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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gassenhauer bis gassenkauf (Bd. 4, Sp. 1449 bis 1451)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassenhauer, m.
1) gleich gassentreter, gassengänger, s. d.: wer aber mit leichtfertigen buben und gassenhauern, welche nichts als des abends auf der gassen schreien und plöcken können, umgehet, der musz auch hernach dem büttel zur dempze folgen. Mathesius Syrach 1, 52a (zu dempze s. temnitz f. gefängnis Schm.2 1, 543, Frisch 2, 368b); ein fauler gassenhauer kömpt auf eine zeit zu einem wagner, spricht ihn umb eine zehrung an .. Matthäus Hammer histor. rosengarten Zwickau 1654 s. 178. es erklärt sich aus hauen (s. d. 13) als kraftwort für laufen, vergl. hau hin kräftig gleich far hin, fahr wol Weim. jahrb. 2, 112. 116, s. aber auch unter 3, a zuletzt. vgl. DWB gassenhauierer.
2) als tanz: da sie aber anfiengen zu gumpen, dasz der ganze bau zitterte, weil man eben einen trollichten gassenhauer aufmachte .. Simpl. 1, 111 Kurz (1, 34); wie derselbe creisztanz nun zu ende, so baten sie alle, ich solte mich doch im tanzen alleine sehen lassen .. ich war her und gab den spielleuten 2 ducatons und sagte: allons ihr herrn, streicht uns einmal den Leipziger gassenhauer auf ... nachdem ich den Leipziger gassenhauer nun auch weggetanzt hatte .. Schelmufsky 1, 110. ein gassenhawer gedruckt z. b. bei H. Neusidler ein newgeordnet künstlich lautenbuch Nürnb. 1536 1. th. x 1a, es ist ein tanz im dreitheiligen takte (L. Erk). noch östr. in Wien aufhauen als kraftwort für tanzen Schm. 1, 130, eigentlich wol vom stampfen des taktes. also gassenhauer eig. ein tanz auf der gasse, der tanz selbst wie die tanzweise. von der altherkömmlichen sitte auf der gasse zu tanzen, statt in den häusern, s. z. b. im Augsb. stadtb. s. 257.
3) lied auf der gasse gesungen, volkslied, zuerst von Maaler verzeichnet: gassenhauwer, ein gemein und schlächt gassenlied, carmen triviale. 157c.
a) es musz ursprünglich eine bestimmte art gewesen sein, wie sie z. b. auch H. Sachs dichtete, denn als er im jahre 1567 den vorrat seiner gedichte nachsah, fand er u. a. auch

psalmen und ander kirchengsäng,
auch verendert geistliche lieder,
auch gassenhawer hin und wider,
auch lieder von krieges geschrei,
auch etlich bullieder darbei. 5, 414c (1, 10 Göz, 2, 246 Tittm.);

dasz es ein kunstname war, zeigt auch der titel von liedersammlungen, wie gassenhawer und reuterliedlein (Uhland volksl. 979. 1011), gassenhawer, reuter und bergliedlein, christlich ..

[Bd. 4, Sp. 1450]


und sittlich verendert (Gödeke grundr. 198), bei Egenolph in Frankfurt erschienen gassenhawerlein (Uhland 979, Göd. 124). selbst in die kirche waren sie gedrungen, denn Mathesius z. b. berichtet in der chronica von Joachimsthal (anh. zur Sarepta t 1b) z. j. 1546: Nickel Haldeck organist, bei dem seind die gassenhawer aus der kirchen kommen, er schaffte sie ab. Von welcher art sie eigentlich waren, ist noch nicht untersucht, die benennung wird von der bed. 1 herrühren, als lieder wie sie besonders solche nächtliche gassengänger sangen (s. u. gassatim 2, a), aber auch als tanzlieder brauchbar und gebraucht, vielleicht nächtliche liebesabenteuer darstellend. im erstern sinne gibt es noch Stieler 788 an, als cantilena quaedam vulgaris quae noctu vicatim cantatur, noch von Steinbach 1, 707 wiederholt; auch bei Frisch 1, 322c noch ebenso, nur dasz er das hauptgewicht auf das spielen legt: »ein schlechtes musicalisches stück, welches man oft auf den gassen des nachts hintereinander spielt, carmen triviale quod instrumentis musicis centies vicatim noctu repetunt«, s. 423c mit dem zusatze 'meistens bei studenten', die gassengänger nahmen gern spieler mit auf ihren nachtgängen oder spielten zugleich selber. Eine studentische probe aus dem j. 1685 steht bei Hoffmann v. Fall., findlinge s. 89, von ziemlich mislichem inhalt, doch ausdrücklich noch ans gassaten gehn angeschlossen: sonderlich aber sungen sie folgenden gassenhauer:

rapsa he, rapsa he, lustig, mein müthchen,
nur immer courage!
sa sa viva, pourre, pourre, hop he!
der sperling ist ein wunderthier,
er geht des nachts cassaten u. s. w.

