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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gassenwetzerin bis gastanstalt (Bd. 4, Sp. 1453 bis 1472)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassenwetzerin, f. ambulatrix Stieler.
 
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gassenwirt, m. wirt der wein und bier nur über die gasse verkauft Ludwig 693, schon im 16. jahrh.: alle, sowol gassenals andere würt (die wein schenken). Mones zeitschr. 3, 282. 274. unterschieden vom gastgeben: jedem offenen gastgeben wie auch allen gassenwirthen. würt. umgeltsordn. 1651 s. 5; den gastgeben und gassenwirthen. metzgerordn. s. 11.
 
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gassenwörtlein, n. proverbium, gemeiner spruch, gassenwörtlin. Junius nom. 11a.

[Bd. 4, Sp. 1454]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassenzimmer, n. zimmer nach der gasse zu, das gassenwärts liegt: warum ich (im gasthof in Erlangen) auf einem gassenzimmer so heftig bestand. J. Paul paling. 1, 95 (1798 s. 231); vgl. unter gasthofsfenster.
 
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gassieren, gleich gassatum gehn (s. sp. 1436), spatiari per vicos et plateas Stieler 636, durch die gassen streichen und schreien Kirsch 2, 129b: sollich gassiren. Zimm. chron. 3, 462, von nächtlichem übermütigem unfug, der vorher geschildert ist. aber auch mit musik statt des geschreies, von nächtlichen ständchen (s. gassatim 2, a):

will ich heut gehn zu nacht gassirn,
mit seitenspil (ihr) laszen hoffirn,
darnach ihr laszen ein liedlein singen.
Ayrer 412a (2070, 7);

gassirn, gastung und mummerei. 392d (1971, 28);

kompt der könig .. in mummkleidern mit vorigen spilleuten, gehn gassiren. 394d (1981, 11). s. auch gassen, gasseln.
 
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gast gleich garst, s. sp. 1380 (vgl. auch u. gast 10, d. a. e.); gleich ginster, s. DWB gäst.
 
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gast, m. peregrinus, hospes.
I. Form und verwandtschaft.
a) goth. gasts fremder (s. II, 1), pl. gasteis, ahd. gast, kast, pl. kesti, mhd. gast, pl. geste; alts. gast, nd. nl. gast; ags. gäst, gest, giest, gist u. ä., pl. gistas, altengl. geste Hall. 397b, gest pr. parv. 191a, jetzt guest geschrieben; altn. gestr, norw. gjest, dän. gjest, gjäst, gäst, schwed. gäst. Von hd. nebenformen ist nur etwa zu bemerken die mhd. kürzung gas (: was) Ulr. v. Türheim Trist. 505, 18. 521, 14 (Weinh. alem. gr. s. 140), und ein umlautloser plur. bei Göthe im 2. theil des Faust, der doch einfach falsch ist:

mach fort und schleppe was du hast,
hier sind wir nicht willkommne gast. 41, 287 (13, 200 Hemp.),

in der ausgabe 1850 11, 409 in willkommner gast geändert (vgl. II, 12); doch vgl. den mnd. pl. gaste unter II, 3, a, der an nl. gasten eine stütze findet, mnl. gaste Oudem. 2, 356, Rein. 2841.
b) sichere verwandtschaft im lat. und slav., beide schon von Frisch 1, 323b aufgeführt, 'gast kommt mit dem lat. hostis überein, wie hortus mit garten', mit verweisung auf Cic. de off. 1, 12: hostis enim apud maiores nostros is dicebatur, quem nunc peregrinum dicimus; die beobachtung hat aber schon im 17. jh. der Schwede Stjernhjelm (Wachter 530b), aber auch vor ihm schon Henisch 1364, 51. altsl. gostĭ hospes, conviva, auch sodalis, amicus, s. Mikl. 139b; über das neusl., wie südsl. gost, böhm. host, poln. gość gast, fremder, s. bei Diefenbach goth. wb. 2, 393 fg., wo auch keltisches, wie kymr. gwestai gast, besonders ungebetener, u. a.
c) als wurzel ist von Bopp gl. 114a skr. ghas essen aufgestellt, aber seine auslegung von gast als beköstigter nimmt als urbed. des wortes eine nur abgeleitete an, auch bezeichnet die wurzel vielmehr ein verzehren, verschlingen, fressen (Böhtl.-Roth 2, 884), vgl. Corssen krit. beitr. 219 ff., A. Kuhn in Webers ind. stud. 1, 361 fg.; soll es mit ghas richtig sein, so sehe ich von seiten der bedeutung nur die eine möglichkeit, dasz hostis, gast urspr. der fremde ist, der nach der sitte, die noch in sagen nachklingt, als feind den göttern geopfert, zugleich aber, wie jedes blutige opfer, von den opfernden als frommes mahl verzehrt wurde als hostia humana, und der anklang von hostis und hostia kann diese annahme wol stützen; auch hostire schlachten und sühnen, hostimentum sühnmittel begriffen sich aus dem opfer besser als auf dem wege den Corssen geht a. a. o. 220 fg.
II. Bedeutung und gebrauch.
1) gast, fremder, die grundbedeutung in der alle anderen als in ihrem ausgangspunkte sich einigen, wie sie im altlat. und slav. vorliegt, vermutlich auch dort als ausgangspunkt.
a) so völlig erhalten noch im 16. jahrh.
α) z. b.: wie wiltu bestehen, wenn dich gott .. wird ansprechen und sagen 'ich bin hungerig, dürstig, gast, nacket, krank, gefangen gewest, und du hast mir nicht gedienet ..' Luther 5, 177a, nach Matth. 25, 31 ff., an welcher stelle sich dieser gebrauch von gast weit über ein jahrtausend rückwärts als ununterbrochen erkennen läszt: ich bin ein gast (ξένος) gewesen, und ir habt mich beherberget ... wenn haben wir dich einen gast gesehen und beherberget? Luther Matth. 25, 35. 38, wie schon mhd. ich was ein gast und ir herbergitet mich Beheims ev., ich was gast Freid. 178, 16, aber auch ahd. ih uuas gast inti ir halôtut mih Tat. 152, 3, und goth. hvanuh þan þuk sêhvum gast jah galaþôdêdum? Matth. 25, 38, desgl. altnorthumbr. ic wäs gest.

[Bd. 4, Sp. 1455]



β) auch der alte begriff war im 16. jh. noch klar vorhanden, wenn sie zu den verlassenen oder armen (vgl. u. c, β) gezählt werden: es ist freilich .. ein köstlich gut werk, spital stiften .. (aber) jenes spitals genieszen wenig leute und zuweilen falsche böse buben unter bettlers namen. aber dis spital (fürstenstiftungen wie er sie sich denkt) bekomet allein den rechten armen, als widwen, waisen, gesten, und andern verlasznen leuten. Luther 5, 152b, es sind elende im ursprünglichen sinne, s. dazu 3, b, δ (ellende geste) und gasthaus als hospital, vgl. das sprichwort der arm gast ist gots kast (vorher es ist gesäet, was man armen gibt) Frank 1, 118a, arme gäste sendet uns gott zu Simr. 3055 (daher arme auch gotes vriunde pass. H. 376, 89, gotes arme), mit derselben vorstellung wie in Homers Ζεὺς ξείνιος.
γ) es wechselt übrigens auch mit dem deutlicheren fremdling, fremder, wonach der alte begriff doch schon im verdunkeln sein mochte: die frembdlingen solt ir nicht unterdrücken, denn ir wisset umb der frembdlingen herz, die weil ir auch seid frembdlinge in Egyptenland gewesen. 2 Mos. 23, 9; ich bin ein gast worden in frembdem lande. 18, 3, gleichbedeutend ein frembdling im frembden lande 2, 22; ich bin ein gast auf erden. ps. 119, 19, mit der var. ein frembdling; wenn dein bruder verarmet .. so soltu in aufnemen als einen frembdlingen oder gast, das er lebe neben dir. 3 Mos. 25, 35; ainem frembden oder gast soll der wirt solches undersagen. österr. weisth. 1, 19; ein frembder auslender gast. 1, 26; gast oder auslender. 1, 130. wo Voss Od. 17, 544 fremdling übersetzt, hat Schaidenreiszer 232b noch gast. mehrmals zugleich schon in die bedeutung 5 überschlagend.
b) vielfach in der sprache des gemeinde- und rechtslebens.
α) gast in der gemeinde, in der stadt, im lande, letzteres z. b.: warumb stellestu dich (Jehova), als werestu ein gast im lande, und als ein frembder der nur über nacht drinnen bleibt? Jer. 14, 8; auch die auslender und geste (in Athen). apostelg. 17, 21, οἱ ἐπιδημοῦντες ξένοι; ouch sullent wir schaffen .. daʒ von hewte uber acht tage alles volk (kriegsmannen), es sein geste oder nicht, von dem feld ziehen. Scherz 475. und auch diesz schon goth.: usbauhtêdun þana akr kasjins du usfilhan ana gastim. Matth. 27, 7 (Luther zum begrebnis der pilger, vulg. in sepulturam peregrinorum), und genau stimmend. lat. hostis in den duodecim tabulae, und noch bei Plautus im unterschiede von civis, wie bei uns gast und bürger, auch gast und insäsze, landmann, inwoner (3, a) u. a.; daher bildl.: so seid ir nu nicht mehr geste und frembdlinge, sondern bürger mit den heiligen und gottes hausgenossen. Epheser 2, 19. bei dichtern wol noch jetzt:

wenn der schein mich nicht betrügt, so kommst du
aus dem reich der fernen Mosleminen,
hier ein gast in dieser stadt, o fremdling.
Platen (1847) 4, 234.


