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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausschwären bis ausschweifen (Bd. 1, Sp. 964)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausschwären, ulcere protrudi: die augen sind ihm aus dem kopf geschworen; der splitter, der im finger steckt, musz ausschwären.
 
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ausschwärmen, strependo evolare, von vögeln, bienen: dasz die tauben nicht zu viel ausschwermen. Kirchhof wendunm. 139a; die bienen sind ausgeschwärmt; junges volk schwärmt gern aus; es musz ausgeschwärmt sein. dann auch zu schwärmen aufhören: er hat ausgeschwärmt. transitiv, einen traum ausschwärmen. Klingers th. 2, 111.
 
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ausschwatzen, garriendo in vulgus efferre, sowol arglos heraussagen, als in böser absicht ausplaudern, austragen:

mein kind, du schwatzest ja dein ganz geheimnis aus.
Gellert 3, 312;

dasz der, der gleichgültige mysterien ausschwatze, endlich wichtige sage. J. Paul Hesp. 1, 105. sich ausschwatzen, satt schwatzen, ad satietatem garrire: die leute schwatzen sich aus; laszt ihn nur ausschwatzen; ich bin bald in dem zustande, dasz ich für lauter materie nicht mehr schreiben kann, bis wir uns wieder gesehen und recht ausgeschwatzt haben. Göthe an Schiller 259. einem etwas ausschwatzen, ausreden:

wie freudig ihm mein trost die grillen ausgeschwatzt.
Günther.


 
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ausschwätzer, m.: dasz nicht grobe hübeler, ausschwätzer und wäscher darüber (über mein buch) kommen. Schweinichen 1, 13.
 
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ausschwätzerei, f. Klinger 12, 16.
 
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ausschwätzerin, f.
 
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ausschwatzung, f. zog mich aber in eine unerlaubte ausschwatzung ihres hauses hinein. J. Paul flegelj. 1, 82.
 
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ausschweben, evanescere: fieng an ir trug und falsch auszuschweben. Frank weltb. 138b. s. verschweben.
 
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ausschwefeln, sulfure suffumigare, nnl. uitzwavelen. Stieler 1964: den keller, die fässer ausschwefeln.
 
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ausschweif, m. evagatio, digressio, ambages: einen ausschweif gewinnen, nehmen:

er hat im aber ein ausschweif gnomen.
H. Sachs III. 1, 195c;

und ist der seltsamen ereignisse erwehnung kein ausschweif einer fabulierenden feder. gespenst 142; ich möchte dieses weges sobald nicht wieder kommen, man erlaube mir also einen kleinen ausschweif. Lessing 7, 333. in der form wie schweif, abschweif, umschweif; in der bedeutung wie DWB auslauf, DWB ausschritt.
 
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ausschweifen , evagari, ausbiegen, dispalari.
1) von flusz und gewässer, sinuari: alle ströme haben vor alters (vor bildung der flutbette) so ausgeschweift (sich so weit ausgebogen). Kant 6, 88.
2) von fläche und ebene: die ebene schweift hier aus, ist ungleich ausgeschweift, biegt sich aus; ausschweifende linie; die umschreibung der figur in geraden und wenig ausschweifenden linien. Winkelmann 3, 77; die wenig ausschweifenden umrisse ihrer figuren. 3, 79.
3) von dach, fach, geräth: das dach ist oben ausgeschweift; ausgeschweifte giebel; der becher ist am rande ausgeschweift.
4) von gliedmaszen: mit völligen und ausschweifenden hüften des weiblichen geschlechts. Winkelmann 4, 89; die waden (der Venus) sind straf und voll bis an die kniekehlen, ohne auszuschweifen. Ardinghello 2, 214.
5) persönliche bezüge: wir schweiften heute aus durch wald und gebirge; meine augen schweifen aus in die ferne und erblicken den geliebten nicht;

freund, schweif aus mit deinen blicken,
lasz dich die natur entzücken,
die dir sonst gelacht.
Gotter 1, 14;

er schweift rechts und links, nach allen richtungen aus, in alle ecken.

[Bd. 1, Sp. 965]



6) zumal gilt es vom ungetreuen ehmann (s. DWB auslatschen), vom jüngling, der abseits ausschweift, die bahn der tugend verläszt, nebenher geht. schon Maaler 46a ein paur, der ausschweifend und nit gern daheimen bei seiner frauwen ist, aversus contubernio suo villicus. eine ausschweifende, wollüstige frau; vil irrige, arme, weit ausgeschweifte mädlen. Wirsung Calistus e; wollte sie ausschweifen, sie könnte den werth der seele herunter bringen und die tugend mit der wollust verfälschen. Schiller 202a. ein ausschweifendes leben führen, der wollust nachhängen.
7) aber auch sonst übertreiben, modum excedere: im essen, trinken, im aufwand, in der liebe, freude, trauer ausschweifen, im lobe ausschweifen, unmäszig loben; in oder von der rede ausschweifen, abschweifen, digredi;

wer hätte je so weit im argwohn ausgeschweift?
Wieland 10, 333;

so musz ich wider willen in exempel ausschweifen. Herder 1, 176; die kritik des verstandes erlaubt es nicht, in intelligible welten, ja nicht einmal in ihren begrif auszuschweifen. Kant 2, 273; es ist schwer in einer materie, die von so weitem umfange ist, nicht auszuschweifen. 8, 23; mit der einbildungskraft in den raum des chaos ausschweifen. 8, 325; das blosz zum privatvortheile meines ausschweifens gebaute filialbändchen. J. Paul Tit. 1, 61. Das partic. ausschweifend bedeutet als adj. oder adv. häufig unmäszig, übertrieben: diese seine weisheit machte er in zwei verschiednen vorlesungen bekannt, von denen die erste gewis nicht wolfeil und die zweite ausschweifend theuer war. Klopstock 12, 297; wenn es auch die allerausschweifendste sache von der welt wäre. J. E. Schlegel 2, 387; es ist etwas bekanntes, dasz im wirklichen leben oft weit unwahrscheinlichere dinge begegnen, als der ausschweifendste kopf zu erdichten sich getrauen würde. Wieland 1, xiv; kurz ich wollte das ausschweifendste, was man in der verzweiflung wollen kann. 2, 61; so ausschweifend dieser wahn war, so wahrscheinlich schien er meinen gönnern aus der untersten klasse. 2, 99; dürfte man einer ausschweifenden angabe aus jenen zeiten trauen. Schiller 915; mit ausschweifendem lobe. Klinger 5, 342; die ausschweifende stärke eines gefühls. Kant 12, 425.
8) transitiv, etwas bogenförmig ausarbeiten: den giebel, den becher ausschweifen, altn. sveipa silfri; ein hemd am hals ausschweifen, emarginare; auch ein gefäsz ausschweifen, ausspülen, gleichviel mit abschweifen, abspülen (sp. 112).