Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gasten bis gastfrei (Bd. 4, Sp. 1473 bis 1475)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gasten ,
1) zu gaste sein, erst seit dem 18. jahrh., und nur dichterisch: wenig wich er von ihrer seite, wenn er in Zäringen gastete. mahler Müller erzähl. 110, zu besuch war;

denn beim erhabnen Oeneus gastete
der unbescholtene Bellerophon
einst zwanzig tage lang.
Bürger 171b (verm. schr. 1, 133),

Οἰνεὺς γάρ ποτε δῖος ἀμύμονα Βελλεροφόντην
ξείνισ' ἐνὶ μεγάροισιν, ἐείκοσιν ἤματ' ἐρύξας Il. 6, 217,

bei Bürger auch 167b. 277a. 281a;

eh der mensch ein haus erbaut,
wo habt ihr (schwalben) gerastet?
eh vom rind ein stall war laut,
wo habt ihr gegastet?
wenn des menschen hütte fällt,
wo dann wollt ihr gasten?
wenn kein stall die kuh mehr hält,
wo dann wollt ihr rasten?
Rückert lieder u. sprüche 56. 57;

o zeit ... in der ich noch so wolgemut
am tisch der ruhe gastete.
Platen (1847) 2, 55.


2) zu gaste haben, bewirten, im ältern nhd. (vgl.begasten): alle notwendige zugehör, zu einem guten mal dienende, anrichtete und die Juden auf sieben tage gastete. Züricher bibel 1530 685b (3 Macc.); auch intr., gasterei oder gastung halten, wie wie noch nl. gasten:

viel zehren und gasten
leert keller und kasten. zeitvertreiber 1668 451 (1700 s. 464).

[Bd. 4, Sp. 1474]


Stieler 614 gibt gasten und gastieren, convivas vocare, convivari, transitiv auch begasten, begästen. neuerdings wieder bei Rückert: dasz ein kaufherr des ortes gastete — der zu seinem salz und brot — ergehn liesz ein allgemeines aufgebot. poet. w. 11, 334 (15. mak.);

wenn du fastest,
so thus für dich allein.
wenn du gastest,
so lasz die welt herein. ges. ged. 2, 403.


3) ein mhd. gasten ist noch nicht bezeugt, Schmid schwäb. wb. 222 bringt aus einer undeutlichen quelle (sprüche christl. mystiker?) eine stelle, die auf eine spät mhd. quelle zurückgehn könnte: wo man also im glauben und liebe gastet, vom abendmahl; ebenda aus dem 16. jahrh. übergasten, durch langen besuch beschwerlich fallen. Auszer dem hd. altengl. gesten, gisten, to lodge (gestening lodging, feasting), s. Halliw. 397 fg., Stratm. 235; altn. gista, gast sein, besonders übernachten (gisting f. wie altengl. gestening), norw. gista, gjesta, dän. gjeste, zu gaste sein, besuchen, schwed. gästa, auch schmausen. es ist wie gr. ξενίζειν bewirten, ξενίζεσθαι gastfreundschaft genieszen, zu gaste sein, lat. hospitari. s. auch das zweite gästen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gästen, gesten, schäumen, gären: gästen, gesten, gischen, wie bier, wäsche vom seifen Ludwig 694, gästen, gisten Rädlein 321b; (wenn der wein zähe ist) giesz ein wenig weinstein-öl ins fasz, so hebt der wein an zu gesten und kommt wieder zurecht. Hohberg 1, 379b. s. dazu gäst, gäschten.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gästen , zu gast, nhd. eigentlich nur in zusammensetzungen.
1) nhd. begästen, bewirten, als gast haben, von Stieler 614 neben begasten angeführt (oben I, 1278 übersehen) und schon mhd. bezeugt, in den wbb. fehlend, aber in der umgekehrten bedeutung als gast besuchen:

ein gezelt ir vor iu sehent stân ...
dâ stôʒent ûf diu banier rîch,
daʒ si diu baʒ enkennen sich (so l., s. DWB kennen I, 1, c),
die uns hânt hie begestet. Berl. heldenb. 5, 64b,

damit die hôchgelobeten geste (339, 3) sich in dem festgewirre auf dem plan zurechtfinden können; begesten also als reiner gegensatz zu bewirten.
2) sich gesten, sich zum gaste machen, davon gehn, wie sich fremden (sp. 129), im 15. jh.:

wo neid ist und auch hasz,
da muesz die rechte lieb sich gesten.
Vintler blumen der tugend 1031.


