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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausspintisieren bis ausspreizen (Bd. 1, Sp. 978 bis 979)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausspintisieren, excogitare, ausgrübeln: da geht er nun, und will alles ausspintisieren. Lessing;

das kundt ir kopf ausspüntesieren.
Scheit grobianus R 2.


 
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ausspionieren, ausspähen, auskundschaften.
 
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ausspitzen, exacuere, cuspidare: ein eisen, einen pfal ausspitzen; ein ausgespitzter (geschliffener) diamant. Garg. 120b. figürlich, seine worte ausspitzen, spitze worte geben; diese red, denn er wuste sie so nötig auszuspitzen, hielten sie als warhaftig. Kirchhof wendunm. 105a;

er darf ouch üwer gnad uszspitzen (ausführen),
wie si in ofnem eebruch sitzen. trag. Joh. H 1;

si (die bösen weiber) thuond nit dann dlüt uszspitzen. L 1,

mit scharfer, spitzer zunge verleumden. intransitiv, spitz werden, spitz auslaufen: alsdann fahen sie (die kräuter) an schmäler zu werden und allgemach auszuspitzen. Tabernaemont. s. 612. wir sagen heute, die nase spitzt sich aus, wird spitz.
 
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ausspötteln, leniter deridere.
 
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ausspotten, deridere, pers. baumg. 7, 13; spotte mich tüchtig aus! Schiller 138; er hat mich ausgespottet. Gotter 3, 295; was ausgespottet, verlacht! Klinger 1, 430.
 
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aussprache, f. pronuntiatio, nnl. uitspraak: aussprache der buchstaben, silben, wörter; er hat die rechte, richtige, wahre aussprache; eine reine, deutsche, deutliche, schöne, angenehme, gute, feine aussprache; eine falsche, fremde, unreine, schlechte, unangenehme, breite, plumpe, grobe aussprache; tugenden und fehler der aussprache. vgl. DWB ausrede und DWB ausspruch.
 
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aussprechen , pronuntiare, eloqui, nnl. uitspreken,
1) in dem bei aussprache angegebnen sinne des hervorbringens der laute: rein, scharf und recht, undeutlich und falsch aussprechen; ein wort zu breit und gedehnt aussprechen; denn es gehört zu dem geist, der predigen wil, ein gute stim, ein gut aussprechen, ein gut gedechtnis und ander natürliche gaben. Luther 2, 17a. es gibt leute, die kein r aussprechen können; die stimme versagte ihm, er vermochte die letzten worte nicht mehr deutlich auszusprechen.
2) etwas völlig ausdrücken, effari: ich wil meinen mund aufthun zu sprüchen und alte geschichte aussprechen. ps. 78, 2; der herr allein ist gerecht, nieman kan seine werk aussprechen. Sir. 18, 2; ich wil meinen mund aufthun und wil aussprechen die heimlichkeiten von anfang der welt. Matth. 13, 35; und fiengen an zu predigen mit andern zungen, nachdem der geist inen gab auszusprechen. apost. gesch. 2, 4;

dasz weder gottes gnad noch allmacht auszusprechen.
Weckherlin 244;

