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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausgenommen bis ausgieszen (Bd. 1, Sp. 873 bis 875)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausgenommen , excepto, exceptis, nnl. uitgenomen. es

[Bd. 1, Sp. 874]


ist noch unermittelt, wann ein absolut gesetztes und zur partikel verwandtes ausgenommen zuerst vorkommt; das mlat. verhärtete excepto (excepto capitale et dilatura, excepto accipitre et spata, excepto duabus villis), it. eccetto, franz. excepté boten sich von frühe an zur nachbildung, und das ahd. part. ûʒginoman, mhd. ûʒgenomen exceptus waren ganz gebräuchlich, doch für die begriffe praeter und praeterquam galten ahd. wie mhd. andere und gefügere wörter. im 14, wenigstens 15 jh. scheinen sich aber ausgenommen, ausgeschlossen und ausgescheiden in solcher bedeutung festgesetzt zu haben, in den urkunden und weisthümern kommen sie oft zum vorschein, z. b. wasser und weide, nichts ausgenommen. weisth. 2, 250; uszgenomen bannezune. 2, 177; nicht ausgenomen ongeverlich. 3, 524; ausgenomen die guter unter der hochwiesen liegen. 3, 524; ausgenomen das malefiz der dreier händel. 3, 669. Die hauptfrage ist nach dem dabei stehenden casus.
1) Luther läszt den acc. folgen, wie er auch von ausnehmen abhängt, bei die und das könnte zweifel sein zwischen acc. und nom., aber den entscheidet: alle seelen, die mit Jacob aus Egypten komen waren, ausgenomen die weiber seiner kinder, sind zusamen sechs und sechzig seelen. 1 Mos. 46, 26; ausgenomen der priester feld, das kauft er nicht. 1 Mos. 47, 22; dise leute sollen das land nicht sehen, ausgenomen Caleb den sohn Jephunne und Josua den son Nun. 4 Mos. 32, 12; Salomo muste zur speisung haben zehen gemeste rinder und zwenzig weiderinder und hundert schaf, ausgenomen hirs und rehe. 1 kön. 4, 25; der ganzen gemeine war 42360, ausgenomen ire knechte und megde, der waren 7337. Neh. 7, 67; und ist auch niemand, der es fur dem könige sagen könne, ausgenommen die götter. Dan. 21, 11; denn man kan alles versöhnen, ausgenomen die schmach, verachtung, offenbarung der heimlichkeit. Sir. 22, 27. einmal steht der acc. auch voraus: und sol nieman da durchgehen, der gott Israel sol da durchgehen, doch den fürsten ausgenomen. Ez. 44, 3. so Fischart: nach vollendetem scharmützel zog Gurgellang mit seim volk ab, ausgenommen den mönch. Garg. 257b; und noch Wieland: alle menschen haben ihre fehler, dich allein vielleicht ausgenommen. 8, 360. Diese acc. sind abhängig von ausgenommen, nicht vom verbum des satzes, denn sonst hätte Luther schreiben müssen: ausgenomen Caleb der son. nicht anders darf man annehmen, dasz er geschrieben hätte: ich gedenke aller, ausgenommen dich, ich gebe allen, ausgenommen dich.
2) allmälich ward aber ausgenommen unbelebter, zur bloszen partikel, und der casus richtete sich nach dem verbum des satzes. so schon weisth. 2, 223: uszgenomen der frie und der hirt. wir sagen heute: alle freuen sich, ausgenommen du; ich gedenke aller ausgenommen dein; ich gebe allen ausgenommen dir; in allen (allem), ausgenommen der menschlichen gestaltung, ähnlicher einem thier. Simpl. 1, 31; ich rufe alle ausgenommen dich. der acc. pflegt zumal gern vorauszugehen: dich ausgenommen, ihn ausgenommen, das gesetz verbindet alle, keinen ausgenommen. diese construction gleicht dem mhd. wan ich, wan dîn, wan dir, wan dich (vgl.ohne); doch heiszt es für ausgenommen ich, dein, dir besser: nur ich nicht, nur dein nicht, nur dir nicht. am geläufigsten ist mich ausgenommen, im nachgefühl der alten fügung.
3) ausgenommen dasz, wo, wenn entspricht dem lat. praeterquam quod: ich gebe dir alles zu, ausgenommen dasz du behauptest; ich bin überall gerne, ausgenommen wo man mich nicht gerne sieht; man hört ihn gern an, ausgenommen wenn er jene sache berührt. lieber, nur das nicht, nur nicht wo, nur nicht wenn.
 
