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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ausgeburt bis ausgelassen (Bd. 1, Sp. 868 bis 873)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ausgeburt, fetus, gern in üblem sinn: die laune, deren ausgeburt das werk selbst ist, hat ihm auch den namen geschöpft. Wieland 4, ix; o du ausgeburt der hölle. Göthe 1, 239; eines werks aber der wahrsten ausgeburt des siebenjährigen krieges musz ich hier vor allen ehrenvoll erwähnen, Minna von Barnhelm. 25, 106; Eros, Amor, Cupido selbst erscheinen als ausgeburten der urzeit, Aphroditen wol zugesellt, aber nicht so nahe verwandt. 39, 288; die centaurin gibt der jüngsten ausgeburt ihres doppelwesens die milch der mutterbrust. 39, 288; da diese schnecken ausgeburten des süszen wassers sind. 43, 307; eine gewisse cultur, die vom herzen ausgeht, ist daselbst (im nördlichen Deutschland) einheimisch, wie vielleicht nirgends, er selbst (Hiller) ist ein kind, eine ausgeburt dieser cultur. 49, 181; vorzüglich an schmetterlingen. diese, die man wahrhafte ausgeburten des lichtes und der luft nennen könnte. 52, 262; wie denn auch die farben als ausgeburten jener beiden ersten (lichts und schattens) dargestellt sind. 53, 202; der beifall, der jenen wunderlichen ausgeburten (dem Ardinghello und den räubern) allgemein gezollt ward. 60, 253; raubschiffe, ausgeburten des bürgerkriegs. Dahlmann dän. gesch. 1, 409.
 
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ausgecken, illudere, zum narren haben: verlachet und ausjäcket. Simpl. 1, 176.
 
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ausgehen , exire, egredi, prodire, interire, nnl. uitgaan, mhd. ûʒ gân (Ben. 1, 468a).
1) ausgehen, exire domo, cubiculo, gegenüber dem eingehen, daher ausgehn und eingehn formelhaft verbunden (s. DWB aus I, 3);

drei heller kummen ein, sechs heller gehen aus.
Logau 2, 3, 6.

Ruben gieng aus (dem hause). 1 Mos. 30, 14; heute seid ir ausgangen. 2 Mos. 13, 4; ich bin ausgangen, das ich dir widerstehe. 4 Mos. 22, 32; als er wieder ausgieng (nach der krankheit). Mathesius 18a; ausgehen, lustwandeln, spazieren gehn, mhd. sich ergân (Ben. 1, 472a); die mutter liesz das mädchen nur

[Bd. 1, Sp. 869]


selten ausgehn. das vieh, die herde geht aus, wird ausgetrieben. weisth. 2, 272. die eier gehen aus (der schale), excluduntur, vgl. DWB ausfallen 2. Oft ist der ort ausgedrückt, von welchem, oder der wohin ausgegangen wird: von dem hause, schiffe, walde, berge ausgehen, in das land, in die stadt, an das feld ausgehen; und solt in sieben tagen nicht ausgehen von der hütten. 3 Mos. 8, 33. die praep. zu kann, ihrer art nach, dabei bald das her, bald das hin bezeichnen: da ich ausgieng zum thor. Hiob 29, 7; ich bleib stille und gieng nicht zur thür aus. 31, 34; was zum munde ausgehet, das verunreiniget den menschen. Matth. 25, 11; bis das euch zur nasen ausgehe und euch ein ekel sei. 4 Mos. 11, 19; gieng er aus zu seinen brüdern. 2 Mos. 2, 11; der flötz gehet zu tage aus; die (kohlen) lager gehen häufig zu tage aus. Göthe 25, 326. die seele, der athem gehet ihm aus, gehet aus dem leibe, munde: da ir aber die seele ausgieng, das sie sterben muste. 1 Mos. 35, 18; das er nicht ehe speise den hungrigen, kleide den nackenden, sie komen denn in die letzte not, das inen die seel ausgehet. Luther 1, 50a;

bis dem weidman die seel ausgieng.
H. Sachs II. 4, 55a;

etlichen (kranken) gehet, wann sie also under den andern im gedreng auf dem wagen sitzen, die seel aus, ehe sein die andern gewahr werden. Kirchhof mil. disc. 118; es ist kein wunder, dasz einem heftig verliebten die seele ausgehet. pers. rosenth. 5, 4; dasz ihm gleichsam leben und athem ausgehen würde. Göthe 20, 197. der weg war so leimig, dasz ihr die schuhe (von den füszen) ausgiengen; die stiefel gehn leicht aus, lassen sich bald ausziehen;

am untern steilen abhang gehn dem pferde
die letzten schmalen klippenstufen aus,
es stürzt herunter.
Göthe 9, 257.

