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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausschwitzen bis aussein (Bd. 1, Sp. 967 bis 968)
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[Bd. 1, Sp. 967]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausschwitzen , exsudare, nnl. uitzweeten,
1) intransitiv: der win in zum hals us switzet. Muskatpl. 91, 39; an den pflanzen schwitzt honig aus; an seinem leib schwitzte blut aus; die allegationes sind mir ausgeschwitzt. Garg. 154b.
2) transitiv, die bäume schwitzen einen süszen saft aus; purpurrothe blumen, deren jede ein krystallhelles harztröpfchen ausschwitzte. Bettine tageb. 58; das fieber ausschwitzen;

da die buren das gelt uszschwitzen. fastn. sp. 895, 21;

die peccata juventutis ausschwitzen. Weise kl. leute 61; dasz Burghart diese sachen schon ausgeschwitzt hätte. unw. doct. 779; meinem scheblimini, dessen inhalt ich beinahe ausgeschwitzt. Hamann 7, 148; das habt ihr rein ausgeschwitzt. Schiller 131a; den wein im bade ausschwitzen.
 
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ausschwören , ejerare, in verschiedner bedeutung,
1) die stadt ausschwören, verschwören, abschwören. belege hat Haltaus 81. 82.
2) ausschwören, feierlich schwören: er hat es ausgeschworen, conceptis verbis juravit;

ich scholt im sein hochzeit versorgen
und scholt darauf ausschwern und porgen. fastn. sp. 784, 30,

d. h. sachen ausnehmen und die zahlung eidlich versprechen;

vil renk und müh ich denn anker,
bisz ich ein ander pferd ausschwer,
denn hab ich lang daran zu zaln.
H. Sachs II. 4, 3d,

d. h. bis ich ein andres pferd, unter geleistetem eid für dessen bezahlung, kaufe, ich zahle aber langsam.
3) ausschwören = abschwören, jurato negare; einem etwas aus dem gesicht schwören, scientem et fidentem (? videntem) perjurio fallere. Stieler 1977, das ist das oben sp. 795 beigebrachte aus den augen schwören, dem, ders mit seinen augen gesehn hat, es eidlich ableugnen. swuren sich ûʒ, daʒ si darvone nicht inwisten. myst. 168, 17.
 
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aussegeln, exire e portu, nnl. uitzeilen, auslaufen, absegeln.
 
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aussegnen, exeunti fausta precari: als wenn es ihnen noch mit tausend teufeln wäre ausgesegnet worden. Simplic. 1, 230; sie segnen den sabbath auch aus mit gebett, wein. Frank weltb. 146a.
 
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aussehen , nnl. uitzien, wie das einfache sehen bald videri bald videre bedeutet,
1) specie esse: er sieht gut oder böse aus; du siehst mir eben nicht sehr gelehrt aus; er sieht aus wie ein dieb; der wein sieht wie bier aus; sie sieht aus wie der teufel; kind, wie siehst du wieder aus?; wir sehen nicht aus, als ob wir viel bei uns trügen; zu der zeit, da du noch glat und schön aussahest. pers. rosenth. 5, 10; ist das nicht ein wunderschöner kerl, sieht er doch flugs aus wie milch und blut. Schelmufsky 1, 48; durstig aussehende. Simpl. 2, 307; lasz uns aussehn, wie listige erben, die heulend hinter der bahre gehen und desto lauter ins schnupftuch lachen. Schiller 148a;

bräutigam, so wird morgen Luis aussehen im brautschmuck. Luise 3, 207;

