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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gart bis gärtel (Bd. 4, Sp. 1381 bis 1386)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gart, m. stimulus, treibstecken, aber auch gerte, und auch f.
1,
a) nhd. im erlöschen; im voc. 1482 gart, stiga (aus instigare genommen), stimulus, aculeus k ijb, garth ff 5b (durch druckfehler garch z 7b), auch in älteren voc. des 15. jh. gart stimulus Dief. 553a, nov. gl. 348b; später nur noch bei Maaler 157b der gart, stupfrt, stimulus, daher bei Henisch 1359 u. a. (Dief. 553a). Doch landsch. noch heute, schweiz. gart m. lange gerte (vgl. 2) womit man die ochsen z. b. beim pflügen zur arbeit peitscht Stalder 1, 425; aber der gart dient urspr. nicht zum peitschen, sondern zum stupfen, stoszen, stacheln (vgl. DWB stachel unter 2, a). so noch in den sog. cimbrischen sprachinseln im nördl. Italien gart m., stachel zum treiben des lastthieres Schmeller 124a.
b) mhd. war es vielgebraucht (s. die wbb.), als treibstecken des pflügers, viehtreibers, auch bildlich, z. b.:

die vürsten hânt der esele art,
si tuont durch nieman âne gart. Freid. 73, 1;

ahd. gart, cart stimulus, aculeus Graff 4, 255, pl. gartâ, mhd. garte.
c) aber wirklich auch für gerte (wie schweiz. unter a): drîʒic slege mit einem grüenen eichînen garte, der zweier oder drîer dûmellen lanc sî. Schwabensp. 149, Deutschensp. 115, im Ssp. als fem. mit êner grônen êkenen gart II, 16, 4 (vergl. 2, b). in Kärnten gàrte (gerte) masc., dünner ast zum treiben des viehes Lexer 113.
d) damit erklärt sich auch das merkwürdige wîngart, sonst neben wîngarte gleich weinberg (s. DWB garten I, 2, b) in der bed. wein stock: vitis, wingart Dief. 624a, auch schwachformig (wie garten rute unter 2, b) wîngarten pflanzen, ziehen, s. Diemer gen. 2, 276b, vgl. 'viticula eyn wijngarden off wijngartplante off stock' gemma Cöln 1511 AA 2b (das -en demin., s. küchlein II, 2, a); auch ags. wîngeard vitis (var. wîngeord) Bouterwek altnorth. evang. s. 388b; es musz eigentlich der setzling, fächser sein, das geschlecht wird schwankend gewesen sein wie bei gart. es muszte sich übrigens mit wîngart weinberg mischen, zumal garten auch eine fem. form hatte.
e) bemerkenswert ist die bed. aculeus, eigentlich wol der stachel des treibsteckens für sich, das garteisen (s. d.), vgl. DWB stachel unter 2, a; aber auch vom stachel des scorpions: der lewe fürht den spitzigen gart des schorpen. Megenberg 143, 13. auch mnl. 'aculeus, gart vel hekele' hor. belg. 7, 8a, gaert m. Oudemans 2, 340 mit belegen, als stachel (des todes, des scorpions) und stachelstock.
2) daneben
a) gleichbedeutend gerte f. im 16. jh. und schon früher: stimulus, ein stachel, stupfrt, stupfgerte. Dasyp. 232c,

[Bd. 4, Sp. 1382]


gärt Frischlin nom. 266, gert aculeus Dief. 11a; im 15. jh. gert (auch gerteisen) Dief. nov. gl. 348b, bei Melber y 6a stimulus est id, quo carnifex stimulat vaccam in latus, ut velocius vadat, ein gert (in andern ausg. gart Dief. 553a). noch jetzt z. b. in Luxemburg gêrt f., treibstachel zum treiben der ochsen (auch stange) Gangler 168.
b) mhd. aber erscheint ein starkes fem. gart, sowol für die gerte (wie mnd. unter 1, c) als den treibstecken:

ich bin ze schalkeit ungelârt,
ich kan niur menen (vieh treiben) mit der gart. MSH. 3, 239b;

er hûb ûf die rûte.
dô wîste got der gûte
ein zeichen an der selben gart,
wand si von blaten grûne wart. pass. H. 12, 77;

vgl. tirol. gart f., gerte Schöpf 176, schwachformig 'girten vel garten, virga' voc. inc. teut. i 7b, und bei Graff 4, 256 garte stimulus. s. auch das fem. garte unten.
c) das mhd. gart f. wird gestützt durch ags. geard f. virga, arundo Ettm. 416, noch engl. yard rute, elle.
d) beachtenswert auch gurt in mhd. gurtîsen gleich garteisen: sint ir unz her mit einem rtlin getriben, ir mszent nu ein scharpfes gurtysen han. Scherz 579, vgl. oberbair. ochsengôrt Schm.2 1, 938, dessen ô freilich aus â, a stammen kann (und schweiz. gürten durchprügeln); aber auch altenglisch yurd gleich yard. dabei könnte das i in girten unter 2, b mehr sein als blosz erhöhtes e aus a, ein voc. des 15. jh. bei Dief. 621c gibt neben gart und gert auch girt virga, wie Alberus BB 1a girt flagellum, vgl. engl. gird peitschen, stechen, sticheln, altn. girði n. rute als faszband.
3) weitere verwandtschaft.
a) die goth. form ist, mit der bed. 1, e, gazds m. κέντρον 1 Cor. 15, 55. 56, gazds dauþaus, des todes stachel; das ist wie goth. huzd n. gleich hd. hort, das z als weiches s, das dann in r übergieng. altn. aber gaddr m., gadd n., stachel, sporn, dorn (gadda stacheln, spornen) Fritzner 186a, auch groszer nagel, besonders schiffsnagel Egilsson 217b, älter dän. gadd n. stachel Molbech dansk gl. 1, 270; noch norw., schwed. gadd m. stachel, z. b. der insecten; es ist wie altn. hodd f. schatz gleich goth. huzd, hd. hort.
b) wesentlich aber abweichend engl., und zwar in doppelform: goad treibstecken, stachelstock (to goad stachelnd antreiben), altenglisch goode Stratm. 243, gode stimulus Wright 89b, ags. gâde stimulum 11, gâd 15b; schott. gade, gaud, stecken des ochsentreibers (gadman). Daneben engl. gad jagdpeitsche, spitzes eisen, stock mit eiserner spitze (Halliwell 388a), älter aber gadde, peitsche, rute prompt. parv. 184a, eisenspitze, eisenstab Halliw. 388a, gerusia Wright 202a, also zur nord. form stimmend. Nimmt man dazu das ags. geard rute (2, c), so liegt da in yard, gad, goad eine manigfaltigkeit bei innerer einheit vor, die anderwärts nur in bruchstücken vertheilt erscheint. denn die einheit ist unverkennbar: das prompt. parv. gibt als éins 'gad or gode, gerusia, scutica' 184a; zu unserm garteisen ferner stimmt ags. gâdîsen stimulus (zum ochsentreiben) Wright vocc. 2, 'aculeus sticel vel gâdîsen' 15b (Grein 1, 366 gadîsen); mit geard, yard aber kommt überein nordengl. schott. gad rute, z. b. angelrute, auch meszrute, mhd. meʒgerte gleich meʒruote; anderseits gad mit dem nord. z. b. in engl. gad-nail langer starker nagel gleich altn. gaddr.
c) aber alles geht auf gazds zurück, dessen schwindendes s (z) einmal in r übertrat, daher hd. gart, einmal aber sich theils dem -d anglich, daher nord. gaddr, ags. wol gadd (gad), theils dem vocale, der damit lang wurde, daher ags. gâd, schott. gaud, engl. goad; ebenso schwand solches goth. -z in verlängertem vocale bei mizdô lohn (griech. μισθός) in ahd. mieta, alts. mieda, mêda, ags. aber gleichfalls in doppelform meord und mêd (engl. meed). weiteres, auch auswärtige anklänge s. bei Diefenbach goth. wb. 2, 377 fg., Zeusz gr. celt. 1094.
 
