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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gassengänger bis gassenhauerlein (Bd. 4, Sp. 1448 bis 1450)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassengänger, m. von leuten die gassatim gehn (s. sp. 1434): 'von gassengengern'. wer auch des abents auf der

[Bd. 4, Sp. 1449]


gassen fur odder nach laut der bierglocken in unformlichen geschrei und unzimlichem wesen befunden und ergriffen wirt .. landgr. Philipps reform. B ijb; von gassengengern und nachtschreiern handelt auch art. 28 der Frankenhäuser stat. v. 1534, s. Michelsens rechtsd. aus Thür. 490. s. auch gassengehen.
 
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gassengehen, n. das treiben der gassengänger: des gassengehens und nachtgeschreis ist ja, gott lob, nicht sonderlichs, wie es vor zeiten gar gräulich gewest. Luther br. 4, 694. vgl. DWB auf der gassen gehn in gleichem sinne unter gassentreter.
 
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gassengericht, n. öffentliches gericht auf der gasse, schwäb., z. b. die markgrafen von Burgau hatten in dem flecken Elze das gassengericht (Haltaus 586, Schmid schwäb. wb. 221), die Fugger in Hausen (Birlinger Augsb. wb. 447a); auch schweiz., z. b. in Appenzell, vom landwaibel in publico compito abgehalten, s. Haltaus 586, Tobler 213b.
 
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gassengesang, m.
1) gesang auf der gasse: als die currende .. den herkömmlichen bettel- und gassengesang anstimmen und durchfugieren wollte. J. Paul Sieb. 1, 47.
2) für volkslied, vor dem aufkommen dieses ausdrucks (durch Herder 1773): eine grosze sammlung alter englischer gassengesänge. Hagedorn 3, x anm. 19 (oden und lieder 1747 s. xvii), für engl. ballads; vgl. DWB gassenhauer, DWB gassenlied.
 
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gassengeschichte, f. geschichte einer gasse oder in einer gasse, s. J. Paul paling. 1, 60.
 
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gassengeschrei, n.
1) geschrei auf der gasse Kirsch 2, 129b: unzeitliche dänz, rockenlied, gassengeschrei verboten, s. Schm. 3, 44, wol nächtliches, vgl. u. gassengänger, gassenruf.
2) fama, fabula, rumor Maaler 157c, Henisch 1364, das laute reden der leute auf der gasse, gerücht (vgl. unter gasse II, 3, g): ein gassengeschrei daraus machen. Joh. Sommer ethnogr., s. u. fleischscharre; vgl. geschrei selbst als gerücht, auch folg.
 
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gassengeschwätz, n. dasselbe, 'ein überall verbreitetes gerede, besonders ein leeres geschwätz' Tobler 213b; s. auch gassenrede, gassenmärlein.
 
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gassenhandwerker, m. handwerker der auf der gasse arbeitet, wie steinmetzen, maurer, s. Schm. 2, 73, aus Nürnberg.
 
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gassenhauer, m.
1) gleich gassentreter, gassengänger, s. d.: wer aber mit leichtfertigen buben und gassenhauern, welche nichts als des abends auf der gassen schreien und plöcken können, umgehet, der musz auch hernach dem büttel zur dempze folgen. Mathesius Syrach 1, 52a (zu dempze s. temnitz f. gefängnis Schm.2 1, 543, Frisch 2, 368b); ein fauler gassenhauer kömpt auf eine zeit zu einem wagner, spricht ihn umb eine zehrung an .. Matthäus Hammer histor. rosengarten Zwickau 1654 s. 178. es erklärt sich aus hauen (s. d. 13) als kraftwort für laufen, vergl. hau hin kräftig gleich far hin, fahr wol Weim. jahrb. 2, 112. 116, s. aber auch unter 3, a zuletzt. vgl. DWB gassenhauierer.
2) als tanz: da sie aber anfiengen zu gumpen, dasz der ganze bau zitterte, weil man eben einen trollichten gassenhauer aufmachte .. Simpl. 1, 111 Kurz (1, 34); wie derselbe creisztanz nun zu ende, so baten sie alle, ich solte mich doch im tanzen alleine sehen lassen .. ich war her und gab den spielleuten 2 ducatons und sagte: allons ihr herrn, streicht uns einmal den Leipziger gassenhauer auf ... nachdem ich den Leipziger gassenhauer nun auch weggetanzt hatte .. Schelmufsky 1, 110. ein gassenhawer gedruckt z. b. bei H. Neusidler ein newgeordnet künstlich lautenbuch Nürnb. 1536 1. th. x 1a, es ist ein tanz im dreitheiligen takte (L. Erk). noch östr. in Wien aufhauen als kraftwort für tanzen Schm. 1, 130, eigentlich wol vom stampfen des taktes. also gassenhauer eig. ein tanz auf der gasse, der tanz selbst wie die tanzweise. von der altherkömmlichen sitte auf der gasse zu tanzen, statt in den häusern, s. z. b. im Augsb. stadtb. s. 257.
3) lied auf der gasse gesungen, volkslied, zuerst von Maaler verzeichnet: gassenhauwer, ein gemein und schlächt gassenlied, carmen triviale. 157c.
a) es musz ursprünglich eine bestimmte art gewesen sein, wie sie z. b. auch H. Sachs dichtete, denn als er im jahre 1567 den vorrat seiner gedichte nachsah, fand er u. a. auch

psalmen und ander kirchengsäng,
auch verendert geistliche lieder,
auch gassenhawer hin und wider,
auch lieder von krieges geschrei,
auch etlich bullieder darbei. 5, 414c (1, 10 Göz, 2, 246 Tittm.);

dasz es ein kunstname war, zeigt auch der titel von liedersammlungen, wie gassenhawer und reuterliedlein (Uhland volksl. 979. 1011), gassenhawer, reuter und bergliedlein, christlich ..