3) mhd. sich gesten, sich auf gäste rüsten, zu einem gastempfang vorbereiten (in den wbb. unbelegt): und wenne der waibel also umb vert (das geding kündend), bî welem er denne benahtet, der sol im und sîm pherit gên (geben) kost die naht als ers denne hêt, und sol sich ûf in nit gesten. weisth. 4, 488, wie er die kost eben im hause hat, ohne besondere zurüstung und anschaffung; und wâ ain waibel benahtet bi ainem armen man, dâ sol sich der arm man nützit ûf in gesten, er sol im des (davon) geben, sô er hât ze eʒʒen und ze trinken ungevârlich. 4, 497, vom Oberrhein, anf. 14. jh. auch in den dichterstellen, die im wb. 1, 486 unter die bed. schmücken gestellt sind, liegt öfter vielmehr diese zurüstung des hauses auf gäste vor, um an ihnen die gastehre zu begehn (s. DWB gast 7, d), z. b. von den zurüstungen zu einer hochzeit:

daʒ er si mit im füerte hain
und gaste sich gastlîchen gar
ûf den brûtlouf aldar. lieders. 1, 275,

gastlîchen, stattlich wie es zu einer gastunge gehört (vgl. gastlich 3);

er began sich vaste gesten,
wan er den muotes vesten (den kaiser)
wolt in sîn hûs enphâhen. gut. Gerh. 659;

dasz da auch haus- und kleiderschmuck aller art eingeschlossen war, liegt in der sache. wesentlich auf letztern aber beschränkte sich der begriff, wenn es auch von den gästen gesagt wird, die zu einem feste geladen waren, z. b.:

mîn herren êrten alle mich (s. unter gast 7, d),
grâven, frîen, dienstman ...
die sich geruochten gesten
ûf mînes sunes hôchzît
rîterlîche enwiderstrît. g. Gerh. 3422, auch 3436. 5741.


4) daher sich gesten, sich festlich schmücken, eigentlich um 'sich sehen zu lassen' (wie oft genug auch dazu bemerkt wird, z. b. Reinfr. 12183, Staufenb. 1044), der wirt vor den gästen, die gäste vor dem wirte und den seinen, daher denn auch sich gesten mit der bedeutung sich brüsten, prunken, sich rühmen. endlich

[Bd. 4, Sp. 1475]


auch gesten schmücken mit fremdem objecte, und rühmen, preisen. ein rest davon in entgästen (s. d.), entstellen, verunzieren, noch schweiz., auch vorarlb. Fromm. 5, 480; s. aber auch das verschiedene engesten unter gast 4, a zuletzt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gästengefülsel, n. gäste als füllung eines salons. J. Paul flegelj. 2, 40 (1800 s. 63).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gasterei, f. gastmal, gastung.
1) gasterei hd., seit dem 16. jh. (vgl. 2): es habend jetzund in Teutschland mit gewalt überhand genommen grosze gasterei und banket. Aventinus 325b; aber im paurenkrieg giengen die gastereien zu Rotweil um, die wurden iez von dem, dann von aim andern gehalten (s. kränzlein 4). als die gasterei an herr Joh. Wernhern kam .. Zimmer. chron. 2, 400;

man munkelt (blosz) in dem rath, bei voller gasterei
bricht man was härter aus (spricht deutlicher).
Gryphius 1, 273;

stellet unter den armen eine gasterei an. Olearius ros. 7, 11; ein theologus sagte einsmals in einer gasterei zu Marpurg. Schuppius 133. bei Stieler 615 eine herrliche vornehme gasterei, jährliche gasterei, epulum solemne, wechselgasterei circumpotatio. später, bei Frisch 1, 323a als 'etwas verächtlich' bezeichnet (eine folge der ausartung), 'gastmahl, gastung ist höflicher', vgl. gastieren, auch gasterieren.
2) nebenform mit umlaut gesterei, so bei Luther (Dietz 2, 12b) und noch bei Ludwig gästerei neben gasterei, wie mnd. gesterye, s. z. b. bei Möser phant. 2, 317, auch nrh., und da schon im 15. jahrh., gestery Teuth. 105b, gesterei Fromm. 2, 437a; auch schwed. dial. gästeri Rietz 231a, älter dän. giesteri Molbech 1, 289. nl. aber gasterije Kilian.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gasterieren, eine gasterei geben oder dran theilnehmen, auch gästerieren (s. gasterei 2), beides nd. Dähnert 144a, wie nl. gastereeren; schwedisch dial. gästerera, als gast besuchen Rietz 231a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gästespeiser, m. conditor et instructor convivii Stieler 2078.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gastesrecht, n. gleich gastrecht:

an dem frevelnden geschlecht
rächet Zeus das gastesrecht.
Schiller 53b (siegesfest).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gastfeirung, f. als übers. von hospitium Spreng Aen. 318b (9, 359), anstalt zu ehren des gastes, der gastfreundschaft.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gastfrau, f. 1) frau als gast, fremde frau (als händlerin), s. Schmeller2 1, 855. 2) gastgeberin, s. DWB gastherr.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gastfrei , freigebig gegen gäste, mit gastung u. ähnl.; frei selber hiesz einst schon freigebig (s. V, 1874). auch nl. gastvrij (schon Kil.), dän. gjestfri, schw. gästfri. s. auch gastmild.
1,
a) es erscheint im 16. jahrh. (noch nicht in den vocc. des 15. jh.): gastfrei, hospitalis. Dasyp. 336a, Alberus l 4b; gastfrei heiszt der da gerne herberget. Luther bei Dietz 2, 12b; seid gastfrei unternander. 1 Petr. 4, 9 (φιλόξενοι εἰς ἀλλήλους), Hebr. 13, 2; das gemüet gastfreier leut ist das beste, ξενίων θυμὸς ἄριστος. Henisch 1366;

sei gastfrei, wie du pflegst.
Fleming 91 (Lapp. 165).


b) auch gastfreies haus, dach, gastfreie pflege u. ähnl.: in dem gastfreien hause dieses guten mannes. Wieland 8, 308;

voll hoffnung, in den waldbewachsnen gründen
ein gastfrei dach für diese nacht zu finden.
Göthe 13, 178;

dort durchruheten jene die nacht, und er pflegte sie gastfrei.
Voss Odyss. 15, 187 (1806).

einen gastfrei halten, s. 2, b.
c) mit scherzhaftem doppelsinne: jener priester scherzte, da ihm ein politicus vorhielt diesen locum (gemeinplatz, sprichwort), ein priester solle gastfrei sein, ja sagte er, er soll frei von gästen sein. exempl. priester 143, die scherzhafte auslegung muszte nach folg. geläufig sein:

Parcus hat sonst keine tugend, aber gast-frei wil er sein,
läszt, damit er disz erlange, keinen in sein haus hinein.
Logau 3, 8, 41.


2) mit weiterbildung des begriffes
a) freigebig überhaupt: da wöllen vil kargling und filz .. erst durch testament nach irem tod wunder stiften und gastfrei leut sein mit dem das nimmer ihr ist. Frank spr. 1, 154b, es kann freilich an stiftungen zur speisung armer u. ä. gedacht sein (vgl. gasthaus als hospital). auch frei hingebend überhaupt, wo an gastung nicht mehr gedacht wird: ich fürchte den regen nicht, sagte Joseph (kaiser Joseph II.) auf der parade zu Mez, als ein freundlicher officier ihm seinen regenschirm anbot, mit gastfreier aufopferung seiner frisur. Sturz 1, 216.
b) in einen gastfrei halten trat eine wendung des begriffs nach der andern seite ein, wie bei kostfrei (s. d. 2, c): gastfrei

[Bd. 4, Sp. 1476]


gehalten, der kein ürten gibt (die zeche nicht mit bezahlt), asymbolus. Maaler 157d, zugleich wie frei gehalten, frei ausgehend beim bezahlen; gastfrei, immunis pretio. Schönsl. S 4b. s. ebenso kostfrei 2.
c) daher dann selbst von dem, was frei oder gastfrei gegeben wird:

wie viel schmarotzer in die zechen (eilen),
wo bursch und gläser gastfrei sind.
Günther 165,

die studenten gastfrei, frei gehalten, aber auch die gläser, das bier, freibier. schon im folgenden klingt das an: gastfrei mal, epulum. Maaler 157d.
3) es blieb nicht unbeeinfluszt von kostfrei, das älteren bestand und eine ganz ähnliche bedeutung hatte (eigentlich freigebig mit aufwand machen); im 16. jh. werden beide gern gesellt: ganz kostfrei und milt was er (Zwick) gegen den armen dürftigen, gastfrei den frömbden, weislosen und ellenden. Ambr. Blaurer, vorr. zu H. Zwick christenl. underricht, wie man sich zu ainem säligen stärben beraiten sölle, Costanz 1545, kostfrei von freigebigkeit, gastfrei von gastlichkeit; kost- und gastfrei. Kirchhof wendunm. 50b, von fürsten; ein kostfreier und gastfreier man, welcher gerne herbriget und milde ist. Mathes. Syrach 2, 46a, wo beide schon verschwimmen, kostfrei ist nachher in gastfrei über und darin untergegangen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer