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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
aushaben bis aushaltung (Bd. 1, Sp. 879 bis 881)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) aushaben , in verschiednen, elliptischen bedeutungen,
1) verlieren, gleichsam ausgespielt, seine rolle ausgespielt haben: er hat bei mir aus, perdidit apud me gratiam. Steinbach 1, 663;

gott füllt manch wüstes haus,
und macht die reich sind arm, die treu hat keinmal aus,
so wenig als sein wort wird seine kraft verkürzet.
Gryphius 2, 438;

hier schweigt endlich der verfolger,
und hier hat die misgunst aus.
Günther 851.

oder ist aushaben ein ende haben, aus sein? Schmeller 2, 135 gibt an: aushaben, etwas verloren haben, und Steinbach: ich habe aus, finem consequor.
2) aushaben vincere, ut in ludis et alea: ich habe aus, vici. Stieler 725. gehört hierher folgende stelle? dasz alle ehrliebende ein betrübnis ob solchen calumnien haben, dasz ein solcher hochlöblicher fürst von einem solchen landläufer also ausgehabt wird. Melanchthon 9, 731, überwunden? es scheint vielmehr ausgespottet, verleumdet. Schmeller a. a. o. hat auch jemand aushaben, böse auf ihn sein. näherer aufklärung bedürftig und heute veraltet. vgl. DWB aushalten.
3) aushaben, den rock ausgezogen haben, gegensatz zu anhaben; ich habe die schuhe noch nicht aus.
4) aushaben, ausgetrunken haben: ich habe das glas schon dreimal aus; habe den teller aus (gegessen).
5) ein buch aushaben, ausgelesen haben, zu ende haben; ich habe das lied schon aus (gesungen).
 
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aushacken, effodere, eruere: die raben sollen dem gottlosen sohn am galgen die augen aushacken; keine krähe hackt der andern die augen aus; so bedienen wir uns der reinen befugnis uns selbst recht zu verschaffen und den nekrologischen schnabel zu verrufen, der unserm armen Moriz gleich nach dem tode die augen aushackt. Göthe an Schiller 230. steine, kartoffeln aushacken. ein stück land mit der hacke fertig bearbeiten. die schuhe aushacken, ihnen durch stiche und schnitte zackigen rand geben. bei den fleischern, das fleisch aushacken, in stücke zerhacken. bei den böttichern, holz aushacken, aus dem groben arbeiten.
 
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aushadern, non amplius irasci, auszürnen.
 
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aushageln, non amplius grandinare: die wolke hat ausgehagelt.
 
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aushagern, macrescere, ausmagern: der neid hagert aus, wenn andere zunehmen; wieder aushagern, remacrescere.
 
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aushäkeln, solvere uncum: die schuhe aushäkeln. den winzern, putare vitem, die spitzen und eberzähne an der rebe ausschneiden.
 
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aushaken, gegenüber dem einhaken.
 
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aushalftern, capistrum demere equo: das pferd hat sich ausgehalftert, von der halfter losgemacht. dann überhaupt sich aus etwas helfen, lösen: er wuste sich und seines ampts angehörige auszuhalftern. Simplic. 1, 726.
 
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aushallen, longe sonare: die glocke hallt weit aus; seine worte hallen im sale aus;

dasz gottes gnad und allgewalt
in vollem jubel lang aushallt.
Voss 6, 201.

dann auch finem facere sonandi: die letzten schläge der glocke hallen aus;

die glocken hallen aus, die lieder enden.
Uhland.


 
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aushalten , sustinere, nnl. uithouden, bis zu ende halten.
1) intransitiv, wenn kein casus ausgedrückt steht, durare, perdurare, ausdauern: ich halte nicht länger aus; er hielt

[Bd. 1, Sp. 880]


nicht mehr aus; du hast lange mit ihm, bei ihm ausgehalten; der hund hält nicht aus, bleibt nicht; der wagen hält wol aus, dauert, hält noch länger; hielt recht aus (von einem bogenschützen). Garg. 180b;

wer mäszig ist, hält aus.
Gryphius 195;

schwache brustwehren, welche noch nie gegen die angriffe des neides, der arglist ausgehalten haben. Wieland 2, 116; er hat gegen Cyanen ausgehalten. 1, 177; die vernunft kann in einer anarchischen welt nicht aushalten. Schiller 1031;

dreiszig jahre haben wir
zusammen ausgelebt und ausgehalten. 379a;

