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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldwaage bis goldweidenrinde (Bd. 8, Sp. 863 bis 865)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldwaage, f., empfindliche waage zum wiegen von gold, goldmünzen: di goldwag la balanza de Lapi vocab. (1479) c 3a; libella goldwage (1517) Diefenbach nov. gl. 233a; vgl. ders. gl. 534b; statera ein wag, schnellwag, goldwag Frisius dict. (1556) 1239b; trutina goldwag, schüsselwag ebda 1333; libra auri goltwag Frischlin nomencl. (1586) 118a; alle wagen, goltwagen und silber wagen und gewechte der montze zu Mentze (Mainz 1365) städtechron. 17, 351; wie manche münze gilt nicht im handel und wandel, die am probiersteine gestrichen, und auf der goldwage geprüfet, am schrote und korne nicht ächt seyn würde? anmuth. gelehrs. (1751) 8, 524 Gottsched; er hat einen hund nöthig wie der bettler eine goldwaag (d. h. überhaupt nicht) Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 350; vgl. K. Rother die schles. sprichw. (1928) 157. häufig übertragen und in verschiedenartigem vergleich, z. b.: gelt ist die goltwag vnd probstein Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 155a; also soll man alle gsatz gegen dem probstein der gerechtigkeit und billicheit halten, si mit der goldwag der warheit examinieren und regulieren ders. Germ. chron. (1531) 458b; können sie (die sachwalter vor gericht) nicht mit zweyen zungen reden und nach der goldwaag ihrer sekkelfüllenden gerechtigkeit auf beiden achseln gleich tragen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 232; wenn die herren recensenten, anstatt der kritischen goldwaage, die gemeine schneiderelle zur hand nehmen Bürger br. 3, 219 Strodtmann; das fürstliche schelmenstück drükt wohl die goldwaage menschlicher sünden entzwei Schiller 3, 159 G.; ein sehr zartes, mit der genauigkeit einer goldwaage ... entscheidendes gewissen Schopenhauer w. 1, 318 Gr.; die juweliere verloren vor dieser resoluten gräfin ihren ganzen künstlerstolz, sie ... hüteten sich, die goldwage ihres ehrgefühls durch irgend eine erkenntlichkeit zu verstimmen qu. v. j. 1911. besonders etwas auf der goldwaage wägen, auf die goldwaage legen u. ä. für 'genau prüfen', 'sorgfältig erwägen' usw.: darum lese man der väter bücher mit unterscheid und bedachtsam, lege sie auf die goldwage und bedenks wohl Luther tischr. 4, 536 W.; vgl. ders. w. 23, 119; man musz ... sein eigenes vermögen und alle kräfte auf die goldwage legen Chr. Weise d. drei klügsten leute (1675)

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292; die meinung aller, von denen ich weisz, dasz sie ein gewisses freundliches interesse an mir haben, wäge ich mit der goldwage und lasse kein körnlein fallen (1810) Achim v. Arnim bei R. Steig Achim v. Arnim 3 (1904) 75. nicht selten mit dem nebensinn kleinlicher genauigkeit: denn du kenst die ursachen warum man ... lieber hinsieht (nachsicht übt), als es immer alles auf der goldwage wägt Klopstock gramm. gespr. (1794) 12; und da er eines jeden tugend nach der goldwage bestimmte, die seinem kopfe so wenig zu erfinden kostete, so kannst du leicht denken, wie die menschen bey ihm wegkamen Klinger s. philos. rom. (o. j.) 11, 114; die leute hier, mit denen wir eigentlich umgang haben müszten, sind so difficil und legen alles auf die goldwage Fontane ges. w. (1905) I 10, 37. daher gern mit negation: sollen leute in einigkeit beieinander sein oder bleiben ..., so müssen sie nicht alle gebrechen gegen einander auff der goldwage abrechnen J. L. Müller u. Th. Kolde d. symbol. bücher d. evang.-luth. kirche (1912) 129;

das glück deiner tage
wäge nicht mit der goldwage
Göthe I 2, 234 W.

redensartlich vor allem von worten, aussprüchen u. ä.; schon im lat. in bildlicher verwendung bei Varro u. Cicero, vgl. Büchmann geflüg. worte (1900) 56: die unnützen wesscher plaudern, das nichts zur sachen dienet, die weisen aber bewegen jre wort mit der goldwage Jes. Sirach 21, 27, vgl. 28, 29; verborum pensitatores subtilissimi die alle wort genau ansehen vnd auff die goldwagen legen B. Faber thes. (1587) 603b; der aber bücher schreibet ... der mag alle reden durchsieben ... gleichsam auf die goldwaage legen Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 2, ):( ):( 1b; wenn's aber an sie trat, dasz sie etwas sagen muszte, durfte man's getrost auf die goldwage legen Dehmel ges. w. (1906) 7, 13. vgl. auch: darum er stets eine goldwage im munde führen, und kein wort herausz lassen musz E. Francisci lust. schaubühne (1698) 2, 939; wo das wort ... den werth ... eines goldstückes hat, ist auch die goldwage am platz Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 2, 682. mit dem nebensinn kleinlicher genauigkeit: diese böse welt ... alle wort, so eynem vndertweilen ... entpfallen, ... auff die goldtwagen leget vnd weget Agricola sprichw. (1534) aa 1b; (und man sah,) dasz der gute gümpel alle worte etlichemahl auf die goldwage gelegt, weil hin und wieder etliche zeilen mehr als dreymahl auszgestrichen waren Chr. Weise erznarren 57 ndr.; wer wird denn nun alle worte auf die goldwage legen! theater d. Deutschen (1768) 8, 238. negativ gewendet: es sey nichts vergnüglichers, als wann gute freunde sich ... verbrüderten, da man denn ... nicht alle worte auf die goldwage legen dörffte (brauchte) Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 327; aber ich möchte doch nicht genöthigt sein, jedes wort gegen sie auf die goldwage zu legen (1844) A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 274; Winfried trat im hof auf sie (die freunde) zu und meinte, sie dürften nicht alles auf die goldwaage legen, was sein vater sagte qu. v. j. 1938. —
 
