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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
auslangen bis auslauben (Bd. 1, Sp. 901 bis 903)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) auslangen , extendere, extendi, suppetere, nnl. uitlangen, ausreichen.
1) herausreichen, strecken, transitiv und intransitiv: sol er dem vogt die pfande über gatter auslangen. weisth. 2, 191;

ich befils den heiszen feuersflammen,
die hoch oben zu den baien auslangen.
Uhland 289;

gieng das gnädige fräulein aus dem zimmer in den keller um den wein auszulangen. Möser patr. ph. 1, 248; mit der rechten hand dreht sie (die spinnerin) die scheibe und langt aus so weit und so hoch sie nur reichen kann. Göthe 23, 52.
2) ausreichen, genügen: wie wolte und könte doch das einkommen auslangen und genung sein. Schuppius 416; es musz eine tugend geben, die auch ohne den glauben an unsterblichkeit auslangt. Schiller 756; von manchem konnte der freund auslangende rechenschaft geben. Göthe 21, 70; von dem misbrauch fürtreflicher und weitauslangender mittel. 21, 177; worüber er sich mit ihr, seitdem er eine zwar wunderliche aber doch auslangende sprache einzuleiten gewust, recht gut verständigen könne. 23, 210; mit einem schon früher auslangenden und nun frisch bereicherten repertorium kamen wir wol ausgestattet nach Lauchstädt. 31, 148; dasz man glaubt solcher heftigen und doch keineswegs auslangenden empfehlungen zu bedürfen. an Schiller 587; wo es nur irgend auslangen mochte. Tieck ges. nov. 9, 36. Dann auch, wie auskommen, ausreichen, mit etwas auslangen: aber damit langt man nicht aus. Schiller 628; das vermögen, mit einer mechanischen erklärungsart der naturdinge auszulangen, ist beschränkt. Kant 7, 297; wenn die vernunft mit einem principe auslangen kann. 10, 74.
 
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auslängen, protendere, länger machen, verlängern: die ausgelängte nacht. Opitz Arg. 1, 580; den ausgelängten tag dienst thun. pers. baumg. 5, 13; die ausgelängte nacht laufen sie. 3, 2.
 
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auslänglich, suppetens, sufficiens, hinlänglich: zu auslänglicher verhütung, dasz dergleichen in das künftige nicht mehr geschehe. Schuppius 677.
 
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ausläppern, sorbillare, nnl. uitlappen, uitlepperen: die suppe ausläppern; wa wer Hercules gebliben, wann er nicht vor durst oft den bach, darin er gefahren, hett wie ein zungstreckiger hund ausgeleppert? Garg. 41b.
 
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auslärmen, tumultuandi finem facere, austoben.
 
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auslase, f. delectus, auswahl. man hört und schreibt am Rhein, im Rheingau: von den erherbsteten stückfässern wurde nur der dritte theil, lauter auslasen, geprobt. sonst heiszt es auslese, weinlese, lese; auslase könnte aber wie ausgabe, ausnahme gebildet scheinen.
 
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auslassen , emittere, laxare, nnl. uitlaten, entlassen, loslassen.
1) aus dem haus, aus der hand und gewalt, aus dem kerker, aus der stadt lassen: da stund Abraham des morgens früe auf und nam brot und eine flasche mit wasser und legts Hagar auf ire schulder und den knaben mit und liesz sie aus. 1 Mos. 21, 14; und lasz sie dein weib sein, wenn du aber nicht lust zu ir hast, so soltu sie auslassen, wo sie hin wil. 5 Mos. 21, 14; so sol er ein scheidebrief schreiben und ir in die hand geben und sie aus seinem hause lassen ... so kan sie ir erster man, der sie ausliesz, nicht widerumb nemen. 24, 4; der herr über völker hiesz in (den gefangnen) auslassen. ps. 105, 20; und ich ward in einem korbe zum fenster aus durch die mauren nider gelassen. 2 Cor. 11, 33; bin ich bewogen, denselbigen Liechtenberger noch eins auszulassen. Luther 3, 405b; denn es war der anschlag, man solte die henker bei der nacht auslassen. 3, 418b; bestelt wachten unter die thor, die nieman auslieszen. Garg. 266a; zum fenster auslassen. 69b;

so th die thür auf, lasz sie aus!
Scheit grobianus Q 4.