β) so in rechtsquellen bis ins 17. jh. und länger, z. b.: bestadet he (der herr) dat gût êneme gaste .. Ssp. lehnr. 73, 2, der im gerichte oder gau fremd ist; swelh burger oder gast most verkaufet vor sant Martins messe. Augsb. stadtb. s. 194; eʒ sol auch niemen chein silber verkaufen in der stat, eʒ sî der gast oder der burger, wan .. 16; daʒ chein fleischmanger, der ein gast ist, chein fleisch hinne veile haben sol, wan als hernâch geschriben stât. Augsb. stadtb. s. 198; swelh gast bachen her füeret, der sol díe ganze verkaufen (nicht ausschneiden). 199; niemantz, er sei burger oder gast. Nürnb. poliz. 89; ein ieder petler, er sei burger oder gast. 318; ob auch iemand von gesten sich zu burgern, burgerin oder iren kinden verheiraten. 57; man sol auch dhein geriht an dheinem feirtag niht haben (halten), ân gesten die on geverd (zufällig) wegvertig sein. 153, s. dazu gastgericht; welher (gleich swelher) das recht im gericht zuo Niderbüren anrft, er sy gast oder insesz, dem sol man zum rechten helfen. weisth. 1, 219; gesten sol man richten alltag. 226; wen ain gast von Payren kumbt und (die Donau) herab vert und aufrint (sich festfährt) .. 3, 701; und sol (der ferge) sin lon nemen von einem lantman zwen haller und von einem gast vier haller. 4, 354; wir sind auch gefreiet, dasz die ämter .. besetzt werden mit landleuten und keinem gast. Schm. 2, 77, aus Krenners bair. landtagsh.; dazu sind jägermeister, forstmeister und dergl. andere amt mit gästen und schlechten leuten besetzt. das., aus einer beschwerde des landtages; kein bürger soll alhie gast oder fremde güter (d. h. gastgüter) .. einbringen .. noch gast mit gaste alhie handeln. Schott stadtr. 2, 76, aus Rügenwalde v. j. 1609;

[Bd. 4, Sp. 1456]


kein gast soll mit gaste handeln. 90 (ebendaher vom j. 1660), eine alt aussehende formel.
γ) genaue bestimmung des leicht schwankenden begriffes z. b. im 15. jh.: ein gast heiszit, der mer denne xj milen buszin deme gerichte gesessin ist. Magdeb. fragen s. 159; so söllen die von sant Gallen uszer der statt .. ouch die von Arbon .. und och die von Appenzell nit für gest (in Tablatt) gehalten werden. weisth. 1, 226. im 14. jh. z. b.: welch man in den vîr mîlen umme Vrîberc geseʒʒen ist, der ist kein gast nicht alse zû Mîsne, zû Kemnitz, zû Dresden .. welch man abir ûʒ den vîr mîlen geseʒʒen ist, der ist ein gast, deme sal (musz) man richten zuhant. Schott stadtr. 3, 170, vgl. Haltaus 586, noch Frisch 1, 322c und Henisch 1464, 47 peregrinus qui longius decem miliaribus extra ditionem habitat.
δ) gesteigert wilder gast, der nirgend heimisch ist (vergl. wildes kind V, 719 fg.): wer tegelich .. von stetin zu stetin, von lande zu lande sine wandelunge hat und in keiner stat jar unde tag wonhaftig ist, der heiszet unde ist ein wilder gast. Magdeb. fragen s. 173. auch nl. wilt-gast qui de urbe in urbem discurrit et nullibi fixam sedem habet, un homme volage vagabond Kil. 122b, hd. wildgast Henisch 1368, 43. dafür auch gast schlechtweg nach folg.: keine ander eide sol man in der frist nicht tun, iʒ inwere denne ein gast eim besessinen odir ein besessener einem wildin gaste. blume von Magdeb. s. 119; vgl. DWB gast vom wanderjuden sp. 1380 m. und dazu 3, a zuletzt.
c) davon reste bis heute im gemeindeleben.
α) das bair. rechtsbuch vom j. 1332 bestimmt den begriff: wir sprechen, daʒ alles gest sein die in der stat nicht geseʒʒen sint noch in der stat gerichte. Schm. 2, 77, das geseʒʒen auch im genauen sinne, angesessen, daher auch habitator oppidi qui civis non est Henisch 1364, 48. noch jetzt heiszt in der Steiermark und Kärnten jeder einwohner, der nicht haus und grundstück hat, gast, s. Schm., Lexer 109. auch schweiz., bei Stalder 2, 517 aus Lucern: 'gast, fremdling, dem auf wolverhalten erlaubt ist in der stadt zu wohnen und derselben bequemlichkeiten zu genieszen, es ist noch weniger als bei- oder hintersäsz'; im alten Lucerner stadtr. z. b.: wan ein gast old ein frömder mit eim burger ze rechten hat. art. 28; welcher burger oder gast gut von unser statt ziechen will. 53; s. bes. 68, wo gest deutlich in der stadt wohnend gedacht sind. s. auch älter nl. gast so bei Oudemans 2, 355. also im begriffe noch schärfer entwickelt oder erweitert als unter b, gleich lat. peregrinus, griech. ξένος, nichtbürger als einwohner. ebenso schwed. hyresgäst, altschwed. kurz gäster, mietwohner Rietz 231a, wie aus lat. hospes span. huesped (vgl. 5, d).
β) dazu das fem. gestin (göstin), auch göstweible n. in Kärnten Lexer 109, und schon um 1400 bair.: in dem selben aigen (einem dorfe) was sein hawsfraw ein armew gestinne und hiet da gewont. Schm.2 1, 953, Kellers gesta Rom. s. 172, vgl. die geste als 'arme' unter a, β.
γ) in Meiszen erscheinen im 13. jahrh. unfreie bauern gasti genannt: servi qui vulgariter gasti nuncupantur ecclesiae et capituli nostri. cod. dipl. Sax. II, 1, 209; praedicti rustici et eorum heredes, qui vulgariter gasti dicebantur. s. 163, vgl. s. xl Gersdorfs verweisung auf Ssp. III, 45, 6, die doch nicht ausreicht. es sind doch wol Slaven, in der Erfurter gegend, wie mir Posern-Klett nachweist, kommen im j. 1136 slav. bauern als hospites bezeichnet vor, Slavi, hospites Ludevici comitis provinciae (Schannat vindem. literar. 2, 1). Ist es etwa slav. und das slav. wort dann mit dem deutschen vermischt? südsl. hat gost auch die bed. einwohner, wie unter α, z. b. in Kärnten (Schm.2 1, 953), sloven. gostáč, neben gost gast, und slav. gost erscheint früh in gast umgesetzt in ortsnamen wie Schorgast (s. z. b. cod. dipl. Siles. 1, 171b, Bacmeister alem. wand. 155); vgl. bei Dief. 300a inquilinus zugleich als inkomeling, zukomen man, fremder und als knecht. Umgekehrt hiesz it. in Toscana der grundherr im verhältnis zum unfreien bauern l'oste, eigentlich wol der germ. herr der als gast ins land kam.
2) wie reich das wort in dieser bed. ursprünglich entwickelt war, zeigt auch die bildliche verwendung.
a) gast mit gen. zur bezeichnung dessen dem einer 'entfremdet', dessen er beraubt wird, vielfach mhd. und noch im 16. jahrh., z. b.:

die wîle ein man treit sünden last,
sô ist er rehter vröude ein gast.
Freid. 37, 7;

im entweich craft unde maht, sîns lebens was er ein gast. Alphart 152, 1;

daʒ er der sêle wart ein gast. lieders. 1, 125;

[Bd. 4, Sp. 1457]



mir mûʒ immer wesen leit,
daʒ ich sô lange bin ein gast
der wârheit (sagt eine bekehrte). pass. K. 89, 89;

des sperwers des moest ir syn
ein gast ind ein achterkaff. Karlm. 186, 58,

ihr müszt darauf verzichten, ihn mir lassen, ihr habt 'das nachsehen'. diesz ein gast war so fest geworden, dasz es selbst bei einem pluralsubjecte bleiben konnte, wie es auch unverändert bei fem. subj. steht:

beschlüsz den spicher und d die hüener in,
wir mechtent ir sus wol ein gast sin.
Mones schausp. d. m. 2, 380,

sie könnten uns sonst gestohlen werden (vgl. unter 12);

schweig, du pist der red ain gast,
ich will dich hahen an ain ast! fastn. 428, 18,

ich will dir das reden vertreiben! Noch im 16. jahrh.:

was klagstu (nonne) dann des flaisches last,
des du gar kürzlich würdst (wirst) ain gast.
Schwarzenberg 140d;

ein bauer, der für sein kind einen taufpaten sucht, sagt zu Jesu der sich ihm dazu anbietet:

du machst ein arm, den andern reich ...
hest du mir aber reichthumb gebn,
so müst heben das kindlein mein.
abr nun must dessen ein gast sein.
Ayrer fastn. 26d (2469, 16),

nun wird nichts daraus! auch mîn gast, der mir fremd ist, bildlich:

hôher prîs wart nie dîn gast.
Wolfr. Wh. 62, 10.


b) wer aus der heimat, dem lande gieng, ward des landes gast, wovon jenes eine bildliche anwendung ist; so z. b.:

fruo Herzeloyd diu rîche
ir drîer lande wart ein gast. Parz. 116, 28 (vgl. 108, 6).

daher auch in folgender weise bildlich:

die nacht wird schier des himels gast,
des tages glast
will ir gewaltig sein. Hätzl. 302a,

sie musz den himmel räumen, vom tag vertrieben, es könnte auch heiszen musz schier den himel meiden, wie unter a mehrfach mîden, vermîden für gast sîn eintreten könnte; s. dazu u. 3, b.
c) umgekehrt wird auch das, was einer meidet, entbehrt, was ihm fremd ist, als gast bezeichnet, und dann mit dat. der person verbunden, z. b. (wb. 1, 485b):

sus truogen si des jâmers last,
diu fröude was ir herzen gast. Wigal. 294, 33 (11577),

wie sonst die freude im herzen wohnt, herzen nâchgebûr ist u. ähnl.;

ouch wæne ich, daʒ si güete erkande:
leider diu ist ir ein gast. MSH. 1, 304b;

des muoʒ mir freude wesen ein gast.
Hartmann büchl. 1, 1392;

mir sol nâch dîme tôde gast
immer sîn der hôhe muot.
Wolfr. Wh. 165, 6;

mir ist freude gestîn, hôhmuot gast. Parz. 219, 22.

also sowol ich bin der fröude ein gast (s. a) als mir ist fröude ein gast. auch das zweite wird sich nhd. noch finden, wie es im folgenden entschieden anklingt:

das glück sei dir mehr wirth als gast.
Günther 164.


d) gast allein gleich 'immer fremd', nirgends zu hause (vgl. unter 5, a) erscheint deutlich in dem sprichworte, womit in dem märe vom feldbauer der kuxpartierer seinen kunden zu neuer zubusze mut macht:

pfenninge daʒ sint geste,
die gênt iu dóch ûʒ der hant. Germ. 1, 350a.

dasselbe sittlich gewendet wol im folgenden:

dein wohnung nicht im himmel hast,
so du hinlebest als (wie) ein gast.
Henisch 1369, 54,

wie ein wilder gast (sp. 1456) in sittlichem sinne, wenn nicht das merkwürdige gast gleich garst sp. 1380 gemeint ist.
e) auch gast in einer kunst u. ä. (wie gast im lande 1, b, α), 'fremd, nicht heimisch', worin wir noch dasselbe bild verwenden: so wissen sie auch wol, das ichs alles weisz und kan, was sie können. noch handeln die heillosen leute gegen mir, als were ich ein gast in irer kunst, der allererst heut morgen komen were. Luther 5, 191a (sendbr. vom dolmetschen). ähnlich Thomasin von sich als Italiener (vgl. 5, b, α):

mîn buoch heiʒet der welhisch gast,
wan ich bin an der tiusche gast. welsch. gast 14682,

ein fremdling in der deutschen sprache. auch mit gen., unkundig:

und mich iedoch bescheit der ding,
der ich vil lîcht mst wesen gast. lieders. 1, 378.