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gart, gard, garde, f. das herumtreiben der herrenlosen landsknechte u. ä.
1) es ist wirklich das franz. garde, wie schon Adelung behauptete und vor ihm Frisch, Stieler u. a. wuszten, Schmellers zweifel erledigen sich eigentlich in der neuen ausgabe von selber durch das später von ihm nachgetragene.
a) den franz. ursprung gibt noch im 16. jahrh. Hans Wilh. Kirchhof, selbst ein alter landsknecht, an, zur erkl. des wortes garthaufen, im 55. cap. des 3. buchs seines Wendunmut (2, 319 fg. Öst.), auch in seiner milit. discipl. 215: ein gwardi nennet man auch bei uns Teutschen nunmehr die anzahl knechte, so etwan in einer festung für und für, ob es gleich fried ist,

[Bd. 4, Sp. 1383]


liegen ... vor zeiten (d. h. in der ersten zeit des landsknechtwesens) auch solche knechte, die zu bewarung des lands unterhalten, hin und wider auf die bauwrn gelegt worden, welche sie mit essen und trinken versehen musten (angeblich auf grund eines kais. privilegiums, s. unter DWB gartknecht), und so bald ein dorf oder ort aufgefressen, wechselten sie das ab für ein anders, da noch backenfutter zu finden (diesz ist das eigentliche auf der gart liegen). hieraus noch die gewonheit erwachsen, dasz die landsknecht, welche keinen herren haben (also einzelne), den vatter *) umb ein zerung (bleibts darbei) oder ein par hüner (gäns legen grosz eier) ansprechen, und hat hiervon den namen auf der gard gesprungen, garden, und die darauf umbziehen, gardbrüder; er fügt als ihr alter kamerad eine mahnung hinzu, darin masz zu halten und lieber zu ihrem handwerk zurückzukehren, denn stätig solches erwerbens gewonen hat geringen unterscheid und vortheil (d. i. vorzug) vom betteln. in der milit. disc. 215 steht gardt, gardtbrüder, aber garden, im wendunm. aber auch gardknecht 3, 107, gardhaufen 2, 324. in Schmellers 2. ausgabe 1, 940 steht gard aus einem briefe vom jahre 1525, von der hand eines Schwaben: es sind in den Niderlanden etwas vi oder viim niderlendisch knecht auf der gard umbgezogen und dienst begert, so man ir aber nit bedorft .. sind si Frankreich zugeruckt u. s. w.; s. auch DWB gard bei Wickram unter 2, b, garde bei Henisch das.
b) das franz. garde (s. d.) wurde, vom hofe Karls des kühnen ausgehend, gegen 1500 im deutschen nordwesten und norden ein beliebter name für ein landsknechtheer, einen kriegshaufen; dabei war die andere bedeutung des franz. wortes, hut, bewachung, wolbekannt (s. z. b. garde 2, a), in dem es denn die landsknechte, gewiss auch und wol zuerst ihre obersten, auf die von Kirchhof bezeichnete aufgabe anwandten: auf der garde liegen, eigentlich auf der wache dem feinde gegenüber oder zur hut eines landstrichs. das auf ist wie heute noch auf der wache, auf seiner hut sein, und da ursprünglich hut, mhd. huote auch im kriegsgebrauch gleich franz. garde war, sagte man gewiss auch auf der hut liegen, das denn in der franz. gestalt fortgesetzt wurde. begreiflich wandten dann auch die einzelnen landsknechte auf ihr herumliegen und lungern bei den bauern das neue vornehme wort an, das eigentlich strategisch gemeint war. Als dann aus Karls V. heere die span. ital. form guardia dazwischen kam, die auch Kirchhof oben mit der franz. wechselnd braucht, gieng auch diese in jene bedeutung über, wie diesz noch aus Schlesien im 17. jh. bezeugt ist: se liget ihr .. uff der qvarde ze lande. Gryphius Dornr. 32 (s. DWB garde am ende), zugleich noch im alten eigentlichen sinne, von einquartierung bei den bauern im gegensatz zur städtischen garnison.
c) nach Frisch 1, 320a hätten übrigens auch die gartenden knechte selber garde sg. oder garden pl. geheiszen: garde, abgedankte soldaten, die andere dienste suchten und im lande herum bettelten; er bringt aus der Jülchischen polizeiordn. s. 9 bei: der streifenden garden und herrnloser knecht halber einsehens haben, wenn da nicht gemeint ist garden- und h. knecht, s. DWB gardenknecht. auch in der gewöhnlichen bed. gibt er 320b auf der garde herum laufen, auf der garde betreten werden, 'bettelei', stipis collectio sive potius extorsio, fortgesetzt bis jetzt in dem fechten (s. d.) der arbeitslosen handwerksburschen, die einst oft zugleich dienstlose landsknechte waren, s. oben Kirchhof.
2) in rheinischem, oberdeutschem munde muszte aber garde zu gard und diesz zu gart werden. das dann auch andere annahmen.
a) auf der gart ist die hauptsächlich gebrauchte wendung, gerade an ihr hieng die alte kräftige bedeutung, die dem landsknechte diente (s. 1, b): die auf der gart streifen, equites, pedites palati. Henisch 1357, 29, zugleich noch im alten kriegssinne; disz haben sie die fromme landsknecht gelehret, die nur gleich auf der gart unten in die keller nach dem wein stürmen. also haben ihnen die bauren darnach die müh (zugleich noch 'ärger') gemacht, dasz sie leitern suchen muszten ... Garg. 133b (Sch. 243, wo auf die gart);

