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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussaugen bis ausschalmen (Bd. 1, Sp. 945 bis 946)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussaugen, exsugere, nach starker und schwacher form, nnl. uitzuigen: die milch, die brust aussaugen;

Zartlieb ist im bett erzogen,
hat sechs ammen ausgesogen.
Logau 3, 10, 24;

wenn Sirius den waizenähren
die milch aussaugt.
Gökingk 1, 279;

die wunde, das gift, das mark, den knochen aussaugen:

und saugt das mark des landes aus.
Gotter 1, 425;

den saft, die frucht aussaugen. Oft figürlich, das land bis aufs blut aussaugen; und wenn denn alle herrn (acc.) mit geldborgen i. f. gn. (nom.) zuvor ausgesauget hatten. Schweinichen 1, 263; fand die länderei ausgesogen und ungebessert. Kirchhof wendunm. 167a; das reich gar auszusaugen. Soltau 477; wie sie den armen mann mit contribution bis auf den letzten grad aussaugeten. Schuppius 658;

und stellt ihm, wann er sieht das volk sein herz aussaugen,
mit glücklicher vernunft die ursach unter augen,
so in den dingen steckt.
Opitz 1, 49;

oder hat den alten mut
dir die schwindsucht ausgesogen?
Gökingk 2, 42;

dasz nicht die edlern spröszlinge glut und frost
aussaug und sturmwind.
Voss;

und blickst nach meinen augen,
licht ihnen auszusaugen.
Rückert 406;

wie hätten sie eine regierung lieben können, von der sie unterdrückt, ausgesogen und mit füszen getreten wurden. Wieland 2, 102; das ausgesogene und gerollte gesicht. J. Paul jubels. 117; die fürsten sind gut, sie werden selber ausgesogen und dann scheinen sie auszusaugen. Tit. 2, 97.
 
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aussäugen, perlactare: die amme hat das kind ausgesäugt, bis zu ende gesäugt.
 
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aussaugerei, f. exhaustio.
 
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ausschaben, eradere, ausradieren, nnl. uitschaven.
 
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ausschaffen, perficere, ausarbeiten, vollenden:

nach meinem denken von der vollkommenheit
ganz ausgeschaffen, mir geschaffen,
führst du sie weg, die mein ganzes herz liebt.
Klopstock 1, 59;

es kam auch der meister,
alle vollender der kunst, sein schmiedegerät, in den händen,
dasz er wol ausschüfe das gold.
Voss Od. 3, 435;

alles ist ausgeschaffen und zur vollkommenheit gediehen. Hippel 7, 205; jetzt wurde der notarius bis auf das letzte glied, auf die fersen gar ausgeschaffen. J. Paul flegelj. 1, 65; warum richten wir unsere phantasie nicht im winter ab, den frühling aufzufassen oder vielmehr auszuschaffen. uns. loge 3, 88.
 
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ausschaffen, schwachformig, herausschaffen, ejicere, fortschaffen: die keiserin unüberwiesen auszuschaffen. Ayrer 271a; fremde aufnehmen und geleiten oder ausschaffen und wegweisen. Möser p. ph. 2, 104.
 
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ausschaffung, f. ejectio: und was will er ihme die aus dem paradeis geschehene ausschaffung verweisen und fürwerfen? Ayrer proc. 1, 15.
 
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ausschalen, e concha eximere, austern ausschalen. man nennt auch ausschalen, wenn der wellenschlag die oberen ufer abspült. umgekehrt ist ausschalen so viel als verschalen, bekleiden mit schalen oder rauhen brettern.
 
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ausschälen, decorticare: nüsse, mandeln, bohnen ausschälen; Christus kann sich wol ausschelen, das du die schale davon kriegest und den kerne nicht ergreifest. Luther 3, 355; denn es erschreckt ein ungehörtes leiden ein menschen gar seer, das er sich sol fülen also ausgeschelet, und für allen menschen ein sonderlichs leiden. 5, 58a; das die schwermer eitel brot und wein draus machen, den kern ausschelen und inen die hülsen geben. 5, 192a; da ist denn alles aus, und bleibt weder liebe, glaube noch Christus, sondern lauter hülsen und taube nüsse, die wol den namen der Christen behalten,

[Bd. 1, Sp. 946]


aber den kern verlieren und sich selbs ausschelen und verweben, wie die sprew von dem reinen korn. 6, 49a; wer nicht in der liebe bleibt, der bleibt in gott nicht, noch gott in im, sondert und schelet sich selbs aus, als ein unnütze, untüchtige hülsen oder sprew. 6, 49b; gleich als widerumb kein ding, das leiden oder anfechtung so schwer und untreglich macht, und kein exempel oder mitgenossen desselbigen leidens sihet, als sei es allein verlassen und ausgeschelet. 6, 192a;

der burgersmann erzehlet,
wie auf der strasze dich der landsknecht ausgeschelet.
Tscherning 210;

weil ich unterwegens ausgeschälet (ausgeplündert) worden. Simpl. 1, 470; die giftigen kräuter von den gesunden ausschälen. Lohenst. Arm. 1, 1349; sie hatten zugleich die verfügung getroffen, dasz er (Kleist) in Frankfurt so viel geld bekommen kann, als er nöthig hat, weil es leicht möglich ist, dasz ihn die Russen zugleich rein ausgeschält haben. Lessing 12, 134; meistentheils unter lehrern zu stehen, die keine literatoren, keine wahren schulleute waren. sie konnten mir den Cicero nicht recht ausschelen. Reiske lebensb. 7;

wenn einer schiffet und reiset,
sammelt er nach und nach immer ein,
was sich am leben, mit mancher pein,
wieder ausschälet und weiset.
Göthe 2, 247.

sich ausschälen, sich langsam auskleiden. die fleischer nennen ausschälen, wenn sie an geschlachteten schweinen den innern speck ausschneiden und ablösen.
 
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ausschallen, personare, erschallen: als der scherer nun meinte, es were jetzund weit genug ausgeschollen. Wickram rollw. 81. steht wie das einfache schallen für schellen, ausschellen. mhd. ûʒ schellen, ûʒ schal. myst. 62, 9.
 
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ausschalmen, im forstwesen, durch beschälung der bäume aussondern, anweisen: einen platz zur weide ausschalmen.