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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausläuten bis ausleger (Bd. 1, Sp. 905 bis 908)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausläuten, extremum sonare campana, nnl. uitluiden: es läutet eben aus; die glocken haben ausgeläutet, campanae tacent;

zum gericht hat man geleutet aus.
H. Sachs III. 1, 115b.

einem ausläuten, einem zur ehre die glocken ziehen: wie ich ihr (meiner frau bei ihrem begräbnis) denn zu Hanau, in dessen kirchspiel sie erzogen, ausläuten lassen. Schweinichen 3, 260; wer für dräuen stirbet, dem läutet man mit eselsfürzen aus,

qui moritur minis, illi pulsabitur bombis.

Gryphius 1, 796. züchtiger die alte sprache:

man sprichet, wer von vorhten stirbet,
daʒ der im selber daʒ erwirbet,
daʒ man in sol in mel begraben.
Bon. 32, 27;

swelch man von dröuwen stirbet,
den sol niemen klagen.
Frauenlob 83, 1;

vgl. RA. 695. transitiv, die kirche, die messe ausläuten, wie sie eingeläutet wurde; als die kirche gegenüber nun den sonntäglichen gottesdienst ausläutete. Tieck ges. nov. 3, 11. man verwendet auch ausläuten für offen gestehen, frei heraus sagen, reinen wein einschenken:

was bedeutet
dein nur und doch? rein ausgeläutet!
Voss 6, 237.


 
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ausläuten, n. postremus campanae sonus: ausläuten, oder sieben letzte worte an die leser. J. Paul uns. loge 3, 175.
 
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ausläutern, serenare, aufheitern: ausgeläuterte gesichter. Lohenst. Arm. 1, 368; da der himmel sich ausläuterte. 1, 390. Opitz Arg. 2, 338. heute unüblich. forstmäszig aber sagt man einen wald, ein holz ausläutern, lichten, hell machen, holz schlagen in den drei hiebzeiten.
 
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ausleben, vitam finire, complere, nnl. uitleven (das engl. outlive aber überleben):

doch eh ich sie erlangt, hab ich fast ausgelebt.
Canitz 89;

um den rest seines lebens in gesellschaft der Venus, des Bacchus und der musen auszuleben. Wieland 2, 240; in diesem stillen, noch vor kurzem so paradiesischen Jemal, wo ich meine tage in seliger verborgenheit auszuleben hofte. 8, 304; du theilest alles was ich besitze mit mir, und bist, wenn ich ausgelebt habe, der erbe meiner talente und meiner ganzen verlassenschaft. 3, 153;

hier möcht ich mit dir ausleben das alter.
Voss,

hic ipso tecum consumerer aevo. Virgil. ecl. 10, 43;

[Bd. 1, Sp. 906]



schenke du dem dulder mut auszuleben.
Pfeffel 1, 10;

was sagst du? dreiszig jahre haben wir
zusammen ausgelebt und ausgehalten.
Schiller 379a;

der mann, dem für seine manigfaltigen talente auch ein rein ausgelebtes menschenalter noch immer zu kurz gewesen wäre. Leisewitz über Lessings tod s. 115; ein sehr alter, aber gesunder, frohmütiger mann, still, fein, klug, auslebend nun hie und da aushelfend. Göthe 21, 133; sehn sie denn nicht, dasz der mann ausgebraust, ausgelebt hat? Lenz 1, 243; das ausgelebte ritterleben. J. Paul herbstbl. 3, 136;

ja, hier könnte die tage des irdischen seins ausleben
irgend ein herz, nach stille begierig und süszer beschränkung.
Platen 122a.


 
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ausleben, n. vitae exitus: möge der trostlos umkommen, der eines kranken spottet, der nach der entferntesten quelle reist, die seine krankheit vermehren, sein ausleben schmerzhafter machen wird. Göthe 16, 139.
 
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auslecken, elambere: die schüssel, den honig, die milch auslecken; der hund leckt die wunden aus;

so läszt er fürbaʒ sein auslecken sein. fastn. sp. 310, 2,

im sinne von auslatschen, egredi prostibula sectando, scheint aber von lecken, springen, seitwärts springen (s. DWB austreten). intransitiv: der wein leckt aus, tröpfelt aus dem fasse.
 
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ausledigen, vacuefacere, erledigen, ledig machen: die ehre ist ganz sein, hat sie alle zu sich genomen und alle ausgelediget. Luther 1, 38a; und wir hohen und reichen erschrecken nicht, so wir hören, das gott uns absagt, ja nicht allein absagt, sondern dreuet zu brechen, nidrigen und ausledigen. 1, 497a; damit ich e. k. mai. hofgesind von stat gebracht und ausgeledigt hab. Chmels Maximilian s. 188 (a. 1497); dagegen hatte der meister das haus Wildenbruch ausgeledigt und entblöszet und an geschütz, artolerei und rüstunge davon geführet. Micrälius a. P. 3, 548; ich habe meinen sack ziemlich ausgeledigt. med. maulaffe 629. s. ledigen.
 