diese deutung sieht gar zu studiert aus. Kant 7, 160; die kunst kann nur schön genannt werden, wenn wir uns bewust sind, sie sei kunst, und sie uns doch als natur aussieht. 7, 167. zumal aber unpersönlich und in verbindung mit so und wie oder den praepositionen nach, in und mit; wie siehts in Berlin aus?; es sieht heute nach regen aus; das sieht nicht gut aus. Gellert 3, 366; sie hat ihm vergeben. 'es sieht so aus'. Göthe 10, 90; man kann sich in alles schicken und weisz wie es in der welt aussieht. 11, 11; was haltet ihr davon? 'es sieht völlig aus wie eine lüge'. 14, 101; wie sieht es in ihrem herzen aus? 14, 129; hernach seh ich wie es auf dem acker aussieht. 14, 253; wenn sie glauben, dasz es nicht pedantisch aussieht, so kann ich wol in der zeichensprache mich zusammenfassen. 17, 56; wie wird es aber mit den zinsen unsers capitals aussehn? versetzte Werner. um nichts schlimmer, sagte Lothario. 20, 146; noch sieht es mit seinen unmittelbaren leibeserben mislich aus. 24, 240; sagen sie mir bald nachricht, wie es aussieht? an Schiller 196; ach sie mögen sehn, wie mirs im herzen manchmal aussieht. an fr. von Stein 1, 59; ob es gleich hiebei lediglich nach einer kette von ursachen aussieht. Kant 2, 423. diese ausdrucksweise scheint erst im 17 jh. um sich zu greifen, Luther und Fischart haben noch kein beispiel davon und verwenden dafür bloszes sehen, ohne aus. aber auch nnl. het ziet er slecht met hem uit; ziet hij er nog zoo ongunstig uit? ursprünglich war es, analog dem ansehen 12, ein wirkliches ausblicken: sie sieht so

[Bd. 1, Sp. 968]


frisch aus ihren augen; was hernach genommen wurde für sie hat ein frisches aussehen.
2) aussehen, prospicere: sahe Michal die tochter Saul zum fenster aus. 1 chron. 16, 29;

do sach die falsche frawe
mit freuden zum fenster aus.
Uhland 285;

Calvus sah zum fenster aus, Lippus hielt die nase für.
Logau 2, 6, 81;

wie säumt denn Nathan so? sieh aus, ob er
sich noch nicht naht?
Klopstock 9, 140;

ist nicht der himmel überall voll nacht?
seht aus: ist jeder strahl des tags in wolken
nicht ungewöhnlich finster eingehüllt? 10, 67;

dein blick ist scharf. sieh aus, ob sie schon leichen tragen. 10, 88;

du läszt mich lange nach dir aussehen und ich habe doch wichtige dinge mit dir zu reden. Jul. von Tar. s. 11; sonst hätte ich wol noch lange nach dem kusse dieser süszesten lippen aussehen mögen. Tieck ges. nov. 1, 204; hier kann man weit aussehen, ausschauen, sich umsehen.
3) transitiv, ausersehen, ersehen, aussuchen, auswählen: ich habe mir meinen ort hier ausgesehen; sieh dir einen tag aus, sume diem. Stieler 2024; wo woltest du dir eine lustigere wohnung aussehen können? Simplic. 1, 476; ei Leander, so jung, und er hat sich schon ein mädchen ausgesehen? Lessing 1, 464;

und dann am quelle
die rasenstelle,
wo zephvrs wehn,
zum grillensitze
mir auszusehn.
Stamford bei
Gökingk 1, 231;

man musz die jugend zu geschäften aussehen, besonders solchen, die zu andern stellen geschickter machen. Hippel br. 13, 74.
4) sich die augen aussehen, zu grund richten: bei dem spitzenmachen sieht sie sich noch die augen aus; ich sehe mir die augen danach aus, schaue unablässig dahin; ich kann das stück nicht aussehen, bis zu ende sehen.
5) das participium aussehend, mit weit verbunden, empfängt häufig, nach der zweiten bedeutung, den sinn von incertus, anceps: die beide nordische königreiche, Schweden und Dennemark, hatten einen weit aussehenden krieg angefangen. Schuppius 222; die wahren thaten der freimäurer sind so grosz, so weit aussehend, dasz ganze jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann, das haben sie gethan. Lessing 10, 260;

lange nicht auszusehende weg, umgeben von sonnen.
Klopstock Mess. 1, 202;

meine weitaussehenden absichten. Wieland 2, 120; das genie arbeitete an weit aussehenden planen. Klinger 10, 277.
 
