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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gastgebe bis gastgeld (Bd. 4, Sp. 1477 bis 1478)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gastgebe, gastgeb, m. gastwirt.
1) mhd. gastgëbe (s. die wbb.), gebildet wie lîtgebe schenkwirt, eigentlich trankgeber, ahd. wîngebo caupo, gewiss auch schon gastgëbo, denn bezeugt ist das fem. gastgëbâ hospita Graff 4, 124 (vgl. gastgebin). der gastgebe musz aber ursprünglich jeder sein der 'einem fremden gibt' (was er bedarf, vgl. u. gast 5, e, auch herberge 'geben'), wie noch altn. gôðr gestgiafi, ein gastfreier mann Fritzner 200a, Möbius 138, der einen fremden aufnimmt als wirt (s. unter gast 5, c). mhd. z. b.: swenne daʒ ist daʒ man einen ledigen man hie ze burger empfâhte, der .. ensol niht sein in eines gastgeben kost (sondern eigen rauch haben). Nürnb. pol. 14; ob dehein gastgebe wære der heimlîch in sînem hûse von sînen gesten iht în koufte. Meraner stadtr., Haupt 6, 414, die geste sind fremde kaufleute als jahrmarktsgäste, der gastgebe kann jeder bürger sein (s. unter gast 5, c, α). im 13. jh. gastgeben als speisewirte s. unter DWB gast 5, c, β.
2) nhd.: die gastgeben, die gewonliche gastung pflegen, mögen frembden auszwendigen gesten .. die gastsweise bei inen zu herberg ligen, wein geben .. Nürnb. pol. 249; die bei schenken, wirten oder gastgeben in der cost weren. 254, als speisewirte; ein bürger zu Oschitz, ein gastgebe. Luther tischr. 3, 215; ein wirt oder gastgebe. Leipziger ordn. 1544 L 2b; den wirten und gastgeben, die offene gasthöfe halten. das.; sollen jedem offnem gastgeben .. die .. wein durch die umbgelter aufgeschrieben .. werden. würt. umgeltsordn. 1651 s. 5; die offene gastgeben und wirth. 4; im sing. der gastgeb oder wirth 10, eigen aber auch von den offen gastgebwirthen s. 3 in der überschr., und die gastgeben-wirth 9. 11, beide worte vereinigt.
3) später auch in starker beugung: wann die wirth und gastgeb im rath sitzen. Albertinus narr. 229;

sie sollen sich sat drinken und sat essen,
und dankbar .. des gastgebs (gottes) nicht vergessen.
Weckherlin 94 (ps. 22, 28).

das ist aber nur fehlerhaft aus dem erstarrten nom. gastgeb gemacht, den noch Adelung als oberd. anführt statt des erweiterten gastgeber, früher z. b. Denzler 2, 122a, bei Schönsleder S 4b gastgeb, caupo.
 
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gastgebenwirt, m. s. unter gastgebe 2.
 
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gastgeber, m. erweitertes und neu verdeutlichtes gastgebe, dessen bildung sich verdunkelte.
1) wirt, gastwirt, noch heute in anständigstem, obwol seltnem gebrauch, und schon mhd. im Meraner stadtr. neben gastgebe mehrmals erscheinend: daʒ ie der wirt oder gastgeber sînem gaste sagen sol. Haupt 6, 414, das kann jeder bürger sein (s. u. gastgebe 1); eʒ sî gastgeber oder gädemler. 423; ouch sol der veiltrager (es ist der alem. pfanttrager, s. DWB gant 1, a) in sînem gewalte niht behalten eʒʒendiu pfant, er sol diu heiʒen antworten einem gemeinen gastgeber an Merân. 419, d. h. dem gastwirte, dem offenen wirte, s. sp. 1464; gastgeber, hospes activus (gast, hospes passivus) voc. inc. teut. g 1b, Dief. 281a, während eine ältere ausgabe h iija noch gastgebe hat; stehe ich .. am fenster beim gastgeber dem Friesen. Schweinichen 1, 82; meinen groszvater väterlicher seite, welcher gastgeber zum Weidenhof gewesen. Göthe 24, 106; gastgeber und schenkwirthe. Schiller 1083a; die gastgeber in der stadt. Leipziger stadtordn. 1701 s. 495. Ludwig 694 erklärt es auszer mit wirt auch mit 'französischer koch'. auch dän. gjestgiver, schw. gästgifvare,

[Bd. 4, Sp. 1478]


norw. gjestgivar, auch gastgivar Aasen 222b, wie entlehnt; aus dem schwed. wieder finn. gestgifwari.
2) anders, einer der eine gasterei gibt: gastgeber, celui qui donne le festin, qui fait l'honneur de la maison. Rädlein 321b. vgl. DWB gasthalter 2, wofür Kirsch auch gastgeber setzt.
 
