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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auswanderungstrieb bis auswärts (Bd. 1, Sp. 1009 bis 1011)
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[Bd. 1, Sp. 1009]


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auswanken, titubando exire: der kranke wankte noch einmal aus, that aber nur wenige schritte.
 
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auswannen, vanno expurgare, nnl. uitwannen: das korn ist noch unausgewannt.
 
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auswärmen, percalefacere, durchwärmen: ein wol ausgewärmtes ruhebett. ehe eines mannes 318; damit mich die schilderung ganz besonders auswärme. J. Paul flegelj. 1, 24.
 
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auswart, m. ver, frühling. s. DWB auswärts.
 
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auswarten , ein im 15. 16 jh. so häufiges, wie heute seltnes wort, an dessen stelle wir uns lieber des einfachen warten oder abwarten, aufwarten bedienen.
1) die ursprüngliche intransitivbedeutung von auswarten = ausschauen, auslugen, ausgucken erscheint nicht mehr. ahd. hiesz es bei Willeram 16, 25 sihet ûʒ den venstron unde wartet ûʒ von den linebergon, wo freilich die partikel ganz ungebunden steht.
2) da der ausschauende zugleich wartet, erwartet, und spectare sich unmittelbar berührt mit exspectare, ist auch intransitives auswarten = warten, ausharren, ausdauern:

wart aus, steh fest gleichwie ein maur!
Ringwald geistl. lieder 83;

wart aus! evang. G 2a;

wie bald sind acht tage vorbei, damit haben sie ausgewartet, und unser wort musz gehalten werden. Weise com. probe 273.
3) transitives auswarten = exspectare, bis zu ende aus warten, aushalten, stärker als erwarten und abwarten: das musz aber auch alles im glauben erkennet und ausgewartet sein, denn er zustöret die gewaltigen sobald nicht, als sie es verdienen. Luther 1, 494b;

den krieg wir nicht auswarten mügn.
Ayrer 83a;

so klein und zart kein vöglein war,
es must auswarten grosz gefahr. froschm. II. 2, 7;

er gibt manches trauerzeichen
und wartet bei mir aus so manchen ganzen tag.
Fleming 118;

also wartete herzog Jubil die erörterung ihres zweifels nicht aus. Lohenst. Arm. 1, 50; also müsse sie das verborgene gesätze des verhängnüsses nur auswarten. 2, 988; ich werde meine lobrede nicht auswarten. Gellert 3, 269; ich will ihn schon auswarten (länger aushalten als er); die predigt auswarten, bis zu ende hören;

die mengen der feinde
warten den anfall nicht aus.
Wieland 16, 128;

es ist schade, dasz sie diese letzten schönen tage nicht noch in Jena ausgewartet haben. Schiller an Göthe 518a.
4) auswarten mit dem gen. entspricht unserm heutigen warten oder abwarten:

das podagra der bawren schont,
nur bei reichen und edeln wont,
die haben sein wol auszuwarten.
H. Sachs I, 456d;

bis zu ende des rechtens auswarten. Brandenb. kamm. ger. ordn. von 1516; wird aber kais. maj. nicht gelegen sein, solches langwierigen gesprächs diesmal auszuwarten. Melanchth. 4, 129; damit, hoffen sie, wollen sie dieses sturmwinds auswarten. 5, 132; gott begegnet allen menschen, wenn er sie zu einem stand ordnet, darinnen sie bleiben sollen und desselbigen auswarten. Agricola spr. 13; dieses stands und göttlichen berufs sol er auswarten. 712; er (Luther) wil uns al reich machen mit dem glauben an Jesum Christum, des kan Witzel nicht auswarten, er sihet in rem presentem, nach dem Judasbeutel. Alberus wider J. Witzeln C 4b; dieweil ich meines febers auswarten muste. Mich. Neander bedenken 9; welche auch on underlasz irs ampts mit pfeifen und trommen zu schlagen auszuwarten haben. Fronsp. kriegsb. 1, 51a;

aber er wolt nicht sitzen nider,
wolt auch keins warten aus,
er gieng dann vor mit im hernider
in sein liechtfinster haus. Garg. 11;

