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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausräuchern bis ausrede (Bd. 1, Sp. 928 bis 930)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausräuchern, odoribus, fumo replere, nnl. uitrooken: ein gemach ausräuchern; ein fasz mit wacholderbeeren ausräuchern; fleisch ausräuchern, beräuchern, fumo durare, wol ausgeräuchertes fleisch.
 
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ausraufen, evellere: ähren ausraufen, ausrupfen, goth. raupjan ahsa (vgl. unter ausreiben); da ich solchs höret, zureisz ich meine kleider und meinen rock und rauft mein heubthar und bart aus und sasz einsam. Esra 9, 3; die da nesseln ausrauften umb die püsch. Hiob 30, 4; ah das sie müssen sein, wie das gras auf den dechern, welches verdorret, ehe man es ausreuft. ps. 129, 6; ich wil sie pflanzen und nicht ausreufen. Jer. 24, 6; das erste thier wie ein lewe, und hatte flügel wie ein adeler, ich sahe zu, bis das im die flügel ausgerauft wurden. Dan. 7, 4; fiengen an ehern auszureufen. Matth. 12, 1. Marc. 2, 23. Luc. 6, 1; auf das ir nicht zugleich den weizen mit ausreufet. Matth. 13, 29; lieber schlahe im ein kliplin dazu und reuf (es steht reiff) im den bart aus. Luther 1, 365a;

dein bart will ich dir ausraufen,
sag ich dir vil alten man.
Uhland 332.

der untersten scham den wald ausreufen. Frank spr. 26; der baum ist von kainem menschen usz zeraufen. Reuchlin augensp. 8b; dem teufel ein horn ausraufen. Garg. 17b; die federn ausreufen. Agricola spr. 142b; und der herr wird ir schönes har ausreufen. Mathesius 50a;

geht, reuft dis unkraut aus!
Gryphius 1, 513;

reuft hyacinthen aus.
Fleming 159;

mit ausgerauftem haar.
Gotter 1, 214;

kommt ein glaube neu,
wird oft lieb und treu
wie ein böses unkraut ausgerauft.
Göthe 1, 242;

wir wollen sie nicht ausjäten, um nicht vielleicht edle pflanzen zugleich mit auszuraufen. 19, 7; wir allen würden noch

[Bd. 1, Sp. 929]


heute die haare ausraufen über euerm sarge. Schiller 103b; die weil er junge tännchen und anderes ausraufte. der arme mann im Tockenburg 13. der schwankende umlaut wie in glauben und gläuben u. s. w.
 
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ausräumen, vacuare, auferre: da sol der priester heiszen, das sie das haus ausreumen. 3 Mos. 14, 36; er hat ihm wirklich die zimmer ausgeräumt (ihn bestohlen). Lessing 1, 551; misbräuche ausräumen, wegräumen, aus dem weg räumen; bänke, tische, stüle ausräumen, aus einem raum schaffen; wäsche ausräumen, aus dem kasten und den kasten ausräumen; den graben, die abzucht ausräumen; ein loch ausräumen, erweitern.
 
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ausraupen, was abraupen.
 
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ausrauschen, explodere manibus, ausspotten: als dasz man mich mit schimpflichen worten spöttlich ausrausche und lache. Ayrer proc. 1, 7; weil ich aber diese seine sophisterei schon droben gar laut ausgerauscht habe, so darf es hier keiner andren antwort. Joh. Schefflers kehrwisch. Neisz 1664. s. 42; bei Stieler 1537 auch ausreuschen exsibilare.
 
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ausräuspern, exscreare, tussire, ausspeien: zerteilet den schleim in der brust und macht ausreuspern. Tabernaemontanus 927. bei Maaler 45b ausrüspen, wie mhd. riuspen.
 
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ausrechen, everrere: das laub ausrechen; den garten ausrechen.
 
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ausrechnen, computare, revocare ad calculos, nnl. uitrekenen:

rechnets nicht zu dem ergsten aus.
H. Sachs III. 3, 79c;

wie musz ich das ausrechnen schier,
dasz ihr zwen heilig kommt zu mir?
Ayrer fastn. 136b;

was gott recht rechnet aus, was gott wol misset abe,
steht nie so recht und wol, dasz tadel nichts dran habe.
Logau 1, 9, 34,

der dem reim zu liebe auch einmal ausrechen schreibt:

man soll dir die nativität, Tenebrio, ausrechen,
zu rechnen wer dein vater sei, das wil den kopf zerbrechen. 3, 9, 82,

denn ausrecken kann nicht gemeint sein. aber schon Brant im narrenschif hat ausrechen f. ausrechnen.
 
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ausrechnung, f. computatio, calculus: ausrechnung der gestirnwinkel. Fischart bienenk. 11a; nach meiner ausrechnung müste er ihnen, wo nicht von liebe, doch wenigstens von verehrung vorgeredet haben. J. E. Schlegel 2, 190; ich hätte den ausrechnungen der kalten vernunft gehör gegeben. Wieland 27, 276; eine genaue ausrechnung. Kant 8, 304.
 