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aussehen, n. prospectus, aussicht: euer mehrste aussehen, läden und fenster solt ihr gegen aufgang uber den garten richten. Sebiz 30; von demselben berge hatte ich ein schönes aussehen. Simpl. 1, 556; als wir nun im besten da saszen und zechten, erblickte ich im aussehen (durchs fenster, prospiciendo) ein abenteuer. unw. doct. 245. dann aber auch für species, anblick, ansehen: wolt ich mit fürwitzigen augen das elende aussehen meines vaterlands ansehen. Schuppius 693; in Teutschland hat das wilde meer, der krieg noch kein end, sondern es hat ein aussehen, als woll es mehr und mehr toben. 715; ich nehme euch zum zeugen, was vor diesem mein haushaltung für ein aussehen gehabt habe. 734; vielmehr bin ich voll verwunderung dein aussehen frischer und jünger zu finden als das meine. Göthe 22, 40; endlich aber mitlachen muste über das aussehen einer närrischen handlung, die ich mit so vielem ernste durchgeführt hatte. 23, 113.
 
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ausseichen, urinam facere, ausharnen: herr Batt mit dem glatten schaden, der die zwillingbrüderlein im bauch verbirgt, und seicht hinden aus, wie des meiers stut. Garg. 131b. mingendo exstinguere: wann ich in die hölle solte, wolte ich mich erstlich brav voll Minder bier saufen und dem teufel zum possen das feur ausseichen. ped. schulfuchs 205.
 
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ausseigern, igne metallum separare: das silber vom kupfer ausseigern.
 
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ausseihen, excolare.
 
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ausseimen, favos, mella eximere: wachs, davon das hönig ausgesaimet oder ausgelassen worden. Hohberg 2, 401a.
 
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aussein , verhält sich wie absein, ansein, aufsein, und bedeutet
1) zu ende sein, finiri, sowol von sinnlichen, als abstracten dingen, das licht, feuer, leben, das lied, die schule, die noth,

[Bd. 1, Sp. 969]


angst ist aus; der herren geding ist aus. weisth. 2, 169; wann die losung aus ist. 2, 200; da nu das wasser in der flaschen aus war. 1 Mos. 21, 15; sie las, bis das die gerstenernd aus war. Ruth 2, 23; wenn man nachlieset, so die weinernde aus ist. Es. 24, 13; wo bleibet nu der ruhm? er ist aus. Röm. 3, 27; wie ein knecht sehnet sich nach dem schatten, und ein taglöner, das sein erbeit aus sei. Hiob 7, 2; und da die tage aus waren, macht der könig ein mal. Esther 1, 5; bis der zorn aus sei. Dan. 11, 36; wenn zu Babel siebenzig jar aus sind. Jer. 29, 10; da nu die leidtage aus waren. 1 Mos. 50, 4; bis das die zeit aus sei. 4 Mos. 6, 5;

wo gelt gbrist, do ist früntschaft usz.
Brant narrensch. 104;

wach auf fried, der krieg ist aus! fastn. sp. 39, 2;

all freud war aus.
H. Sachs I, 161b;

wo nit, sei all sein hofnung aus. V, 226c;

lasz dein büberei aus sein, nequitiae fige modum tuae. Maaler 46b; das glas ist aus. Garg. 89b; wäre dem fasz der boden aus. 103a. vgl. ausschlagen sp. 959;

ach es ist noch nicht zeit, dasz ihr einmal beginnet,
ihr thränen, aus zu sein.
Fleming 635;

der klare wein ist aus, die hefen sind in fassen.
Logau 1, 9, 14;

meine bahn ist aus. Schiller 174a; die wachtparade ist aus. 188a;

das gesetz ist aus. das köpfen hat ein ende. 592;

