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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausreichen bis ausreiszen (Bd. 1, Sp. 932 bis 934)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausreichen, n. extensio: nun merken die ding wol und eben, denn sie haben ein weit ausreichen (weite ausdehnung). Paracelsus 2, 170a.
 
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ausreichlich, sufficiens, hinreichlich: eine ausreichliche, ausreichende summe. vgl. reichlich.
 
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ausreifen, justam capere maturitatem: heuer reifen alle früchte herlich aus; ausgereiftes obst, poma matura et sole cocta; in deinen erquickenden strahlen reift ich zum menschen erst aus. Fr. Müller 1, 19.
 
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ausreihen, removere, ausrangieren, aus der reihe stellen: ein soldat wurde ausgereiht.
 
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ausreinigen, expurgare: obgleich die sündflut alles unkraut der alten welt weggespült hatte, so blieb doch einiger samen desselben in der erde zurück und vermutlich wird sie nur das feuer einst ganz und gar ausreinigen. Klinger 6, 20; gewisse schönheiten zu erblicken musz man das herz ebenso ausgereinigt haben, wie den kopf. J. Paul uns. loge xxi; eine pillula perpetua, die der patient unaufhörlich einnimmt und die ihn unaufhörlich ausreinigt. Tit. 1, 25; geschwüre ausreinigen.
 
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ausreinigung, f. expurgatio, ausführung: die ausreinigung des schwarzen safts. hebamme 817.
 
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ausreise, f. profectio, abitio, nnl. uitreis: unsere ausreise aus Muscau. pers. reiseb. 1, 15; das von ihr angezeigte datum der ersten ausreise. Lessing 9, 209. gegensatz, rückreise.
 
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ausreisen, peregrinari, proficisci, abreisen, nnl. uitreizen (eigentlich ausreisen, exire, aus der stadt, dem lande; abreisen, abire, von dem ort. s. DWB aus II. 1. 2): und reisete aus und durchwandelte nacheinander das galatische land und Phrygiam. apost. gesch. 18, 23; wolte des andern tages ausreisen. 20, 7; Zenodotus ist gegen morgen ausgereiset. Micrälius 1, 10; dasz ihm (dem Salomo) allzeit 6000 reisigen oder einspännigen haben aufwarten müssen, welche den könig begleitet, wann er hat ausreisen wollen. Schuppius 108; hast du auch des ausreisens satt, wolltest jetzt hübsch gut thun und hier bleiben? Fr. Müller 1, 318; es war ausgemacht, dasz ich über einige zeit als geselle auf meine künste und wissenschaften reisen, oder wie man es in Kurland nennet, ausreisen und das haus meines vaters verlassen sollte. Hippel 1, 119. das nennt man überall so.
 
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ausreisen, decidere, abreisen, nnl. uitrijzen: was nu von diser regel abweicht und von diser göttlichen ordnung ausreiset, das ist unecht. Melanchth. im corp. doctr. chr. 429; besser ist es ein wenig zu früh, als ein wenig zu spat anfangen (ernten), weil, wann es überzeitigt, viel ausreiset. Hohberg 2, 51a; so ist der sand nach und nach ausgeriesen (aus dem löcherigen geschirr gefallen). 1, 694b. s. abreisen.
 
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ausreiszen , evellere, rumpi, discedere.
1) die transitivbedeutung vellere ist die ursprüngliche: haare, bart, zähne, augen, zungen, hörner, federn, kräuter, blumen, bäume, wurzeln, steine, felsen ausreiszen, gewaltsamer als ausziehen, bei haar, bart, feder, pflanze gleichbedeutig mit ausraufen. nachdem man die steine ausgerissen hat. 3 Mos. 14, 43; wiltu den leuten auch die augen ausreiszen. 4 Mos. 16, 14; ir hettet ewer augen ausgerissen und mir gegeben (goth. augôna izvara usgrabandans). Gal. 4, 15; denn dein olebawm wird ausgerissen werden. 5 Mos. 28, 40; sihe, ich setze dich heute dieses tages uber völker und königreiche, das du ausreiszen, zubrechen, zerstören und verderben solt, und bawen und pflanzen. Jer. 1, 10; sihe ich wil sie aus irem lande ausreiszen. 12, 14. 15. 17; fur welchem der fordersten hörner drei ausgerissen wurden. Dan. 7, 8;

[Bd. 1, Sp. 933]


der teufel im die sel zum leib ausrisz.
Uhland 151;

man musz euch zung zum nack ausreiszen.
H. Sachs IV. 3, 23d;

dasz im die braut im schlaf die augen ausrisz. Garg. 61b; risz den mucken die füsz aus. 129b; pfawenfedern ausreiszen lassen. Philand. 1, 11; reiszt pohl und acklei aus. Fleming 49;

wer geprüften rath verachtet
und ihn (Amors pfeil) auszureiszen trachtet,
der zerfleischet ganz sein herz.
Bürger;