indem er der verdäuung seiner eingenommnen speis auswartet. 175a; der (quorum falconum) auszuwarten Sicuran groszer meister war. Bocc. 1, 122a;

allhie wohn du dem turnier bei,
und wenn du dessen aus wirst warten,
so reit mit hin bis gen Garten.
Ayrer 230a;

glückhaft seiner kämpf auswarten. 242a;

des streites auswarten. Lohenst. Arm. 1, 1302. 2, 789.
5) auswarten, geht wie warten, aufwarten über in den begrif des pflegens, der schauende hütet und schützt; dieser fügung war, zumal wenn die pflege etwas lebendiges betrift, ein dativ angemessen: da wir dem bauch und gailen leib auswarten.

[Bd. 1, Sp. 1010]


Keisersb. has im pf. Aa 5b; dem federspiel auswarten. Bocc. 1, 116b; wie ein leibeigner knecht seinem herren auswarten. Petr. 26b;

und warten ir (der frau) beid fleiszig aus. fastn. sp. 388, 6;

wenn er auswartet seinem gaul.
H. Sachs II. 4, 3d.

aber auch sachen stehn im dativ: das wir solcher parteien händeln nicht stattlich genug auswarten mögen. reichsabsch. von 1512. 5, 8; dieselben sollen iren ämtern für sein und mit getreuem fleisz auswarten. kammerger. ordn. 1521 §. 11; damit er des reichs obliegenden sachen soviel desto fleisziger und statlicher auswarten mochte. Lanz Karl 5. s. 475; die geistlichen sollen irem kirchenampt treulich auswarten. Frank chron. 384a; auch seinem befelch getreulich ausgewart. Reutter kriegsordn. 147;

nun kerend wider heim zuo hus
und wartend üwer sachen usz. trag. Joh. E 3;

du habst die speis all aufgetragen
und ausgewartet irem zechen.
Scheit grob. C 1;

der ein wart seinem handel aus
mit fleisz örndtlich in seim haus.
H. Sachs I, 441b;

was steht ir da? geht in sein garten
und thut ewer arbeit auswarten.
III. 1, 43b;

nun geh hin zu dem himelthor
und wart aus deinem amt wie vor.
III. 1, 241c;

kan nicht auswarten diesen dingen.
III. 3, 29a;

er musz auch haben ein lustgarten,
und thut allem wollust auswarten.
IV. 3, 72d;

als dasz sie da eim losen klosterpsalter auswarten musten. Garg. 256a; salbe den patienten alsdann wol umb die wunden und warte den sachen sonst fleiszig aus. Würtz practica 119; man musz oftmalen den kriegssachen auswarten, es gehe und stehe mit der wunden, wie es wölle. 341.
6) verwechselung des gen. und dat. ist erklärlich, da die formen oft, namentlich im sg. f., zusammenfallen. man findet den gen., wo besser ein dativ stände, z. b.

wolt mir der pawr die groschen geben,
der kont ich vast wol auswarten. fastn. sp. 109, 28;

het ich darfür würfel und karten,
der wolt ich fleisziger auswarten.
H. Sachs I, 18a;

da wird dein ausgwart, wie eins herrn.
III. 2, 31d.

umgedreht vertritt der dat. den gen. oder acc.: dasz ich in hofnung der zeit und dem verhängnisse auswarten solle. Lohenst. Arm. 1, 543; Mithridates wartete dem blutigen bürgerkriege nicht aus. 1, 933. auch der acc. erscheint statt des dat.

ich halt innen das regiment,
das ich nicht wol auswarten kan,
mein amptleut lass ichs für mich than.
H. Sachs II. 2, 8d;

dieweil aber gedachter N. solchen unsern befehl nicht zu jeder zeit selber auswarten mag. Fronsp. 1, 26a; die kranken mit essen, trinken, arzenei fleiszig auswarten lassen. 3, 200a. aber schon das einfache warten schwankt zwischen gen. und dat. (gramm. 4, 658. 660. 699.) im Ambr. lb. s. 216 liest man:

ein becher frei,
wie grosz er sei,
wil ich euch thun auswarten,

meint das bescheid thun, bis zum grund aushalten?
 
