nach ist sie dunkel: da liegt der hund begraben, hinc illae lacrymae, es liegt ein hund dahinter begraben, aliquid monstri alunt Steinbach 1, 793; ich merke schon wo der hund begraben ist. Chr. Weise comöd. 283; wie, wenn sie sich entschlössen, sie (die geschichte) noch einmahl zu lesen? man entdeckt oft erst beim zweiten oder dritten mahle, wo der hund begraben liegt. Wieland 8, 71; wenn ich schon einfältig aussehe, so merk ich doch wohl, wo der hund begraben liegt. 11, 58; wer nicht merkt wo der hund begraben liegt, oder wo es fehlt, der sieht auch das feinere schöne nicht. bei Merck 1, 194; da liegt der hund begraben. Niebuhr leben 2, 288; Lukas. ich weisz nicht. Tobias. du weiszt nicht? hihi! ja, so weisz ichs, mein seel, auch nicht. der ältere bauer. der hund musz doch irgendwo begraben liegen. Gotter jahrmarkt 81;

wo aber liegt der hund? da liegt er, dasz kein fleisz
uns klug und ernstlich treibt, die ursach vom ergetzen,
das ewig dauren soll, blosz in sich selbṣt zu schätzen.
Günther 422.

Lessing gibt eine notiz über die entstehung: in einer (erzählung) .. will er (Lemnius) uns unter andern bereden, dasz Lutherus durch eine gewisse sträfliche handlung zu dem bekannten sprüchworte: hier liegt der hund begraben, gelegenheit gegeben habe. 3, 291. vgl. auch unten II, 6. — Ähnliche redensarten sind möglicherweise nur abänderungen der aufgeführten: es hat einen hund, remora quaedam latet. Steinbach 1, 793; nur der vers: und so soll mein deutsches herz weich flöten — das ist ein harter hund und will sich nicht (zum gesange) fügen, ich habe mir selber schon die zunge daran wund gerieben. Zelter briefw. mit Göthe 2, 366.
15) H. Sachs vergleicht einmal den rausch einem beiszenden hunde:

o wie war ich nechten so vol,
drumb thut mir heudt der kopf nit wol.
kan mich schier weder bucken noch regen,
wil gleich des hars heindt uberlegen
vom hundt welcher mich nechten beisz. 3, 1, 240c,

vergl. hundshaar.
16) wenn menschen hunde genannt werden, so geht dieses bild gewöhnlich von der verächtlichen stellung des hundes aus.
a) ein hund sein, ein verachteter, unterdrückter mensch: und der philister sprach zu David, bin ich denn ein hund, das du mit stecken zu mir kompst? 1 Sam. 17, 43; wüst sich sagen lassen den ganzen tag, hund sein sollen und nichts fressen, obendrein noch schläge, diese lebweise habe es satt. J. Gotthelf Uli d. pächt. s. 88; aber auch ein geizhals sein: eim lauser stehets nicht wol an, das er reich ist, und was sol geld und gut einem kargen hunde? Sir. 14, 3; wann ich wüste die kunst

[Bd. 10, Sp. 1918]


gold zu machen, ich wolte kein hund sein, ich wolte es auch nicht miszbrauchen, sondern ein ganz land solt dadurch verbessert sein. Schuppius 118; ich diente bei einer frau, deren mann ein hund gegen sie war. sie sollte per exempel in einer woche nicht mehr als pfund kaffe brauchen. J. Gotthelf schuldenb. 153; ein schurke, schlechter kerl sein: wer kein hund ist, rette den hauptmann! Schiller räuber 2, 3. mit genitiv, in der bedeutung geizhals, filz: er ist hunds genug, er thuts. J. Gotthelf Uli der pächter s. 134;

sich bruder Luchs, bistu des hunds,
so solt du wol das erb verliern.
H. Sachs 1, 228b.


b) hund, als schimpfwort: aber Abisai ... sprach zu dem könige, solt dieser todter hund meinem herrn dem könige fluchen? ich wil hin gehen und im den kopf abreiszen. 2 Sam. 16, 9; die wälschen hunde. Göthe 8, 173; abgehauen! ich möchte toll werden, ich könnte den hund ermorden, der den ersten hieb dran that. 16, 123; dann gab er dem spielmann einen streich mit der hand und rief: lauf, du hund! Immermann Münchh. 4, 12;

noch schreit vil kristelichu schar
fast main und mord gar ofenbar
über den haidnischen hund.
Liliencron volksl. 2, 7, 279;

ich torst dir wol eins auf das maul geben,
du schwarzer hunt! (zu einem juden). fastn. sp. 172, 24;

wolt er umb gnad nicht werben
bei dem türkischen hund.
Soltau volksl. 422;

die hunde regnen kugelsaat
von ihrem thurm herab!
Gleim 4, 10;

ruft laut: der hunde nicht geschont! 33;

schlagt ihn todt, den hund! es ist ein recensent!
Göthe 2, 214;

was? was? ihr redt ihm das wort noch gar?
dem hunde! thut euch der teufel plagen?
Schiller Wallenst. lager, 10. auftr.;

ha ihr hund, ihr wähntet, ich kehrete nimmer zur heimat! Odyssee 22, 35.