ja in dem läger, auf der gart,
bei junker würfel und der kart ...
da überkömpt manch gut gesell
sein allergröstes ungefell (wunden im streite)
und selten für dem feind im feld.
Ringwald laut. warh. 120 (107);

*) vater nannte der landsknecht den bauer, mutter die bäuerin (wendunm. 3, 108), die ihn mit lieber mein son anredete (Wickram rollw. 65, 13. 24), d. h. es war wie auf der gesellenherberge, vergl. landsknechtherberg Wickram 64, 13.

[Bd. 4, Sp. 1384]


denn welcher kriegsman wolte thun
wie der vergeszne (gottvergessene) Hans von Hun,
der seiner diebschen händel wart,
die bawren lauset auf der gart,
von einem dorf zum andern leuft u. s. w. 15 (13).

wie auf der gart liegen, so auch sich auf die gart legen, z. b. bei Schöpf 177 aus der Tiroler landordn. von 1603: die gartknechte so sich auf die gart legen. dann auch garte, bei einem Norddeutschen: das sie mit ihm hett gessen, was er auf der garte kriegen. Ambr. Pape bettel- und garteteufel Q 3b.
b) gewöhnlich auf der gart umziehen: (arbeitsscheue landsknechte, die) niemals auf den munsterplatz kommen noch erschienen, sondern in unser gnedigsten herren landen auf der gart umbgezogen. Reutter kriegsordn. 71; es haben die frummen lantzknecht, gott verzeich mirs (dem frumm geltend), einen brauch im land und sonderlich im land z Schwaben und auf dem Schwarzwald, das sie winterszeit auf der gard umbzihen, sturmen die armen bauren umb speis u. s. w. Wickram rollw. 64, 1;

S. Peter. wer klopft drausz? sagt balt, wer ir seid!
Hans Latz. ei wir seind gut ehrlich krigsleut,
die auf der gart umbzogen sein,
wolten itzt gern in himmel nein
und zu mittag drinnen essen.
Ayrer fastn. 123b (2952);

er soll nicht ziehen auf der gart
nach der diebischen lauser art.
Philander 2, 746.

