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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auswittern bis auswundern (Bd. 1, Sp. 1020 bis 1021)
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[Bd. 1, Sp. 1020]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auswittern , in mehrfachem sinn, vgl. DWB abwittern.
1) corrodere: die luft wittert das erz aus; die rauhe luft wittert den marmor allmälich aus.
2) odorari, investigare:

doch der prophet
weisz unsre mängel droben auszuwittern.
Göthe 5, 251;

konnte man sich doch unter der geistreichen gesellschaft, welche unsre dame umgab, einen gelehrten denken, welcher diese nachbildung ausgewittert hätte. 22, 81; sie hätten gewis fleisch und andere gute dinge verborgen, die wir auszuwittern noch nicht recht gelernt hätten. 30, 117; weil geld noch immer leichter zu verbergen sei, als thiere, die man wol auswittere. 30, 114; ich hatte am morgen die gerichtsschränke durchstöbert, um irgend eine wissenschaftliche trüffel unter diesem schmutzigen boden auszuwittern. J. Paul biogr. bel. 1, 151;

die ihr mit scharfen nasen ausgewittert
viel höchst gefährlicher geheimer bünde.
Uhlands ged. 181;

und was auszuwittern
widers zittern.
Rückert 231.


3) intransitiv, detonare, ausdonnern, auswettern:

je härter donnerschlag je schneller ausgewittert.
Gryphius 1, 154;

er kam, nachdem es ausgewittert,
und fand die eiche halb zersplittert.
Lichtwer 2, 6;

da sie endlich ausgewittert. 1, 9;

die längsten regenmonate der menschheit haben ausgewittert. J. Paul Hesp. 2, 226.
4) tempestate solvi: das erz wittert aus; den thon ein jahr lang unter freiem himmel auswittern lassen; ausgewitterte klüfte. Göthe 16, 222; die kalktheile wittern aus, der quarz bleibt stehen. 51, 63; so wie die oberste lava auswitternd sich zu erde bildete. Stolberg 7, 228; die zeit hat allerdings vieles von dem scheinbaren glanze dieses gemäldes geraubet, und die kraft der farben ist zum theil ausgewittert. Winkelmann 1, 39.
5) die bienen wittern aus, schwärmen nach trübem wetter.
 
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auswitterung, f. exhalatio vaporis, vgl. einwitterung.
 
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auswitzen, cautum, ingeniosum reddere, witzigen: ein ausgewitzter, gewitzigter bursche.
 
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auswohnen, auszerhalb wohnen, mhd. ûʒe wonen, nnl. uitwonen: wenn man aber das halten wil, so müst man auch dafür sein, das man nicht in einer stad allen frembden, auswonenden gebe. Luther 1, 199a. man sagt auch transitiv, das haus auswohnen, durch langes bewohnen abnutzen, verderben.
 
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auswölben, camerare: ein ausgewölbtes zimmer, ausgewölbter keller; die helle mit himmelblau und himmelroth ausgewölbte see seines innern. J. Paul Hesp. 1, 172.
 
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auswölken, serenare, aushellen: ein stummer, ausgewölkter abend.
 
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auswollen, exire velle: ich besorg wo es auswölle, quorsum accidat timeo. Maaler 48a; disz ist bei ihnen der gebrauch, dasz wenn der könig mit seinem frauenzimmer aus will, sich niemand auf den gassen darf sehen lassen. pers. reiseb. 4, 44.
 
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auswuchern, fenore vastare, nnl. uitwoekeren: were das loch zugestopft, so dürft man itzt der klage nicht hören, wie allenthalben eitel schuld und kein geld, alle land und stedte mit zinsen beschweret und ausgewuchert sind. Luther 2, 482a; das sie ein einigen Christen auszuwuchern solten macht haben. 8, 94b.
 
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auswuchs, m. excrescentia, nnl. uitwas, vgl. DWB anwuchs und DWB anwachs.
1) des getraides, abitio frumenti in fruges, der volle wuchs.
2) an bäumen, surculi vagi, spurii.
3) am thierischen leib, tuber, höcker; auswuchs von fleisch.
4) abstract, in der künftigen ausgabe des Laokoon fällt der ganze abschnitt, der ihn betrift, weg, so wie mehrere antiquarische auswüchse, auf die ich ärgerlich bin. Lessing 8, 118; wilde auswüchse der phantasie. Gotter 2, xv; was für ein kriegen und streiten und rennen für gottesverehrung! man sollte zu manchen zeiten fast geglaubt haben, der mensch lebe blosz um zu beten und gott zu verehren. ich bin überzeugt, dasz hierin das meiste ein bloszer auswuchs ist. Lichtenberg 1, 94.
 
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auswühlen, eruere, effodere: gold auswühlen aus der erde; die hyäne wühlt leichen aus. In ganz anderm sinn setzt es H. Sachs für auswallen, ausbrechen:

nun sticht die sonn so überheisz,
durch unsern leib rint ab der schweisz,
aus den thunstlöchlein thut auswülen,
wo wir uns nit sollen külen
in eim wasser, so müsz wir sterben.
III. 2, 178d

[Bd. 1, Sp. 1021]


mhd. wallen bekommt im praet. wiel, und so scheint ein unorganisches auswielen entsprungen zu sein.
 
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auswundern, satis mirari: die sich nicht auswundern können, woher ihm solche geschicklichkeit käme. Spangenberg bei Hanmann s. 106.