der weg gehet von dem berg aus; ir weg gehet beseid (beiseits) aus, sie tretten aufs ungebente und werden umbkomen. Hiob 6, 18. das feuer geht aus, bricht aus, schlägt aus dem schornstein: ob sich durch unglück zutrüge, dasz ein fewr ausgienge. Reutter kriegsordn. 41; in den weisthümern heiszt es häufig: die schöffen gehn aus, um an einem vom gericht abgelegnen ort zu beratschlagen. Die ältere sprache setzte den auf ausgehn, wie das einfache gehn, folgenden inf. gern ohne zu: ein jäger gieng aus jagen, ein knabe gieng aus baden;

und er wolt ausgan weiben.
Uhland 274;

doch Luther und Fischart erlassen sich zu nicht: er war ausgegangen zu beten auf dem felde. 1 Mos. 24, 63; sie giengen aus künstliche werk zu beschawen. Garg. 186b.
2) beachtenswerth ist die verknüpfung des ausgehens mit den adj. frei, leer, los und einigen participien: im siebenden jar sol er frei ledig ausgehen. 2 Mos. 21, 2; und sol nicht los ausgehen im halljar. 3 Mos. 25, 30; denn er sol von dir los ausgehen und seine kinder mit im. 3 Mos. 25, 41; da ward Jonathan und Saul troffen, aber das volk gieng frei aus. 1 Sam. 14, 41; und was soll ich haben, sagt die dritt, solt ich lär ausgehen? Garg. 131b;

ists wahr, dasz sich das herz auf solche sprach versteh,
wie kommts denn, dasz ich leer mit meiner glut ausgeh?
Gryphius 1, 667;

wenn ich ihm zehn stelle, läszt er mich frei ausgehen. Schiller 118; du sollst frei ausgehen, wie die weite luft. 137; und ich werde, wie es scheint, leer ausgehen, sagte Laertes. Göthe 18, 157; der fürchterlichste streich ist leer ausgegangen. Kant 8, 127; damit einer zalet und umbkeme und die andern one entgelt und ungestraft ausgiengen. Mathesius 72b;

wie aber geht es dem für so genossen aus?
Canitz;

doch da ich dieses in dem werke des Marmontels nicht finde, so kann ich es zufrieden sein, dasz man ihm auch jenes nicht für genossen ausgehen läszt. Lessing 7, 152;

wart nur das geht dir nicht so ungenossen aus.
Göthe 7, 94.

mhd. ir habet mich geschoʒʒen
und gât sie genoʒʒen.
Walth. 40, 33;

hêr, mir tuot immer wê,
sol ers genoʒʒen scheiden hin. Parz. 290, 9;

noch gêt er under iu genoʒʒen,
der got selben ane vihtet. Servat. 1022;

unt varent si genoʒʒen hinnen,
daʒ wil ich iemer gote chlagen. Rol. 300, 24.

genoʒʒen gân, varn, scheiden wird jenem ungestraft, unentgolten ausgehn entsprechen; verstand Göthe die alte redensart, so muste er schreiben, das geht dir nicht für genossen aus, denn

[Bd. 1, Sp. 870]