man sagte auch, die töchter auslassen = leer ausgehen lassen, von dem lehen, von der erbschaft ausschlieszen.
2) thiere aus dem stall, aus der hütte lassen: und wenn er seine schafe hat ausgelassen, gehet er vor inen her (goth. þô svêsôna lamba ustiuhiþ). Joh. 10, 4; die lämmer auslassen; das vieh ist schon ausgelassen worden;

[Bd. 1, Sp. 902]


das ich auslasz mein sew und ku.
H. Sachs III, 3, 42d.

Luther scheint es aber auch von geburt der thiere zu setzen, wiewol die stelle zweideutig ist: sie (die hirschkühe) beugen sich, wenn sie geberen, und reiszen sich und lassen aus ire jungen. Hiob 39, 6. weidmännisch, den leithund auslassen, ihm das seil nachlassen, ihn aus dem straffen seil lassen.
3) athem aus der brust, donner aus der wolke, wasser aus dem felsen lassen: du lessest aus deinen odem, so werden sie geschaffen. ps. 104, 30; der herr donnerte vom himmel und der höhest liesz seinen donner aus. 2 Sam. 22, 14. ps. 18, 14; kanstu die blitzen auslassen, das sie hinfaren. Hiob 38, 35; sihe, wenn er das wasser verschleuszt, so wirds alles dürre, und wenn ers auslesset, so keret er das land um. 12, 15. desgleichen die seele, das wort, einen schrei auslassen:

die edelsten in Israel
haben ausgelassen ir seel.
H. Sachs III. 1, 74d;

kaum hatte er das wort ausgelassen; der gute mann, als er das schröcklich geschrei vernam, welchs sein sohn, alsbald er an das liecht der welt kam, ausliesze. Garg. 106b; do hont de rehe uf oanmol a mörderisches geschrua ausglan. Ernst Meier schwäb. sagen s. 201; ein schweiszlein hinden auslassen. Garg. 15, wie einen auslassen.
4) zorn, gift, wut, unwillen, rache, lügen auslassen: denn da du deinen grim auslieszest, verzeret er sie wie stoppeln. 2 Mos. 15, 7; raum und stet, seine gift auszulassen. Luther 3, 48; das Carlstad lügen ausleszt. 3, 81b; du kannst nichts thun, als deine zähne zusammen schlagen und deine wut am trocknen brote auslassen. Schiller 113b; die einen schliefen ihren rausch aus, die andern hätten ihn gern auf irgend eine mutwillige weise ausgelassen. Göthe 23, 109; um wenigstens unterwegs gegen einen hasen meinen unwillen auszulassen. Tieck 14, 209; er liesz seine rache, seinen eifer an dem unschuldigen spiegel aus und zertrümmerte ihn. auch diese leidenschaften werden als ausbrechende, wilde thiere angesehn, die in des auslassenden dienst und gewalt stehn, daher ein possessivum beigefügt ist.
5) seltner von andern sachen: seine geschicht und leiden an euch zu schreiben und auszulassen. Luther 3, 28b; seinen hofmann (seine feine manieren) recht auslassen. Garg. 240a; seine gedanken, meinung, empfindung über etwas auslassen; hättest wissen sollen, dasz mich das geheimnis martere, wenn ichs nicht auslassen darf. aber doch will ichs nicht auslassen, will überlaut seufzen bei dem zwang. (L. Ph. Hahn) der aufruhr zu Pisa 34; die spannungskraft der federn fängt an ihre thätigkeit auszulassen (auszuüben). Kant 8, 141.
6) bücher, briefe, schrift, befehl, erklärung auslassen: damit die sache dennoch ein ende gewinne und das ergernis des deudschen büchlins, von den ewern ausgelassen, gestillet werde. Luther 2, 220a; dasselb buchlin wider auszulassen. 3, 1; o das die propheten vorhin basz studierten, ehe sie bücher auslieszen. 3, 84; derhalben Carlstad auch schuldig war, solche erklerunge auszulassen. 3, 155; das sie solchen vermeineten meinen brief auszulassen, es solt in einer fürstlichen canzlei nicht ein solcher esel canzler sein, der heimliche brieve ausgelassene brieve nennete. 4, 538b; solche gedanken haben uns verursachet diesen propheten Daniel auszulassen für den andern, die noch dahinden sind .... ich hab mir fürgenommen, denselben unter e. f. gn. namen auszulassen. 5, 1b; ich gedenke einen sermon von den lieben engeln auszulassen. 5, 145a; ich habs aber wollen durch den druck lassen ausgehen, weil ich besorget, es möcht doch sonst in druck komen und unvleisziger ausgelassen werden. 5, 488a; darumb irs für gut ansehet, das ich solche falsche meuler zu stopfen einen kurzen brief aus liesze gehen (oder ausgehen liesze?). 6, 116a; hab zuletzt mich bewegen lassen, etlich sermon auszulassen. br. 1, 387; dann dieses unser ausgelassenes edict nicht universal ist. Schuppius 571. heute sagt man lieber herausgeben, ausgehen, erscheinen lassen, erlassen.
7) sich auslassen, sich äuszern, darlegen, dargeben:

die unbefleckte zung erschallt in kirch und haus
und läszt sich tausendfach in süszen liedern aus.
Gryphius 2, 92;

du hast dich zu weitläuftig darüber ausgelassen; gib acht, ob er sich nicht unversehens einmal darüber ausläszt; er liesz sich in heftigem lachen, liesz sich erbittert darüber aus. früher hiesz auch sich auslassen sich aus dem staube machen: da ist der mann erheim komen und doch sich wider usz wöllen lassen oder machen. weisth. 3, 752.

[Bd. 1, Sp. 903]



8) fett, talg, butter, wachs über dem feuer auslassen, ausschmelzen, in flusz bringen, ausflieszen lassen. man kann dies unter 4 bringen, da die flüssigkeit gleichsam aus den banden der härte entbunden wird. doch heiszt es nie, dasz die sonne das eis auslasse.
9) ein kleid auslassen, durch auftrennen der eingeschlagenen naht weiter machen.
10) den ofen auslassen, ausgehen lassen und dann im hüttenwerk schicht machen, die arbeit einstellen. nie aber die pfeife auslassen für ausgehen lassen.
11) auslassen, weglassen, wegbleiben lassen, omittere: wer aber etwas aus ungeferden ausgelassen. weisth. 2, 192; diese stelle wird ausgelassen, unterbleibt; es sind drei worte, drei zeilen ausgelassen. diese bedeutung widerspricht der sechsten und ein ausgelassener brief kann den umständen nach sowol ein erlassener, als in der reihe fehlender sein.
12) das part. praet. ausgelassen gilt zwar für sämtliche bedeutungen, zumal aber im adjectivischen sinne von wild und frech: er ist ganz ausgelassen, ein ausgelassener mensch; ein ausgelassener erhungerter teufel. Garg. 231b; eine ausgelassene schälkin. Kirchhof wendunm. 352; der ausgelassenste bube ist zu verzagt, uns etwas beschimpfendes zuzumuten. Schiller 204a.
 
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auslassung, f. omissio, in der eilften bedeutung des auslassens: die auslassung auch eines einzigen wortes soll scharf geahndet werden. ehmals hiesz es auch: nach völliger auslassung (emissio) des lachens. unw. doct. 12, was aber heute veraltet ist.
 
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auslasz, m. emissio: desgleichen etliche verdächtige personen unter ein thor zum auslasz kommen und mit gewalt heraus gewollt. Kress bei Melanchthon 2, 265, wie einlasz. das ahd. ûʒlâʒ bedeutete finis, exitus (Graff 2, 315).
 
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auslatschen, egredi talipedando, sonst die schuhe austreten, verächtlich von ausschweifenden ehemännern: sie latschen aus, prostibula sectantur. s. DWB anlatschen, DWB ausliegen.
 
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auslauben, frondibus ornare: da er in die mit linden ausgelaubte stube gieng. J. Paul Hesp. 1, 244; sie setzten sich auf den hügel, gegenüber einem gang, den grünes moos auslaubte. Tit. 2, 116.