über jeden (aus der mitte, dem zusammenhang) ausgerissenen punkt. Fichte sonnenkl. ber. 161; im heftigen schmerz sich die haare ausreiszen. einem den ermel ausreiszen, ihn zum dableiben nöthigen, scheint blosz nach dem lat. paenulam alicui scindere.
2) einigemal für entreiszen, eripere, aus der hand reiszen:

so thut der vater auch,
der alles hat erzeugt, und reiszt uns dem gebrauch
der scharpfen güter aus, darein ein mensch sich stechen,
ja seel und hals zugleich darüber könte brechen.
Opitz 1, 64;

Hermann reiszt dem Manlius den hauptadler aus. Lohenstein Arm. 1, 3.
3) sich ausreiszen, se evellere: saget zu diesem maulbeerbawm, reisz dich aus und versetze dich ins meer, ἐκριζώθητι, goth. uslausei þuk us vaurtim. Luc. 17, 6; ich wil ausgehen, ich wil mich ausreiszen, vulg. me excutiam. richt. 16, 20; wie der mönch sich von der wacht ausrisz, die in verwart. Garg. 255b; ich will andern von den königen zu reden gern gönnen, und mich mit dem niderträchtigen völklein uberwerfen und ausreiszen (je parlerai des gens de bas estat). groszm. 47; so hast du zimlich vil gelernet und wirst dich in der welt wol wissen auszureiszen (durchzuschlagen). Schuppius 838.
4) weit üblicher als diese reflexive form ist die intransitive, mit dem sinn von rumpi, discedere, ausbrechen, sich auf die flucht machen: die naht reiszt aus; der knopf reiszt immer aus; das kleid, der ermel, das band reiszt aus, bricht, zerfasert sich; der damm reiszt aus, das wasser, die flut reiszt aus, durch den damm und figürlich, aber schön: die geduld reiszt aus, geht aus, bricht, patientiam aliquis rumpit, der geduldsfaden reiszt ab. durch sein wort wehret er dem meer, das es nicht ausreisze. Sir. 43, 25; der art seind, die mitten in der passion weit ausreiszen (davon gehn). Luther 1, 167a; als er nu hinein komen, brach und reisz er aus zu allen seiten. 3, 336b; darumb ist Herzheimer zu rathen, dasz er bei zeit und mit ehren ausreisze. Luther br. 4, 503; ausreiszen und davon fliegen (vom adler). weidwerk 2, 9a; geschwindigkeit, dardurch er (der hase) den hunden ausreiszt (entrinnt). 1, 86a;

wir zwen armen verräther
rissen aus wie das schäfen leder (schafleder).
Ayrer 321b;

wie wann die nachtigal, vom keficht ausgerissen,
hin in die lüften kömpt.
Opitz Zlatna im eingang;

schweig, eh ich ganz beginn in eifer auszureiszen. 1, 172;

die sprache, für der vor viel feind erschrocken sind,
vergaszen wir mit fleisz und schlugen sie in wind.
bis euer groszes herz ist endlich ausgerissen,
und hat uns klar gemacht, wie schändlich wir verlieszen
was allen dort gebührt. 2, 45;

ein pferd, das immer zu bei vollem futter stehet,
das nie geritten wird, nie an den wagen gehet,
wird wilde, beiszt und schlägt, trägt keinen reuter nicht.
so reiszt der mensch auch aus, wann ihn der haber sticht. 3, 272;

dergleichen krieg pflegt gott uns menschen gut zu heiszen,
und pfleget selten auch zum ärgsten auszureiszen. 3, 303;

des Ephraim geschlecht, im bogenschieszen
wol ausgeübt, ist dennoch ausgerissen
und von der schlacht geharnischt durchgegangen. ps. 149;

wo ist der fürst? 'er blieb noch, als ich ausgerissen.'
Gryphius 1, 72;

doch meine jugend liesz selbst ihre blum abwehen,
als mich der westenwind der geilheit überfiel,
bald risz ich weiter aus und uberschritt das ziel. 1, 246;

welch geheimnis, das euch durch die lipp ausreiszt? 1, 695;

wann nicht gequälet würd der mann von so viel plagen
des argwohns, des verdachts, der furcht, der angst, der klagen,
der marter und der pein, so endlich gar ausreiszt
in ein unsinnigkeit, und so man eifer heiszt.
Werders Ariost 30, 1;

wo ansehn mehr nicht ist, wil auch nicht folge sein,
wo folge reiszet aus, kan ordnung nicht bestehen.
Logau 2, 3, 64;

wir reiszen aus, verfolgt!
Günther 125;

die gedult selbst, wenn sie zu oft angegriffen wird, beginnet mit der zeit empfindlich zu werden und auszureiszen. Hahn

[Bd. 1, Sp. 934]


4, 164; meine geduld wird ausreiszen. Lessing 2, 482; er erhörte mich, antwortete die gemse, da ich ausrisz und gebar. Herder 9, 47;

nun wollte sie
an die liebe,
da risz ich aus.
Göthe 5, 217;

ausreiszen ist das deutsche wort für desertieren: drei soldaten rissen heute nacht von ihrem posten aus; einige bemerkten, ich sei von armer familie, dazu ein ausgeriszner soldat. der arme mann im Tockenb. 204. vgl. austreten.
 
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ausreiszen, n. fuga: wann es an ein ausreiszen gehet. Reutter 27.