ungenossen gibt hier keinen oder falschen sinn, er meinte etwa: das sollst du noch zu genieszen kriegen. genoʒʒen aber bedeutete einen der genossen, d. h. geweidet, gegessen hat, der sich satt, behaglich fühlt und die verbotene weide ungestraft verläszt, während ein andrer dafür büszt. mehr unter genieszen.
Eines dinges ausgehen war sonst sich seiner entledigen, es von sich weisen, abthun: einem des streites ausgehn, ihm den kampf abschlagen; des gutes ausgehen, es versäumen, aus der hand lassen. weisth. 2, 406; einem (eines) mit recht auszgeen. Chmel Maximilian no 156 s. 178.
3) ausgehn lassen heiszt in die welt, ans licht geben, bekannt machen: und das urteil gieng aus, das man die weisen tödten solte. Dan. 2, 13; so lasz man ein königlich gebot von im ausgehen. Esth. 1, 19; da gieng eine rede aus unter den brüdern. Joh. 21, 13; so nu gott sein heiliges evangelium hat aus lassen gehen. Luther 3, 60b; dasz eine rede ausgangen sei unter etzlichen meinen widersachern. Schuppius 800; ein schreiben von seinem herrn ausgangen. Schwarzenberg 149; kurze schrift des ehrwürdigen herrn d. Mart. Luther gezogen aus der vorrede von im selbs gestellt, uber den ersten theil seiner latinischen bücher, im druck ausgangen anno 45. Luther 1, 2b; wiewol ich nu diesen newen zeitungen gern gleube, das sie war sind, bewegen mich doch viel mehr die unfletigen schriften, so die zu Münster haben lassen ausgehen. 6, 317b; ein ganz predigt .. hat dörfen lassen ausgehn. Fischart bienk. 156b; ein büchlein sol ausgehen. Garg. 18b;

weil jetzo in dem truck ausgeht
ein neus betbüchlein schönes drucks.
Ayrer fastn. sp. 22a;

kein schönes buch geht aus, du weist es, eh es kömmt.
Fleming 47;

in seinem schönen lateinischen gedichte, welches nebst andern seinen poematibus ausgegangen. Gryphius 1, 180; im catalogo urbium, der neulich ist ausgangen. pers. rosenth. 8, 57; in einer predigt, die er anno 1578 in truck ausgehen lassen. Schuppius 613; lassen sie doch das recept von ihrer vortreflichen medicin allen kranken weibern zum troste und ihnen zum ruhme im druck ausgehen. Gellert 3, 372; ein dritter buchhändler namens Tryphon, der nemliche durch den Quinctilian sein werk ausgehen liesz. Lessing 8, 489. heute zieht man diesem ausgehen vor erscheinen.
4) ausgehen auf etwas. wir haben ein regul, das ein sach ubel gethan, oder anders dan sichs gehört gethan, oder dieselb gar unterlassen, gleich auf eins ausgehe (auslaufe, hinauslaufe, redeat ad idem). Fischart bienenk. 196a; im parnasso wolten sie das römische reich reformieren, und gienge der schlusz auf petersilien und kirschen aus. Lehmann 102; auf beute, auf abenteuer ausgehn; der wolf geht nachts auf den raub aus; der jäger geht auf den wolf, auf den fuchs aus, geht aus ihn zu jagen; auf den raub ausgehen. Lokman fab. 23; der münzenschmecker, der auf das schöne ausgeht. Herder 14, 152; auf den titel eines philosophen ausgehen. Gotter 3, 66; unser freund, der auf menschenkenntnis ausgieng. Göthe 18, 247; auf einsichten ausgehen. Kant 3, 233; die befugnis auf eine mechanische erklärungsart der naturproducte auszugehen ist an sich unbeschränkt. 7, 296; dasz sie so gar nicht auf schlechte stellen ausgegangen sind. Tieck 9, 176; als ob ein böser geist recht darauf ausgienge. Sternb. 1, 363; ich gehe gar nicht darauf aus ihn zu widerlegen; er gieng dabei auf nichts gutes aus, hatte böses im sinn.
5) ausgehen über einen. aber es wird uber euch endlich ausgehen. Luther 3, 117b; es wird über einen unschuldigen dritten ausgehen müssen. Philander 2, 777;

für die zwen helden mustu sterben,
dein untreu über dir ausget.
Ayrer 292a;

das ungewitter muste über mich ausgehen; dort liegt der bär in fauler ruhe, läszt über sich ausgehen des winters graus. Fr. Müller 1, 22; das unglück gieng über sein haupt aus.
6) von einem ausgehn, davon ausgehn, procedere:

gott vatter von im selbst geziert
in ewigkeit den sun gebiert,
von beiden ausget got der geist,
ir keiner ist der minst noch meist.
Schwarzenberg 154, 2;

das urbild als in gott befindlich und von ihm ausgehend. Kant 6, 293; alles was von jenem merkwürdigen geiste nur ausgieng. Göthe 26, 107; Adam, von dem alle ausgehen.