es kan nicht leicht ausgesprochen werden, wie viel ein verständige mixtur dieser methodorum und weisen nutze, die vermöglichkeiten des gemüths zu befördern. Schuppius 728; es ist nicht zu glauben oder auszusprechen. Simpl. 2, 243; hierüber hat ein kenner sich bewundrungswürdig erklärt, so dasz dieses verhältnis nunmehr ausgesprochen und für immer abgethan ist. Göthe 6, 111; ein ausgesprochenes wort ist fürchterlich, wenn es das auf einmal ausspricht, was das herz lange sich erlaubt hat. 17, 168; zwei kinder, stumm wie die mutter, mit einer art von verwunderung drein sehend, wenn die blicke jener ein vielfaches leiden aussprachen. 31, 237; wenn familien sich lange erhalten, so kann man bemerken, dasz die natur endlich ein individuum hervorbringt, das die eigenschaften seiner sämmtlichen ahnherrn in sich begreift, und alle bisher vereinzelten und angedeuteten anlagen vereinigt und vollkommen ausspricht. 36, 207; ich sitze oft unter meinem himmel in gedanken an sie, sie helfen mir abwesend zeichnen und einen augenblick, wo ich sie recht lieb habe, sehe ich die natur auch schöner, vermag sie besser auszusprechen. an fr. von Stein 1, 60; spräche diesen geistigen bettelorden der seelen ein anderer scharf aus, so müste er sagen u. s. w. J. Paul dämm. 32.
3) etwas feierlich aussprechen: der richter spricht das urtheil aus, hat ausgesprochen; von den schöffen wird ausgesprochen und gewiset. weisth. 2, 177 und oft; das königreich Italien ward ausgesprochen (proclamiert). Göthe 39, 115.
4) sich aussprechen: ich kann mich darüber noch nicht aussprechen; worüber ich mich auch mit antheil aussprach.

[Bd. 1, Sp. 979]


Göthe 32, 176; auch hätte das unvereinbare von Vossens und Stolbergs natur sich früher ausgesprochen und entschieden, hätte nicht u. s. w. 32, 179; ein diebstal spricht sich gleich aus (kommt unter die leute); manche slavische wörter sprechen sich schwer aus. figürlich, es spricht sich in seinen mienen wolwollen, in diesen worten geheimer groll aus, d. h. nicht laut, aber merkbar.
5) ausgesprochen, prononcé: seine vorliebe für die italienische sprache und für alles, was sich auf jenes land bezieht, war sehr ausgesprochen. Göthe 24, 17; die mittäglichen völker sind reicher an ideen, ausgesprochener und glühender in der art zu empfinden. 49, 198; in Carlsbad, wo die felsen überall steil, ausgesprochen von natur oder durch steinbrüche aufgeschlossen und zugänglich gefunden werden. 60, 129.
 
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aussprechlich, effabilis: dis geschrei ist unmeszlich und mit keiner zungen aussprechlich. Luther 1, 23b; ein grosz schauwerin der götlichen, heimlichen und nit uszsprechlichen dinge. legende von sant Anna. Straszb. 1509. D 2; die geteilten sint begriflich, bekentlich und ussprechlich. theologia deutsch. Stutg. 1851 s. 2, in Luthers ausg. von 1518 aussprechenlich.
 
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ausspreiszen, s. ausspreizen.
 
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ausspreiten, expandere, distendere, ausbreiten, ausstrecken: die flügel, die hände ausspreiten; das heu auf der wiese ausspreiten;

o dessen werk dein lob ausspraiten.
Weckherl. 15;

also kan der fürsten gunst
ihr lob ewiglich ausspraiten. 354;

er hat rund umb sich her das wasser ausgespreitet.
Opitz 3, 211;

komm sonne, scheine klar,
spreit aus dein güldnes haar.
Fleming 264;

Hatem spreitete das leder aus und tödtete ermeldtes pferd. pers. baumg. 2, 13; indes Spiegelberg mit ausgespreiteten flügeln zum tempel des nachruhms emporfliegt. Schiller 108.
 
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ausspreizen, distendere, divaricare: hände, finger, klauen, füsze, beine ausspreizen:

Beelzebub spreizt seine klauen aus.
Gotter 1, 371;

mit ausgespreizter faust. J. Paul Tit. 2, 91; ähnlich den hof- und stadtweibern, die wie gewächse sich ans fenster nach dem lichte ausspreizen. Hesp. 3, 83. einige sprechen spreiszen:

was geht denn da so närrisch,
so launisch, ungehobelt, herrisch,
so bucklicht, krumm und ausgespreiszt?
Tieck 1, 340.

s. spreizen.