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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausschimpfen bis ausschlag (Bd. 1, Sp. 949 bis 950)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausschimpfen, probris afficere: er hat ihn tüchtig ausgeschimpft.

[Bd. 1, Sp. 950]


auch wol desinere proscindere: hast du endlich ausgeschimpft?
 
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ausschimpfieren, proscindere, Stieler 1797. gebildet wie ausdensieren, ausschändieren. s. ausschumpieren.
 
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ausschinden, pecus glubere, mlat. excoriare: tragen etliche ausgeschunden wolfshäut. Ayrer 197a; guter, fleisziger posthund, ich werde dich zur aufmunterung, sobald ich zeit habe, ausschinden. J. Paul Hesp. 4, 186. bildlich, die leute ausschinden, aussaugen; den acker ausschinden; das getraide ausschinden, theurer machen, in die höhe treiben, mit wucher verkaufen, essende waaren ausschinden. Stieler 1798.
 
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ausschindling, m. e ventre matris exsectus, ein ausgeschnittnes kind. s. Besold und Speidel, auch Abele gerichtshändel 1, 719. Stieler 1798. s. ausschnittling.
 
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ausschirren, abjungere equos, gegensatz von DWB anschirren.
 
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ausschlachten, mactare: salzten dasselbe, wie auch das ausgeschlachtete ziegenfleisch ein. Felsenb. 1, 241. ausschlachten, güter vertheilen, zerstückeln.
 
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ausschlachtung, f. concisio, zerstückelung der güter. die güter kaufen, um sie zu zerstücken, nennt man güterschlächter.
 
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ausschlacken, defecare, despumare, s. DWB anschlacken.
 
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ausschlaf, m. recreatio per somnum: dasz sie nach ihrem ausschlaf eine stunde würfel gespielt. Hippel lebensl. 2, 7.
 
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ausschlafen , edormire, nnl. uitslapen.
1) intransitiv, ich habe recht ausgeschlafen; kam ich in ein lustigs wäldlein, worinnen ich mich niederlegte und vollends ausschliefe. Simpl. 2, 328. auch bildlich, noch warten müssen: nehmen sie sich in acht! ihre neugierde wird ausschlafen müssen. Göthe 19, 233.
2) transitiv, sich ausschlafen; die nacht ausschlafen; einen rausch, den wein, ärger, verdrusz, zorn ausschlafen, verschlafen; schliefen die verdrieszlichkeit aus. unw. doct. 810; eine recht glückliche stimmung und eine wolausgeschlafene nacht haben mich secundiert. Schiller an Göthe 543; von dem nicht völlig ausgeschlafenen rausche war ihm der kopf düster. Göthe 19, 215; die einen lagen und schliefen ihren rausch aus. 23, 109.
 
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ausschlag, m. in verschiednem sinne,
1) bei fechtern und ballspielern, primus ictus, prima missio, das anheben, den ausschlag thun, den ersten streich.
2) libramentum, der ausschlag des wagebalkens nach der schweren seite: mit unzen und quardi abgewogen on ausschlag. Garg. 117a;

lieb ist, der nichts gleich zu schätzen,
wenn man alles gold der welt
gleich wolt auf die wage setzen,
lieb ist, die den ausschlag hält.
Gryphius 2, 185.


3) progerminatio, pullulatio, was aus wurzel und stumpf der bäume und pflanzen neu ausschlägt, schöszling, junger trieb: ein kräftiger ausschlag; ein buchenwald im vierzigsten jahre abgeholzt treibt wieder aus stock und wurzeln am lebhaftesten neuen ausschlag; ein kohl, den meine mutter aus dem ersten ausschlag verschiedener kräuter zusammenlesen liesz. Hippel 12, 50;

wenn ich darauf die frohen blicke
von diesem schönen ort noch weiter herwärts schicke,
seh ich mit neuen freuden
den langen schönen weg im ausschlag, der mit weiden
recht lieblich ausgesetzt uns zum Billwärder führt.
Brockes 2, 381.