[Bd. 1, Sp. 871]


Klinger 6, 344; wenn ein mann von verstand einer solchen regierung das wort redet, so kann man immer sagen, er geht von menschenverachtung aus. 12, 219; desto mehr wird er sich von dem satze überzeugen, von dem ich ausgegangen bin. 12, 278; der erste gedanke zum werke gieng von ihm aus.
7) privatives ausgehn, zu ende gehn, aufhören, im gegensatz zum angehen, beginnen. wie wird das ausgehen? Göthe 14, 63; wie das ausgehen wird! immer sorge und kummer, es geht nicht gut aus! 8, 192; es wird unruhig und geht schief aus. 8, 199; da es nicht anders als gut ausgehen kann. Klinger 1, 138; da giengs aus wies schieszen zu Hornberg, und musten abziehen mit langer nase. Schiller 107;

so fahl, so schal, so kahl gehts aus. froschmeuseler am ende;

es wer euch langst pasz ausgangen. fastn. sp. 17, 3;

das euch nit wol ausgehen wird. Luther 3, 119b; wissen aber nicht, wie sawer es wird mit inen ausgehen. 4, 484a; das es nicht zuletzt an iren kindern ausgienge. 4, 528b; ists im wol ausgangen und wird nicht für einen unsinnigen narren, wie alle andere propheten von seinen klüglingen gehalten sein, so ist mirs ein wunder. 6, 165a; drumb wird ir ende auch mit schanden ausgehen. Luthers br. 2, 224; wie denn gemeiniglich grosze köpfe mit wahnsinn oder melancholei geplagt werden, und grosz an- und klein ausgehen. Mathesius 83b; der künig gebot bald, das das übel, das sie wider in gedacht hetten, an inen selbs ausgieng. Frank weltb. 110b; wiewol es an irem hals ausgeet und man dise arme leut nit darum verfolgen soll. 150b; sachen zu keinem ausgehenden guten ende bringen. Schweinichen 2, 38; wie Wernhart und seine gesellen mancherlei anschläg machten den ritter umbzubringen, doch alles widersinns ausgieng. Galmy 165; viele wörter gehn auf ch aus; affectiert setzt man das ge vor die worte und läszt das en zischend ausgehen. Herder 18, 186.
Am einfachsten erscheint dies ausgehn unmittelbar hinter dem nominativ: das jahr geht aus (zu ende, gegenüber dem geht ein); ausgehenden 1569sten jahres (exeuntis). Schweinichen 1, 61; bald ausgehenden 1576 jahres. 1, 171; die faste geht aus. Uhland 86; das licht geht aus, erlischt;

da gehn die lampen aus und riechen übel.
Göthe 11, 364;

eine kranke frau, die die pest unter deine nachkommenschaft bringen wird, dasz alle deine kinder und enkel so in gewissen jahren höflich ausgehen, wie bettlerslämpchen. 10, 101; das öl ist der lampe ausgegangen; dasz ich oft im finstern fuhr, und es in meinem wagen, wenn die laternen zufällig ausgiengen, ganz dunkel war. 23, 82; das feuer geht im ofen ganz aus; im fall so einem nachbauren das feuer ausgienge, dasselb wieder anzünden. weisth. 1, 611; das holz ist wieder ausgegangen (gegensatz von angegangen); die pfeife geht ihm aus; er liesz die pfeife den ganzen tag nicht ausgehn; wir verstehen unter erleuchtung nichts anders als die erleuchtung der guten sonne, und geht uns die aus, so zünden wir lichter an. Klinger 6, 323; der athem, die seele geht aus kann aus 1) auch hierher gezogen werden, weil indem sie aus dem leibe gehn, sie erlöschen, ersterben und an diesem beispiel zeigt sich der nothwendige zusammenhang zwischen der positiven und negativen bedeutung augenscheinlich, jedes ausgehn ist auch ein weggehn, verschwinden; wenn sie nicht immer menschen, männer um sich sieht, ist es als wenn ihr der athem ausgienge. Göthe 23, 135; dasz der wein nit ausgienge. weisth. 3, 757; das haar geht ihm aus, fällt ihm aus, mangelt ihm:

da zog er ohne stocken
den hut vom haupte fein,
und zeigte dasz die locken
ihm ausgegangen sein.
Rückert 207;

das kraut, die blume geht aus, stirbt ab; worauf die bäume verfalben und ausgehen. J. Paul Siebenk. 1, 78;

er sei dem lorheer gleich, und gehe nimmer aus.
Joh. Friedr. Kongehl;

geschlechter und stämme gehen, sterben aus; bei den Thesprotern, wo einst Heracliden geherscht hatten, waren sie schon in jener früheren zeit ausgegangen. Niebuhr 3, 530; wenn sie in ihrer heimat einen sohn zurücklieszen, damit nicht ihr haus ausgehe. 3, 620; den belagerten geht die speise aus; das wildpret war gestern ausgegangen, frisches fleisch sollte der wirt morgen bekommen. Wieland 11, 333; die farbe geht aus, verbleicht; das geld geht aus, ist verthan, mangelt; diese sorte tabak, sagt der krämer, ist mir augenblicklich ausgegangen;

