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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gastfrau bis gastfreundschaftlich (Bd. 4, Sp. 1475 bis 1477)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gastfrau, f. 1) frau als gast, fremde frau (als händlerin), s. Schmeller2 1, 855. 2) gastgeberin, s. DWB gastherr.
 
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gastfrei , freigebig gegen gäste, mit gastung u. ähnl.; frei selber hiesz einst schon freigebig (s. V, 1874). auch nl. gastvrij (schon Kil.), dän. gjestfri, schw. gästfri. s. auch gastmild.
1,
a) es erscheint im 16. jahrh. (noch nicht in den vocc. des 15. jh.): gastfrei, hospitalis. Dasyp. 336a, Alberus l 4b; gastfrei heiszt der da gerne herberget. Luther bei Dietz 2, 12b; seid gastfrei unternander. 1 Petr. 4, 9 (φιλόξενοι εἰς ἀλλήλους), Hebr. 13, 2; das gemüet gastfreier leut ist das beste, ξενίων θυμὸς ἄριστος. Henisch 1366;

sei gastfrei, wie du pflegst.
Fleming 91 (Lapp. 165).


b) auch gastfreies haus, dach, gastfreie pflege u. ähnl.: in dem gastfreien hause dieses guten mannes. Wieland 8, 308;

voll hoffnung, in den waldbewachsnen gründen
ein gastfrei dach für diese nacht zu finden.
Göthe 13, 178;

dort durchruheten jene die nacht, und er pflegte sie gastfrei.
Voss Odyss. 15, 187 (1806).

einen gastfrei halten, s. 2, b.
c) mit scherzhaftem doppelsinne: jener priester scherzte, da ihm ein politicus vorhielt diesen locum (gemeinplatz, sprichwort), ein priester solle gastfrei sein, ja sagte er, er soll frei von gästen sein. exempl. priester 143, die scherzhafte auslegung muszte nach folg. geläufig sein:

Parcus hat sonst keine tugend, aber gast-frei wil er sein,
läszt, damit er disz erlange, keinen in sein haus hinein.
Logau 3, 8, 41.


2) mit weiterbildung des begriffes
a) freigebig überhaupt: da wöllen vil kargling und filz .. erst durch testament nach irem tod wunder stiften und gastfrei leut sein mit dem das nimmer ihr ist. Frank spr. 1, 154b, es kann freilich an stiftungen zur speisung armer u. ä. gedacht sein (vgl. gasthaus als hospital). auch frei hingebend überhaupt, wo an gastung nicht mehr gedacht wird: ich fürchte den regen nicht, sagte Joseph (kaiser Joseph II.) auf der parade zu Mez, als ein freundlicher officier ihm seinen regenschirm anbot, mit gastfreier aufopferung seiner frisur. Sturz 1, 216.
b) in einen gastfrei halten trat eine wendung des begriffs nach der andern seite ein, wie bei kostfrei (s. d. 2, c): gastfrei

[Bd. 4, Sp. 1476]


gehalten, der kein ürten gibt (die zeche nicht mit bezahlt), asymbolus. Maaler 157d, zugleich wie frei gehalten, frei ausgehend beim bezahlen; gastfrei, immunis pretio. Schönsl. S 4b. s. ebenso kostfrei 2.
c) daher dann selbst von dem, was frei oder gastfrei gegeben wird:

wie viel schmarotzer in die zechen (eilen),
wo bursch und gläser gastfrei sind.
Günther 165,

die studenten gastfrei, frei gehalten, aber auch die gläser, das bier, freibier. schon im folgenden klingt das an: gastfrei mal, epulum. Maaler 157d.
3) es blieb nicht unbeeinfluszt von kostfrei, das älteren bestand und eine ganz ähnliche bedeutung hatte (eigentlich freigebig mit aufwand machen); im 16. jh. werden beide gern gesellt: ganz kostfrei und milt was er (Zwick) gegen den armen dürftigen, gastfrei den frömbden, weislosen und ellenden. Ambr. Blaurer, vorr. zu H. Zwick christenl. underricht, wie man sich zu ainem säligen stärben beraiten sölle, Costanz 1545, kostfrei von freigebigkeit, gastfrei von gastlichkeit; kost- und gastfrei. Kirchhof wendunm. 50b, von fürsten; ein kostfreier und gastfreier man, welcher gerne herbriget und milde ist. Mathes. Syrach 2, 46a, wo beide schon verschwimmen, kostfrei ist nachher in gastfrei über und darin untergegangen.
 
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gastfreie, f. hospitalitas. Maaler 157d, Frisius 635a.
 
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gastfreigebig, gleich gastfrei, ergibt sich aus dem subst.: weilen auch die Sodomiten .. der gast-freigebigkeit dermaszen zuwider gewesen .. Simpl. 1685 2, 414. 3, 186, bei Kurz 4, 101; Heynatz antibarb. 2, 5 belegt es noch ende 18. jahrh. aus einer schweiz. quelle.
 
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gastfreiheit, f. hospitalitas. Alberus l 4b, Henisch 1367, im 18. jahrh. z. b. Möser phant. 1, 164, Gotter 2, 145, Göthe 33, 282. vgl. kostfreiheit.
 
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gastfreilich, adv. gastlich, gastreichlich, ξενίως, φιλοξένως. Henisch 1367.
 
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gastfreund, m. gastfreünd hospes Maaler 157d, scheint von ihm gebildet um die wechselbeziehung des lat. wortes auszudrücken (s. DWB gast 5, d), denn Frisius, sonst seine quelle, behilft sich unter hospes noch ohne gastfreund mit einer mühsamen umschreibung, die Maaler abgekürzt wiederholt, diesem nach dann Henisch 1367. Sonst wird im 16. jh. vorher und nachher das homerische ξεῖνος unter andern umschreibungen mit gast und freund gegeben, z. b.: wie er .. ein gast und freund Ulyssis (vom vatter her) sei. Schaidenreiszer Odyss. 232a, δυσσῆος ξεῖνος πατρώιος 17, 522, vgl. viel geste, freund und bekandte Schaid. 6b (s. auch unter gastverwandt);

weil unsre vätter auserlesen
seind alte gäst und freund gewesen.
Spreng Il. 122a, ξεῖνοι πατρώιοι 6, 231,

vgl. umgekehrt ebenda:

dasz ich dein wirth und freund wil sein,
wan du komst in das lande mein (ξεῖνος φίλος v. 224).

auch Frisius 635a gibt hospitium wiederholt mit gastliche freundschaft wieder, aus dem Maaler sein gastfreund entnehmen konnte. Es ist aber nachher in den wbb. wieder verschwunden, z. b. nicht bei Schönsleder, Stieler, Rädlein, Steinbach, Frisch, d. h. es war nicht aufgekommen; erst Adelung bringt es wieder, mit wunderlichem misverständnis, 'ein fremder, welchen man als einen gast bewirthet', auf grund folgender stelle:

und waffen fielen nieder
da, wo mein gastfreund stand.
Ramler.

dann ist es haupts. seit Voss in gang gekommen, ohne doch ins leben einzudringen, obwol von gastfreundschaft da die rede ist:

lieber gastfreund, wirst du mir auch die rede verargen? Odyssee 1, 159;

lange preisen wir, schon von den zeiten unserer väter,
uns (als) gastfreunde. 1, 189. 15, 195;

der gastfreund in Korinth.
Schiller 58a;

s. auch gast in gleichem sinne gebraucht sp. 1465, und gastbefreundung, gastverwandt. auch nl. gastvriend, schon am ende des 16. jh. bei Kil. (doch nur hospes schlechtweg), dän. gjesteven, schw. gästvän.
 
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gastfreundlich, gastlich, wie ein gastfreund, als neu bei Campe, z. b. eine gastfreundliche aufnahme, einen gastfreundlich aufnehmen, mit belegen aus Voss: gastfreundliche pflege, gastfreundliches halmendach; seitdem ich dich gastfreundlich aufnahm. Göthe 57, 36 (Iphig. in prosa 1, 3);

mit groszem dank für ihr gastfreundliches erbieten
folgt Hüon nach. Oberon 4, 38;

[Bd. 4, Sp. 1477]


eine gastfreundlich schmunzelnde magd .. hatte .. Eugen gemeldet. Auerbach neues leben 1, 178. von thieren, vögeln: so bin ich weit entfernt, solche gastfreundliche verhältnisse zu stören. Göthe bei Eckermann (1868) 3, 150.
 
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gastfreundlichkeit, f. gastfreundliche gesinnung. Campe.
 
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gastfreundschaft, f. hospitalia officia Henisch 1368; er hat damals unsere gastfreundschaft genossen; gastfreundschaft üben. Campe. er gibt es auch, aber nur beiläufig, mit dem begriffe der gegenseitigkeit zwischen zweien (gastfreundschaft schlieszen, errichten), an die doch eigentlich niemand dabei denkt, so wenig wie bei gastfreundlich, obwol sie bei gastfreund der begriffskern ist, vgl. DWB gastbefreundung.
 
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gastfreundschaftlich, adj. zum vorigen. Campe.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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