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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussätzig bis ausschaben (Bd. 1, Sp. 944 bis 945)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussätzig, leprosus, adj. besser zu schreiben aussetzig, mhd. ûʒsetzec. Berth. pred. 250 und im pass. bei Köpke 65, 51. 84, 44. 147, 16. ursprünglich, wie wir sahen, expositus, expositicius, abjectus, und hernach euphemistisch für infectus, leprosus: ûʒsetzec wart, pass. 65, 51 verfiel der seuche. nhd. Deus dedit, der was so heilig und kuste einen ussetzigen menschen, der wart an stette reine und gesunt von dem kusse. Königshofen 170d; Agatho, der kuste einen ussetzigen man an sine hant, do wart er von stette gereiniget und gesunt. 174d; stecke deine hand in deinen bosen, und er steckt sie in seinen bosen und zoch sie eraus, sihe da war sie aussetzig wie schnee. 2 Mos. 4, 6; es ist aussetziger grind des heubts oder des barts. 3 Mos. 13, 30; so ist er aussetzig und unrein. 18, 44; das sie aus dem lager thun alle aussetzigen. 4 Mos. 5, 2; und sihe, da war Mirjam aussetzig wie der schnee. 12, 10; der herr plagt aber den könig, das er aussetzig war bis an seinen tod. 2 kön. 15, 5; sihe, da ward er aussetzig an seiner stirn. 2 chron. 16, 20; und sihe ein aussetziger kam und betet in an. Matth. 8, 2; machet die kranken gesund, reiniget die aussetzigen. 10, 8; die aussetzigen werden rein. 11, 5; im hause Simonis des aussetzigen. 26, 6; weil sie wol gefület, das ir sache löchericht, aussetzig und unfletig war. Luther 5, 290b.
 
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aussätzigkeit, f. lepra, mhd. ûʒsetzicheit, verkürzt in uzzekeit bei Grieshaber a. a. o., nhd. belege vorhin unter aussatz.
 
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aussätzisch, was aussätzig: die aussetzische seuche. Paracelsus chir. schr. 97a.
 
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aussatzmal, n. macula leprae. 3 Mos. 13, 20. 25. 14, 34.
 
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aussatzung, f. expositio, institutio, verordnung: aussatzung oder constitution gemachet. brandenb. edict von 1529; umb welcher aussatzung und ordnung willen sei auch die empfahung des hochwirdigen sacraments unter beider gestalt frevelich. Luther 1, 214b; unbehindert der bepstischen aussatzung und ordnung. 3, 96b; und die leute mit den heiligen sacramenten, nach aussatzung Christi, seliglich versehen werden. 4, 349a; weil sie doch selbs nicht mehr die fasten halten nach aussatzung der canonum. 5, 114a; das wort gottes und der heiligen kirchen ordnung und aussatzung zu verkündigen. Melanchth. 1, 561. s. DWB aussetzen. später veraltend.
 
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aussäubern, emundare, ganz säubern.
 
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aussaufen, ebibere, exhaurire, nnl. uitzuipen, heute nur von thieren oder unmäszigen menschen, ehmals häufiger: troet und trotzet, so vil reuter ins land zu bringen, dasz die pferd den Rhein müsten aussaufen, damit das fuszvolk trocken durchgieng. Garg. 211a; er leszt sich dünken, er verstehe in (den bibelspruch) uberaus wol und hab in rein bis auf den boden ausgesoffen, der doch sein ganz lebenlang nie daran gedacht hat. Luther 5, 45a; sihe nu die wort, wie gewaltig er (Paulus) aus der schrift redet vom tode, und in so fürmalet

[Bd. 1, Sp. 945]


als sei er gar verschlungen und rein ausgesoffen, das nichts mehr davon bleiben sol, der doch alle menschen auf erden gefressen und verschlungen hat. 6, 269a; wie der jetzige legatz Natz zu Menz seine stift, sonderlich Magdeburg ausgefressen, ausgesoffen und ausgesogen hat. 6, 491b;

dürst dich zur selben stund,
so saufs gar aus bis auf den grund. grobianus G 4;

es ist noch vil härter, das ich disz hoch glas aussaufen musz. Garg. 92a; aussaufen zur geselligkeit (bescheid thun). 152a; ein schelm, der dem andern etwas vergibt und in nit laszt aussaufen. 102b; hat jemand dein landweingen ausgesoffen. Weise kl. leute 276; hiesz mich der schiffer ein gut glas voll bomolie aussaufen. Schelmufsky 1, 61; sof die wasserkanne auf einen zug reine aus. 1, 101. s. DWB saufaus.
 
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aussaugen, exsugere, nach starker und schwacher form, nnl. uitzuigen: die milch, die brust aussaugen;

Zartlieb ist im bett erzogen,
hat sechs ammen ausgesogen.
Logau 3, 10, 24;

wenn Sirius den waizenähren
die milch aussaugt.
Gökingk 1, 279;

die wunde, das gift, das mark, den knochen aussaugen:

und saugt das mark des landes aus.
Gotter 1, 425;

den saft, die frucht aussaugen. Oft figürlich, das land bis aufs blut aussaugen; und wenn denn alle herrn (acc.) mit geldborgen i. f. gn. (nom.) zuvor ausgesauget hatten. Schweinichen 1, 263; fand die länderei ausgesogen und ungebessert. Kirchhof wendunm. 167a; das reich gar auszusaugen. Soltau 477; wie sie den armen mann mit contribution bis auf den letzten grad aussaugeten. Schuppius 658;

und stellt ihm, wann er sieht das volk sein herz aussaugen,
mit glücklicher vernunft die ursach unter augen,
so in den dingen steckt.
Opitz 1, 49;

oder hat den alten mut
dir die schwindsucht ausgesogen?
Gökingk 2, 42;

dasz nicht die edlern spröszlinge glut und frost
aussaug und sturmwind.
Voss;

und blickst nach meinen augen,
licht ihnen auszusaugen.
Rückert 406;

wie hätten sie eine regierung lieben können, von der sie unterdrückt, ausgesogen und mit füszen getreten wurden. Wieland 2, 102; das ausgesogene und gerollte gesicht. J. Paul jubels. 117; die fürsten sind gut, sie werden selber ausgesogen und dann scheinen sie auszusaugen. Tit. 2, 97.
 
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aussäugen, perlactare: die amme hat das kind ausgesäugt, bis zu ende gesäugt.
 
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aussaugerei, f. exhaustio.
 
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ausschaben, eradere, ausradieren, nnl. uitschaven.