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goldwährung, f., 'die edelmetallwährung, bei der nur goldmünzen kurantgeld, das heiszt unbeschränkte gesetzmäszige zahlmittel sind, in denen der gläubiger die zahlung der schuld fordern darf, während alles andere geld, auch das silberne, scheidemünze ist' Schrötter wb. d. münzkde 231b. bildlich: wir haben in der ehre eine gold- und eine scheinwährung Rosegger schr. (1895) III 7, 179. —
 
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goldware, f., ware aus gold: gold- und silberwaaren, hiezu gehören die arbeiten der gold- und silberarbeiter im weitesten verstande Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 138a.
 
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goldwäsche, f. 1) was goldwaschen (s. d.): aurilegium, chrysophysium Steinbach dt. wb. (1734) 2, 946. übertragen: sein (Fischarts) goldhaltiger strom verdiente die goldwäsche der sprach- und der sittenforscher Jean Paul w. 49/51, 151 Hempel. 2) werk, in dem gold durch waschen gewonnen wird, dass. wie DWB goldseife 2 (s. a.), vgl. Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 134a; goldwäschen haben in Deutschland Baden am Rhein, Östreich in Salzburg,

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Tirol und Böhmen, Sachsen, Kurhessen Hübner zeitungslex. (1824) 2, 71a. —
 
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goldwaschen, verb. subst., goldgewinnung durch waschen, vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 8, 83; zu G(otzdorf) auf unsern grünten haben wir das goldwaschen (1530) österr. weist. 8, 744 anm.; sie ist meine schwester, und ich wollte sie abholen, da die groszmutter in Siebenbürgen gestorben, wo sie sich mit goldwaschen ernährten Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 267. —
 
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goldwäscher, m.: ferner sall unser orberer alle vierzehen tage alle zechen befaren ... doneben wann die goldwäscher waschen, dass er seinem eide und pflicht noch von der wesche nicht abweiche und das entpfangen gold von stund an die orberey uberantwurte (1529) cod. dipl. Silesiae 21, nr. 439 Wuttke. übertragen: ihr modernen poeten seid gute brasilianische goldwäscher. ihr schlammt aus dem sande der flüsse die körner wol heraus Gutzkow ges. w. (1872) 5, 136. —
 
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goldwäscherei, f. 1) was goldwaschen, goldwäsche 1: bey der goldwäscherey des fluszsandes bediente man sich des verquickens von jeher allg. dt. bibl. (1765) 73, 23. 2) was goldwäsche 2: es sind 5 goldseifenwerke und an den meisten flüssen goldwäschereien im lande allg. dt. bibl. (1765) 104, 499; zu den münzen gehören auch die ... aus dem ertrage von bergwercken und goldwäschereien geschlagenen ausbeutungen Luschin v. Ebengreuth münzkunde (1904) 18. —
 
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goldwaschwerk, n. 1) was goldseife 2, vgl. dort den ersten beleg: da die reichsten goldwaschwerke in Brasilien ... aus 2 tonnen an 20 gran geben Ritter erdkde (1822) 1, 372. 2) früher auch für das rohmaterial, den zu waschenden goldsand etc.: das ander buch beschreibt, wie die goldertz zu erkennen, zu rösten, anzusieden, vnd zu probirn seind, item vom waschen, rein machen vnnd anquicken desz goltweschwercks Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 41b.
 
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goldwasser, n., universalmittel der älteren heilkunde, vgl. DWB güldenwasser, DWB goldtinktur, DWB trinkgold: aurum potabile Stieler stammb. 2444; für das 'löschwasser': 'goldwasser, das ist wasser, darinn glünd goldt abgelescht ist, aqua extinctionis auri candentis' Wirsung artzneyb. (1588) reg. besonders für verschiedene (kräuter) liköre, in denen feine flitter blattgold herumschwimmen, vgl. Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 139a; Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 8, 111a; am bekanntesten ist das Danziger goldwasser: wir männer nahmen noch zur stärkung einige schlucke von dem schweizerischen kirschwasser, welches dem Danziger goldwasser an stärke und wohlgeschmack nichts nachgiebt Stolberg ges. w. (1820) 6, 235. von hier aus: tausend danck für die bouteille! der himmel gebe dir dafür das ewige goldwasser Lichtenberg br. (1901) 2, 21. —
 
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goldweide, f., name der weidenspielart salix alba, var. vitellina nach den goldfarbenen zweigen, vgl. Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2282; Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 353. —
 
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goldweidenrinde, f., als antiseptisches mittel verwandt: mein politisch phlegma widerstand diesmal den ausbrüchen des zorns so gut, als die roszkastanien oder die goldweidenrinde der fäulnisz des rindfleisches nach den Bucholzischen versuchen über antiseptische substanzen Musäus physiogn. reisen (1778) 2, 103. —

 

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