Auch kräftiger umlaufen, laufen: auf der garde laufen, vivere ex stipe a rusticis extorta, hortos, pomaria, agros et villas depraedari. Henisch 1357, entlehnt aus Kilian 120b, der es unter gaerde hortus hat, op de gaerde loopen;

du laufst vielleicht umb auf der gart
untern bawern, bist ein landsknecht?
H. Sachs 5, 367c;

denn musz ich laufen auf der gart,
übel essen und ligen hart. 2, 2, 6d;

da loff ein armer lantzknecht hart
zerrissen, frostig auf der gart. 2, 4, 104c;

sonder (wir) laufen selbst auf der gart,
essen oft übl und ligen hart.
Ayrer 2958, 15.

das laufen auch als springen, im witz gesteigert: auf der gard gesprungen. Kirchhof unter 1, a, er kannte es aus eigner erfahrung. ein andrer landsknechtwitz bezeichnete es als ein schiffen im lande herum, s. unter DWB gartsegel.
c) seltener die gart schlechthin u. ä.:

und wenn du (landsknecht) nümmen hast ein herren,
so thst du dich mit bettlen neeren,
verquantests dann (s. gewandsweise), es sei die gart,
damit plagst du die bauren hart. spil wie man die narren von einem beschweren soll (1554) E 2a;

das auch ein junger lantzknecht, so noch nit gar wol gstudiert hatt, im groszen hunger und armt sich mszt der gart behelfen. Wickram rollw. 64, 19. später auch kurz garde gehen Stieler (s. e), wie ähnlich wache stehen.
d) schon im 16. jh. wird es auch einfach mit bettelei als eins behandelt: laufen dauszen auf der gart umb, das z teütsch bettlen heiszt. S. Frank chron. 217b;

betteln hin und her auf der gart. Peter Lewe 273 (weim. jahrb. 6, 433);

dasz er sich auf die gart oder bettelei begeb. Fronsperger kriegsb. 1, 111a; man sol nicht auf dem bettel oder gart umbziehen. 1, 200b, doch alles noch von landsknechten. im 17. jahrh. erscheint es z. b. im Simplicissimus nicht mehr, bestand aber noch in Österreich: alle soldaten und ander umbschwaifent herrnlos gsindel sambt iren weibern sollen durchaus auf der garth nit mehr gestath .. werden. österr. weisth. 1, 62.
e) aber von bettelei überhaupt auch über das landsknechtwesen hinaus; Stieler 2440 gibt so garde gehen (vgl. DWB gartgeher), und noch aus Baiern Schmeller 2, 68 gart gehn, von haus zu haus betteln gehn, auch in oder auf der gart sein, selbst sich auf die gart legen, noch wie in der ersten zeit. österr. bei Höfer 1, 177 'in unserem gebirge heiszt es auf der gard, in der gard sein', gleich auf dem gäu, wol von herumtreibern.
3) in der ursprünglichen bedeutung auf andere verhältnisse angewandt: derselbig (graf) enpfurte ein junge closterfrau zu Heiligcreuztal ... er enthielt sie etliche zeit hin und wider uf der gart seins gefallens. Zimm. chron. 3, 389, indem er sie hie und da wechselnd einquartiert, sodasz sie doch wie ein gartender landsknecht nur eben geduldet ist.
4) s. auch garten (garden, garren), auf der gart liegen, dann gartbruder (gardenbruder, gartenbruder), gartknecht, garthaufe, auch gartsack, gartsturm, gartstreifig, gartläufig.