[Bd. 4, Sp. 1458]



3) die bedeutung hatte nach einigen richtungen eine besondere entwickelung erfahren.
a) es erscheint z. b. besonders von fremden kaufleuten: daʒ der gast sîne koufmanschaft sol veile haben (mit folgender beschränkung). Meraner stadtr. 1, Haupt 6, 414; geste, die iren koufmanschacz triben in der burger schaden. Magdeb. fr. s. 28; kein gast soll mit gaste handeln, aus Rügenwalde 17. jahrh., s. unter 1, b, β; brengit ein gast cromerie, die shal her vorkoufin .. in sinir herberge unde nirgin andirswo, an in dem jarmarkte. cod. dipl. Siles. 3, 96, aus Breslau 14. jh.; also das dem kawfmanne, beide gaste und inwonern, gleich und rechte gescheen moge. 3, 154; es mag ein burger (kaufmann) mit einem uszlendischen gaste geselschaft haben .. Leipz. urk. 1, 314, 15. jahrh.; dat de gaste vêle (zum verkauf) brâchten Elsâʒer edder rînschen wîn. Bremer stadtr., wb. 2, 490. ebenso altn. gestr fremder kaufmann, altdän. gest, s. Fritzner 200a, dazu z. b. giesteskud die abgabe fremder krämer Molbech dansk gl. 1, 289, vergl. DWB gastzoll. auch altruss. gostĭ (Miklosich 139b), noch jetzt z. b. gostinoj dvor, der kaufleute hof, kaufhaus, packhof, worin die wirkung jenes deutschen gast zu erkennen ist. auch das gast als heimatloser landfahrer, 'wilder gast' unter 1, b am ende wird mit diesem gast öfter zusammenfallen, wie bei gast als wanderjude. s. auch 4, a.
b) gast musz mit demselben begriffe in ältester zeit besonders auch von landfahrenden kriegern, abenteurern, helden gegolten haben, also gleich recke, das auch aus dem begriffe verbannter in den von held übergieng, gast aber eigentlich gleich des landes gast (2, b), der die heimat meidet oder meiden musz, um sich als gast schlechthin, 'wilder gast' (1, b, δ) durch die welt zu schlagen.
α) daher gast in heldennamen (s. schon Schottel 1057, Stieler 613) wie Liudegast in den Nib., häufig in ahd. zeit, z. b. Hiltigast, Hadagast, Hruadgast, s. Förstem. 1, 492, vgl. J. Grimm gesch. d. d. spr. 541, älter noch die namen der fränkischen volkshelden Wisogastis, Bodogastis, Saligastis, Widogastis (Merkels lex. sal. 93, 18), ja schon im 3. jahrh. Halidegastes bei Vopiscus (Förstem. 1, 597). im altn. ist einer der vielen namen für einen seekönig, wiking gestill, daher z. b. das schiff gestils alft, seekönigs schwan, das schwert gestils geiri, seekönigs flamme, sieh Egilsson 235b. auch die gestir als krieger im hofdienste norwegischer könige (Möbius 138, Fritzner 200a) sind vielleicht eig. solche geste, vom könige in gefährlichen dienst genommen und geschützt, im saal auf einer bank für sich getrennt sitzend. ags. gäst häufig von helden, auch z. b. im Beow. 1139 gist ausdrücklich gleich wrecca von Hengest als recken im alten sinne; auch christlich gewendet, z. b. hâlige gastas von den propheten, aposteln, die ja oft auch in der fremde umzogen recken gleich, s. Grein 1, 371, wo gar manches als gâst, gæst, geist aufgefaszte ('auch geradezu für homo, vir', vgl. c, α) vielmehr hierher gehört.
β) noch mhd. war gast geläufig für held, recke; deutlich z. b. in der schlacht zwischen Porus und Alexander, wo dieser jenem den zweikampf anbietet:

des habe wir, kuninc, laster,
daʒ unser zweier geste
sô lange samet vehten ... Alex. 4466 W.,

von den beiden heeren, ganz so wie vorher die wîgande, nachher die gûten knehte (s. V, 1382). gewöhnlich indes sind es helden in der fremde, auf einer kriegsfahrt, reise, eben mit dem urspr. begriffe, z. b.:

die (feinde) brâhten in ir reise vil manegen hêrlîchen gast. Nib. 139, 4;

dirre gast vil edele (könig Liudgast). 182, 4;

bî des brunnen fluʒʒe stuont der hêrlîche gast (Siegfried). 918, 4 u. ö.;

dô wâren ouch die geste komen in die habe (hafen). Gudrun 974, 1,

Hartmut und sein heer, mit der geraubten Gudrun zurückkehrend, sie waren bis dahin geste gewesen und konnten wol noch als solche bewillkommnet werden. Das setzte sich im epischen stil lange fort, so dasz noch im Teuerdank der held, der auf abenteuern auswärts ist (frömbde land und leut z pawen 116, 21), neben dem gewöhnlichen der held, der edel held auch der edel gast heiszt z. b. 14, 56. 87, 54. ja noch Schottel gibt gast schlechtweg als held an: heut sagt man annoch, es ist ein gast, und verstehet einen sonderlich tapfern, beherzten, klugen mann. haubtspr. 1057, also nd., wie noch jetzt nl. gast gleich 'kloek man, forsche kerel, flinke of ferme borst', vgl.kluger gast unter c, α, von äuszerer tüchtigkeit auf innere gewendet.

[Bd. 4, Sp. 1459]



γ) besonders auch von feinden:

dô was dâ manich helt gût,
den niht sô liebis ne was,
sô (wie) daʒ si di scarfen sas
teilten mit den gesten (den Griechen). Alex. 4437 W.;

si gewunnen leide geste. Rol. 29, 20;

si (die christen) wurden starch und veste,
des engulten die laiden geste. 156, 24;

ir leiden geste. Trist. 139, 32;

dô gâhte si (Gerlind) harte balde selbe in eine zinne.
dô sach si vil der geste (die burg bedrohend). Gudr. 1361, 4;

alsô küener geste ich hie ze lande gerne enberen wolde. 1368, 4;

nu sazte sich der heiden her
ûf Syon gein den gesten u. s. w.
Scherz 475;

die geste gewunnen oberhant. Wig. 284, 8.

auch mnl. (s. Oudemans 2, 356), z. b.:

eene stat staerc ende vast,
te houdene jegen elken gast.
Maerlant.

da nähert sich gast mehrmals dem unmittelbaren begriffe feind, also dem urverwandten hostis, das selber auf diesem wege zu seinem zweiten begriffe gekommen sein musz. denn nicht nur der ins land brechende feind hiesz so, wie doch ursprünglich und vorwiegend, sondern im Rol. 156, 24 z. b. sind vielmehr die christen die fremden im lande, die geste aber die einheimischen 'heiden'. aber auch der angreifer scheint vorzugsweis so geheiszen zu haben, z. b. auf dem Wülpensande von Hetel:

des vlôs den sige der gast mit al den sînen. Gudr. 890, 4.

Übrigens noch nhd. in der kriegssprache, die besonders im liede viel altes lange fortführte; z. b. beim überfall von Braunschweig im jahre 1605:

vom Giszler und dem Secker wall ...
hiesz man willkommen die gäste,
viel kraut und loth, dazu auch schrot
gab man ihn da zum besten.
Soltau 2, 302,

vgl. das. 408 von dem willkommentrunk u. ähnl., wie man das 'begrüszen' der feinde auffaszte. vgl. it. andar a oste, zu felde ziehen, eigentlich wol 'zu gaste gehn', als gast kommen.
δ) verstärkt ellende oder vremde geste, jenes um die heimatlosigkeit zu verstärken (vgl. noch im 18. jh. elender, lands vertrieben III, 410), dieses um den gegensatz zu dem lande, in dem sie auftreten, hervorzuheben. jenes z. b.:

ze gîsele si dâ lieʒen (auf der wahlstatt)
manigen ellenden gast. Alex. 4549 W.,

der nun die heimat nie wiedersieht;

die ellenden geste vorhten Brünhilde nît. Nib. 427, 4,

im augenblick der entscheidung und gefahr kommt ihnen das gefühl ihrer lage als wagende recken in der fremde lebhafter;

dô lernte sô wol schieʒen der ellende gast. Gudr. 97, 2,

der junge Hagen als ausgesetzter auf der insel;

eʒ kan ellendem gaste
sîn trûren ringen (erleichtern) vaste,
daʒ (wenn) man sich heimlich machet im.
Konrad troj. kr. 8059 K.

der alte begriff tritt noch recht deutlich auf in folgendem vorschlag Wates, wie sich die Hegelinge beim Hagen einführen sollen als verbannte recken:

wir sulen jehen alle, daʒ wir in æhte sîn.
zehant sô vâhet gnâde der wilde Hagene mîn,
man heiʒet herbergen uns ellenden geste. Gudr. 259, 3,

wo denn zugleich der bezug zu wirt schon eintritt (s. 5), wie in ahd. recho advena, proselytus Schm. 3, 42, Graff 1, 1131 fg., vgl. proselitus glaubig gast Dief. 467a, kirchlich, bekehrter heide.
ε) besonders fremde geste von feinden im lande ist geläufig geblieben tief in die nhd. zeit hinein:

dô ruofte ein wahtærevür die burc ze tal (vom thurme nieder):
wol ûf in der selde!wir haben vremede geste!
und wâfent iuch, ir helde!ich sihe von manegem liehten helme gleste (den glanz). Gudr. 639, 3;

an einem montag es beschach,
dasz man das leger slachen sach
an Dorneck bi der veste:
und Dorneck, du vil hoches hus,
dir koment vil frömbder geste!
Liliencron 2, 400b;

sie eilten all auf Wattwiler z,
gon Wattwiler für die feste:
nun frewent euch, ir frummen leut,
euch kummen vil frembder geste!
Uhland 505;

du hast doch noch zum bösten
von deinen frembden gösten,
was überblieben ist.
Soltau 2, 296;

Jerusalem, du starke veste,
du schön und wolgebautes haus,
dir werden kommen fremde gäste
und mit dir spielen den garaus.
Otho 782.

[Bd. 4, Sp. 1460]


auch in prosa: besser ists man binde das pferd an der feinde zaun, denn das wir frembde geste ins land bekommen. Mathesius Sar. 89b; so gehet es, wenn die herrn ... uneins werden und bitten frembde geste zu sich, damit sie ihrem gegentheil zun haupten wachsen (an kraft 'gewachsen' seien). 87a; noch im 18. jahrh.: wir haben fremde gäste ins land bekommen Ludwig 694, von einquartierten feindestruppen. in anderm sinne s. 6, a.
ζ) auch hier übrigens gast und wirt in wechselbeziehung (wie unter δ zuletzt), zu besonderer bitter witziger wirkung:

Wolfenbüttel hat gehalten ein strausz,
die gest sind drinn, der wirt ist heraus. ein lustig gesprech der teufel 1542 b 1a (
Wolffs hist. volksl. 130),

der herzog ist verjagt, die feinde herren der burg. und so schon mhd.:

do gewunnens solhe geste,
dâ von diu stat veste
der wirte wart beroubet.
Stricker Karl 1501.

s. über wirt und gast unter 5, besonders das sprichwort aus Simrock unter 5, e.
c) auch eine anzahl anderer bedeutungen und verwendungen lassen sich aus der vorigen begreifen.
α) gast für mann überhaupt als kraftwort, d. h. mann mit einer hervorragenden eigenschaft, sowol im guten als im bösen: ein gast, ein gesell, a fellow Ludwig 693. So besonders nd., z. b. een groten gast, een riken gast, ein groszer, ein reicher kerl, auch een kloken gast, tadelnd een losen, verwegen, graven (grober) gast, s. Richey 71, Brem. wb. 2, 490, Dähnert 143b, Danneil 61a; auch ironisch dat is de rechte gast! du bist een schönen gast! Richey, Dähnert, und auch kurz du gast, du schurke! Brem. wb. (vgl. DWB kerl V, 588). ebenso nl. sowol een dappere, wakkere, ondernemende, kloeke gast u. ä. als een slimme, looze, ruwe gast u. ä., ganz wie hd. kerl. Auch hd., aber öfter im schlimmen sinne: ein wackerer gast, a stout or corageous fellow. Ludwig; ein lustiger gast, a lusty blade. ders.; ein fetter, reicher gast, begüterter mann Adelung, 'im gemeinen leben, besonders Niedersachsens'; einer der mehr zusaget, als er tuhn kan, ist ein groszsprecher. mich wird ein solcher gast über einmahl nicht betrügen. Butschky Patm. 877; he? wos wurn dos für gäste, die mir .. die pflaumen auszm backufen froszen? Gryphius Dornr. 55, 36;

der ist entweder ein fantast
oder ein gottsvergeszner gast.
Ringwald laut. warh. (1621) 173,

von einem der mit unbesonnenen neuerungen die leute bethören will; er (der Satan) ist ein rechter garstiger trawriger gast. Joh. Rhau geistl. gesangb. 1589 vorr.; da er doch wol ein schalk oder neunhäutiger gast in der haut ist. Simpl. 1685 1, 121; was vor halsstarrige gäste die bauren sein. baurenst. last. (1684) 130; solche unversöhnliche gäste seind die bauren. 122;

auch was sie vor schlimme gäste,
weist sich hier aufs allerbeste. 61;

es ist ein schlauer gast, wir können noch nichts zur zeit mit ihm anfangen. Schoch stud. L 3, homo astutus Stieler 614; ein schlauer gast. Wieland 19, 176;

ich kenne sie als unverschämte gäste. Oberon 2, 2;

ein durchtriebner gast Lichtenberg 3, 204, vgl. V, 2621 unten;

die menschen aber grosz und klein
sind wunderliche gäste.
Claudius 8, 28;

ein seltsamer gast, rara avis Steinb. 1, 561. eigen auch kurz gast für das 'schlauer gast' vorhin: er ist ein gast über alle gäste. ders. auch in zusammensetzungen, wie galgengast, ein bauer schilt landsknechte:

trolt euch, ir losen galgengest!
Ayrer 2950, 8.

Von einem verhältnis zwischen wirt und gast ist da überall durchaus keine rede, kann doch ein wirt, gastwirt selber so heiszen: der wirth war ein kluger gast! da er sahe u. s. w. Simpl. 2, 292 Kurz (2. contin. a. e.). es ist eben wie kerl, knecht, knabe, held, geselle, bursche, kunde u. a. (s. DWB kerl II, 13), die sämtlich von einer bestimmten bedeutung aus sich zu der allgemeinen als kraftwort für mann, kerl überhaupt erweitert haben, die vier ersten eben auch von der bed. held oder frischer mann aus. nl. sagt man sogar z. b. dat is een gast van een visch! ein besonders groszer fisch, wie nl. dat's en kêrl (V, 591), hd. bursche. die heutige bedeutung von gast hat übrigens von sich aus einen ähnlichen weg betreten, so dasz es sich von zwei seiten kommend berühren kann, s. 6, c. s. auch DWB gästin 3.

[Bd. 4, Sp. 1461]



β) nahe berührung damit hat nd. gast junger mensch, ditm. netter hübscher bursche Schütze holst. id. 2, 11. 12, nordfriesisch unverheirateter junger mann Johansen 7; nl. een jonge gast, junger bursch, auch gastje, z. b. een jong wild gastje, d. h. wie hd. einst knabe, knecht, knechtlein, bursch. Daher von junggesellen im handwerksleben, eben wieder wie knecht, knabe, bursch, s. z. b. freigast; nl. z. b. geselle beim brauer, gerber, bei Kil. 122b ambachtsgast (ambacht handwerk), druckersgast, typographiae operarius; nd. 'schipgast, ein matrose, schiffknecht'. Br. wb. 2, 490, nl. kurz gast, 'knap, ervaren matroos', also auch noch mit anklang von ehre, der auch dem ursprünglich gleichgebrauchten knecht, knabe, bursch eigentlich beiwohnte und der kern des wortes in diesem gebrauch ist; die geste als recken unter b waren gewiss hauptsächlich die kecke, frische jugend, wie ahd. glossiert wird recho vel junger, pubes Schm. 3, 41.
γ) hierher wol auch das gast in der soldatensprache, das Schm. 2, 78 aus einem ältern bair. militärreglement beibringt: rottengast, soldat der mit einem oder mehrern andern in éiner rotte steht, schiltergast soldat auf schildwache; es könnte durchs landsknechtwesen hindurch, wie anderes soldatische, auf alte zeit zurückgehn, s. z. b. knecht 5.
δ) die bedeutung unter α gesteigert in eigner weise: ostfries. de quade gast, der teufel Stürenb. 66a ('n quaden gast schalk, schelm 66b), mnl. lede gaste pl. Rein. 2841, wenn Grimms auffassung myth. 940 richtig ist. deutlicher mhd. der helle geste, die teufel Rother 3659, nach Lambels auffassung 'die feinde aus der hölle' (zeitschr. f. die östr. gymn. 1873 s. 179), während der teufel sonst vielmehr der helle wirt, hellewirt heiszt; doch ist denkbar die auffassung als besucher aus der hölle. Aber die benennung greift weiter in alter und sinn. schon im Beowulf heiszt Grendel, der als teufel behandelt wird, helle gast 1275, sonst auch se grimma gäst 102, auch blosz se gäst 2313, verstärkt ellorgäst, gryregiest, ellengäst u. ähnl. (vielfach bisher als gæst gefaszt, vgl. b, α a. e.), meistens ausdrücke, die überhaupt einen fremden oder verbannten als feind, einen gefährlichen landesfeind bezeichnen können, wie z. b. auch heorowearh 1268 eben von Grendel; da aber die teufel mit wräcca, wräcmäcg u. ä. (Grein 2, 739) ausdrücklich auch als geächtete landesfeinde behandelt werden, die auf reckenpfaden gehn müssen, durch umbildung der christlichen vorstellung ihrer verstoszung aus dem himmel, so wird auch jenes gäst, gast vom teufel ursprünglich einen geächteten recken oder helden bezeichnen. in der helle gast hatte der gen. den ort, wo der ächter nunmehr hauste, zu bezeichnen, wie in gârsecges gäst, des meeres gast, vom walfische (Grein 1, 373), der gleichfalls als geächtetes ungethüm gedacht ist.
ε) merkwürdig ist dabei, weil in der form von gäst abweichend (I, a), dän. gast böser geist, gespenst, 'arger gast', schwed. norw. gast ein feld- oder waldteufel; norw. und schwed. dial. aber auch gast groszer langer kerl und wilder, gewaltthätiger kerl, s. Aasen 210b, Rietz 188b, ebenso altdän. auch übelthäter Molbech dansk gl. 1, 275, was sich doch unmittelbar an die bedeutung geächteter anschlieszt, und da es altdänisch auch in der bed. unter α vorkommt, z. b. then galnæ gast, der böse kerl, wie noch dänisch en slem, led gast u. ähnl., das letztere gleich mnl. lede gaste unter γ, ags. lâðe gystas Grein 1, 274, so ist wol an der einheit mit jenem nicht zu zweifeln. vgl. auch engl. aghast, altenglisch agasten Mätzner wb., Stratmann 233.
4) zur gewöhnlichen und heutigen bedeutung überleitend gast als kunde, fremder im geschäftsverkehr, sodasz da zwei entgegengesetzte worte in ihrer entwickelung doch in éinem punkte aufeinander treffen, denn sonst heiszt es mhd. formelhaft die kunden und die geste, wie die friunde und die geste, die kunden und die vremden, dagegen die unkunden geste Nib. 1610, 4.
a) so kaufgast, geschäftskunde: item das sie (die kaufleute) iren kaufgesten sagen, dasz iczlicher sin gut, das er von on keuft, in der wage vorrechte (im wagehause wiegen lasse und das wagegeld entrichte). Leipz. urk. 1, 312, städtische wageordnung vom j. 1464. auch gast allein: wenne die burger kaufmanschacz hirinne haben, so sollen die meckeler die geste, die der ware bedorfen, von erst an die burger wisen (statt an fremde kaufleute). das. 314, eigentlich fremde die zum kaufen in die stadt kommen, dann gewiss auch von städtern selber. das schlieszt sich zugleich an gast 3, a als fremder kaufmann an, der selber durch öfteres kommen zum markte zum kunden wird, zum gaste in dem sinne hier. so noch marktgast, s. auch hafengast vom fremden schiffer der in den hafen einläuft, bair. bei Schm. 2, 78 schrannengast, der getreide auf die schranne bringt, mautgast, der von etwas zoll zu entrichten hat.

[Bd. 4, Sp. 1462]



b) ebenso dann mühlgast u. ä., der in einer mühle mahlen läszt Frisch 1, 323a, ebenso backgast (s. d.) beim bäcker. jenes schon mhd.: (die mühle wird vergeben) mit allin den gestin, mit alme dem rechte alse se von aldere gehabit han. Baur hess. urk. 1, 332, vom j. 1315; zum vierden sollen die möller hinter den mülsteinen ire fenster verglasen, damit der wind den mülgesten das ire nicht entwehe. Leipz. stadtordn. 1544 D 4b; wo er anderst mühl-gäste haben und behalten wolle. kunst- u. handwerksnotar. 119; wann sie selber einander die mehl-gäste abspenstig machen. 115; auch mahlgast, z. b. nd. in Pommern: wat sind dôr vôr mâlgäste? welche dorfschaften lassen auf der mühle mahlen? Dähnert 143b; auch dän. gjest, möllegjest. ähnlich gast in einem salzwerke, salzgast: sie (die bornmeister) müssen auch allweg in 14 tagen umbgehen und das salz vermessen, auf dasz den gesten oder fuhrleuten gleich masz gereicht werde. Mathesius Sar. 126a.
c) noch jetzt so fahrgast, passagier, auch omnibusgast u. ä., im droschken- und eisenbahnwesen neuerdings von Berlin aus sich verbreitend, auch z. b. in Sachsen; auch gast allein, z. b.: wer auf anderen als auf den genannten plätzen aufstellung nimmt, um, ohne speciell bestellt gewesen zu sein, gäste aufzunehmen .. droschkenordnung für Wiesbaden 17. aug. 1867 (von einem preusz. beamten), ebenso in Frankfurt a. M., dort zu lande bis dahin unbekannt.
d) hierher eig. auch badegast, one that bathes in a common stove Ludwig 694, der eine badstube besucht (daher darnach der gast, darnach der quast Simrock spr. 3040, badequast), nun auch wie brunnengast, curgast, der doch auch mehr beim brunnen zu gaste ist als bei seinem wirte, obwol es nun mehr zu dem begriffe neigt 'fremder als willkommener besuch', wie gast vom schauspieler u. ä., der gastrollen gibt, wo aber doch die beziehung zu einem wirte noch fehlt: gar manches .. schädliche hat die erscheinung von gästen auf dem theater. Göthe 31, 120; vgl. auch gastpredigt.
5) die neuere entwickelung ist hauptsächlich in und an dem begriffsverhältnis von gast und wirt vor sich gegangen; s. schon 3, b, ζ.
a) das verhältnis ist übrigens alt, vielleicht uralt.
α) eigentlich ist wirt ein mann mit eigenem hause, haus und hofe oder auch lande (des landes wirt, der fürst), gast das gegentheil, auch ohne persönliche beziehung auf einander; so noch im 14. jh. z. b.: hât ein gast zu teidingen mit eime wirte der dâ beseʒʒen ist in Vrîberc .. Freib. stadtr. Schott 3, 168, nichts als fremder und bürger, nicht etwa jener bei diesem wohnend; wirdet aber ein gast .. verboten in sîner herberge von eime anderen gaste oder joch von eime beseʒʒenen wirte. 169 (beseʒʒener wirt im unterschiede von einem, der blosz ein hûs gemîtet hât und wirt darinne ist s. 160); ist daʒ ein vûrman vûret zweier leie gût ûf einem wagene, ein teil eines gastes und ein teil eines wirtes oder eines hûsgenôʒen von der stat (mietwohners). 272. ebenso wesentlich im folgenden:

swie daʒ weter tüeje,
der gast sol (musz) wesen früeje.
der wirt hât truckenen fuoʒ
vil dicke, sô der gast muoʒ
die herberge rûmen.
swer in dem alter welle wesen
wirt, der sol sich in der jugent niht sûmen.
Spervogel minnes. frühl. 27, 6 ff.;

kume ich spâte und rîte fruo, 'gast, wê dir, wê!'
sô mac der wirt wol singen von dem grüenen klê.
Walther 28, 8,

beide dichter aus ihrer erfahrung als heimatlose fahrende, als dauernde geste (s. 2, d), wo denn noch der begriff oder das gefühl des fremdseins, des ellenden (3, b, δ) durchaus vorwiegt gegenüber dem heutigen gast als wolaufgenommener und mit versorgter fremder.
β) daher mhd. gast im gegensatz zu wirt auch ausdrücklich als fremder, der sich fremd oder ellende fühlt, obwol unter dach und fach:

swer mit den vürsten (in ihrem dienste) wil genesen,
der muoʒ ein lôser (falschreder) dicke wesen,
od aber lange sîn ein gast,
sîn dienst vrumt (ihn) anders niht ein bast.
Freidank 73, 14,

d. i. obwol bei hofe doch fremd da, des hoves gast (2, a) oder ze hove ein gast wie eine hs. schreibt;

der man ist under vriunden gast,
dem heime leides nie gebrast (das leid nie fehlte).
dem sælde und êre ist beschert,
der ist dâ heime swar er vert. 97, 12,

[Bd. 4, Sp. 1463]


fühlt sich selbst unter freunden fremd und elend, während der daheim glückliche das wirtsgefühl überall mit hin nimmt, überall 'wie zu hause' ist. etwas anders gewendet im folg.:

dem wirte ich bin ein swærer last (tadle ihn schwer),
der ûʒe ist wirt, dâ heime gast. Renner 5416,

der geizige, der nur unter den leuten gastfreundlich redet, aber daheim nachher 'fremd thut' den gästen gegenüber.
γ) den stärksten ausdruck fand daher des wirtes freundlichkeit darin, dasz er den gast aufforderte, bei ihm selbst wirt, also nicht mehr gast zu sein, z. b.:

du salt hie selve wirt sîn. kön. Rother 984 (vgl. 1277);

der verje Gâwânen bat:
sît selbe wirt in mîme hûs. Parz. 548, 23,

'thun sie wie zu hause' wie es jetzt heiszt. man sagte auch einen engesten, entgästen, wie Haupt nachweist zu dem sich engesten Erec 9714, einander das fremdsein benehmen; vergl. J. Grimm III, 526 unter entgästen, wonach diesz auch bezeichnet hätte dasz man dem fremden auch die gasteskleider, reisekleider abnahm und ihn mit frischen, schönen kleidern vom wirte versah, sodasz er auch äuszerlich aufhörte gast zu sein (vgl. gastkleid). denn wie sehr in gast damals noch das fremdsein vorwog, zeigen auch die von Haupt zu Er. a. a. o. beigebrachten stellen von gastlîch u. ä. (vgl. gästlich), sodasz in dem heutigen gast der begriff eigentlich fast in sein gegentheil umgeschlagen ist; s. übrigens auch DWB gästen 3.
b) der neue begriff tritt ein, wo ein gast, fremder, von einem wirte, hausherren, als sein gast aufgenommen wird, wie der alte ausdruck ist (s. z. b. 1, a, γ aus 3 Mos. 25, 33), d. h. in sein haus und zugleich in seinen schutz, seine pflege und gastfreundschaft.
α) so mhd. z. b.:

nû giengen sî ouch eʒʒen ..
sî buten deme gaste ..
alsô grôʒ êre,
daʒ eʒ nie wirt mêre
sîme gaste baʒ erbôt. Iwein 6551;

der wirt gên sînen gestenvil frœlîchen reit (zum empfang). Nib. 243, 3;

ein wirt bî sînen gestenschôner nie gesaʒ.
man gab in volleclîchentrinken unde maʒ (speise),
alles des si gerten,des was man in bereit. 1755, 1;

der künic hieʒ vrâgendie werden geste sîn,
ob si wolten nieʒensîn brôt und sînen wîn. Gudr. 322, 1,

es sind die Hegelinge als ellende geste, d. h. vertribene liute von ir selber lande (259, 3, 311, 3, s. u. 3, b, δ), denen Hagen von Irland vorher schon sein geleite und seinen vride hat zusichern lassen (296, 1) und die er darauf schon die mînen geste nennt (298, 3. 304, 3) als des landes wirt, ja ihnen anbietet, mit ihm in seinem lande wirt zu sein (316, 2, vgl. unter a, γ), sie herbergen und ihnen êre erbieten heiszt (319, 1. 3) und die er nun auch als 'seine gäste' im engsten sinne aufnehmen will mit 'seinem brot und wein' (zur bedeutung dessen vgl. DWB brot 3, auch Nib. 1577, 4. 1627, 2), wo denn deutlich wird, wie gast von dem ursprünglichen begriffe aus über mehrere stufen hin zu dem vollen neuen begriffe kam, in dem die gastfreundschaft mit ihrer alten heiligkeit voll eingeschlossen ist. bildlich wird es fein verwendet von dem Italiener Thomasin von Zirclaria, der sein deutsches gedicht bei den Deutschen so einführte:

tiutsche zunge (d. i. volk), enphâhe wol,
als ein guot hûsvrouwe sol,
disen dînen welhschen gast,
der dîn êre minnet vast. welscher gast 89,

wo für hûsvrouwe auch wirtinne stehn könnte.
β) so im städtischen leben zwischen dem wirt, bürger, und dem gast, fremdem kaufmann (s. 3, a), der hier wie oft fûrman heiszt, weil er selber mit seiner waare auf einem wagen kommt: item das der furman groszern ernst des (in bezug auf die neue anordnung) irkennen mag, so sal iczlich wert sinem gaste dem furmanne sagen, das u. s. w. Leipz. urk. 1, 311, der bürger bei dem er einkehrt, noch nicht 'gastwirt', da es dann wol sinen gesten heiszen würde. und so bis heute, z. b. sein sie oder sie sind für heute mein gast, womit die gesamte pflege für den 'gast' übernommen wird (doch ist wirt dabei etwas zurückgetreten), auch auszer dem hause, auf der reise u. ä.; so solst heut mein gast sein. Schönsl. S 4b, vgl. unter 8, c;

Italien nennt keinen groszen namen,
den dieses haus (Este) nicht seinen gast genannt.
Göthe 9, 104,

bei sich auf besuch gesehen und verpflegt.

[Bd. 4, Sp. 1464]



γ) natürlich auch mit gen. wird das verhältnis ausgedrückt:

dô giengens wirtes gestedâ man in sitzen riet. Nib. 38, 1;

das ist doch nit anders, denn als wär gott selbs euer kurf. gnaden täglicher gast. Luther br. 4, 21; denn da ist nichts guts inne und ist gewisslich in ihm der teufel eur stadt gast. 4, 423, warnung an die Soester vor Joh. Campensis der sich bei ihnen aufhält. s. weiter 6. übrigens auch bloszes gast schon mhd.:

uns nâhent hôchzîte,daʒ habet ir wol vernomen,
der palmetac ist nâhen,uns sulen geste komen. Gudr. 1192, 2,

auswärtiger besuch zum osterfeste.
c) beide begriffe haben die spitze ihrer bewegung erreicht in wirt als gastwirt (gastgebe) und gast als wirtsgast.
α) den übergang vom allgemeinen begriffe zeigen stellen wie folgende: eʒ ensol auch chain gastgebe von sînen gesten, die hinz im varent, oder von andern gesten chain silber kaufen. Augsb. stadtb. s. 17, genau übersetzt 'seine fremden' (die zu ihm kommen zum aufenthalt) und 'andere fremde' (s. 1, b); die gastgeben .. mögen frembden auswerdigen gesten, die hie nit burger oder stetteinwoner seind und die gastweise bei inen zu herberg ligen, wein geben. Nürnb. pol. 249. übrigens ist dabei auch noch nicht blosz an gastwirte im heutigen sinne gedacht, sondern zugleich an bürger die bei jahrmärkten u. ähnl. fremde aufnahmen (s. unter gastgebe, gastung 2). so deutlich z. b. in der städtischen gastordnung für den bevorstehenden reichstag zu Worms 1520, da handelt ein absatz von allen andern heusern, die nit offen wirt sein, und bestimmt: so iemand, wie obsteet, geste habe, die bei ime essen, ligen und pferde stellen, selbs heu, streu und habern kaufen würden .. die selben gest mugen mit irem wirt sich der malzeit u. s. w. vereinigen (ohne städtische taxe). allg. zeit. 1868 s. 2658a.
β) im heutigen sinne, auch schon mhd.: sô sint etelîche wirte unde gastgeben in den steten (der art) daʒ sie ein gesoten spîse als lange behaltent, daʒ ein gast dran iʒʒet daʒ er iemer deste krenker ist. Berthold 150, 39 (vgl. unter garbräter 1). das hiesz auch deutlicher ein offen oder gemein wirt oder gastgebe, sein haus ein offen oder gemein herberge (vgl. DWB gastoffen), z. b. in der erwähnten Wormser gastordnung: damit mäniglich, die in zeiten dises reichstags hie in Wurmbs ab und zu reiten, herberg haben mögen, sollen die groszen zwo hernherberg zum schwan und im kaufhaus, auch ander gemein herberg den selben frei offen bleiben und mit der keiserlichen majestat noch anderer fürsten und herrn hofgesinde nit beladen werden, es were dann sach, dasz der selben etlich iren pfennig bei inen zeren wolten, die mügen die wirt gleich den gesten, so täglich zu und ab reiten .. wol herbergen; und nachher: in offnen herbergen, da ein wirt gibt fünferlei gericht .. dar für soll der wirt nit mer nemmen (folgt die taxe) .. es were dann das .. die geste etwas weiters über sölichs haben oder zu drinken wölten. in den Leipz. stadtordn. von 1544 L 2b: das ein wirt oder gastgebe seinen gesten .. auf ein malzeit geben sol fünf gericht mit dem kese, und .. nicht mehr nemen denn zwen groschen, mit folgender taxe für die verpflegung der pferde. denn es sind da überall die geste noch auswärtige, und es bleibt zu finden, wann das wort auf gäste aus der stadt erstreckt wurde; noch in den Nürnb. polizeiordn. heiszen sie nicht so: dasz fürbasz kein .. gastgebe .. nach verleütung der feürglocken imants in iren heusern einichen gedrank geben sollen, nachher der drinker s. 254, sie sollen drinkleut nit halten 255 (15. jh.). Schmeller2 1, 952 bringt aus der Traunsteiner stadtordn. von 1375 ein entsprechendes verbot: welich leitgeb nach der fewrglokken icht schencht, an ob er gest hab, die des nachts bei im wellen bleiben, und auch recht gest sein .., nur wirkliche fremde sollen ausgenommen sein, aber auch nächtliche zecher aus der stadt mochten sich danach geste nennen, um beim weine sitzen bleiben zu können.
γ) vom wirte heiszt es, er hält gäste, daher gasthalter, vgl. ein gast wol halten Henisch 1365, setzen oder enthalten Nürnb. poliz. 254, ersteres besonders vom bier- oder weinwirte, gäste setzen Ludwig 694, er kann so und so viel gäste setzen; dasz ein jeder (wirt) über die zugelassene zeit keine gäste setze. Leipz. stadtordn. 1701 s. 418; nd. gäste setten, 'schenke halten' Dähnert 143b aus ältern quellen, auch de mann hölt sittende gäste, hält ein wirtshaus ders.; das ist aus der alten sprache, auch des hofes, übernommen, z. b.:

der wirt hieʒ in schenken sâ
und sazt si wirdeclîchen nider. Mai 214, 19,

[Bd. 4, Sp. 1465]


ein fürst in seinem palas, das schenken ist der willkommentrunk, wie im folg. und oft:

der künic hieʒ si sitzen,als man geste tuot,
dô truoc man in ze trinkenden aller besten wîn. Gudrun 336, 2. 3.

für halten auch hegen: (nachdem der rath erfahren) welcher gestalt in denen bier- und schenkhäusern und sonderlich in denen ungebührlich eingeführten thee- und caffe-stuben nicht nur über die .. bestimmte frist gäste geheget .. Leipziger stadtordn. 1701 418, wo zugleich zu bemerken, dasz die auswärtigen gäste meist nicht mehr so, sondern fremde heiszen (s. 408. 410, 17. jh.), gekürzt aus fremde gäste, s. 6, a.
δ) sprichwörtlich: es ist kein wirth so arm, er kan einem gast ein mahlzeit brot borgen. Henisch 1370; es steckt kein wirth kein reif aus umb eines gastes wegen. das.; man sagt gemeiniglich .. ein ieder wirt, so einen reif ausstecken (jeder pluralisch gedacht), musz manches seltzamen gasts wertig sein. gut und bös, wie sie der weg bringt, also musz er die annemen. Wickram rollw. 140, 28 ff. (vgl. Parz. 297, 25, Germ. 10, 238), zugleich zu 3, c, α. in spitzfindigem wort- oder sinnspiel mit gast im weitern sinne: es ist kein volk das weniger gäst hat dann wirt oder gastgeben. Frank spr. 1, 89a, mit der erklärung: gäst heiszen die man aus freundschaft lädt ... solch wirt seind unsere wirt nit .. drumb hat niemand weniger gäst dann die wirt die alle tag das haus voll gäst haben.
ε) dazu täglicher gast u. ä., stammgast, abendgast, mittagsgast, speisegast, biergast, weingast, kaffeegast u. a., zechegast conviva Dief. 149a.
d) bemerkenswert ist noch für das verhältnis von gast und wirt, wie es anderwärts durch éin wort vertreten ist das nach beiden seiten gilt; so in griech. ξένος, lat. hospes, und noch in franz. hôte, ital. oste, span. huesped (auch hauswirt und mietmann zugleich, vergl. 1, c). da der grund dieser doppelheit, die entwickelte gastfreundschaft, auch in unserer vorzeit bestand, darf man sich wundern, dasz nicht auch da ein solches gemeinsames wort bekannt ist. einen ansatz dazu in gast zeigt gasterei oder gastung und wirtschaft in gleicher bedeutung, ebenso gastlich und wirtlich unter gastlich 2, b, auch gasten (2) und bewirten, ξενίζειν, besonders gastlich und gastbar gleich gastfreundlich. Nur dem griech. nachgebildet ist es in gastverwandt zur bezeichnung des hospitium, der ξενία, gegenseitige gastfreundschaft (vgl. Bürgers gastbefreundung):

beide väter waren gastverwandt.
Göthe 1, 242 (braut v. Corinth).

ähnlich läszt Schiller in gast den gastfreund anklingen:

hier wendet sich der gast mit grausen. 57b;

das hört der gastfreund mit entsetzen. 57a;

Bürger und Voss hatten Homers ξεῖνος mit gast übersetzt:

fürwahr! du bist mein gast von alters her!
denn beim erhabnen Oeneus gastete
der unbescholtene Bellerophon
einst zwanzig tage lang, und jeder gab
dem andern ein vortrefflich gastgeschenk.
Bürger 171b (verm. schr. 1797 1, 133),

ἦ ῥά νύ μοι ξεῖνος πατρώιός ἐσσι παλαιός. Il. 6, 215,

wahrlich, so bist du mir gast aus väterzeiten schon vormals.
Voss.

doch auch im 16. jahrh. schon bei J. Spreng, der z. b. die letzte stelle übersetzt:

von meinem vatter hochgenannt
bistu mir als ein gast bekannt. Il. 121b,

während er 6, 231 ξεῖνοι deutlicher gibt durch gäst und freund (122a), Voss aber auch nur durch gäste:

wie wir gäste zu sein aus väterzeiten uns rühmen;

Od. 1, 215 übersetzte er ξεῖνε zuerst mit freund, später o gast; s. weiter gastfreund.
e) weiteres zu gast und wirt im allgemeinen sinne: es geschicht nicht mehr, dasz der wirth dem gaste haimlich silber und gold in seinen sack stecke. Henisch 1370, der wol dabei wie seine zeit mehr an den gastwirt gedacht haben mag, es ist aber ein nachklang der zeit, wo auch bei uns der wirt dem scheidenden gaste auf den weg 'sîne gâbe' mitgab, das ξένιον, κειμήλιον (s. sp. 1112 d, α), vgl. DWB gastgabe, die nach der erzählung bei Pauli sch. u. e. 51 Öst. noch im 16. jh. vorkam; wie der wirth ist, also bescheret ihm gott gäst. das.; es ist der wirth wie die gäst. das.; weise mir den wirth, ich weise dir den gast. das.; gern gäst (lies gast), selten wirth. das., vgl. DWB gernegast coenipeta Stieler 614; es seind böse gäste, die den

[Bd. 4, Sp. 1466]


wirth aus der stette bringen. Henisch 1569; schlimmer gast, der den wirth vertreibt. Simrock spr. 3033, vgl. 3, b, ζ.
6) der gast wird als solcher verschiedentlich bezeichnet.
a) auch für gast als wol aufgenommener besuch steht schon mhd. und lange fremder gast, was doch anfangs durch gast allein schon bezeichnet war, dann aber besonders von fremden galt (3, b, ε):

den vremedin gesten
wart die aller beste
lîfnare (speise) vore getragen. Rother 1333;

dar ûʒe und ouch dar innespîsen man si lie,
jâ wart vremder gestebaʒ gepflegen nie:
alles des si gerten,des was man in bereit. Nib. 744, 2;

tischreden doctor Martini Lutheri, so er in vielen jaren .. gegen gelehrten leuten, auch frembden gesten und seinen tischgesellen geführet .. durch J. Aurifabern. Frankf. 1574, womit die täglichen tischgäste aus der stadt von den gästen ausgenommen oder von ihnen die fremden gäste unterschieden sind, letztere als auswärtige besucher;

in einem dorf ein kirchmes was,
der schultes der ld manchen frembden gast.
Uhland volksl. 413,

gäste aus andern dörfern; fliegen die aglaster um ein haus her oder springen die bränd am feuer hinden über und schnappen, gibt beides zu verstehen dasz daselbst hin frembd gäst kommen werden. Kirchhof wend. 4, 289 (3, 216 Öst.);

bald kam Warmfrieden weib gegangen,
den frembden gast wol zu empfangen. froschm. F 6b;

denn als sie ihre frembde gest
nun hat erquickt aufs allerbest. F 4a,

also auch ihre fremden gäste ganz wie ihre gäste mit dem ganzen klange des gastfreundlichen darin.
b) der fremde ist entweder ein lieber, willkommener, gern gesehener gast u. ä., oder das gegentheil; jenes z. b.:

Riwalîn sprach! lieber gast ... krone 5959;

den sînen lieben gesten ... Gudr. 45, 3;

was im ein lieber gast. Eulensp. 24; im munde des empfangenden wirtes: so geet der abt den gesten entgegen, empfacht sie mit lachendem mund und spricht, er hab in langen zeiten keine gest gehapt, die im so lieb und angenem gewesen. Zimm. chr. 2, 204; ihr seid mir ein lieber und wehrter gast. Ludwig 693. auch ein gastgeber sagte so: 'wir bitten freundlich, ihr wollet uns herbergen' .. gar gerne, ihr sollet mir liebe geste sein, was ich auch habe, wil ich euch gerne zum besten geben. schausp. des herz. H. J. v. Braunschweig 318, der gastwirt für geld braucht dieselben ausdrücke wie ein wirt aus gastfreundschaft. willkommner gast sein s. unter I, a, vgl. Iwein 6475 ff., zu gern gesehen Nib. 127, 4. 1677, 1, Ringwald u. 8, c. Der gast seinerseits verspricht auch ein guter, frommer gast zu sein, was als gegensatz zum folg. (c) sein licht erhält; landsknechte z. b., die in den himmel wollen, versprechen dem heil. Petrus:

alter, mir wölln mit dir nit palgen,
sonder nur gar (ganz) gute gest sein.
Ayrer fastn. 123b (2952, 25);

er (der igel zur schlange) sprach: ich wil mich gar wol schicken,
heimlich in einen winkel drücken,
und halten wie ein frommer gast,
meinthalb solt han kein überlast.
Wolgemuth Es. 2, 308 nr. 267;

seitdem du bei uns wohnst
und eines frommen gastes recht genieszest.
Göthe 9, 15 (Iphig. 1, 3).

ein ehrlicher gast, angesehener, zugleich der dem hause ehre macht, s. unter DWB ehrlich 1; aber auch lustiger tischgast: phagifacetus, ein erlicher gast. Dief. nov. gl. s. xvii, auch frölicher gast, conviva laetus Maaler 157d. ebenso werter gast, zugleich den man 'wert hält' (vgl. ehrlich und wert halten unter ehrlich 1), mhd. häufig, z. b. Gudr. 47, 4; dagegen: armt ist ein unwerder gast. Frank spr. 1, 39a; armt ist ein last, das alter ein unwerder gast. 1, 39b; unwerthe gäste finden schmalen platz und haben dünnen willkomm. Henisch 1369, 19.
c) anderseits ist viel die rede von schlimmen gästen: drei ding seind zufliehen, ein ungelehrter arzt, ein rohe speis und ein böser gast. Henisch 1368;

leidiger gast ist kurzer vriunt. MSH. 3, 289a;

ein ungedultiger gast
ist einem wirte ein müelich last.
Freid. 131, 5, var. ungefüeger;

unnutze gäste, s. Göttinger gel. anz. 1873 s. 1248;