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gastgeberei, f. gastwirtschaft, als gewerbe, nordd., z. b. in den schausp. des herz. Heinr. Jul. v. Braunschweig 881. 887, nd. gastgefereie 449; noch dän. gjestgiveri, schw. gästgifveri.
 
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gastgeberin, f. gastwirtin. Stieler 650.
 
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gastgeberknecht, m. knecht des gastgebers, kellner. Heinr. Jul. v. Br. 878.
 
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gastgebig, gastfrei, hospitalis Denzler 2, 122a, er hat auch gastgebigkeit; vgl. gasthaltig.
 
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gastgebin, f. gastgeberin in älterer form, von gastgebe m., im 15. jh. z. b.: offen gastgebin. Nürnb. pol. 30; da tet unser herr an dem selben bild ein grosz zeichen ... durch sein liebe gastgebin sant Martha. heiligenleben 105a. mhd. gastgëbinne Lexer 1, 742.
 
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gastgebot, n. gasterei, schmaus: richtet folgendes ein grosz gastgebot an. Schütz Preuszen (1599) 46; die comödie .. redet von hochzeiten, gastgebotten, spielen. Opitz poet. 23; bei dem gastgebot seines falschen bruders. Schuppius 159; in dem weitläuftigen gastgebote unseres lebens. Weise kl. leute 282; die alten .. erforderten zu einem wolgelegenen gastgebot: 1. lustige leute. 2. einen anmuthigen ort u. s. w. zeitvertreiber (1700) 463; alles was zu einem rechtwürdigen gastgeboth gehöret. Ettner med. maulaffe 884;

indem dasz Doris noch .. von ihres gatten ankunft redte
und von dem gastgebote sprach,
das sie sich ausgesonnen hätte ..
Gellert (1784) 1, 190;

der männliche Pope .. erklärte ein blosz mahlendes gedichte für ein gastgebot auf lauter brühen. Lessing 6, 475 (Laok. 17); das gastgebot des storches in dem audienzgemache zu C- (ein gemälde). Thümmel 3, 541. bei Adelung gastgeboth, 'ein groszes gastmahl, ein feierlicher schmaus, wozu man gäste bietet, d. h. ladet', und auch Lessing hat es so verstanden, wie seine verbindung mit auf zeigt; vgl. DWB gastbote.
Das wort, jetzt nur dichterisch, ist wol hd. nie recht ins leben gekommen, denn in den wbb. fehlt es lange, so bei Stieler, ja noch im 18. jh. bei Rädlein, Ludwig, Kirsch, erst bei Steinbach 1, 166 find ich gastgeboth. dennoch erscheint es schon im 16. jh., aber bei Norddeutschen, und heiszt damals häufiger gastbot (s. d.), das in nd. gebrauch bis ins 15. jh. zurück geht oder weiter. danach wird es von dort ausgegangen sein, wenn nicht auch dahin erst vom nordischen aus, wo z. b. dän. giestebud im 16. jh. im rechtsleben eingewachsen erscheint, s. Molbech dansk gl. 1, 289, altschwed. gästabudh Rietz 231a, dazu dänisch selbst gjestbuden als gast geladen, gjestbyde gäste laden, schwed. gästbuden zu gaste gebeten, mundartl. gässbö zu gaste bitten Rietz 231a. übrigens auch nl. früher gastgebod neben gastbod.
 
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gastgebür, f. jus hospitalitatis Stieler 861.
 
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gastgeld, n.
1) gastgelt, sportulae, gelt das man einem jeden gast für die malzeit gab Henisch 1466, ohne die deutsche erläuterung (die sich auf das lat. wort bezieht) Stieler 682.
2) umgekehrt geld das vom gaste oder für gastung gezahlt wird. so z. b. noch bair. gastgeld, graszins für aufnehmvieh (das die alp als gast beweidet) Schm.2 1, 953.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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