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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussortieren bis ausspeien (Bd. 1, Sp. 974 bis 976)
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ausspähen, speculari, investigare, erspähen, früher geschrieben ausspehen (Luther hat weder das einfache, noch das zusammengesetzte wort): auf dem wege wieder anhaims ausgespäht, an ein paumb gebunden. Scheible kloster 6, 997;

wösz üwern gnaden ein dienst wett sin,
so wend wir den uszspähen fin. trag. Joh. H 8;

ausspähen, wo der feind lige. Kirchhof mil. disc. 94;

floh in den wald, auf dasz er nicht würd ausgespähet.
Opitz;

von keinem auge ausgespäht, von keinem verstande bewundert ringt in der schweigenden muschel die perle. Schiller

[Bd. 1, Sp. 975]


314b; ich habe sie neulich am brautaltar ihres bruders ausgespäht. Jul. v. Tar. 2, 4; furchtsam ausspähend stand er vor ihm. Göthe 19, 205; trug Wilhelm ihn gern vor den spiegel und suchte dort ähnlichkeiten zwischen sich und dem kinde auszuspähen. 20, 114.
 
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ausspäher, m. explorator: bis sie die fünf pilger fanden, welche sie feszleten, und mit allen vieren, wie die kälber, auf die rosz banden und für ausspeher darvon führten. Garg. 254a; dasz nicht vielleicht der feind ausspäher alles absehen möge. Kirchhof mil. disc. 143; dem boshaftesten ausspäher und belaurer des weiblichen herzens. Wieland 8, 268;

sendete dann ausspäher umher auf die warten des landes.
Voss Od. 14, 261.


 
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ausspann, m. locus abjugandis jumentis aptus, diversorium, ort wo man ausspannen kann, das ablager. an einigen orten die ausspanne f.
 
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ausspannen , disjungere, relaxare, extendere, nnl. uitspannen, vgl. DWB anspannen, DWB aufspannen.
1) die pferde, rinder ausspannen: der kutscher hat ausgespannt;

der henker thu ihrs ros ausspannen.
H. Sachs II. 4, 3d;

ein pferd ausspannen. Philander 1, 36; aber auch den wagen, den pflug ausspannen;

ich bin ermüdt, ich hab gefürt
des tages bürd,
es musz einst abend werden,
erlös mich herr, spann aus den pflug,
es ist genug,
nimm von mir die beschwerden. kirchenlied.

die stickerei ausspannen, aus dem rahmen spannen. figürlich, die seele, das gemüt ausspannen, losspannen: wenn schon manchmal die allzusehr ausgespannte seele lieber in sich selbst zusammenfiele. Göthe 16, 256; der abschied von einer langen und wichtigen arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich. das ausgespannte gemüt sinkt zu schnell zusammen und die kraft kann sich nicht sogleich zu einem neuen gegenstand wenden. Schiller an Göthe 174; tolles herz, tobe und spanne dich dann aus, labe dich im wirrwarr. Klingers th. 2, 265. Vormals sagte man aber auch ausspannen für geld ausgeben, gleichsam loslassen, aus dem beutel springen lassen:

der pfaf was reich und spannet aus.
Rosenblut vom edelmann und hasgeier;

er was im pewtel gering,
und er nit het auszuspannen. ebenda.


2) ausspannen, ausdehnen, ausstrecken: die finger, die arme, die flügel ausspannen; mit ausgespannen armen. Keisersb. aufr. mensch D 5; ir ietweder het seine vettach ausgespannen. ausg. der jud. J;

er kneuet für das kreuzaltar
mit ausgespanten armen.
Uhland 771;

ein seil, ein tuch, ein segel ausspannen; sie haben meine saelen (später seile) ausgespannen und mich zu nicht gemacht. Hiob 30, 11; ein ausgespannet netz. Hosea 5, 1; spannt alle segel aus! alle kräfte ausspannen, anstrengen. Lohenst. Arm. 2, 748;

nach Phrygien die segel auszuspannen.
Schiller 230a;

er, welcher über meer und land
den lichten himmel ausgespannt.
Bürger 37b;

als der abend sich ausgespannt (ausgebreitet) in seiner pracht. Fr. Müller 1, 10; da er auf seinem gesicht den gröszten, höflichen ernst ausspannte. J. Paul Hesp. 1, 113; eine weit ausgespannte, wie ein grünendes meer fortwogende ebene. Tit. 2, 50. Zwischen beiderlei bedeutung hat im zweifel der zusammenhang zu entscheiden, z. b. ob das tuch ausspannen ausdrücke ausdehnen oder losspannen. Keisersberg und Luther halten noch das starke part. ausgespannen fest, nicht mehr das praet. ausspien, und haben auch schon ausgespannt daneben.
 