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ausrecken, extendere, nnl. uitrekken, ausstrecken, hand, arm, finger, hals, zunge: recket seine hand aus und fasset das messer, das er seinen son schlachtet. 1 Mos. 22, 10; recke deine hand aus uber die wasser. 2 Mos. 7, 19 und sehr oft in der bibel; nicht wissen noch gesehen haben die züchtigung des herrn, seine mechtige hand und ausgereckten arm. 5 Mos. 11, 2; ich hab meine hende ausgereckt zu dir. Luther 1, 42a; denn als ich meine arme ausreckt. Felsenb. 3, 259; sie recket die hand aus, der gabe zu nahen. Göthe 3, 4; gewöhnlich kann man die breite der gasse mit ausgereckten armen messen. 27, 104; in den weisthümern häufig, mit ausgereckten fingern schwören; mit ausgerecktem halse und aufgerichtem haupte einher treten. Lauremberg acerra 247. es heiszt aber auch finger, hals, ohr aufrecken (w. m. s.). stab und stecken ausrecken: recke deinen stabe aus, und schlag in den staub auf erden. 2 Mos. 8, 16; da recket der engel des herrn den stecken aus, den er in der hand hatte. richt. 6, 21; recke den zauberstab aus! Zachariä 2, 85. abstract, wir sagen, das gott nicht ein solch ausgereckt, lang, breit, dick, hoch, tief wesen sei. Luther 3, 461b; nun will ich ihn gern nicht auffordern, mir doch ein ähnliches so ausgerecktes gleichnis bei dem Tullius zu zeigen. Lessing 6, 235; hergegen fällt die stelle recht wol aus, wenn die ausgereckten, wackelnden, hexametrischen in kürzere, straffere, jambische glieder zusammen gezogen werden. Bürger 243a; äuszerst fratzenhaft erscheint der arme T., der, nachdem er nun zeitlebens gesungen und gezwitschert hat, wie ihm von der lieben natur die kehle gebildet und der schnabel gewachsen war, seine individnalität durch die folterschrauben der neuen philosophischen forderungen selbst auszurecken bemüht ist. Göthe an Schiller 347; die bemühungen seiner collegen, den staatskörper zu einem anagramma auszurecken, erhielten von ihm den verdienten beifall nicht. J. Paul Hesp. 2, 74. sich ausrecken, erstrecken, ausdehnen:

vom felsen, der gar hoch sich übers meer ausreckt,
hett er sich nabgestürzt
Werders Ariost 5, 57;

[Bd. 1, Sp. 930]


da kann sich meine seele ausrecken. Klingers th. 2, 271. Heute wird dem ausrecken vorgezogen ausstrecken, wenn von reichen, ausdehnen, wenn von erweitern die rede ist; man sagt die zunge, den fusz ausstrecken, aber das leder ausdehnen, seine macht, die grenzen des landes ausdehnen.
 
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ausrede, f. pronuntiatio, excusatio, praetextus, aussprache, ausflucht, entschuldigung.
1) für aussprache: ob aber die schlesische ausrede der meisznischen für zuziehen, lasse ich hochdeutsche redeerfahrne urtheilen. Hanmann zur poeterei s. 169; dasz ich im schreiben der frembden wörter nach der hochteutschen sprache und ausrede gangen. Olearius vorr. zur pers. reiseb.; ihre sprache und ausrede fält auf die tartarische art. 3, 4; nach der teutschen ausrede. pers. rosenth. 7, 6; ihre sprache prächtig, und ihre ausrede klang in den ohren der frembden um so viel schrecklicher. Bünau 1, 60; ihr höret und wisset, dasz ich eine unförmliche und sehr schwere ausrede habe, welcher fehler an meiner zunge liegt. Felsenb. 4, 441; sie habe eine ausrede wie ein mann. Hildburgh. diebsbande s. 49. in diesem sinne veraltet.
2) das gesprochne wort:

und so erbaulich
predigte, dasz hell tönte die ausred, auch in die winkel.
Voss 1, 178.


3) entschuldigung, ausflucht: doch musz ich zuvor eine ausrede thun auf etliche bezichtigung, so sie auf mich treiben. Luther 1, 400b; nit ausred hab! Uhland 601; keine ausrede suchen. Wickram rollw. 64b; solcher faulen ausreden müszig stahn. Garg. 181b; ausred vorbringen. Simpl. 2, 233; es ist besser gar nicht geboren sein, als dieser missethat zur ausrede dienen. Schiller 186; nur ein fürstenthum kann meinem geschmack zur erträglichen ausrede dienen. 188; er hat allemal eine ausrede; er braucht ausrede; nur keine ausrede!