[Bd. 4, Sp. 1385]



 
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gartbruder, gartenbruder, m. gleich gartknecht.
1) gartbruder, landsknecht der auf der gart umzieht (s. DWB gart f. 2, b), bruder weil sie sich als bruderschaft ansahen und aufführten, wie denn bruder Veit für landsknecht geläufig war: erwuscht den lantzknecht oder gartbrder bei der kartausen ... Wickram rollw. 146, 2 (vorher oft gartknecht); wo denn einer der schlecht frommen gartbrder in ein stuben kumpt .. 64, 9, nachher auch der gt brder Veit 65, 19; einsidler, gartbrüder, nollbrüder. Fischart groszm. 60;

denn jetzund überall gemein
der gartbrüder gar zu viel sein.
Z. Poleus trag. v. d. belag. Samariae B 5;

wie dann auch mit den bettlern, marktschreiern, gartbrüdern gute ordnung zu machen (auf jahrmärkten). Hohberg 1, 53a, hier, wie später überhaupt, über die landsknechte hinaus erstreckt. in nd. fassung gardbruder Schottel 1323, s. Frisch 1, 320b.
2) gleichbed. gartenbruder, gebildet wie gartenknecht (eig. wol gartend bruder, gartend knecht): ich weisz inen (den landsknechten) keine besser namen zu geben als thu kein gut, gartenbrüder, hünerdiebe, marterhanse, wundenknechte ... Pape bettel- und garteteufel O 2b; das die gartenbrüder inen gewalt gethan. O 5a; die aus den söldnerheeren erwachsenen wilden, räuberischen bettlerscharen, die gardenbrüder und zigeuner. Stüve wesen u. verf. 120.
3) später gardebruder Stieler 2440, miles vagabundus, praedo, mendicus, dazu ebend. selbst gardeschwester mendica, praedatrix, aus der zeit des 30jähr. krieges begreiflich (doch vgl. auch unter 4); bei Schmid 221 noch aus der würtemb. almosenordnung von 1724 gardebrüder, umher streifende bettler (auch wurstsammler genannt). in dem garde- ist gart zur franz. form zurückgeführt.
4) gartenbruder aber auch von wiedertäufern, eig. von einer ihrer secten: der widertaufer glauben, der gartenbrueder glauben. Schm.2 1, 939; daraus dann und aus solcher zwispeltiger lehre so mancherlei .. secten und unschickligkeit entstanden were mit widertäufern, sacramentschwermern, bildstürmern und gartenbrüdern und schwestern (also auch gartenschwestern, vgl. u. 3). Luther 5, 105a, aus dem schriftenwechsel zu Augsburg 1530; dasz der gartenbruder Hetzer bei vier und zwenzig ehelicher weiber hatte beschlafen gehabt. Luthers tischr. 326b; ain rat hie hat den merer teil der gartenbrüedern und wiedertäufern die stadt wiederumb erlaubt. Birl. Augsb. wb. 181 aus einer Augsb. chronik; auch allhie in den winkeln und gärten hatten die wiedertäufer versamlungen, daher sie den namen gartenbrüder bekamen. ebend.; dasz die letztere auffassung des namens auch sonst gangbar war, zeigt die übers. hortenses, vgl. Liebknecht de fraternitate hortensium Gieszen 1724; aber es ist urspr. der landsknechtname, wie z. b. folg. zeigt. S. Frank in der 3. chronica in dem capitel von den wiedertäufern erzählt von einer secte: etlich haben die gewissen mit dem spruch verwickelt 'wer nit alles verlaszt, weib, kind, äcker' etc., und so gar manchen mit diser schrift (schriftstelle) gedrungen, das er alles verlassen hat, weib und kind sitzen (lassen) und ins elend zoch ... umbher gartet wie ein geistlicher landsknecht. chron. 1543 2, 199a, übrigens ohne erwähnung des namens der gartenbrüder. — Dazu das adj. gartenbrüderisch, bei Fischart: Platons lacedemonisch gartenbrüderisch weibergemeinschaft. Garg. 63a (Sch. 105), die wiedertäufer hielten zum theil die ehe für einen unrechten zwang, die gartenschwestern vorhin werden frauen sein die auf diese freie ehe eingiengen. s. auch W. Scherer zeitschr. f. d. östr. gymn. 1867 s. 484.
 