[Bd. 1, Sp. 872]


da ihr und ihren reisegefährten das geld ausgieng. Göthe 18, 150; das gespräch, die unterhaltung geht aus, stockt, ist zu ende; das gespräch gieng bald aus, der graf ward stille. 18, 308; nach und nach aber ermattete das spiel, das gespräch gieng aus. 24, 313; will das gespräch ausgehen, so wird gelesen. 27, 221; ist nun ein verliebtes gespräch auf die bahn gebracht, so lassen sie es nicht so bald ausgehn. Tieck 12, 209; ach nun geht mein traum aus (löst, deutet sich, wird erfüllt). Göthe 42, 279 (vgl. ist aus. 8, 45. 42, 56). Frisch 1, 331c; mhd. wie der troum wolte ûʒ gên. Grieshaber 2, 133; iwer troum wil sich enden (eintreffen, wirklich werden). Flore 1117; das spiel, die comödie geht aus, zu ende; wahrhaftig, rief don Sylvio, dem die geduld ausgieng (risz). Wieland 11, 87; da geht einem der verstand aus, steht still; ein begrif, mit dem ihnen der verstand ausgeht und alles denken ein ende hat. Kant 6, 403; seine kraft geht ihm aus; derjenige, der seine kräfte nicht ungebraucht lasse, könne sich da, wo sie eben ausgehen, wo sie nicht hinreichen, auf den beistand des vaters im himmel berufen. Göthe 15, 200; tugenden, die ihm ausgegangen sind. J. Paul biogr. bel. 1, 45; dasz schon ausartende sitten die noch nicht ausgegangene natürliche tugend in helleres licht setzten. Niebuhr 3, 652; der krieg, der waffenstillstand geht aus; mag der streit ausgehn, wie er will. Tieck ges. nov. 8, 25. ausgehen auf oder in: das wort geht auf ein f aus; die strasze geht in einen winkel aus, exit in angulum; die blätter gehen in zacken aus; der leib geht in einen fisch aus, desinit in piscem.
8) transitives ausgehen erscheint selten, in meistentheils veralteten anwendungen. es bedeutete aussuchen, ausmachen, finden:

o kunig gib mir neur so vil huld,
das ich mir selbs ein paum ausgang,
an dem mich glust, das ich dran hang. fastn. sp. 537, 27;

und die wil mir min liebe tochter Ursula gestorben was, hette ich gern ein andre tochter gehebt, gedacht, wo ich minem sun ein frowen uszgienge. Tho. Plater 109; so vil möglich soll man zu eim landgut ein ort ausgehen, welches weit entlegen seie von sümpfen. Sebiz 10; auch Maaler 42a kennt dieses ausgon und gibt folgende beispiele: so ein jäger das wild ausgat, wo es sein läger habe, vestigare feram; lassend uns wilde schwein ausgon und jagen, insidiemur apris; dem läger ein komlich ort ausgon und erkiesen, deligere castris locum idoneum; einen tag ausgon, explorare diem; gelägne zeit ausgon, occasionem captare; gt wätter ausgon, tempestates captare; ich hab schon ze fliehen ein wäg ausgangen, jam pedum visa est via; ort und platz ausgon und ordnen, wo die heuser ze bauwen seiind, domos sortiri. in den letzten stellen könnte man es fassen als ermessen, ausmessen, richtiger doch vergleicht es sich dem ebenfalls transitiven mhd. ergân, einholen, durchdringen (Ben. 1, 472a), was, nach irgiengin penetrarent (Graff 4, 89) zu schlieszen, auch schon ahd. bestand; der weidmann ergeht das wild = ausgeht es, holt es ein, spürt es auf, und Markolf, der sich einen baum zum galgen sucht, will ihn ergehen, ausgehen. auch ist zu diesem transitiven ausgehen das transitive angehen adoriri (sp. 340) zu halten. Frisch und Stieler führen es nicht mehr auf, das letzte beispiel gewährt Dietrich von dem Werder:

drumb schicket er viel leut umbher, mich auszugehn,
dasz er ertappen mich und hart bestrafen könn. Ariost 9, 45,

vuol, che con l'odio a investigar s'unisca,
come egli m'abbia in mano, e mi punisca.