4) eruptio, scabies, ausschlag auf der haut, schorf, grind: ausschlag am kopf, im gesicht (s. DWB ausschlecht). auch ein weg, der seitwärts von der groszen landstrasze ausschlägt, ausbricht, heiszt ein ausschlag.
5) ausschlag, das womit ein raum inwendig bekleidet ist; der ausschlag der kammer fordert zwei stücke tapeten.
6) im hüttenwerk heiszt die ausgelaugte asche (der äscherich) der ausschlag.
7) den kürschnern der umschlag eines pelzes. mannsrock mit einem überschlag und groszen ausschlegen. Leipziger stadtordn. 1544. D 1.
8) abstract nach 2 die entscheidung, das ergebnis, der ausgang, erfolg, das ende, exitus, eventus: den ausschlag thun, geben, nehmen,

und dieses ist mein got, der was ich underfang
beglücket, und mein thun und ausschlag segnet.
Weckherlin 68;

der ausschlag dieser zeiten
sieht dich an, als weil du kanst chur und fürsten leiten
auf deines kaisers theil.
Opitz 2, 20;

er sei dann so gesinnt,
dasz bei ihm ehr und schmach vergleichten ausschlag findt.
Logau 2, 3, 57;

[Bd. 1, Sp. 951]



die vögel fängt man so, nachdem man auf sie stellt:
der ausschlag fällt nach dem, nachdem der anschlag fällt. 2, 5, 30;

was hat für ausschlag sein erschrecknis denn bekommen?
Lohenst. Agripp. 60, 141;

gelehrter leute ausschlag möchte ich darüber gleichwol gerne hören. Philand. 2, 613; dahero dann auch Averrhoes diesen klaren ausschlag gibet. Simplic. 1, 34; endlich bringt die zeit den ausschlag, dasz alle kommen und sich raths erholen. Weise kl. leute 295; doch stellt man den endlichen ausschlag der grauen ewigkeit anheim. erzn. 123; endlich machte Florindo den besten ausschlag und spendierte dem mahler ein paar ducaten. 51; dasz ich den glücklichen ausschlag erzehle. Leipz. avent. 1, 156; du magst, meine tochter, so viel plaudern als du willst, so ist doch der ausschlag, dasz du Leandern nicht kriegen sollst. Holbergs schaubühne 2, 227; diese zeitung veranlaszte eine geheime berathschlagung unter den häuptern der räuber, wovon der ausschlag war, dasz u. s. w. Wieland 1, 49; den ausschlag geben. 1, 150; facta müssen hier den ausschlag machen. 8, 103; er fühlte, dasz seine sachen einen erwünschten ausschlag nehmen würden. Stillings leben 261;

jetzt werden wir des treffens ausschlag hören.
Schiller 556;

wie sehr sie an einem glücklichen ausschlage verzweifelten. 865; der philister fiel endlich wie ein klotz und gab der ganzen sache einen herlichen ausschlag. Göthe 18, 10; wo zuletzt bei öffentlicher darstellung, die aufnahme, welche das publicum gewährt, den ausschlag entscheidet und die belehrung vollendet. 45, 101; der endliche frieden, woran der junge edle held so vielen antheil hat, wozu er, wie es scheint, den ausschlag gab. Klinger 11, 70; den schlimmsten ausschlag hat wol unser Kotzebue gehabt und gegeben. Tieck ges. nov. 5, 52; der ausschlag einer durch philosophie versuchten ältesten menschengeschichte ist zufriedenheit mit der vorsehung. Kant 4, 358; da hier ein bestimmender grund eines ausschlags auf regelmäszigkeit angetroffen wird. 6, 100; der ausschlag der allgemeinen gesetzen überlassenen natur zielt selbst aus dem chaos auf regelmäszigkeit ab. 6, 114; der ausschlag, den diese bemühung hat, mag sein, welcher er will. 7, 336; ein ungemeiner ausschlag (der wagschale). 8, 176.