mit näher bestimmendem zusatze (wie franz. chien d'homme, chien de chrétien Littré 1, 602b): meine hunde von reitern! Göthe 8, 100; der hund von einem alten bedienten. 10, 80.
17) ein bild: zwischen hund und wolf (im zwielicht) ist dem franz. entre chien et loup (Littré 1, 602b) nachgeahmt: es war zweidunkel, zwischen hund und wolf. Seume spazierg. 1, 50.
18) der eigentlichen bedeutung nach unerklärt bleibt hier einen hund ins spiel werfen, mit dem deutlichen sinne es stören:

ir sind wol sicher das ich wil
kein hund hie wärfen in das spil (die comödie),
ich will mich züchtig halten fyn.
Mone schausp. des ma. 2, 413 (16. jahrh.).


II. hund, in übertragener bedeutung.
1) die zoologie begreift unter hund alle glieder der familie canis. — fliegender hund, eine fledermausart, vespertilio vampyrus. Nemnich 4, 1560.
2) in der sprache der gewerbe.
a) bei den bergleuten ein länglich viereckiger, oben offener, auf vier rädern ruhender kasten zur förderung auf stollen oder strecken. Veith bergwörterb. 277;

die winde keucht, es rollt der hund,
der hammer pickt, die stufe fällt.
Annette v. Droste-Hülshoff gedichte s. 178;

dann auch die quantität mineralien, die ein hund faszt; endlich ein an den schwengel eines pferdegöpels angehängter, mit steinen angefüllter kasten als bremsvorrichtung. Veith 279. die deutschheit des wortes in dieser bedeutung wird jedoch angezweifelt; es soll (a. a. o.) mit slowak. hyntow, magyar. hintó kutsche, prachtwagen zusammenhängen. aber auch franz. heiszt das gerät chien des mines.
b) bei den böttchern ein werkzeug, die reife um die fässer damit zu legen und zu halten. Adelung; vergl.: harpago, instrumentum quod nonnulli canem vocant, quo circi vasis aptantur. Trochus R 4b.
c) bei brauern ein stück holz, welches den zapfen in der schirrgrube hält. Adelung.
d) bei den floszleuten auf der Isar, die verbundenen breter oder bäume, welche sie unter einem gegen den strom mehr oder minder offenen winkel an einen auf dem sand fest sitzen gebliebenen flosz bringen und mittels seilen fest halten, um durch diesen auffang den andrang des wassers wirksamer und sich wieder flott zu machen. Schm. 1, 1127 Fromm. hund heiszt auch rheinisch ein starker tannenbaum, der bei St. Goarshausen ins wasser gelassen wird, um das flosz vor gefahr auf der 'bank' (felsen) zu bewahren. Kehrein 204.

[Bd. 10, Sp. 1919]



e) im ofen oder kamin, das eisen worauf das brennholz gelegt wird: brandeisen, ... der hund, fulcrum focarium, dalopus, instrumentum ferreum quod in foco ligna sustinet Henisch 475, 57. vgl. feuerhund theil 3, 1594.
f) hund, ein bier, was in Dassel im stift Hildesheim gebraut wird. Jacobsson 6, 123b.
g) im Berner oberland eine hanfbreche; in Zürich und im Aargau einer der quer über die katzen (blöcke der kelter, die parallel mit dem kelterbaum laufen) gelegten blöcke, auf denen der trott- oder kelterbaum beim herunterlassen ruht. Stalder 2, 62.
h) hund, in Schwaben eine sperrstange an der hintern achse des wagens, um den wagen zu halten, wenn man an einem abhange die pferde ausruhen lassen will. Schmid 291.
3) astronomisch, groszer hund, kleiner hund, name zweier sternbilder. vgl. DWB hundsstern.
4) der rothe hund, die röteln, eine krankheit. Rüdiger zuwachs 2, 86; auch dänisch (im plural) de röde hunde; früh morgens hatten wir (nachdem sie die nacht im fieber gelegen) beide grosze dicke köpfe, welche krankheit der arzt den rothen hund nannte. avantür. 1, 86.
5) hund im spiel: bei einem gewissen kartenspiel, hundeln oder hündeln genannt, ist es ein blatt das man nicht los werden kann. Schm. 1, 1128 Fromm.; im kegelspiel eine gewisse von den kegeln gebildete figur: dahinter steckt blosz das, dasz sie (die wucherer) mit dem armen teufel in verkehr kommen, eine handhabe an ihm anbringen wollen. ist das einmal richtig, dann ist er der hund im kegelspiel und kömmt nicht raus, bis alle 4 beine weg sind. J. Gotthelf schuldenb. 13.
6) wenn bairisch hund auch der verborgene schatz heiszt (Schm. 1, 1128 Fromm), so ist hier metonymisch der hüter für das gehütete, mit bezug auf den glauben gesetzt, dasz hunde auf unterirdischen schätzen sie bewachend liegen, vgl. mythol. 929. davon redensarten: hunt hint haben, einen heimlichen schatz besitzen; übertragen den hund schmecken wissen, wo vermögen und etwas zu erhaschen ist; den hund finden, die ursache, den anstand finden.Dasz aber die oben I, 14 mitgetheilte formel da liegt der hund begraben, wie Schmeller will, von hier ausgehe, dafür spricht nichts.
 