Frank scheint ausgehn nicht für einholen, aufspüren, sondern in verwandtem sinn für ausmachen, ausschelten zu brauchen: darumb nimpt Paulus gemeinklich, so er das fleisch also uszgeet, vernicht und beschreit, für den affect das fleisch. chron. 363b; die bischof geet er übel ausz, heiszt sie Niclasbischof, wölf. 427a. Auszer dem weidmännischen ein wild ausgehen ist auch noch bergmännisch üblich zu sagen einen gang ausgehn, mit der wünschelrute suchen. Wir nennen ein feld, einen acker ausgehen, ihn mit schritten ausmessen, ermessen:

es steht ein grosz geräumig haus
auf unsichtbaren seulen,
es miszts und gehts kein wandrer aus,
und keiner darf drin weilen.
Schiller 73b.

in anderm sinn, die schuhe, stiefel ausgehen, durch häufiges anziehen austreten und bequem machen.
 
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ausgeifern, effundere salivam: die newen zeloten, so iren unzeitigen eifer wider unschuldige und wolverdiente leut

[Bd. 1, Sp. 873]


mit unverstand entbrinnen lassen und ausgeifern. Mathesius 110a; mit seinem ausgegeiferten speichel. Lohenst. Arm. 2, 1409; der welsche theist hat sich wie ein kind den brei ins maul schmieren lassen, um selbigen wieder auszugeifern. Hamann 4, 3, 208.
 
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ausgeigen, was ausfiedeln.
 
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ausgeiseln, flagellare: also wird der alte hund menniglich ausgegeiselt, von den buben getreten. Kirchhof wendunm. 55b; bei straf des ausgeiselens und verweisung. Reutter kriegsordn. 13.
 
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ausgeizen, vites pampinare, den reben die unnützen ranken und blätter ausbrechen, ausschneiden.
 
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ausgeizen, finem facere avaritiae: wann wird der mann einmal ausgeizen?
 
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ausgelächter, n. irrisio: für alle ihre mühe und lust das ausgelächter und wolgönnen darüber haben. Simpl. 1, 131.
 
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ausgelände, n. in der Schweiz, das zu einem grundstück gehörige garten- und wiesenland.
 
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ausgelassen, dissolutus, intemperans. noch nicht bei Luther. antwortet die ander, gar ein ausgelassene schälkin. Kirchhof wendunm. 333b;

was? lust hinein zu springen?
du must doch ausgelassen sein.
Gellert 1, 203;

dasz alle ausgelassene leidenschaften sonderlich aus öffentlichen werken der kunst verbannt waren. Winkelmann 4, 153; die furcht den ausgelassenen Hippias zu einer allzu scharfen rache zu reizen. Wieland 1, 299; eine ausgelassene und allein auf befriedigung ihrer leidenschaften erpichte jugend. 2, 247; so ausgelassen und schmutzig die gemählde sind, welche uns der genievollste, witzigste und verständigste aller possenschreiber, Aristophanes, von den frauen zu Athen macht. 2, 235; ungeschliffen und ausgelassen in ihren sitten. 7, 314; das kleine bucklige ungeheur war vor freude ganz ausgelassen. 11, 194; in dem ausgelassenen vergnügen nöthigte er ihm das versprechen ab. Hippel lebensl. 4, 226; Philine freute sich recht ausgelassen darauf. Göthe 18, 279; die kinder sprangen und sangen fort, und besonders war Mignon ausgelassen, wie man sie niemals gesehen. 19, 211; Friedrich, der ausgelassene mensch. 20, 301; thorheiten ausgelassener jünglinge. 24, 166; manchmal misfällt mir nicht ein lustiger abend mit freunden, selbst ein ausgelassener. 36, 58; ihr ausgelassener hohn. Gotter 1, 408; die ausgelassene freude. Kant 10, 280;

gerne folgt
der ausgelasznen lustigkeit ein übel.
Platen 199.