vergl. übrigens das hauen in die pflastersteine mit dem degen (Frisch 1, 423a), das von den gassierenden studenten unter gassatim 2, b erwähnt wird, und an das auch Frisch 1, 423c dachte (vgl.gassenwetzer); s. dazu gassenhauieren.
b) als man im vorigen jahrh. von kritischer oder ästhetischer seite auf den wert der volksmäszigen lieder aufmerksam wurde, ist, ehe volkslied in gang kam, neben gassenlied (s. d.) auch gassenhauer so gebraucht worden: dasz er (Urfey) in den so genannten gassenhauern, die man in Engelland ballads nennet (vergl. Ludwig unter gassenlied), ein desto gröszerer meister gewesen. J. J. Spreng anm. zu Drollinger 235; in jener absicht hat öfters mein ohr in der abenddämmerung dem zauberschalle der balladen und gassenhauer unter den linden des dorfs, auf der bleiche und in den spinnstuben gelauscht. Bürger im deutschen museum 1776 s. 447 (weim. jahrb. 6, 91); unsere tage, die nur im politischen enthusiasmus etwas tüchtiges, allgemein einschneidendes gewirkt, haben auch nur éinen tüchtigen gassenhauer, den Marseiller marsch, hervorgebracht. Heidelberger jahrb. 1809 1, 231, in einer recension des wunderhorns (weim. jahrb. 2, 265).
c) aber der geringschätzige klang behielt die oberhand: während die politischen müsziggänger sich darüber zanken werden .. wird der pöbel ein paar flüche zwischen den zähnen murmeln, seinen gassenhauer anstimmen und — bezahlen. Wieland 2, 322 (Agath. 10, 7); er wuszte sich etwas damit, stark in gassenhauern zu sein. 6, 131 (gold. sp. 1, 5); von allerlei gassenhauern, samt einigen abgestandenen kirchenhauern. Voss im morgenbl. 1808 nr. 283 s. 1129 (über den 1. bd. des wunderhorns); möchten sie mir wol die partitur von ihrem 'wol auf cameraden' zuschicken? ich finde sie nicht, eben da sie für diesen winter einstudiert werden und den alten gassenhauer vertreiben soll. Göthe an Zelter nr. 55, von der zur volksweise gewordenen Zahnschen composition des Schillerschen reiterliedes (vgl. Göthe 46, 266); jener war mehr eine horazische satire, dieser mehr ein aristophanischer gassenhauer. J. Paul Siebenk. 1, 32 (44). jetzt versteht man darunter meist ein rohes volkslied, aber daneben lebt noch der eigentliche begriff wie ihn Göthe braucht und wie ihn Rädlein 321b angibt: 'canzone volgare ch' ogn' uno sa, chanson du Pont neuf, vaudeville', d. h. lied oder liedweise wie sie von zeit zu zeit neu auftauchend in allgemeine gunst kommen, daher auch auf der gasse herschend.
 
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gassenhauerchen, n. gleich gassenhauer mit traulicher oder geringschätziger verkleinerung: dasz man dich wie ein gassenhauerchen auf allen bänken sänge (vgl. DWB bänkelsänger). Fr. Müller 3, 204.
 
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gassenhauerlein, n. ebenso, s. unter DWB gassenhauer 3, a.
 
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gassenhauieren, verb. zu gassenhauer, als gassenhauer (1) nächtlich umherschweifen, gassatim gehn: (niemand findet) studenten die nicht lieber vagieren, gassenhawieren und hoffieren dann studieren. Fischart groszm. 54 (Sch. 587), das singen oder spielen von gassenhauern ist eingeschlossen.

[Bd. 4, Sp. 1451]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassenhauierer, m. subst. zum vorigen, gleich gassenhauer 1: sänger, hofierer, gassenhawierer, seitenspieler. Fischart groszm. 90 (Sch. 618).
 
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gassenhauptmann, m. ein verpflichteter bürger, der die aufsicht über die polizei in dem ihm angewiesenen stadtviertel hat, auch gassenmeister. Adelung, vgl. Ludwig 693 (polizei in weiterem sinne als jetzt), z. b. in Augsburg im 18. jh., noch jetzt in Bamberg (Birlinger Augsb. wb. 182a); wegen des begriffs vgl. unter gassenmeister.
 
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gassenhistoriker, m.: wie ritter Michaelis denen, die nach dem orient reisen, wichtige fragen mitgab, so zeigen stadt- und gassenhistoriker ihren kindern die erheblichern historischen lücken an, die sie in fremden häusern auszufüllen haben. J. Paul paling. 1, 55; vgl. gassengeschichte.
 
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gassenhure, f. 'eine hure welche ihr gewerbe auf den gassen treibt' Adelung, 'die gassenjungfer, a street-walker, a common strumpet' Ludwig 693.
 
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gassenjunge, m. gleich gassenbube ( Campe): die galante welt gewöhnt sich zwar ohne stiefeln zu reiten, allein, weil ich gern bei tage reite, so steht zu befürchten, die herren gassenjungen möchten mir bei meiner ungestiefelten cavalcade mit einem verächtlichen faustrunda eine ziemliche feldlänge das geleite geben. D. Stoppe ged. 1, 71; sonst deuten krämer und gassenjungen mit fingern auf euch. Schiller räub. 1, 1; ein gassenjunge begegnete ihm, und der gute knabe versah es und trat ihm auf den fusz. dummer junge! sagte dieser, hundejunge! u. s. w. Salzmann Conrad Kiefer 173. dazu gassenjungenwitz u. ähnl.
 
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gassenjungfer, f. ambulatrix, concursatrix, spazierjungfer. Stieler 547; vgl. unter gassenhure.
 
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gassenkauf, m. handel, verkauf auf der gasse, in Augsburg war stich- und gassenkauf bei der schusterzunft verpönt Birlinger 182a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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