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ausgereden, dicendi finem facere: er mocht dise wort kaum ausgereden. Garg. 263b, wo aber das ge von mochte abhängt, s. gramm. 2, 647. 648.
 
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ausgereiter, f. cribrum, ahd. rîtera, bair. reiter (Schm. 3, 162). Tabernaemontanus hat ausgereuter für das ausgereiterte, ausgesiebte: spreuer oder ausgereuter von dem weizen ist dem rindviehe sehr gut. 600. s. reitern.
 
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ausgescheiden, exceptus, heute ausgeschieden. s. ausscheiden.
 
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ausgescheiden, adv. excepto, ausgenommen: uszgescheiden hochwiltpret. weisth. 2, 242; ûʒgescheiden das dorf. 2, 175; ausgescheiden in terminis probatoriis. Frankf. ref. I. 40, 5.
 
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ausgescheidenheit, f. exceptio, ausnahme: wers find, mag es behalten, doch mit dieser ausgescheidenheit, so fern ich das kleinod erhalte. jetzt auszer gebrauch.

[Bd. 1, Sp. 875]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausgeschenk, n. s. DWB ausschenken.
 
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ausgespei, n. sputum, exsputum:

das gold, den reinen koth, der bleichen sorgen kind,
des glückes ausgespei.
Opitz 1, 54;

du der höllen ausgespei!
Knittels sinnenfrüchte 22.


 
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ausgewinnen, für aufgewinnen:

der adler fand ein schneckenhaus,
das künd er nicht gewinnen aus.
Waldis Esop 1, 10.


 
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ausgibig, uber, largus, ergibig: ausgibige ernte; ausgibige zölle; mein aufenthalt zu Wetzlar war zu einer solchen unterhaltung nicht ausgibig genug. Göthe 26, 169. s. DWB ausgeben 11.
 
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ausgieszen , effundere, nnl. uitgieten.
1) flüssiges ausschütten: geusz die brühe aus. richt. 6, 20; schepften wasser und gossens aus fur dem herrn. 1 Sam. 7, 6;

bald hat ein harter fels gut wasser ausgegossen.
Weckherlin 238;

man hatte die dämme durchstochen und das wasser der Westerschelde beinahe über das ganze land Waes ausgegossen. Schiller 867; sein blut ausgieszen, vergieszen; den samen ausgieszen; das bad ausgieszen; ein loch mit heiszem blei ausgieszen; den holen zahn mit blei.
2) das gefäsz ausgieszen, worin flüssiges enthalten war: und er eilet und gosz den krug aus in die trenke. 1 Mos. 24, 20; das glas, den becher ausgieszen; die schale, die schüssel ausgieszen; das kind mit dem bad ausgieszen; deren (Türken) ein jeder zwölf weiber haben mag, jedoch ihr leib also meistern, das man kein leichtvertigkeit spürt, noch ihr leib etwa unordentlich gegen einer ausgieszen, mit verachtung der andern. Frank weltb. 106b.
3) mit flüssigem brand löschen: das feuer, die flamme, die kohlen ausgieszen, ausschütten, so dasz sie ausgehen.

noch ist es zeit dies höllenfeuer auszugieszen.
Gökingk 1, 86.


4) licht, glanz, strahlen ausgieszen, auswerfen: mondschein ausgegossen;

der süsze glanz, den dise stern ausgieszen.
Weckherlin 685;

ausgegossene feuerwürmer. J. Paul Kampan. th. 75; ungeachtet alles lichts, welches der gelehrte Stilbon über sie (die alterthümer von Abdera) ausgegossen. Wieland 12, 253. auch liebliche röthe, todesblässe war über sein antlitz ausgegossen.
5) geist, liebe, wonne u. s. w. ausgieszen: bis so lange, das über uns ausgegossen werde der geist aus der höhe. Es. 32, 15; denn der herr hat einen schwindelgeist unter sie ausgossen. 19, 14; ich wil ausgieszen von meinem geist auf alles fleisch. apost. gesch. 2, 17. 18; denn die liebe gottes ist ausgegossen in unser herz. Röm. 5, 5; süszer duft ist ausgegossen; stille war ausgegossen über die gegend;

dasz ich mög aus dankbarer brust
deiner hilf lob ausgieszen.
Weckherlin 32;

