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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussprechen bis ausspringen (Bd. 1, Sp. 978 bis 980)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussprechen , pronuntiare, eloqui, nnl. uitspreken,
1) in dem bei aussprache angegebnen sinne des hervorbringens der laute: rein, scharf und recht, undeutlich und falsch aussprechen; ein wort zu breit und gedehnt aussprechen; denn es gehört zu dem geist, der predigen wil, ein gute stim, ein gut aussprechen, ein gut gedechtnis und ander natürliche gaben. Luther 2, 17a. es gibt leute, die kein r aussprechen können; die stimme versagte ihm, er vermochte die letzten worte nicht mehr deutlich auszusprechen.
2) etwas völlig ausdrücken, effari: ich wil meinen mund aufthun zu sprüchen und alte geschichte aussprechen. ps. 78, 2; der herr allein ist gerecht, nieman kan seine werk aussprechen. Sir. 18, 2; ich wil meinen mund aufthun und wil aussprechen die heimlichkeiten von anfang der welt. Matth. 13, 35; und fiengen an zu predigen mit andern zungen, nachdem der geist inen gab auszusprechen. apost. gesch. 2, 4;

dasz weder gottes gnad noch allmacht auszusprechen.
Weckherlin 244;

es kan nicht leicht ausgesprochen werden, wie viel ein verständige mixtur dieser methodorum und weisen nutze, die vermöglichkeiten des gemüths zu befördern. Schuppius 728; es ist nicht zu glauben oder auszusprechen. Simpl. 2, 243; hierüber hat ein kenner sich bewundrungswürdig erklärt, so dasz dieses verhältnis nunmehr ausgesprochen und für immer abgethan ist. Göthe 6, 111; ein ausgesprochenes wort ist fürchterlich, wenn es das auf einmal ausspricht, was das herz lange sich erlaubt hat. 17, 168; zwei kinder, stumm wie die mutter, mit einer art von verwunderung drein sehend, wenn die blicke jener ein vielfaches leiden aussprachen. 31, 237; wenn familien sich lange erhalten, so kann man bemerken, dasz die natur endlich ein individuum hervorbringt, das die eigenschaften seiner sämmtlichen ahnherrn in sich begreift, und alle bisher vereinzelten und angedeuteten anlagen vereinigt und vollkommen ausspricht. 36, 207; ich sitze oft unter meinem himmel in gedanken an sie, sie helfen mir abwesend zeichnen und einen augenblick, wo ich sie recht lieb habe, sehe ich die natur auch schöner, vermag sie besser auszusprechen. an fr. von Stein 1, 60; spräche diesen geistigen bettelorden der seelen ein anderer scharf aus, so müste er sagen u. s. w. J. Paul dämm. 32.
3) etwas feierlich aussprechen: der richter spricht das urtheil aus, hat ausgesprochen; von den schöffen wird ausgesprochen und gewiset. weisth. 2, 177 und oft; das königreich Italien ward ausgesprochen (proclamiert). Göthe 39, 115.
4) sich aussprechen: ich kann mich darüber noch nicht aussprechen; worüber ich mich auch mit antheil aussprach.

[Bd. 1, Sp. 979]


Göthe 32, 176; auch hätte das unvereinbare von Vossens und Stolbergs natur sich früher ausgesprochen und entschieden, hätte nicht u. s. w. 32, 179; ein diebstal spricht sich gleich aus (kommt unter die leute); manche slavische wörter sprechen sich schwer aus. figürlich, es spricht sich in seinen mienen wolwollen, in diesen worten geheimer groll aus, d. h. nicht laut, aber merkbar.
5) ausgesprochen, prononcé: seine vorliebe für die italienische sprache und für alles, was sich auf jenes land bezieht, war sehr ausgesprochen. Göthe 24, 17; die mittäglichen völker sind reicher an ideen, ausgesprochener und glühender in der art zu empfinden. 49, 198; in Carlsbad, wo die felsen überall steil, ausgesprochen von natur oder durch steinbrüche aufgeschlossen und zugänglich gefunden werden. 60, 129.
 
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aussprechlich, effabilis: dis geschrei ist unmeszlich und mit keiner zungen aussprechlich. Luther 1, 23b; ein grosz schauwerin der götlichen, heimlichen und nit uszsprechlichen dinge. legende von sant Anna. Straszb. 1509. D 2; die geteilten sint begriflich, bekentlich und ussprechlich. theologia deutsch. Stutg. 1851 s. 2, in Luthers ausg. von 1518 aussprechenlich.
 
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ausspreiszen, s. ausspreizen.
 
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ausspreiten, expandere, distendere, ausbreiten, ausstrecken: die flügel, die hände ausspreiten; das heu auf der wiese ausspreiten;

o dessen werk dein lob ausspraiten.
Weckherl. 15;

also kan der fürsten gunst
ihr lob ewiglich ausspraiten. 354;

er hat rund umb sich her das wasser ausgespreitet.
Opitz 3, 211;

komm sonne, scheine klar,
spreit aus dein güldnes haar.
Fleming 264;

Hatem spreitete das leder aus und tödtete ermeldtes pferd. pers. baumg. 2, 13; indes Spiegelberg mit ausgespreiteten flügeln zum tempel des nachruhms emporfliegt. Schiller 108.
 
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ausspreizen, distendere, divaricare: hände, finger, klauen, füsze, beine ausspreizen:

Beelzebub spreizt seine klauen aus.
Gotter 1, 371;

mit ausgespreizter faust. J. Paul Tit. 2, 91; ähnlich den hof- und stadtweibern, die wie gewächse sich ans fenster nach dem lichte ausspreizen. Hesp. 3, 83. einige sprechen spreiszen:

was geht denn da so närrisch,
so launisch, ungehobelt, herrisch,
so bucklicht, krumm und ausgespreiszt?
Tieck 1, 340.

s. spreizen.
 
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aussprengen, effringere, dispergere, ausspringen machen: einem einen zahn aussprengen; mit pulver ein stück mauer aussprengen; wasser aussprengen, um den staub oder die flamme zu löschen; weihwasser aussprengen; der lasse solches buch ungelesen und unausgesprenget verbleiben. Schweinichen 3, 2;

noch ferner sprengt man aus, als ring ich nach dem thron.
Gryphius 1, 377;

es werden oftmals dinge wider mich ausgesprenget, welche mit solchen umständen erzehlet werden, dasz mancher darauf schweren sollte, es sei die warheit. vergangenen sommer wurde von mir ausgesprenget, ich hätte eine tonne bier einlegen lassen, als sie wer angestochen worden, sei lauter blut daraus gelaufen. Schuppius 587; eine solche pasquil soll dessen, wider welchen sie ausgesprenget, ehrlichen namen nicht kränken. 673; leute, die musten allenthalben aussprengen, als hielte sich in dem pfarrhof ein erschröckliches gespenst auf. Jucundiss. 131. ein pferd aussprengen heiszt es aus dem schritt in galop übergehen lassen.
 
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aussprenzen, exornare, ausschmücken:

ain edelman der hette ain weib,
die zoch auf hoffart iren leib
mit manichen kosperlichen klaid,
darinnen si oft spacieren rait,
zu stechen, hofiern und tenzen,
darzu kont si sich wol aus sprenzen.
Rosenblut vom edelmann v. hasgeier;

welche frau sich hübschlich aus kan sprenzen
mit kospern kleidern zu den tenzen. fastn. sp. 693, 6.

vgl. DWB aufsprenzen.
 
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ausspreuen, dispergere, ausstreuen, mhd. alleʒ sîn gederme ist ûʒ gesprewet. myst. 97, 3. vgl.zuspreuwen im pass. K. 397, 2. nhd.

du hast uns anders nicht geachtet
als arme schafe, die man schlachtet,
den hin, den andern her gestreut
und unter völker ausgespreut.
Opitz ps. 87.

Stieler 226 hat spreuen, bespreuen, zerspreuen, vgl. DWB spreu und DWB aussprühen.

[Bd. 1, Sp. 980]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussprieszen, egerminare, aussprossen: aussprieszendes gras und gesträuch auf dem gemäuer; mhd.

die ougen die ûʒ spruʒʒen
und sich wît zurguʒʒen
an manigen schônen wînreben. pass. K. 353, 17.


 
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aussprieszling, m. surculus.
 
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ausspringen , exsilire, nnl. uitspringen,
1) heraus, er hieb ins pflaster, dasz die funken aussprangen; ein einspringender und ausspringender winkel. Göthe 54, 68; ein stück an dem messer ist ausgesprungen; die tasse am rande; vom stosz sprangen drei zähne aus.
2) hinaus, der hirsch springt über den zeuch aus. Becher s. 47;

thet sich der hirsch auf,
des sinns über in aus zu springen. Teuerdank,

in dieser bedeutung läszt man auch das pferd ausspringen, z. b. über den graben, über den zaun setzen. Garg. 176a; die klinge, das schwert springt aus, prallt von der stelle ab, auf die es gerichtet war; apfelrunde und lindharte brüstlein, auf die prob der spannischen filz, die nach palmenart vom grif nicht weichen, sonder ausspringen, wie die valenzische rapierklingen. Garg. 77a; hiermit grief er nach dem degen und that nach seinem bruder einen heftigen stosz, der ihm aber aussprang (auswich) und sich in innern tempel rettete. Lohenst. Arm. 2, 59; dem Amor ausspringen und seine bande zerreiszen. Opitz Arg. 2, 172.
3) sich ausspringen, durch sprünge erfrischen sowol als erschöpfen, Opitz 1, 11 braucht in solchem sinn intransitives ausspringen:

wer pflegt nicht erstlich bald ein wenig auszuspringen,
und kan sein frisches blut dermaszen überzwingen,
dasz nicht ein überflusz der jugend bei ihm bleibt?


4) transitiv, sich den fusz ausspringen, aus dem gelenke springen, verrenken.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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