ich will sehen ob ich aushalte. Göthe an fr. v. St. 1, 37. aushaltende kraft, aushaltender wille. auch die wolle heiszt aushaltend, wenn sie überall gleich vom leib absteht.
2) oft wird ein es oder das hinzugefügt und der begrif leise transitiv gewendet: ich halte es nicht länger aus; er hielt es nicht mehr mit ihm aus; nein, es ist mit euch nicht auszuhalten. Lessing 1, 240; wir konntens in der stadt nicht mehr aushalten. Göthe 14, 82; aber nun kann ichs nicht länger aushalten. Gerstenberg Ugol. 36; nein, beim groszen gott ich kann das nicht aushalten. Schiller 191b; das halte der teufel aus!
3) transitiv mit ausgedrückten wörtern der zeit: ich halte dir das jahr aus, halte keinen tag weiter aus; er hielt die bestimmten drei monate ruhig aus; halte mit dieser die wochen aus (vulg. imple hebdomadam dierum). 1 Mos. 29, 27; Jacob hielt die wochen aus. 29, 28; das er dem herrn die zeit seines gelübds aushalte. 4 Mos. 6, 12; wie er aushielt die tage der reinigung. apost. gesch. 21, 26. man könnte aber die accusative jahr, tag, monate u. s. w. adverbial fassen, und dann würde aushalten wiederum intransitiven sinn haben. das kleid hält den winter noch aus, will entweder sagen erträgt den winter, fert hiemen, oder dauert winterlang, per hiemem.
4) mit acc. der person:

gelassen kalt hat er mich ausgehalten,
aufs höchste mich getrieben.
Göthe 9, 162;

und deine cither, deine gesellin, gespielin, buhlerin, die noch alle deine liebsten ausgehalten hat. 57, 198. in anderm sinn, einen mann aushalten, marem ferre, von mannbaren mädchen.
5) mit acc. der sache: den kampf, krieg, angrif, sturm, das spiel aushalten; wann ich mit solchen (hastigen) leuten zu thun habe, halte ich ihnen einen sturm aus und denke ihr zorn vergehe wol von sich selbst. Schuppius 292; das schwache boot hielt den sturm der wellen nicht aus; er hatte wiederholte stösze oder schläge des unglücks auszuhalten; der feind hielt unsern anblick nicht aus. zuweilen steht blosz das unbestimmte pronomen und ein subst. ist leicht zu ergänzen: er kann schon einen (schlag, puf) aushalten, etwas aushalten;

dein volk hat mir erzörnt ein maus,
drumb soltu mir ein halten aus.
Alberus 112b,

einen kampf, krieg. den schmerz, kummer, die strafe, das unglück geduldig aushalten; die probe, die prüfung, den vergleich, die nebeneinanderstellung nicht aushalten: freilich konnte der bräutigam die vergleichung mit dem nachbar nicht aushalten, sobald man sie neben einander sah. Göthe 17, 328.
6) in der musik heiszt den ton aushalten ihn nicht sinken lassen, gleich stark erhalten, gut, falsch aushalten; auch wol zuletzt darauf verweilen; die weise, das lied, den gesang recht aushalten; dieser gesang ausgehalten ohne rasche bewegung. Tieck 4, 429; in einem entzückten ton aushaltend. J. Paul biogr. bel. 1, 23.
7) früher gebrauchte man aushalten auch für unterhalten, erhalten, sustentare:

eim buler oft ein glück zufelt,
das in ein schöne fraw aushelt.
H. Sachs I, 228a;

mein erbtheil wil einbringen ich,
darmit aushalten mich und dich.
III. 1, 195b;

wir wölln aushalten den guten man,
ist einem umb ein kreuzer zthan.
IV. 3, 26b;

da ward ich ausgehalten frei (frei gehalten).
B. Waldis 4, 17;

und sich allein vom raub und blt der anderen aushielten (unterhielten, erhielten, nährten). Frank chron. 122a;

drumb ich ein gfattern gewinnen wil
der meim weib aushelt das kindbet.
Ayrer fastn. sp. 26d;

diese musten nicht allein mit geld und vivers ausgehalten, sondern auch mit fast allem kriegsapparat versorget werden. Micrälius a. P. 5, 210.

[Bd. 1, Sp. 881]



8) aushalten, ausbehalten, entnehmen: darumb wer dem unglück und ewiger pein entfliehen wolte, der mag im aus diser historien aushalten, das zu seinem ewigen fride und wolfart dienstlich ist. Mathesius 11b.
9) aushalten, vorbehalten, ausbedingen: ich halte mir das aus; er hat sich beim verkauf noch allerlei ausgehalten.
10) beachtenswerth sind die beigegebnen dative: ich halte es dir, halte es ihnen aus, wofür auch gesagt wird mit dir, gegen dich, gegen sie. selbst ein dat. der sache kommt vor:

so vielen streichen auszuhalten.
Günther 160,

es gegen so viel streiche aushalten, sich so viel streichen geduldig hinhalten; diesem neuen ungewitter werden die schiffe schwerlich aushalten können. Opitz Arg. 2, 2; dem streiche der grausamen trennung aushalten. 2, 169; der gefahr aushalten. 2, 404; dem göttlichen verhängnüsse gedultig aushalten. Lohenst. Arm. 2, 1128, in welchem sinn wir heute vorziehen still halten.
11) bergmännisch, aushalten, aussondern: eine stufe aushalten, das gestein von ihr sondern. forstmännisch, das holz, die bäume aushalten, nutzholz vom scheitholz sondern. nnl. de spriet dient om het zeil uit te houden, um das segel von. einander zu halten.
 
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aushaltung, f. constantia, tolerantia: die aushaltung des tons; aushaltung, ertragung der gemachten vorwürfe; ruhige aushaltung eines eigenen, öffentlichen ehrbankbruchs. J. Paul nachdämm. 78.