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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausreiszer bis ausreuten (Bd. 1, Sp. 934)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausreiszer, m. desertor, überläufer, der seine fahne verlassende soldat. auch bergmännisch, ein erztrumm, das sich vom hauptgange zu tage wendet.
 
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ausreiszig, seinen posten verlassend? item es soll auch keiner nach besetzter wacht ausreiszig sein. Fronsp. kriegsb. 1, 118b.
 
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ausreiten , nnl. uitrijden, in mehrfacher bedeutung,
1) evehi equo: wir sind gestern von Berlin ausgeritten; der herr ist nicht zu hause, er ritt eben aus; mhd.

sus reit er ûʒ und lieʒ in dâ. Iw. 963;

nhd. mit lust tet ich ausreiten
durch einen grünen wald.
Uhland 60;

und da der hübsche schreiber
zu der hohen tür ausreit. 229;

ich will zu land ausreiten. 330;

es begab sich einmal auf ein zeit,
dasz der reich karge man ausreit,
der reich man was geritten aus,
ein betler kam im für das haus. 737;

wenn ir den firwitz recht betracht,
den dann wir weiber han zu zeiten,
ir lieszt uns nit als viel ausreiten. fastn. sp. 388, 13;

und die reitende boten auf den meulern ritten aus schnell und eilend. Esth. 8, 14.
2) equum vehendo exercere: das pferd soll öfter ausgeritten werden; wenn Stein noch zu haus ist, sagen sie ihm, ich möchte gern das neue pferdchen stallmeisterlich ausreiten. Göthe an fr. von Stein 1, 98. im scherz, ich will meinen neuen mantel ausreiten, den leuten zeigen.
3) percurrere equo:

ein gebäude steht da von uralten zeiten,
es ist kein tempel, es ist kein haus,
ein reiter kann hundert tage reiten,
er umwandert es nicht, er reitets nicht aus.
Schiller 74a.


4) exterere calcando ungulis equi: der haber wird ausgeritten, auf der tenne von pferden ausgetreten.
 
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ausreiter, m. apparitor equester, excursor.
 
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ausreitern, cribro secernere.
 
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ausreizen, excitare: ob sein ordnung hiemit gehindert, zertrennt, oder in ander weg ausgereitzet und von einander gebracht. Fronsp. 1, 165b;

reichtumb, gailheit, stolz und pracht
hat die pfaffen so verbaitzet,
und gelehrter laster macht
hat sie so weit ausgeraitzet,
dasz verkehret sie jetz seind
gottes feind, des teufels freind.
Weckherlin 506.

ein selten gebrauchtes wort, mit nicht ganz klarer bedeutung.
 
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ausrenken, luxare:

die mutter komm und schau ihr umgesprütztes blut,
die ausgerenkten arm.
Gryphius 1, 522;

dasz sie rücklings vom sessel fiel und einen schenkel ausrenkte. Musaeus 4, 36; sich eine hüfte ausrenken. J. Paul uns. loge 3, 29; durch solche ausgerenkte maximen, halbverstandene gesetze und zersplitterte lehren. Göthe 25, 10.
 
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ausrennen, excurrere, zumal gegen einen, wider etwas: mhd.

daʒ sîn hûsfrouwe oder sîn friundîn
iht sprechen, er sî mit lammes vellen
ûʒ gerant gên riters vellen. Renn. 21 530.

beide reiter rannten heftig gegeneinander aus; er rannte in gerader richtung aus wider das scheuerthor; die stelle, von wo man ausrannte; und nun liesz man die einbildungskraft ausrennen. Wieland 14, 357. transitiv, bis wir uns das gehirn an einander ausgerennt haben. Tieck 2, 139.
 
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ausreufen, s. DWB ausraufen.
 
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ausreuspern, s. DWB ausräuspern.
 
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ausreuten, evellere, exstirpare, gilt blosz von gewächsen,

[Bd. 1, Sp. 935]


nicht wie ausraufen, ausziehen von haaren und federn, welche umgekehrt nicht den sinn des ausrottens und vertilgens haben: und gleich wie ich uber sie gewacht habe auszureuten, zu reiszen, abzubrechen. Jer. 31, 28; ich wil euch pflanzen und nicht ausreuten. 42, 10; was ich gepflanzt habe, das reute ich aus. 47, 4; ja, ich wil die menschen ausreuten aus dem lande, spricht der herr. Zephan. 1, 3; alle pflanzen, die mein himmlischer vater nicht pflanzet, die werden ausgereut. Matth. 15, 13; als wer wil Emsern die gnade geben, dasz er solchen irrthum und lügen seines büchlin wider ausreute, wie er schüldig ist? Luther 1, 381a; ergernis und misbreuch auszureuten. 8, 210b;

und möcht durch anzal böser leut
ir lob nie werden ausgereut.
Schwarzenb. 152b;

der nit bringt gte frucht uf erden,
der sol uszgrüt und verbrennet werden. trag. Joh. h 5;

die natur so ganz und gar
ausgereutet kan werden nicht.
Ayrer 164a;

dasz sie ihnen (Jesum) gar ausreuten und an das creuz schlagen sollen. Ayrer proc. 2, 5; man wird dem wolf die art des wolfes nicht ausreuten. pers. rosenth. 1, 5;

es ist dein aigen wort, das diser stolze drach
wil durch sein gift und macht ausreuten.
Weckherlin 188;

gott thut, wie gärtner pflegen,
propft, reutet aus, versetzt.
Fleming;

wir wollen stamm und zweige
und wurzel reuten aus.
Gryphius 1, 114;

gewohnheit und natur sind schwerlich auszureuten.
Günther 1011;

so bin ich doch nicht gesinnt, alle menschen zugleich und ohn unterscheid auszureuten. Simpl. 1, 261; das kraut reutet die zahnschmerzen aus. Hohberg 1, 566b und so öfter;

nicht den, der in der brust die tugend ausgereutet.
J. E. Schlegel 1, 351;

die nessel ausreuten. Gökingk 3, 109; nicht hinlänglich alle etwa noch übrigen groszmütterlichen scrupel (veteres avias, wie sie Juvenal nennt) aus dem grunde auszureuten. Wieland 15, 325; die wurzel einer alten religion auszureuten. Schiller 790;

ausreuten mögest du der frevler brut!
Stolberg 15, 239;

dasz wir die wurzeln
zusammt dem baum ausreuten.
Tieck 3, 384;

ein gartenbeet,
dem jede falsche nessel ausgereutet.
Platen 60;

dieser giftige gedanke zwang alles auszusterben und reutete zuletzt auch den egoisten selber mit aus. J. Paul teuf. pap. 1, xxi. s. DWB ausrotten.