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auswärtig, exterus, ahd. ûʒwertig (Graff 1, 1004): ob ich einen ort finden möchte, wo die tugend, vor auswärtigen beleidigungen sicher, ihrer eigenthümlichen glückseligkeit genieszen könnte, ohne sich aus der gesellschaft der menschen zu verbannen. Wieland 1, 54; verbindung und trennung mit (!) auswärtigen mächten. 2, 250; nachdem der prior einen auswärtigen ruf angenommen. Göthe 39, 107; die auswärtigen angelegenheiten; der minister des auswärtigen; das auswärtige amt, the foreign office.
 
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auswärtig, adv. foras: dasz man dieselben insgemein nur auswärtig sucht. Günther vorr. s. 7.
 
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auswärts, adv. foris, foras, extra, ahd. ûʒwertes: er ist ein bürger, wohnt aber auswärts; er wohnt hier im hause, iszt aber auswärts; er hat auswärts (auszer lands) sein glück gesucht; der vorrath des verstandes, weil wir ihn nicht auswärts suchen dürfen, kann uns nicht verborgen bleiben. Kant 2, 54; diese feine lebensart bestand aber darin, dasz er sich um nichts bekümmerte, sondern auswärts that, als sitz er warm zu hause. J. Paul flegelj. 1, 151; man gieng schon von auswärts die hiesige universität an. Heyne an Joh. Müller 141; von auswärts ist die nachricht eingetroffen. auswärts gehen, ponere pedes obliquos:

ihr könnt vortreflich auswärts gehn.
Gellert 1, 163;

die füsze setzte er so auswärts. Weise erzn. 54; das futter auswärts wenden; das best soll man auswärts wenden. Lehmann 100; das neugeprägte silber geht gleich auswärts, nach auswärts.

[Bd. 1, Sp. 1011]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auswärts, adj. extrorsum vergens: die vertrockneten schoten des lathyrus furens, nach vollkommen abgeschlossener reife der frucht, springen auf und rollen sich jede nach auswärtser richtung streng zusammen. Göthe 55, 125. dies kühngewagte adj. rechtfertigt sich durch das folgende verbreitetere substantivum.
 
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auswärts, m. ver, printemps, primavera, gleichsam das auswartende, ausschauende jahr. man sagt: das jahr geht auswärts, gegen den sommer, wie geht einwärts, gegen den winter, der auswärts das frühjahr, der einwärts der herbst. Schmeller 1, 117. 4, 161. in Marburger acten von 1658: nechst abgewichenen auswarts = frühlings; von auswert an bis Christag. Vilmar in der hess. zeitschr. 4, 52, wonach in Hessen auch der ähnliche ausdruck die ausfart vorkommt. östr. im auswerts (frühling) die felder anbauen. Höfer 1, 51; bair. also mag ein embsiger hauswirt seine traider im herbst, winter und auswärts oft besichtigen. Hohberg 2, 49a; im auswärts um ostern. 2, 61b; des hopfens frühe schöszlinge im auswärts. 2, 66a; die hengstlein (von den eseln) rasen und wüten im frühling dermaszen, dasz übel mit ihnen auszukommen, sonderlich wann sie im auswärts gute weide finden. 2, 177a; es ist besser, wann man sowol im früling als im herbst erstlich eines mit dem andern (grünes mit dürrem futter) nach und nach vermischet, und immerdar im auswärts des dürren und gegen den winter des grünen weniger gibt. 2, 266a; im auswärts um liechtmessen oder in der fasten. 2, 480a; im auswärts gegen dem merzen und april. 2, 506a. in der Schweiz scheint das wort ungebräuchlich, aber aus Baiern und Steier mag es sich nach Kärnten erstreckt haben, wo man ein slovenisches vigred (von vi aus und gresti gehen, gredem ich gehe) bildete. Jarnik slov. etymol. 225b. Murko slov. wb. 707, ausgang = frühling. die übrigen Slaven haben das wort nicht. auch unser frühling scheint vom adv. frühe abzustammen. vgl. austag und der marschall Vorwärts.