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gärtchen, n. kleiner garten, die md. form, älter gertichin, gertechin, das letzte z. b. im 15. jh. in einem mrh. voc. Dief. 402a, gärtichen noch Steinbach 1, 560; aber die oberd. form gärtlein allein geben noch Stieler, Rädlein, Ludwig. niederd. gärdeken Chytraeus 399. beispiele:

mein vater hinterliesz ein hübsch vermögen,
ein häuschen, und ein gärtchen vor der stadt.
Göthe 12, 162;

die kleinlichen lauben und kindischen gärtchenanstalten. 21, 141, versuch von gartenanlagen, wie im kinderspiele; das kindergärtchen des verliebtseins. J. Paul Katzenb. 1, 42. auch kohlgärtchen, krätzegärtchen u. a.
 
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garte, m. hortus, s. DWB garten.
 
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garte, f.? gleich garbe, schafgarbe, in dem vermutlich ersten drucke des voc. inc. t.: gartte oder barbune, millefolium. h iija, in späteren drucken in garbe geändert trotz der alphab. ordnung, in die nur gartte paszt; gestützt wird es durch 'gertel, barbune,

[Bd. 4, Sp. 1386]


millefolium' i ija, das auch andere ausgaben beibehalten bei Dief. 361b (doch in einer auch dafür gerbel g 6b), wie in Kellers voc. Augsb. 1468 millefolium gertel, barbune Dief. nov. gl. 253b.
 
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garte, f. gerte: sehet hie das bündlein garten, versuchet es, ob ir sie könnet brechen. schausp. des herz. Heinr. Julius v. Br. 346 (ungerat. sohn 2, 4), es sind häseln stöcke, wie es nachher heiszt. ebenso schon im voc. inc. teut. garten virga, s. u. gart 2, b sp. 1382, und noch tirol. gart' f. Schöpf 176, vgl. wîngarte weinstock sp. 1381. auch ostfries. garde gerte Stürenburg 66a, nl. garde, gaert f. neben geerde, s. garde im nl. wb.
 
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gärte, pl. s. DWB garten und gart; auch gärte für gerte, s. d., z. b. gärte Henisch 1363, gärten virga Schönsleder S 4a, vgl. das zeitwort gärten. Im folg. für engl. yard gesetzt mit richtiger rückübersetzung durch einen Schwaben (vgl. in Zachers zeitschr. 2, 259): item für sammet zu hosen und wammes 6 gärten und 3 virtel, die gärten 3 kronen ... item ein gärt futterduch u. s. w. Breuning v. Buchenbach 81 fg., in der rechnung für sein ehrkleid, staatskleid als würtemb. gesandter am hofe der königin Elisabeth in England; so nl. een engelsche gaert, s. das nl. wb. unter garde 2.
 
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garteisen, n. das spitze eisen vorn am treibstecken, gart (s. dort): garteysen, stimulus, auch prickel, stechel. voc. 1482 z 7b. ff 5b, gartysen Dief. nov. gl. 348b, wo auch gerteysen aus Kellers voc. rer. Augsb. 1468, wie gert für gart (s. d. 2, a); und sol ein knecht hinder inen (den ochsen) gon, und der sol den gart in der hend haben und sol den tumen uf dem gartysen han und sol den tumen under dem kinne han, ob er schlofen welle, das in das gartysen wecke. weisth. 1, 360; der (ochsenknecht) soll haben einen molen, der iedweder site ein spitz gartisen habe .. so soll er den molen setzen uf sinen fuesz und under sin künne, ob er entschlafe, dasz er in steche. 4, 155. ahd. gartîsarn Graff 4, 256.
 
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gärtel, s. gärtlein.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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