[Bd. 4, Sp. 1467]


er ist ein grober gast.
Göthe 10, 239;

den ungehobelten gast werf ich zur thür hinaus. Schiller cab. u. liebe 2, 6. besonders oft grober gast sprichwörtlich: ein grober gast, immodestus, incivilis hospes Stieler 614, zugleich aber gleich grober kerl überhaupt, Boeoticus, paganus wie Stieler erklärt, d. h. in die bed. 3, c, α übertretend, wie lustiger gast u. ä. gleichfalls, vgl. DWB trüber gast 10, a. ein lästiger gast (vgl. Schiller 10, e), besonders der ungebetene u. ä.: ungeladener gast ist ein last. Henisch 1369, mit dem naheliegenden reime wie schon mhd. vorhin; ungeladene gäst setzt man hinder die thür. das., in den rauch 1569, nicht feste das., gehören hinter den ofen, unter den tisch u. a. Frischbier s. 77; sie .. fürchteten, dasz abermals eine gesellschaft ungebetener gäste diesen wahlplatz besuchen möchte. Göthe 19, 42. diesz ungebetner gast aber ist von selbst in die bedeutung lästiger gast übergetreten, während es doch auch umgekehrt heiszt: gute geste kommen ungeladen. Neander sprichw. 14; ungebetene gäst seind die liebsten. Lehman 1, 255; gute gäst kommen selbs freiwillig. Henisch 1368; die liebste gäst kommen selbs. 1369. wiederum aber erscheint es auch in den begriff geladener gast eingeengt: gäst heiszen die man aus freundschaft lädt. Frank spr. 1, 89a.
7) weiteres sprichwörtliches über gast.
a) das sprichwort nennt drei tage als die zeit die einen gast lästig mache: drei tage gast ist eine last. Neander 7; dreitägiger gast ist ein last. Henisch 1369; frembder gäst wird man nach dreien tagen überdrüssig. 1368; am dritten tag stinket der gast. 1369, was sich aus folg. erklärt; nach dreien tagen gilt nicht vil ein fisch und ein gast, post tres saepe dies vilescit piscis et hospes (var. uxor). 1116, vgl. 1370, 43; ein guter gast und ein guter fisch halten sich drei tage. Frischbier s. 77. den lat. vers gab man sogar gästen zu lesen, z. b. in klöstern: nachfolg. carmina, die ich ainest zu Ochsenhausen im gastgemach gefunden an der stubenthür: post tres dies (so) vilescit piscis et hospes. Zimmer. chron. 2, 206, vergl. bei Lehman 1, 256 von dem abte, der adlichen gästen, die zu lange blieben, zu gemüte führt, wie der herr wolweislich nur drei tage im paradies sich verweilt hätte (bei der höllenfahrt). noch kräftiger aus dem munde eines kargen abtes, der seine gäste habe merken lassen (mit reimanklang), der mist und die gest seien im feld zum besten. Zimm. chr. 2, 206, d. h. beim ausfahren, abreisen, vgl. das. 205, 19 von dem propste, der seiner gräflichen gäste rosschwenz über alle maszen lobt (statt der köpfe), bis der graf sein ersehntes abreiten dahinter merkt.
b) daher für den gast verhaltungsregeln u. ä.: leid dich gast, sonst bist ein last. Henisch 1370, sei kein 'ungedultiger gast' (6, c); wenn man zu gast ist, soll man wenig reden. das.;

eins solchen gasts hat man bald satt,
der nicht für lieb nimmt was man hat. 1369, 68;

in ander leut kuchen hat kein gast zuschaffen. 1370; wann der gast am liebsten ist, so soll er wandern, piscis nequam est nisi recens. das. (Neander 29); wer vil mit bringt, der ist der wertheste gast. das.; man vergisset eines bald, der nur ein gast gewesen ist. das.; ein gast soll nicht ungebetten kommen. Lehman 1, 255; ein gast soll mit dem hauswirth vor gut nehmen. das.; der gast soll des heimgehens nicht vergessen. das.
c) vom wirth u. ä.: ein frölicher wirth macht fröliche gäst. Lehman 1, 257; der wirth ist der best, er musz mehr trinken als die gäst. 256 (zu der best, der tapferste, s. Germ. 10, 135, vgl. unter kannenritter); so mann, so gäst. 2, 324, vgl. unter 5, e; die schmeckenbrätlin (eigentlich 'riech den braten'), so ein leckerbiszlein über 3 gassen riechen, haben gern gäst in ander leut heuser. Frank spr. 1, 37a; er nötiget gern gäst in ander leut häuser. Henisch 1569; der nicht gern gäst hat, der thu sein schilt ab seinem haus. Henisch 1369, 49, von der alten sitte her, seinen schild mit dem hauswappen auszuhängen, von den gastwirten beibehalten; es hat mancher gern gäste, legt aber nicht gern teller auf. 1569, 67; mancher ladet gäste zum kalbskopf, und hat die kuhe noch nicht gekalbet. 1570; man empfähet die gäste gemeiniglich zwirend (doppelt), freundlich mit hand und mund, im herzen wie gott wol waisz. das.;

zu leuten kommt er nicht, er hütet sich vor schaden:
denn wer zu gaste geht, der musz auch gäste laden.
Rachel 6, 98.


d) das alte gesetz der gastfreundschaft noch im 17. jh. sprichwörtlich: gäste soll man ehren. Henisch 1570; ein gast ist aller ehren werth. 1369, 59; aber auch umgekehrt die gäste ehren

[Bd. 4, Sp. 1468]


(noch jetzt beehren) den wirt, mhd. z. b. ausdrücklich gleich besuchen als gast zu einem feste: mîn herren êrten alle mich gut. Gerh. 3416, thaten mir die ehre an o. ä., wie es noch heiszt. überhaupt hat ehre begrifflich eine uralte nahe beziehung zu gast, wie denn Lehman sein cap. von gast, gastung damit anhebt: wer leut zu ehren ladet, der soll der ehren nicht vergessen, und umgekehrt wer zu ehren geht, soll sich der ehren gemäsz verhalten. flor. 1, 254, die ehre des hauses wie des einzelnen hatte ihren brennpunkt an festen, vor gästen, (vgl. u. gästen 2), daher kurz 'zu ehren' z. b. zobelbelze tragen, gleich an festtagen Mathesius Sar. 191a, vgl. über ehrentag III, 54 unten und die wendung zu gast und ehren bitten unter 9 a. e., anderseits nicht dér ehren sein u. s. w. von einem kargen wirte, unter ehre 11; s. auch mhd. gastêre Lexer 1, 742, z. b. die gastêre begân, gastlichkeit üben, die honneurs machen.
8) weiteres zum begriffe.
a) der allgemeine begriff ist jetzt fremder als besuch auf zeit, wozu das alte gast z. b. als nichtbürgerlicher einwohner 1, c, auch noch als geschäftskunde 4, a in schroffem gegensatze steht; gast ist hier verengt zu dem begriffe ankommender fremder der unter dach und fach aufgenommen wird, ob geladen oder nicht:

seit gegruszt, wirt und wirtin,
und alle die im haus sin,
er sei gast oder nicht genant. fastn. 512, 5,

d. h. gast genant oder nicht, wie mhd. gast heiʒen gleich gast sein;

sie empfängt den gast mit bestem willen.
Göthe 1, 242;

bin ich, rief sie aus, so fremd im hause,
dasz ich von dem gaste nichts vernahm? 1, 243,

von des besuches ankunft. von nächtlichem, ungeladenem besuche im zimmer: die vermuthung, dasz der gast der vorigen nacht Philine gewesen, ward dadurch bestärkt. Göthe 19, 218;

und er schlummert fast,
als ein seltner gast
sich zur offnen thür herein bewegt. 1, 243.

bildlich vom schiffer der erde gast, der das feste land nur vorübergehend besucht:

kompt eine windesbraut, so geht der erden gast,
der schiffmann, hafen-ein.
Opitz 1, 47.


b) der zweck des besuches ist für den begriff an sich gleichgültig. daher z. b. auch von besuchern die zur theilnahme an einer jagd geladen oder gekommen sind: (der fürst) verschwand sodann bald mit gästen und gefolge. Göthe 15, 301. ballgäste: die langeweile, als die königinn des balles .. flog wie eine muntere hausfrau unter den gästen umher. J. Paul kom. anh. zum Titan (1800) 2, 59. spielgast Stieler 614, der an einem spiele als fremder theilnimmt, und ähnlich im folg., doch ganz allgemein: wolt ihr mit herbeikommen und unser gast sein? will you do as we do? Ludwig 693, einladung zum 'mit thun'. vgl. 4, d curgast, badegast u. ähnl., schauspieler als gast, und sonst in unbeschränkter ausdehnung, wie festgäste, turngäste bei einem turnfeste u. ä.; gast bei einem vereine, dessen sitzungen beiwohnend, mein gast heiszt der den ich eingeführt habe.
c) aber ganz besonders wird doch, mit einer andern einengung des begriffes, der gast als beköstigter gedacht, der in übung der gastfreundschaft an den tisch genommen wird u. s. w., wie schon in den mhd. stellen unter 5, b; daher nhd.:

geh nicht zu armer bursz zu gast,
so du dein speisz nicht bei dir hast.
Lehman flor. 2, 124;

und ob er (der karge) sich gleich stellet frisch,
als seh er gern die gäst am tisch ...
Ringwald laut. warh. (1621) 96;

gast sein, ausessen, foris caenare. Henisch 1365; weil du so glücklich aus der frömbd bist wider kummen, so solst heut mein gast sein, salvus cum peregre adsis, caena detur. Schönsleder S 4b; einen gast abgeben, to eat a bit of bread with one. Ludwig 693, als eine ladungsformel;

auch bleibt das sprichwort fest,
dasz vor ein gut gespräch man tafel lasz' und gäst.
Gryphius 1, 656;

der kes erschreckt den gast, dieweil er wol kan wissen,
dasz er, wann dieser kümmt, den magen nun soll schlissen.
Logau 2, 7, 49;

sieben gäste gute zahl,
neune halten böses mal.
Simrock sprichw. 3052 (vgl.
Henisch unter gasterei);

mit sieben gästen
gehts fast zum besten,
der achte gast
wird eine last.
Logau 2, 7, 43.