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hund , ältere form für hundert, noch in einer bairischen quelle des 14. jahrh. als zahlwort auftauchend, vergl. Weinhold bair. gramm. § 258 s. 264; sonst gewöhnlich erstarrt.
1) in der rechtssprache, nur in compositen, eine unterabtheilung des gaues bezeichnend, in altalemannischen quellen huntari, huntre (rechtsalt. 532); in fränkischen quellen hundding gerichtssitzung über eine solche landstrecke: diese virhorunge und wisunge von der warer rechter mase der fruchte, mels und des wins, daʒ da heiszet daʒ huntdink. weisth. 2, 174 (Hundsrück, von 1442); in der form hundelding: waʒ busze in dem hundeldinge gevallent, die sint zweiteil des probstes und ein teil der centener. 6, 516 (Obermosel, von 1380); hundschaft die bevölkerung eines solchen gautheils (vgl. Lacomblet archiv 1, s. 209 ff.): die huntschaf von Cleinenbroiche ind die huntschaf van Rothusen die gievent samen einen scheffen an die griffliche banc. weisth. 2, 759 (Eifelgegend, von 1359).
2) hund, in niedersächsischen gegenden ein flächenmasz zur ausmessung der felder, ein stück landes von zwanzig ruten länge und vier ruten breite. als torfmasz enthält ein hund torf sechzig bis siebzig grosze körbe voll torf. Jacobsson 2, 294a; 60 morgen 4 hunt Kehdinger masze. Hannoversche bekanntmachung von 1853. dem masze liegt die eintheilung eines landstrichs in hundert theile zu grunde.
 
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hund, hunde, m. centenarius, ein unterrichter: item hant sie gewiesen, dasz die gerichtsherrn macht haben ihr geseig (geaichtes masz) zu geben klein und grosz, keins uszgenommen, und soll der schultheisz und hundt die von der herrn wegen geben. weisth. 2, 30 (Saargegend, von 1421); und soll der hundte den (verbrecher) antworten an die buchenstaude. das.; were sach, dasz die gerichtsherren wolten ihr jahrgeding oder ander gericht halten, so soll der schultheisz und der hundt ir ieglicher einen knecht haben, und dieselben knecht sollen da steen mit gewapneter handt. 32. vgl. die assimilierte form hunne.
 
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hundasz, n. futter für hunde, ahd. huntâʒ cantabrum, furfures tritici Graff 1, 528: huntasz, cantabrum, est cibus canum. voc. inc. theut. k 5a; ob das geschäch das meiner frawen hunt, und der herrschaft hunt an gevär mit einander über ein huntasz kämen, so sol man der herrschaft hund hindan schlahen, hintz das meiner frawen hunt des als genieszen, und darnach

[Bd. 10, Sp. 1920]


erst der herrschaft hunt nyessen lassen. weisth. 3, 674 (Chiemsee, von 1462).
 
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hündchen, n. kleiner oder junger hund: hündichen, catulus Steinbach 1, 793;

(während wir) schmeichelnden hündchen gleich, zu ihren füszen uns schmiegen.
Wieland 5, 63 (n. Amad. 14, 3).


 
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hundding, n. vergl. oben hund 1.
 
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hunde- vergl. auch hunds-.
 
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hundeaas, n. aas eines hundes, todter hund. auch schimpfwort für einen niedrigen menschen. schwäbisch hundaasen, einen so schimpfen. Schmid 291.
 
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hundearbeit, f. schwere, niedrige arbeit (vergl. hund I, 7 sp. 1913 und I, 12 sp. 1916): wir hätten bis abends um vier uhr keine lust gehabt, sondern hundearbeit. J. Paul Hesp. 1, 90.
 
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hundeart, f.
1) art, schlag des hundegeschlechts: pudel, spitze, hühnerhunde, doggen sind hundearten.
2) art, benehmen der hunde: schweifwedeln, auf dem bauche kriechen, das ist hundeart.
 
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hundeartig, adj.: verschiedene hundartige raubthiere. Hannov. magaz. 1844 s. 308.

 

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