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ausspänner, m. jumentarius, was anspänner. auch ein gestell zum ausspannen.
 
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ausspannung, f. 1) wir pachteten hierauf einen gasthof und hatten vil ausspannung (einkehr der fuhrleute), mithin dem scheine nach gute nahrung. Leipz. avant. 2, 53. 2) expansio: ausspannung, die einen raum erfüllt. Kant 2, 184; die kraft der ausspannung. 8, 136; die ausspannungskraft der luft. 9, 32; meine macht hält den würgenden in seiner ausspannung, damit ihr euch nicht reif glaubt in eurer blüte. Klinger 10, 212.

[Bd. 1, Sp. 976]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussparen, reservare, gleichviel mit aufsparen: die mahler sparen stellen aus, halten sie noch frei von farbe; die ausgespartesten situationen. Lessing 7, 308; eine ausflucht, finde ich doch, hat sich Diderot auszusparen gesucht; wir sparen unsere schüsse wol aus. Göthe 8, 107. 42, 139; ich musz noch einige worte hinzusetzen, aber ausgespart, als wäre ich Spartaner. Herder bei Merck 1, 18; sehen wir in dieser wilden grünen anstalt noch irgend ein fleckchen den gartenblumen besonders gewidmet und mit liebe ausgespart. Tieck 4, 80.
 
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ausspazieren, exspatiari, s. DWB abspazieren:

kommt, laszt uns ausspazieren!
Opitz;

geschieht es, dasz zur zeit sein halbgott ausspaziert.
Logau 3, seite 216;

wann ein Christ am sontage wil ausspazieren. Schuppius 207; als er ausspazierte, feldhüner zu fangen mit dem tyras. Simplic. 1, 186;

kaum kann der hohe storch zum froschfang ausspazieren.
Hagedorn 2, 123.


 
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ausspeculieren: heiszt disz nit tief ausspeculiert? Fischart bienenk. 1588. 59a.
 
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ausspeien, exspuere, exscreare, nnl. uitspuwen, uitspugen: blut, gift und galle, eiter, feuer ausspeien; ich wil ire missethat an inen heimsuchen, das das land seine einwoner ausspeie. 3 Mos. 18, 25. 28; die güter, die er verschlungen hat, musz er wider ausspeien. Hiob 20, 15; deine bissen, die du gessen hattest, mustu ausspeien. spr. Sal. 23, 8; und der herr sprach zum fische, und derselb speiet Jona aus ans land. Jon. 2, 11; da speieten sie aus in sein angesicht (goth. spivun ana andavleizn is, ahd. spuwun sie sîn annuzi). Matth. 26, 27; weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem munde. offenb. 3, 16; solchen worten und exempeln, als des heiligen geistes worten und vermanungen müsset ir warlich folgen, und die gedanken, so euch davon treiben, ausspeien und auswerfen. Luther 5, 528a; da spüwten sie usz und sprachen, das wer nit ein zimlich beth. Eulensp. 58; hub dann der pfarrherr neben im an ausspeien. Garg. 51b;

dasz ein flusz verschluckt wird von der erden,
und anderwerts hernach musz ausgespeiet werden.
Opitz 1, 46;

ein weib, das gerne trinkt, speit unversehens aus
ihr ehr, ihr gut gerücht, auch endlich hab und haus.
Logau 2, 2, 24;

das das haus seinen bauherrn oder seine kinder bald ausspeie, zu dessen erbauung arme leut stein und ziegel zuführen müssen. Schuppius 56; dasz ihme gott einen solchen medicum zugeschicket, der ihm eine purgation eingeben soll, dasz das land ihre einwohner ausspeie, wie das land Kanaan. 365; dasz du, butterlecker, solches aus deinem schamlosen lästermaul wider deinen nechsten ausspeiest, aber an beweis wird es dir ewig mangeln. 635;

o speit ihn aus von euch, dasz er die beste sache,
die besten bürger nicht durch sich verdächtig mache.
Lessing 3, 338;

und wie aus ofnem höllenrachen
speit es verderben zündend aus.
Schiller 79b;

pfui, speit ihr aus, die hure da!
Göthe 1, 204;

und was er noch mehr aus ärger und galle ausspie, das ich alles vor lachen nicht verstand. Fr. Müller 1, 233; die ganze stadt ist voller staatsmänner und man kann auf der gasse fast nicht ausspeien, ohne in gefahr zu stehn, einen politicus zu treffen. verächtlich: das ist zum ausspeien.