gottes güte ists, dasz wir im tode nicht gar aus sind. Hippel 10, 270; wenn im schlosse die lichter alle aus sind. Göthe 15, 50; meine predigt ist aus; der tanz, das lied, der traum ist aus; wiltu denn uber uns zurnen, bis das gar aus sei? Esra 9, 14; es ist aus, wir sind verstöret. Micha 2, 4;

wenn es aus ist. fastn. sp. 727, 24;

ist sie schon auf den flug die seele,
so ists aus.
Fleming 30;

es ist alles aus. Gellert 3, 166; nun ists aus. Göthe 14, 298; da ists aus und vorbei. der arme mann im Tockenb. 117. man kann sich leicht participia hinzudenken: das licht ist aus gethan, das lied ist aus gesungen, das glas aus getrunken, der traum ist aus gegangen (erfüllt, s. DWB ausgehen), es ist alles aus gespielt.
2) wie sich schon zum bloszen aus die praep. mit gesellte (sp. 818), tritt sie auch zu aussein: und ekelt mich ir nicht also, das mit inen aus sein solt. 3 Mos. 26, 44; und mit den götzen wirds ganz aus sein. Es. 2, 18; wie ists mit dem treiber so gar aus? 14, 4; und wird aus sein mit der feste. 17, 3; und wenn ein mensch dahin ist, so ists gar aus mit im. weish. Sal. 2, 1; denn es war aus mit inen. Matth. 2, 18; es ist aus mit im. Marc. 3, 26; ists denn ganz und gar aus mit seiner güte? ps. 77, 9; ich wil das schwert hinder sie schicken, bis das aus mit inen sei. Jer. 9, 16; da war es mit den gesten aus. grobianus H 3; der angeklagte fürst der Cherusker hat durch diese schlacht die Römer so sehr zu zorn und rache wider uns gereizt, dasz es mit uns aus war, wenn Tiberius den Caesar nicht zurück rufte. Klopstock 10, 263; die bücher, mit denen es aus ist, sind uns sehr gut bekannt. 12, 384; es ist aus mit uns. Schiller 192b;

mit mir ist es ja aus, auf immer aus. 298;

am jüngsten tag, wenn die posaunen schallen
und alles aus ist mit dem erdeleben.
Göthe 2, 15;

ich lasz euch nicht weg, und damit ists aus. 11, 102; siehst du, mit mir ists aus, ich trag es nicht länger. 16, 140; und mit mir ist es aus, meine sinnen verwirren sich. 16, 153.
3) aus sein, domo abesse, ausgegangen sein, ausbleiben:

du solt nit lang aus sein. fastn. sp. 501, 28;

ich bin gleich lang gewesen aus.
H. Sachs II. 4, 1a;

wie bist so lang aus, du böswicht? III. 1, 262d;

solt ich so lang aus sein, ich wolt etwas schicken. sch. u. ernst 198; als nun die räuber den tag über, nach ihrer gewohnheit, beut zu machen ausgewesen. pers. rosenth. 1, 5; kompt er (der fuchs) auch, entschuldigt sich, er wär aus gewesen und hät sich bei den ärzten aufgehalten. Schuppius 832; zehrpfennig, den ihm die meisterin abschlug, wenn der meister aus war. J. Paul Hesp. 1, 171; heute war ich noch nicht aus.
4) aussein nach etwas, ausgehn, nach etwas suchen:

wo bleibt Alhafi denn? ist niemand nach
ihm aus?
Lessing 2, 231.


5) aussein auf etwas, mit etwas beschäftigt sein, danach streben: ich bin darauf aus, das geld herbei zu schaffen; eine

[Bd. 1, Sp. 970]


ehre, auf die ich gar nicht aus bin; ohne auf das aufgerichtete ziel aus zu sein. J. Paul teuf. pap. 1, 110; gleichwol war man auf eine blutreinigung der geistlich poetischen ader aus. biogr. bel. 1, 138; ob sie gleich, wie der pabst, auf die erledigungen der stellen aus sind. Fixlein 141; er war darauf aus, die schönsten entdeckungen zu machen. vgl. DWB ausgehen 4.