Albano gosz vor seinem biedern herzensfreund sein herz aus. J. Paul Tit. 5, 111; rede aus, giesz deinen schmerz aus. Klingers th. 3, 366; soll ich mich mit dem vorwurf stechen lassen, ich gösse alle macht und schätze über unser haus allein aus. 7, 103; alle reichthümer waren über ihn ausgegossen.
6) gift, zorn, schmach, lästerung, bann, tadel, worte ausgieszen: gehet hin und gieszet aus die schalen des zorns gottes auf erden. offenb. Joh. 16, 1 und durchs ganze capitel; alles bittere gosz sie (die liebe) über diese einzige nacht aus. Leisewitz J. v. Tarent 1, 1; unwarhaftig wort und schrift zu ruck (im rücken) uszgegossen. Reuchlin augenspr. 2a; disen hinderrücklingen unwarhaftigen uszgegossen handel. das.; von den lügen und verleumdungen, welche Butyrolambius auf des Antenors person ausgegossen hatte. Schuppius 566; der Dionysius hat nicht übel wider den Platonem geredt, dasz er der unnützen alten wort bei den unerfahrnen jungen ausgegossen habe. 766; wer viel drawwort ausgeuszt hat kein macht. Lehmann 154; dieser hat die allerlästerhaftigsten und schimpflichsten worte wider den könig ausgegossen. pers. rosenth. 1, 1; gosz die schändlichsten lästerworte wider mich aus. 7, 20; lästerungen ausgieszen. Hahn 3, 326; nachdem er seinen unwillen gegen den hof in die bittersten vorwürfe und schmähungen ausgegossen. Schiller 979; den tadel über das ganze ausgieszen. Bürger 182b; einen bann über jemand ausgieszen. Gotter 3, 70; auf das si nicht ir ketzerei in der Türkei leren und ausgieszen. Frank weltb. 117a.
7) wo transitives ausgieszen ohne acc. steht, musz es aus

[Bd. 1, Sp. 876]


dem zusammenhang verstanden werden: also schied er ab, das er nicht wolt disputiern, und schlug mir die disputation ab, darnach gosz er aus (verbreitete er), die rehte (räthe) wolten in nicht disputiern lassen. Luther 1, 160b; andere mich bei aller welt ausgossen (verlästerten). Thurneisser notgedr. ausschr. 17; gieszen sie aus, edler jüngling, mein herz ist ihres schmerzes würdig. Leisewitz J. v. T. 1, 1; wir sind jetzt ganz in welt und naturgeschichte, reisebeschreibungen und was dazu gehört ausgegossen. Göthe an Knebel 44.
8) sich ausgieszen: nu aber geuszet sich aus meine seele uber mich. Hiob 30, 16; der Tigris, so sich in das persische meer ausgeuszt. Opitz 1, 251;

es trinken die felder
geizig das segnende licht, das so wolthätig sich ausgieszt.
Zachariä;

es ist nun meine schwäche, mich in worten auszugieszen, wo ich tief bewundre. Klinger 2, 361; da gosz sich die gedrohte qual über ihn aus. 3, 297; nun gosz sich sein gepeinigtes herz in den rührendsten und zartesten vorwürfen aus. 10, 167;

so gosz sich eine kriegeswolke aus
von völkern über Orleans gefilde.
Schiller 450b.


9) schöner ist das einfache intransitivum, wozu man leicht wasser oder blut ergänzt:

sei zu geleichen
eim lauter quellenden brünnlein klar,
süsz, trünkig, kül und angenem gar,
welches sommer und winter fleuszt,
miltiglich quillet und ausgeuszt,
thut nicht verseihen noch gefrieren.
H. Sachs II. 2, 90b;

es regnet wie ausgieszend. Göthe an fr. v. Stein 3, 282. weidmännisch, das wild geuszt aus, hat ausgegossen, heftig geschweiszt.