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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aussacken bis aussätzig (Bd. 1, Sp. 942 bis 944)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aussacken, effundere, aus dem sack schütten: korn, kartoffeln aussacken; nachdem nun die statt also zugerüst und ausgesacket (ausgeplündert, saccagée) war. Garg. 202b.
 
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aussäckeln, was ausbeuteln: ich bin ausgesäckelt, habe mein geld ausgegeben; sie haben dich schön ausgesäckelt heute. Fr. Müller 2, 118. bei Stieler 1660 ausseckeln.
 
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aussäen, sementem facere, steht sehr oft bildlich:

irdisch bin ich ausgesät,
himmlisch werd ich auferstehn;
het mirs zu freuden ausgesät,
der ander hat mirs abgemät.
Uhland 128;

wir sän auf wahrheit aus, und ernten zweifel ein.
Dusch;

wer ohren macht mit lobe reich, wil machen reich sein haus,
der wil ihm ernten eignen nutz, der fremdes lob sät aus.
Logau 1, 8, 51;

so seet ir in ein fremden acker das korn aus. fastn. sp. 649, 6;

[Bd. 1, Sp. 943]


gut ausgeführte monumente, nicht einzeln und zufällig ausgesäet. Göthe 17, 205; wer mit Rousseau nur irgend in verhältnis gestanden hatte, genosz theil an der glorie, die von ihm ausgieng, und in seinem namen war eine stille gemeinde weit und breit ausgesäet. 26, 181; meine in deutschland ausgesäeten freunde und freundinnen. 45, 311; deine hungrige, bettlerische und elende brut wird den von dir ausgesäten jammer durch kinder und kindeskinder fortpflanzen. Klinger 3, 271; so erntete ich oft vorwurf und flüche, wo ich so sorgfältig auf dank und segen ausgesät hatte. 7, 61; an diesem striche des himmels sind die sterne dicht ausgesät.
 
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aussage, f. testimonium, effatum: aussage der propheten; aussage der zeugen vor gericht; einstimmige oder unvereinbare aussagen; aussage thun.
 
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aussagen, effari, dicere: als die urkunde aussagt; wahrheit oder lügen aussagen; ein zeuge sagte dafür aus, der andere dawider; es läszt sich nicht aussagen; aber das ist das heubtstück aller bosheit und ein solche schendliche unverschampte lesterunge, das nicht auszusagen ist. Luther 5, 294a; er solle sich nicht scheuen, sonder sol recht aussagen, worzu er lust habe. Schuppius 595; sich aussagen, sich aussprechen: sollte aber die zulassung eines mehreren zu der vereinigung der evangelischen helfen, sollte ich dafür halten, die herren hollandi theologi würden sich nicht aussagen. Leibnitz 2, 247; auf einen oder auf etwas aussagen, bekennen: eine verschwörung, nach deren entdeckung einer der gefolterten auch auf Belisar aussagte. Beckers weltg. 4, 87; sie hat von freien stücken und hernach eidlich auf den hausknecht als vater ihres kindes ausgesagt.
 
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aussägen, serra exsecare: einen ast aussägen.
 
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aussalben, perungere.
 
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aussanden, purgare a sabulis: den hafen aussanden.
 
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aussatz, m. lepra, eine im alterthum weit verbreitete hautkrankheit, die unter sehr abweichenden namen auftritt. den Gothen hiesz sie þrutsfill, d. i. hautverdrusz, hautbeschwerde, entsprechend dem böhm. trud, poln. trd. der ags. ausdruck war hreof oder hreofel, dem auch in einigen ahd. denkmälern hruf, ruf, riobsuht zur seite steht, mhd. überwog miselsuht. nie begegnet ahd. mhd. ûʒsaz für lepra, wol aber ein ahd. ûʒsâzeo oder ûʒsazeo für leprosus (Graff 6, 305) und mhd. ûʒsetzel, ûʒsetzic leprosus; diese scheinen eigentlich einen von der menschlichen gesellschaft ausgesetzten, ausgeschiednen zu bezeichnen (wie auch ûʒsetze anderwärts bedeutet non suo loco locatus. Oberlin 1914); es ist bekannt, dasz die miselsüchtigen abgesondert lebten, wie sie auch sondersieche hieszen. Die herleitung des sächlichen begrifs aus dem persönlichen hat etwas seltsames, wir begegnen hier wiederum einem willkommnen beispiel dafür, dasz der sprachgeist die vorstellung der sache aus empfindungen des personenverhältnisses hervorgehen liesz. nicht unähnlich war der ursprung unseres elend miseria und elend miser aus dem persönlichen alilanti exsul, captivus, oder unseres arm pauper aus dem persönlichen umarmt, bemitleidet (sp. 554). ûʒsazeo war also der seines unheilbaren übels wegen ausgesetzte, und bald fieng man an den leprosus überhaupt einen aussätzigen, endlich gar die lepra den aussatz zu nennen, ohne dasz weiter an die absonderung gedacht wurde, so wenig als bei elend an exil und gefangenschaft. Wer diese geschichte des worts bestreiten und annehmen wollte, aussatz meine vielmehr einen ausschlag, der aus der haut vordringe, sich aussetze, müste ein ahd. ûʒsaz = lepra aufweisen, nach welchem ûʒsazeo gebildet worden sei, und darthun dasz aussetzen soviel als ausschlagen, ausfahren bedeuten könne; die analogie von fraseʒ aerugo würde eher ein ûʒseʒ fordern. die gänzliche abwesenheit des sächlichen wortes neben den häufigen persönlichen räth aber jenes aus diesen abzuleiten. aussatz für lepra selbst mag erst im 14. 15 jh. vorkommen, mit aussatz ganz umbgeben findet sich fastn. sp. 797, 8; Diefenbachs wörterbuch von 1470 sp. 167 hat ausseczickeit, Dasypodius 114b aussetzigkeit, 300a aussatz, Maaler 45b aussatz; bei Luther wird aussatz ganz entschieden und sehr oft gebracht, offenbar nahm er es für das ausfahrende, sich ansetzende, für flecken, macula, und hatte keinen gedanken mehr an die aussetzung des kranken: wenn einem menschen an der haut seines fleisches etwas aufferet, oder schebicht oder eiterweisz (lucens pustula), als wolt ein aussatz werden. 3 Mos. 13, 2; besprengen den, der vom aussatz zu reinigen ist. 14, 7; so ists gewis ein fressender aussatz. 2 Sam. 3, 29; und da er mit den priestern murret, fuhr der aussatz aus an seiner

[Bd. 1, Sp. 944]


stirn (vulg. orta est lepra in fronte ejus). 2 chron. 26, 19; alsbald ward er von seinem aussatz rein. Matth. 8, 3; gieng der aussatz alsbald von im. Marc. 1, 42; sihe da war ein mann voll aussatzes. Luc. 5, 12;

die pest
steckt die glieder selbst mit scharfem aussatz an.
Gryphius 1, 314;

er (Jesus) schaut der lamen lauf,
der aussatz musz vergehn. 2, 392.

figürlich heiszt es: aussatz (schandmal) der menschheit. Schiller 122a. man hat auch einen flechtenüberzug an den bäumen aussatz genannt. seinem eigentlichen gehalt nach könnte aussatz (wie ansatz, besatz, umsatz) das aussetzende oder ausgesetzte in manigfacher abstraction aussagen, die vorherschende der lepra scheint aber alle gehindert zu haben, Schmeller 3, 297 hat aussatz für tadel, man sagt aussatz, das ausgesetzte im spiel, seinen aussatz wieder gewinnen; anderemal steht aussatz für vorsatz (scr. rer. lusat. 2, 376); einigemal bezeichnet es, was das folgende aussatzung: der wird nicht stolz und hoffärtig werden, wann ihn andere leute höher schätzen und halten, als er nach aussatz (anschlag) seines eigenen gewissens ist. Schuppius 309. s. DWB aussetzen und hernach aussatzung.
 
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aussätzel, m. leprosus, subst. läszt sich nhd. nicht mehr aufzeigen, Schmeller führt es aus Westenrieders beitr. 7, 183 an, mhd. ûʒsetzel erhellt aus Grieshaber 94a, wo geschrieben wird uzzecil, uzzezil. die bessere, jenem ahd. ûʒsazeo gleiche mhd. form lautet ûʒsetze in Lichtensteins frauend. 323, 25. 27. 324, 23. 329, 19. ags. hiesz er hreofla.
 
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aussätzig, leprosus, adj. besser zu schreiben aussetzig, mhd. ûʒsetzec. Berth. pred. 250 und im pass. bei Köpke 65, 51. 84, 44. 147, 16. ursprünglich, wie wir sahen, expositus, expositicius, abjectus, und hernach euphemistisch für infectus, leprosus: ûʒsetzec wart, pass. 65, 51 verfiel der seuche. nhd. Deus dedit, der was so heilig und kuste einen ussetzigen menschen, der wart an stette reine und gesunt von dem kusse. Königshofen 170d; Agatho, der kuste einen ussetzigen man an sine hant, do wart er von stette gereiniget und gesunt. 174d; stecke deine hand in deinen bosen, und er steckt sie in seinen bosen und zoch sie eraus, sihe da war sie aussetzig wie schnee. 2 Mos. 4, 6; es ist aussetziger grind des heubts oder des barts. 3 Mos. 13, 30; so ist er aussetzig und unrein. 18, 44; das sie aus dem lager thun alle aussetzigen. 4 Mos. 5, 2; und sihe, da war Mirjam aussetzig wie der schnee. 12, 10; der herr plagt aber den könig, das er aussetzig war bis an seinen tod. 2 kön. 15, 5; sihe, da ward er aussetzig an seiner stirn. 2 chron. 16, 20; und sihe ein aussetziger kam und betet in an. Matth. 8, 2; machet die kranken gesund, reiniget die aussetzigen. 10, 8; die aussetzigen werden rein. 11, 5; im hause Simonis des aussetzigen. 26, 6; weil sie wol gefület, das ir sache löchericht, aussetzig und unfletig war. Luther 5, 290b.