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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussicht bis aussinnen (Bd. 1, Sp. 972 bis 973)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussicht, f. prospectus, nnl. uitzigt, ein erst im 18 jh. erscheinendes wort: mein haus hat eine weite aussicht in die gegend; oben an einer seite des felsens bekommt man plötzlich die aussicht auf das meer; herliche aussichten öfnen sich dem blick allenthalben; die mahlerischen aussichten des parks. Göthe 17, 316; hier musz die aussicht genommen werden; sie sollen auf dem wege langsam gehen und zuweilen ruhen und aussicht nehmen. Fichte phil. journal 9, 201; o meine aussichten, meine goldnen träume! Schiller 104a; leb wol, du liebste aussicht meines ganzen lebens! Göthe an fr. von Stein 2, 171; und warum nicht ein andermal alle die (schritte), welche zu thun uns die aussichten in ewige belohnungen so mächtig helfen? Lessing 10, 329; weil ich, ohne sonderliche aussichten, einem wolhabenden, nicht geliebten, aber geehrten manne meine hand reichen muste. Göthe 17, 9; eine frohe aussicht in die zukunft öfnete sich ihr. 17, 181; hatte jeder zuhörer raum genug, zu einer glücklichen selbstgefälligkeit empor zu steigen und von da aus die anmutigsten aussichten in die zukunft zu überschauen. 18, 245; glaubte man durch die neue form eine neue aussicht für die vaterländische bühne eröfnet zu haben. 19, 24; von der zeit an war ihr ganzes gemüt mit den heitersten aussichten beschäftigt, auf keinen irdischen gegenstand richtete sie ihre aufmerksamkeit mehr. 20, 279; und ob mir zwar die eigenheit seines charakters einige sorge für ihn gab, wie er sich in das bürgerliche wesen finden und fügen werde, so that sich doch eine aussicht auf, in die er mit günstigem geschick einzutreten hoffen durfte. 32, 179. die heutige geschäftssprache sagt gern in aussicht stehen, stellen: seine beförderung steht in aussicht, der in aussicht stehende friede, verhandlungen, die eine beilegung des streits in aussicht stellen; es ist keine aussicht auf ruhe.
 
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aussichten, secernere, sichten:

der in der alten besten werken
nur eine lesart zu bemerken,
nur wörter auszusichten weisz.
Hagedorn 1, 93.


 
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aussichtsplatz, m. locus prospectum praebens: wege auf denen und in deren nähe man noch die angenehmsten ruhe- und aussichtsplätze zu entdecken hofte. Göthe 17, 87.
 
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aussichtsreich: günstige, aussichtsreiche lage.
 
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aussickern, rorare, exstillare lente: es sickert wasser aus.
 
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aussieben, cribrare: getraide, asche aussieben;

wir wolln des wütrichs asch aussieben grosz und klein,
und lachen wenn sie wird ein spiel der winde sein.
Gryphius 1, 560.


 
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aussiech, leprosus. Schmeller 3, 190. s. DWB aussucht.
 
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aussiechen, languere: mancher isset und trinket, das er darnach aussiechen und oft daran sterben musz. Luther 5, 439b. das aus wie in ausmagern, aussterben.
 
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aussieden, excoquere, coquendo purgare, nnl. uitzieden garn, fett, münzen, kräuter aussieden; auch ein kraut, meus ohr genannt, mit wasser aussieden lassen. weidwerk 1, 15a

und es braust aussiedend der kessel
Voss 1, 37;

[Bd. 1, Sp. 973]


wer zu einem poeta laureatus ausgesotten und ausgebrannt sein will. J. Paul Fixl. 141; vermutungen auszusieden. teuf. pap. 2, 144.
 
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aussingen , nnl. uitzingen,
1) cantu prodere: ich musz aussingen, was meine brust bewegt; die nachtigall sang lieblich aus. Docen misc. 1, 284;

die liebe, die dich schwellt,
freudig auszusingen.
Rückert 304.


2) cantum absolvere: ein lied aussingen; er fängt viele lieder an, singt aber keins aus; man lasse sie doch aussingen. vocem cantando attenuare: ihre stimme ist schon sehr ausgesungen.
3) cantu funus efferre, eine leiche aussingen.
4) intransitiv, desinere cantare:

schnell wird ein dichter alt, dann hat er ausgesungen,
doch manche critici die bleiben immer jungen.
Kästners verm. schr. 2, 263.


5) intransitiv, crepare:

dem gib ich ein solchs recept ein,
das all bös lüft, die in im sein,
die müssen von im unden aussingen. fastn. sp. 752, 31.


 
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aussinnen, excogitare, fingere, invenire, ausdenken: eine list, kunst, ein mittel aussinnen;

welcher kan das aussinnen,
dasz wir erlangen ein gte beut?
Uhland 539;

ich bin drei ganzer nacht gelegen
ob dem, das uns Simson thet fregen,
jedoch kan ich das nit aussinnen.
H. Sachs III. 1, 50b;

sein sinn ist nimmer auszusinnen.
Opitz;

dasz dies sein musz der graf, hat er ihm ausgesonnen.
Werders Ariost 11, 61;

das mögen eur ehrwürden aussinnen. Simplic. 2, 300; ich verwunderte mich, dis alles zu sehen und zu hören und konte nicht aussinnen, aus was ursachen ein lebendig geschöpf einen todten klotz anbetete. pers. baumg. 8, 13; spannen sie vielmehr ihren verstand an etwas auszusinnen. Lessing 1, 241;

treibt euch der müsziggang, phantome auszusinnen —
sägt holz!
Gotter 1, 400;

welch neues unerhörtes hat der vogt
sich ausgesonnen?
Schiller 521a;

wol ausgesonnen, pater Lamormain. 343b;

ich sinne schon das stück aus und bin mitten drin. Göthe 26, 349.