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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auslese bis ausliefern (Bd. 1, Sp. 909 bis 910)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auslese, f. delectus, auswahl: du hast die auslese; Mardonius hatte um sich die auslese der tausend tapfersten Perser; auslese halten. s. DWB auslase.
 
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auslesen , nnl. uitlezen, in zwei bedeutungen,
1) deligere, eligere: du kannst darunter auslesen, auswählen; ausgelesene, ausgesuchte mannschaft; uszgelesener schalk. Eulensp. 84; ob allen schelken uszgelesen. 92; erbsen, früchte auslesen, die tauglichen aussuchen; leset aus, und nemet schafe, jederman für sein gesinde. 2 Mos. 12, 21; ich wil zwelf tausent man auslesen. 2 Sam. 17, 1; und las die knechte aus, das beste volk, das er unter inen fand. Judith 3, 7; sich den sonderling zu seiner rolle auslesen. Gökingk 1, 19; der pabst hatte eine kardinalsbeförderung vorgenommen, wozu er die reichsten prälaten auslas. Klinger 3, 252; die wilde geisterwelt hat mich zu ihrer beute, zu ihrem spiele ausgelesen. Tieck 11, 96.
2) perlegere: und wenn du das buch hast ausgelesen, so

[Bd. 1, Sp. 910]


binde einen stein dran und wirfs in den Phrath. Jer. 51, 63; als dise antiquitet ward ausgelesen. Garg. 286a; les er doch ganz aus! Schiller 206b; seine eigenen prosaischen zusammenschmierungen haben wir nicht auslesen können. Göthe 33, 65.
 
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auslesen, n. delectus: worauf wir ihr das auslesen unter den kleidern lieszen. Felsenb. 3, 267; der neue statthalter hatte ein schreckliches auslesen unter der ganzen nation. Schiller 858; du hast das auslesen.
 
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auslesung, f. dasselbe: morgen habe ich die auslesung (der rekruten). Göthe an fr. v. Stein 1, 215.
 
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ausletze, f. postremum delectamentum:

zur ausletz mir mein wiln erfüll.
Eyring 3, 188.

vgl. DWB letze.
 
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ausleuchten, domum redeunti facem praeferre, heimleuchten, feierlich entlassen, nnl. uitlichten: es war schon finster, die magd sollte ihnen ausleuchten; zu ausgang des lesens komen diese knaben all in eim feld zusamen, und machen inen alda von stroh gute handvöllige fackeln, ieglicher zwo, gehend zu nacht singend in einer ordnung in die stadt, damit leuchten sie dem herbst aus. Frank weltb. 51b. gewöhnlich in übelm sinn, einen aus dem haus werfen, und figürlich, hart behandeln, den angreifer abfertigen, bald mit dem acc., bald dem dat. der person: solt man solchen schelmen nicht mit hunden aushetzen oder mit ruten ausleuchten? Luther 4, 383b; solt man den nicht als toll und töricht zum land ausleuchten? 5, 421b; viel fromer leute würden sich hüten und solche buben helfen ausleuchten, wenn sie wüsten, das solche grosze fahr hette. 5, 492a; Eneas Silvius hette wol verdient, das im die gelerten ausleuchteten. 8, 219b.
 
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ausleute, extranei homines, peregrini, schon ahd. ûʒliute alienigenae N. ps. 55, 1, ein gutes wort, besser als die adjective auswärtige, ausländische, und der pl. zu ausmann, ûʒman. mhd. im Augsburger stadtr. beziugen mit burgern und mit ûʒliuten; ander ausleut. weisth. 3, 656. zuletzt noch bei Reuchlin: frembde auszlüt zu rechtem glauben bringen. augensp. 20a.
 
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auslichten, collucare, interlucare: wald, holz, bäume auslichten; den flachs soll man auslichten, wenn er seine zeit gestanden hat, und gelbfarb ist worden, darnach fürt man in zu haus. Sebitz 503. figürlich, aufhellen: unvermutet lichtete sich mein dasein wieder aus. Tieck nov. kr. 2, 290. verschieden ist das nnl. uitligten, ausheben, engl. lift out, was im nd. Claws bur 58 vorkommt:

so worde mi balde en ander utlichten.


 
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auslieben, ponere amorem: ausgeliebt fastiditus;

er liebet fort und fort, und hat erst ausgeliebt,
wann ihm sein ende selbst des liebens ende giebt.
Logau 2, 6, 84.


 
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ausliechen, evellere, ein seltnes, aber uraltes starkes verbum: da sehen wir allererst, wo Jäckel in den bohnen gesessen, wenn sie nun sind ausgelochen. Philander 1, 13. ahd. arliohhan (Graff 2, 138), ags. âlûcan und ûtâlûcan, goth. uslukan. schwäb. liechen, rupfen. die flexion wie auskriechen, ausgekrochen. mehr unter liechen.
 
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ausliefern, tradere, dedere, überlicfern, nnl. uitleveren: dem feinde die stadt ausliefern; den verbrecher in ketten ausliefern; den buchhändlern, die bestellten bücher expedieren;

dies haus des glanzes und der herlichkeit
steht nun verödet, und durch alle pforten
stürzt das erschreckte hofgesinde fort.
ich bin die letzte drin, ich schlosz es ab
und liefre hier die schlüssel aus.
Schiller 404a.