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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auswuchs bis auswürgen (Bd. 1, Sp. 1020 bis 1021)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auswuchs, m. excrescentia, nnl. uitwas, vgl. DWB anwuchs und DWB anwachs.
1) des getraides, abitio frumenti in fruges, der volle wuchs.
2) an bäumen, surculi vagi, spurii.
3) am thierischen leib, tuber, höcker; auswuchs von fleisch.
4) abstract, in der künftigen ausgabe des Laokoon fällt der ganze abschnitt, der ihn betrift, weg, so wie mehrere antiquarische auswüchse, auf die ich ärgerlich bin. Lessing 8, 118; wilde auswüchse der phantasie. Gotter 2, xv; was für ein kriegen und streiten und rennen für gottesverehrung! man sollte zu manchen zeiten fast geglaubt haben, der mensch lebe blosz um zu beten und gott zu verehren. ich bin überzeugt, dasz hierin das meiste ein bloszer auswuchs ist. Lichtenberg 1, 94.
 
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auswühlen, eruere, effodere: gold auswühlen aus der erde; die hyäne wühlt leichen aus. In ganz anderm sinn setzt es H. Sachs für auswallen, ausbrechen:

nun sticht die sonn so überheisz,
durch unsern leib rint ab der schweisz,
aus den thunstlöchlein thut auswülen,
wo wir uns nit sollen külen
in eim wasser, so müsz wir sterben.
III. 2, 178d

[Bd. 1, Sp. 1021]


mhd. wallen bekommt im praet. wiel, und so scheint ein unorganisches auswielen entsprungen zu sein.
 
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auswundern, satis mirari: die sich nicht auswundern können, woher ihm solche geschicklichkeit käme. Spangenberg bei Hanmann s. 106.
 
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auswurf, m. ejectamentum, nach den bedeutungen des auswerfens: auswurf des blts, projectio sanguinis. Maaler 48b; und da wir grosz ungewitter erlitten hatten, da theten sie des nähesten tages einen auswurf (ἐκβολὴν ἐποιοῦντο, vulg. jactum fecerunt). apost. gesch. 27, 18;

aber bald heischet die noth
den auswurf, dasz nicht sinke das schif.
Stolberg 15, 103;

so er (der habich) auch leicht und kurzdäuwig ist und zum schweiszen weiten geraumen auswurf hat. weidwerk 2, 12b; auf der insel, welche sie aber wegen des öfteren erdbebens und der feurigen auswürfe verlieszen. Winkelmann 3, 231;

dein schreckendes Rom ist ein höherer auswurf
von ameisen.
Klopstock Mess. 7, 424;

jede menschliche handlung ist eine neue schöpfung, ein auswurf der saat zu neuen entstehungen. Klinger 5, 132; so wie die fruchtbarkeit des ackers durch den auswurf der thiere befördert wird. 12, 222. die krankheit verschlimmert sich, der auswurf nimmt zu; es entstehet aus der zusammenwirkung ein gewisser ohnfehlbarer effect oder auswurf. Leibnitz 2, 48; gleich einem armen fündling, der, nachdem er sich lange für einen verwahrloseten auswurf der natur angesehen, unverhoft von einem edlen und zärtlichen vater erkannt wird. Wieland 7, 176; alle noch so unreife auswürfe seines witzes sind ihm kostbar. J. E. Schlegel 3, 464; das erhabene, das in diesen kräftigen auswürfen der jungen von keines menschen hand unterjochten natur lag. Klinger 5, 15; ein auswurf der menschheit. Humboldt ans. der nat. 1, 37; Italiens auswurf. Schiller 191a; diesen auswurf müssen wir ja vom volk unterscheiden. Tieck nov. kr. 4, 20;

windsbraut,
die den auswurf aller völker auswarf.
Platen 335.


 
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auswürfel, m. talpa, in einigen gegenden. s. DWB auswerfer und DWB maulwurf.
 
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auswürfeln, 1) primum jacere tesseras, den ersten wurf thun. 2) durch würfel ausspielen. 3) figürlich, auf gerathewol ausgewürfelte einfälle.
 
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auswürfig, ejiciens: das mör ist auswürfig. Keisersb. sch. der penit. f 3.
 
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auswürfling, m. reiculus, auf mehr als einen gegenstand anwendbar. Fischart Garg. 63a schreibt auswirfling und braucht es neben fündling von einem ausgesetzten kinde; allerhand auswürflinge, die in der welt weder zu sieden noch zu braten taugen. Simpl. 1, 187. dann aber heiszt auswürfling auch ovis reicula, ein schaf, das ausgemerzt wird, Maaler 48a (s. DWB ausmerzen), und ein wort, das ausgemerzt werden sollte: aber unter diesen und mehr solchen wörtern seind drumb keine auswürfling. Simpl. 1, 724. für ejectamentum maris: ligen unter andern auswürflingen des meers. Forer fischb. 153b; der agstein ist ein auswürfling des meers. Lohenst. Arm. 2, 855. abstract, diesemnach müste ein fürst sich vielmal der besten diener entlasten, wenn er sähe, dasz sie entweder dem volke ein greuel in augen oder ein auswürfling des glückes wären. Lohenstein Arm. 2, 1393. s. abwürfling.
 
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auswurfsdungkäfer, m. setzen einige schwerfällig für dungkäfer, mistkäfer, als wenn diese nicht hinreichten.
 
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auswurfskegel, m. woraus lavaströme bandförmig sich ergieszen. Humboldt ans. der nat. 2, 257.
 
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auswürgen, penitus jugulare, mactare: einen stier auswürgen; heraus würgen, aus der kehle vorbringen: Ronsardus, von deme gesaget wird, dasz er, damit er sein französisches desto besser auswürgen könte, mit der Griechen schriften ganzer zwölf jahre sich überworfen habe. Opitz poeterei 17.