[Bd. 4, Sp. 1450]


und sittlich verendert (Gödeke grundr. 198), bei Egenolph in Frankfurt erschienen gassenhawerlein (Uhland 979, Göd. 124). selbst in die kirche waren sie gedrungen, denn Mathesius z. b. berichtet in der chronica von Joachimsthal (anh. zur Sarepta t 1b) z. j. 1546: Nickel Haldeck organist, bei dem seind die gassenhawer aus der kirchen kommen, er schaffte sie ab. Von welcher art sie eigentlich waren, ist noch nicht untersucht, die benennung wird von der bed. 1 herrühren, als lieder wie sie besonders solche nächtliche gassengänger sangen (s. u. gassatim 2, a), aber auch als tanzlieder brauchbar und gebraucht, vielleicht nächtliche liebesabenteuer darstellend. im erstern sinne gibt es noch Stieler 788 an, als cantilena quaedam vulgaris quae noctu vicatim cantatur, noch von Steinbach 1, 707 wiederholt; auch bei Frisch 1, 322c noch ebenso, nur dasz er das hauptgewicht auf das spielen legt: »ein schlechtes musicalisches stück, welches man oft auf den gassen des nachts hintereinander spielt, carmen triviale quod instrumentis musicis centies vicatim noctu repetunt«, s. 423c mit dem zusatze 'meistens bei studenten', die gassengänger nahmen gern spieler mit auf ihren nachtgängen oder spielten zugleich selber. Eine studentische probe aus dem j. 1685 steht bei Hoffmann v. Fall., findlinge s. 89, von ziemlich mislichem inhalt, doch ausdrücklich noch ans gassaten gehn angeschlossen: sonderlich aber sungen sie folgenden gassenhauer:

rapsa he, rapsa he, lustig, mein müthchen,
nur immer courage!
sa sa viva, pourre, pourre, hop he!
der sperling ist ein wunderthier,
er geht des nachts cassaten u. s. w.

vergl. übrigens das hauen in die pflastersteine mit dem degen (Frisch 1, 423a), das von den gassierenden studenten unter gassatim 2, b erwähnt wird, und an das auch Frisch 1, 423c dachte (vgl.gassenwetzer); s. dazu gassenhauieren.
b) als man im vorigen jahrh. von kritischer oder ästhetischer seite auf den wert der volksmäszigen lieder aufmerksam wurde, ist, ehe volkslied in gang kam, neben gassenlied (s. d.) auch gassenhauer so gebraucht worden: dasz er (Urfey) in den so genannten gassenhauern, die man in Engelland ballads nennet (vergl. Ludwig unter gassenlied), ein desto gröszerer meister gewesen. J. J. Spreng anm. zu Drollinger 235; in jener absicht hat öfters mein ohr in der abenddämmerung dem zauberschalle der balladen und gassenhauer unter den linden des dorfs, auf der bleiche und in den spinnstuben gelauscht. Bürger im deutschen museum 1776 s. 447 (weim. jahrb. 6, 91); unsere tage, die nur im politischen enthusiasmus etwas tüchtiges, allgemein einschneidendes gewirkt, haben auch nur éinen tüchtigen gassenhauer, den Marseiller marsch, hervorgebracht. Heidelberger jahrb. 1809 1, 231, in einer recension des wunderhorns (weim. jahrb. 2, 265).
c) aber der geringschätzige klang behielt die oberhand: während die politischen müsziggänger sich darüber zanken werden .. wird der pöbel ein paar flüche zwischen den zähnen murmeln, seinen gassenhauer anstimmen und — bezahlen. Wieland 2, 322 (Agath. 10, 7); er wuszte sich etwas damit, stark in gassenhauern zu sein. 6, 131 (gold. sp. 1, 5); von allerlei gassenhauern, samt einigen abgestandenen kirchenhauern. Voss im morgenbl. 1808 nr. 283 s. 1129 (über den 1. bd. des wunderhorns); möchten sie mir wol die partitur von ihrem 'wol auf cameraden' zuschicken? ich finde sie nicht, eben da sie für diesen winter einstudiert werden und den alten gassenhauer vertreiben soll. Göthe an Zelter nr. 55, von der zur volksweise gewordenen Zahnschen composition des Schillerschen reiterliedes (vgl. Göthe 46, 266); jener war mehr eine horazische satire, dieser mehr ein aristophanischer gassenhauer. J. Paul Siebenk. 1, 32 (44). jetzt versteht man darunter meist ein rohes volkslied, aber daneben lebt noch der eigentliche begriff wie ihn Göthe braucht und wie ihn Rädlein 321b angibt: 'canzone volgare ch' ogn' uno sa, chanson du Pont neuf, vaudeville', d. h. lied oder liedweise wie sie von zeit zu zeit neu auftauchend in allgemeine gunst kommen, daher auch auf der gasse herschend.
 
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gassenhauerchen, n. gleich gassenhauer mit traulicher oder geringschätziger verkleinerung: dasz man dich wie ein gassenhauerchen auf allen bänken sänge (vgl. DWB bänkelsänger). Fr. Müller 3, 204.
 
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gassenhauerlein, n. ebenso, s. unter DWB gassenhauer 3, a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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