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ausleeren , vacuefacere, effundere, exhaurire, nnl. uitleeren.
1) das wasser ausleeren, ausschütten; den wein, den trank ausleeren, trinken; das glas, den becher ausleeren, leeren; ausleeren bis auf den dörren boden. Simpl. 2, 280; es kompt die zeit, das ich inen wil schröter schicken, die sie ausschroten sollen und ire fasse ausleren und ire legel zerschmettern. Jer. 48, 12; den eimer, den topf ausleeren ausgieszen, ausschütten; die platten (schüsseln) sauber ausleeren. Scheit grob. L 4.
2) den magen, den leib ausleeren, alvum exonerare, purgare, ausleerende mittel. weidmännisch, intransitiv vom hund: der hund leert aus, le chien se vide. die blas in die kachel ausleren. Scheit grob. Q 4. D 4; leer weidlich aus, so wirt dir basz. D 1.
3) den sack, beutel, kasten, das zimmer, haus, die stadt, das land ausleeren.
4) die pfeile, den köcher ausleeren:

wann verfolgung ihren köcher
endlich auf dich ausgeleert.
Bürger 12a.


5) figürlich, das herz ausleeren, ausschütten: ihre erscheinung war so kurz, ich habe mein herz gar nicht ausleeren können. Schiller an Göthe 274;

und leert den schalen witz
bei diesem anlasz aus.
Wieland;

mit gewalt ausleeren so viel und erfreuende güter.
Voss Od. 16, 429;

diese bilder und formeln sind zuerst ausgeleert, sodann laut verhöhnt und zuletzt der stillschweigenden und höflichen verachtung hingegeben worden. Fichte anw. zum sel. leben 26; ausgeleertes leben. J. Paul Hesp. 2, 142; ausgeleertes gesicht. 2, 134; ein fatales, ausgeleertes gesicht. holzschn. 10, 178; ausgeleerte, ausgeweidete seelen. Fibel 4.
6) sich ausleeren: unter heftigem tumult und säbelgeklirr leert sich der sal aus. Schiller 665; am tage des drama leerte sich das neue schlosz in das fürstliche zu Oberscherau aus. J. Paul uns. loge 3, 8.
 
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ausleerung, f. egestio, exinanitio: aber du kerest es umb, das das newe testament wol ein auslerung und finsternis ist gegen das alte testament. Luther 3, 474b; diejenigen, lieber nachbar, sind eben nicht gleich kranke köpfe, die diese und mehrere auslegungen der neuern für wahre ausleerungen der ausgelegten stellen halten. Lessing 10, 102; der arzt verordnete eine ausleerung nach der andern.

[Bd. 1, Sp. 907]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auslegen , exponere, pandere, étaler, nnl. uitleggen.
1) den kram, die waare auslegen, feil bieten, zur schau legen, Fischart unter den spielen nennt 240 auch 'kram auslegen'; kaufmannschatz auslegen. Maaler 43d; vor sonntag dürfen die messleute nicht auslegen; Sybille, welche anfangs die waaren völlig auslegt. Schuppius 753; die dirne hat ausgelegt, pectora denudavit; der dickwanst legt aus streckt seinen bauch vor; auf einen groszwanst:

Gastro, wo er geht und steht, trägt den watsack für sich her,
ob er gleich nun strutzend voll, nimmer oder selten leer,
hab ich doch noch nie gehört, dasz ihn etwa ein soldat,
wann er gleich wo ausgelegt, je, wie brauch, geplundert hat.
Logau 1, 8, 48;

weil ich gerne gebe zu und bin frei mit schenken,
wird man, dasz die waar gar schlecht, leichtlich wollen denken:
guten wird doch alles gut, bösen böse sein,
guten leg ich alles aus, bösen alles ein. 3, zugabe, 2;

teppiche in den fenstern, auf den straszen auslegen; brot auslegen, auf den beckerladen; bücher auslegen, veno ponere (vgl. DWB auflegen, verlegen); man musz nicht seinen werth auslegen, um die menschen zu gewinnen, sondern man musz sie gewinnen und dann erst jenen zeigen. J. Paul Tit. 1, 39; die heillosesten ansichten und grundsätze werden in dem buche ohne scheu ausgelegt.
2) auslegen, ein fechterausdruck, im gegensatz zu parieren, stare in gradu Ov. met. 9, 43; den arm, die hand auslegen; auch verstoben all diejenige, die wider einander hand ausgelegt hatten. Simpl. 1, 210. s. DWB auslage und DWB ausliegen.
3) sich auslegen, wiederum fechterausdruck: er legte sich in parade aus. sich zum fenster auslegen.
4) ein schif auslegen, franz. rader, mettre en rade: das schif hat ausgelegt, stat in ancoris. die soldaten auslegen, einquartieren und ausquartieren, aufs land, in die dörfer legen, anderswo einlegen.
5) geld auslegen, expendere, vorschieszen, sborsare: der wird vielmehr rathen, dasz man Lesbien wiedergebe, als dasz man einen heller auslege. Gryphius 1, 866; ich wolte dem juden die auf mein wort ausgelegte vierhundert mark wieder geben, er aber sagte nein, er habe meine hand über zweitausend mark. Schuppius 582; kanst du soviel gewinn jährlich erwarten, als wann du 20 gülden dem wuchern ausgelegt hättest. 736; allermaszen ich beinahe die helfte meiner beuten auf kundschaft auslegte (ausgab, um damit auszukundschaften). Simplic. 1, 234; du hast schon oft für mich ausgelegt, wie soll ichs erstatten. dies geht also über in den sinn von darleihen: solt das geld, das versoffen wird, zusamenlegen und einen gemeinen schatz samlen, ein iglich handwerk für sich, das man in der not einem durftigen mithandwerksman auszulegen helfen und leihen kondte. Luther 1, 207b.
6) auslegen, proponere, vorlegen, darlegen, vorschlagen:

si hat in irem sinne
mit irn junkfraun aus gelait,
wer ir dienen well mit hübschait
der sol gar bald eilen u. s. w. fastn. sp. 394, 11;

söllichen meinen ratschlag hat ain getaufter jud in sein aigen hand und gewalt gebracht, mutwilliglich erofnet, darzu durch ain gedruckt schmachbuchlin dargeben, verkündt und uszgelegt. Reuchlin verstentnus 1b.
7) allerhäufigst aber interpretari, explanare, auseinander legen: es hat uns getreumet und haben niemand, der es uns auslege. Joseph sprach, auslegen gehöret got zu, doch erzelet mirs. 1 Mos. 40, 8; fieng an Mose auszulegen das gesetz. 5 Mos. 1, 5; Gabriel, lege disem das gesicht aus, das ers verstehe. Dan. 8, 16; wer alles zum besten ausleget. Sir. 6, 5; aber insonderheit legt ers seinen jüngern alles aus (goth. andband allata). Marc. 4, 34; und legte inen alle schrift aus. Luc. 24, 27; einem andern (wird gegeben die gabe) die sprachen auszulegen. 1 Cor. 12, 10; reden sie mit mancherlei sprachen? können sie alle auslegen? 12, 30; es sei denn, das ers auch auslege. 1 Cor. 14, 5;

spotweis mit iren hinderschlegen
all sein ding zum ergsten auslegen.
H. Sachs II. 4, 41a;

ich gedenk es euch besser auszulegen. Garg. 115a; die schwerverständlichsten puncte auslegen. 173b;

zwar ist es jetz gar nicht mein will,
wie es dan auch nicht mein vermögen,
hie deine thaten auszzulögen,
darumb nu halt ich jetzund still.
Weckherlin 371;

was die teutsche frei ausz lögen. 376;

nur seufzer habe ich von ihr gehöret und ihre schwester hat uns ihren willen ausgelegt. J. E. Schlegel 2, 28;

[Bd. 1, Sp. 908]


im auslegen seid frisch und munter!
legt ihrs nicht aus, so legt was unter.
Göthe 3, 270;

so löset sich der fluch,
wir legtens von Apollens schwester aus,
und er gedachte dich. 9, 96;

das, was sie so sehr zu ihrem vortheil auslegte, fand ich keineswegs bedeutend. 20, 61; man würde euch verkennen, und selbst der könig vielleicht diese zurückgezogenheit in einem ganz verkehrten sinne auslegen. Tieck nov. kr. 3, 123; ich wäre vom landhause aus sehr falsch ausgelegt worden. J. Paul komet 3, 237; die sache schlimmer auslegen als sie gemeint war. Dies auslegen ist weder goth. noch ahd. zu erwarten, und goth. wird dafür gaskeirjan oder andbindan gesagt, ahd. arrecchan; mhd. beginnt es, doch selten, aufzutreten: ein ûʒlegen, interpretatio. myst. 183, 17;

die ich hân bescheiden
und mit namen ûʒgeleit. Köpkes pass. 471, 33,

altn. ûtleggja könnte erst nach dem dän. udlägge, dies nach dem deutschen gebildet sein; solcher späte ursprung des worts hindert, es auf ein auseinanderlegen, entbinden (andbindan) der runen zurückzuleiten. dennoch musz die sinnliche vorstellung des entfaltens als seine grundlage angenommen werden, die auch fürs ahd. arrecchan obwaltet. man bildete exponere nach.
8) auslegen, caelare, distinguere: den fuszboden auslegen; mit elfenbein und gold auslegen; ausgelegte arbeit, opus varium.
9) auslegen als gegensatz des anlegens, exuere: das gewand, kleid, die schuhe auslegen, ablegen.
 
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ausleger, m. interpres: ist er aber nicht ein ausleger, so schweige er unter der gemeine. 1 Cor. 14, 28; bei prophezeiungen ist der ausleger oft ein wichtigerer mann als der prophet. Lichtenberg 2, 81.