[Bd. 4, Sp. 1469]


gast sein auf oder zu einem gerichte, mit derselben fügung wie geladen sein auf oder zu, z. b.: ich war zu dem gefangenen wild ein williger gast. Boldrian würme 91, schmauste lustig mit;

drum hält er sich versperrt, friszt seinen kohl allein,
darauf ich wahrlich nicht sein gast begehr' zu sein.
Rachel 6, 100.

auch folg. scheint hierher zu gehören: was du hast, des bis du gast. Frank spr. 1, 75, davon zehre? der folgende spruch lautet: nim für gt wie dirs glück tht.
d) dazu tischgast, mittagsgast, abendgast, hochzeitgast, kindtaufgast, kirmesgast, trollgast (eig. gast als spaszmacher, zu trolle kobold, s. Zachers zeitschr. 2, 113), zaungast (das.), auch kottfleischgast, der ein kottfleisch essen hilft, beim schlachtfeste, u. ähnl.
e) mit adj. z. b. ein später gast, der spät kommt, spater gast, steter gast frequens conviva Henisch 1369, Stieler 614, täglicher, seltner gast; der morgend gast herbergt nicht. Henisch, der morgens kommt, bleibt nur zu mittag. kühner kurzer gast, der nur kurze zeit bleibt (vgl.kurzer vriunt 6, c), s. Fleming unter 10, a.
9) besondere beachtung verdient gast als prädicat.
a) selten, aber noch im 17. jh., durch bloszes gast bezeichnet: iederman het si lieb, deshalb si gar oft gast ausz asze. Wirsung Calistus h 2, als tischgast ausgebeten war (s. DWB zu gast ausessen unter b); einem die vögel noch aufstoszen, die er gast bei einem gessen, aves hospitales alicujus adhuc ructare, Var. Henisch 1365, 53 (cujus aves etiam nunc ructor Varro r. r. 3, 2, 3);

wer kompt gast ungebeten,
der mag hinder die thür tretten. 1370, 26.

das ist wie mhd. z. b. si gebar in maget, als jungfrau, s. DWB I, 255, nhd. noch jetzt gevatter stehn, wache stehn, preis geben, sich mutter fühlen, kurier reiten u. a. (s. kurier 3) und musz alt sein, nur zufällig nicht älter belegt.
b) sonst wird es umschrieben mit zu gaste; so statt nominativs, auch mhd. schon (bisher unbelegt):

swer ime ze gaste gerite,
daʒ er die în lieʒe
und ir wol pflegen hieʒe. krone 5819;

da nun dise nachbuern z disem frembden man z gast in sein haus giengen. Eulensp. s. 112; die auch dar gebeten waren z gast. das.; als wir zum doctor zu gast giengen. Mathesius Luther 199a;

Margaretha, koch nicht auf mich (für mich mit),
wann heint werd zu gast essen ich.
H. Sachs IV, 3, 9c,

wie zu gast ausessen Henisch 1365, 64, auch blosz ausessen (8, c), auswärts essen; gedachter herr, bei dem wir zu gast gessen (hatten). Kiechel 188; giengen herumb zu gast fressen. Garg. 171b (314 Sch.);

zu dir ich nicht zu gaste kom. froschm. X 1b;

dieweil man geht zu gaste
an einen guten tisch.
Opitz 1, 428;

Coginummus ist ein jude, schweinenfleisch der gleichwol asz,
aber nicht in seinem hause, wann er wo zu gaste sasz.
Logau 3, zug. 38;

dieweil ein tüchtig ross auch gern was gutes friszt,
wann es bei dir zu gast mit mir gekommen ist.
Canitz (1734) 266.

zu gaste sein Frisch, Adelung, bei jenem erklärt mit convivari, ad convivium vocatum esse, prandere, ire ad coenam foras, z. b.: euch schwärmern, die ihr alle tage hofiert, alle tage zu gaste seid, musz freilich ein solches leben (wie ichs hier führe) tod dünken. Lessing 12, 247, schmausereien oder gute frühstücke mit macht; vergl. bildlich übel zu gaste sein Lessing unter d, zu gaste kommen, zu besuch kommen: keinen augenblick kann man einen ohne den andern (den optimism ohne den pessimism) besitzen, und scheint auch einmal einer allein zu gaste zu kommen, so tritt doch gleich der andre hinter drein. Klinger 11, 4.
c) zu gaste statt accusativs: das er des jares eins (einmal) sein nachburen (pl.) z gast het. Eulenspiegel s. 112; z gast halten, accipere, speisen. Dasyp. 336a, gastieren M. Krämer 501b (vgl.gasthalter); liesz zwei feiste rinder schlachten .. und lud alle seine nachbarn und freunde zu gast. Luther Tob. 8, 21; bat uns zu gast doctor H. Aurbach. werke 1, 147a;

und uns, die Christus ledt z gast.
Schwarzenberg 155a;

wir volgten dem Malteser .. wusten doch nicht .. wo er uns zu gast hinführen wolte. Kiechel 201; ja ich hielt bursch

[Bd. 4, Sp. 1470]


von andern regimentern zu gast. Simpl. 1, 278 Kurz, vom frei halten im wirtshause;

Albinus bittet mich schier jeden tag zu gaste.
Gryphius 2, 466.

einen zu gaste haben, er bittet sich selbst zu gaste, kommt ungeladen zum mahle. Frisch 1, 323a. bildlich z. b.: ich wollte niemanden zu gast bitten als meine ältern .. aber der prälat befahl mir, auch noch den herrn stadtsyndikus mit seiner familie .. einzuladen (zur theilnahme an der feier der ablegung seines klostergelübdes). Bronner leben 1, 318. Söller in den mitschuldigen, da er bei nacht über Alcests geldcasse geht:

er hat auch grosze lust bei mir was zu genieszen,
er schleicht um meine frau, das ist mir lang verhaszt.
ei nun! da lad ich mich einmal bei ihm zu gast.
Göthe 7, 61.

mhd. zeime gaste laden, s. 10, c.
d) von bildlichem gebrauche ist besonders erwähnenswert: habt ihr denn auch nie gehört, Else, dasz euer herr seelensorger noch bei viel mehrern verlegern eben so übel zu gaste gewesen ist, als bei Nikolai? Lessing 10, 224, abgewiesen, eig. übel behandelt, übel 'tractiert' als gast, vgl. DWB gastieren 4, prügeln. Kurzweg ins grellste gegentheil verkehrt einen zu gaste bitten, laden in schlimmster verhöhnung (vgl. I, 565): die schmälte aber immer fort und lud ihn wol tausendmal zu gaste. Ettner unw. doctor 340 (s. II, 960); was wollen wir da alles schwatzen, uns vergnügen, und die ganze welt s. v. zu gaste bitten! Göthes mutter briefl. (abendzeitung 1837 s. 1122b nr. 281).
e) das grammatische verständnis der wendung gieng im 18. jh. verloren; daher z. b. die schreibung zugaste, wie bei Hermes: jener wird zugaste gebeten, und dieser weis von nichts. Soph. reise 2, 428. Adelung setzte sogar dafür ein fem. gaste an, gleich gastung schmaus (zugleich an köste u. a. denkend), und gewisse wendungen geben wol noch jetzt anlasz zu einer ähnlichen auffassung im sprachgefühl, z. b. einen zu gaste laden, behalten, to invite, to retain to dinner Ludwig 693, wie zu tische behalten, zu tische laden. ist doch diesz stellvertretung bezeichnende zu auch sonst noch mehrfach verdunkelt und verkannt, z. b. in zu statten kommen, eigentlich als state, d. h. günstige gelegenheit (vgl. V, 1644), zu hausinne wohnen, als mietsmann (IV2, 675), mhd. einen ze vriunde verliesen, als freund verlieren Gudr. 556, 3, wie eines ze vriunde lougenen, ihn als freund verläugnen Barl. 126, 3, vgl. DWB ze kinde hân als kind halten, haben Bit. 3393, Gudr. 940, 2, ähnlich Walther 4, 1, ze boten rîten, als bote Gudr. 228, 2, ze boten senden Walther 59, 2, auch mit artikel: man sol in rihten ze dem schuldigen, als den schuldigen Schwabensp. 241, zum sklaven, als sklave Herder (s. unter kreuzzieher). gerade bei gast erscheint wol schon im 16. jh. eine trübung des zu in folgender wendung die formelhaft sein mochte: wenn man leut zu gast und ehren bittet. Mathes. Sar. 191a (zu ehren s. 8 a. e.); da man zur hochzeit oder zu gast gehet. Ringwald laut. w. (1621) 104, daneben ebenda zur gastung, auch zur ehr gehn. auch dän. entlehnt väre til gjest, zu gaste sein, schwed. bjuda till gäst, zu gaste bitten; vgl. auch ital. andar a oste sp. 1459, das wol auch auf deutschem einflusz beruhen musz.
10) in übertragner verwendung.
a) der mensch als gast auf erden: ich bin ein gast auf erden. ps. 119, 19; wir sind in der welt nur gäste. Henisch 1370;

wir bawen alle feste,
und sind doch frembde geste,
und da wir sollen ewig sein,
da bawen wir gar wenig ein.
Neander spr. 30;

süsze seele, soll ich klagen
und mit deinen eltern sagen:
all zu zeitlich, kurzer gast!
Fleming 338, auf den tod eines kindes,

d. h. du bist gar zu zeitig wieder aufgebrochen;

und so lang du das nicht hast,
dieses: stirb und werde!
bist du nur ein trüber gast
auf der dunklen erde.
Göthe 5, 26;

o sei auf gottes heller welt kein trüber gast.
Rückert 325;

und wann endlich zu schlaf sich und ruh der gesättigte gast neigt,
steht er am grab und schlieszt pforten des himmels ihm auf. 274;

heiter und satt vom mahle des lebens, ein fröhlicher gast, einst
aufzustehn.
Neubeck gesundbr. 94.

Umgekehrt auch gast des himmels:

wan gîtec liute karc und rîche
sind selten geste in himelrîche. Renner 15507,

[Bd. 4, Sp. 1471]


während milte ze himel bürger werden 15505 (vgl. DWB bürger und DWB gast u. 1, b); dem armen und bettler ... ein kleiner erdenklotz (klosz), ein groszer gast des himmels .. ein erb des himmlischen reichs Christi. Schuppius 699 (leseb. 3, 762), der dort als groszer, angesehener gast empfangen wird.
b) gott, Christus als gast auf erden, bei den menschen:

bis willekomm, du edler gast,
den sunder nicht verschmähet hast
und kömmst ins elend her zu mir ...
Luther bei
Mützell 5 (vom himmel hoch da komm ich her);

der zierlich aufgeführt den himmlischen pallast,
der künstler dieser welt kompt, wird in ihr ihr gast.
Opitz 3, 235.

Auch im menschenherzen kann er gast sein:

zeuch ein zu meinen thoren,
sei meines herzens gast.
Paul Gerhard nr. 32 Wack.,

während er umgekehrt den menschen zu gaste ladet, s. unter gastbote, gastherr, gasthof, Schwarzenberg u. 9, c und vergl.:

an des kreuzes este
da blet roter wein
den schenkt man lieben gesten ...
Uhlands volksl. 883. 880.


c) andere gäste in der innern welt:

des ladete er zeime gaste
den slâf in daʒ houbet. gesamtab. 3, 49, 343;

nicht mich selber, ich rühmte den genius, welcher besucht mich ...
staunt ich in meinem gemüt über den göttlichen gast.
Platen 2, 320 (selbstlob).

liebe, aber mehr körperlich gefaszt:

die glut nun, so von dir mir in das blut geflogen,
lauft als ein neuer gast verwörret hin und her.
Hoffmannswaldau heldenbr. 94,

wie ein fremder besuch der sich noch nicht ins haus finden kann. Auch rein körperlich: weil der neue gast, das gichtische zahnweh, durch den leisesten zug aufgereizt ward. Voss br. 2, 140. in der Altmark sagen frauen von der menstruation ik heff 'n gast Danneil 61a, fremden lästigen besuch, der doch bald wieder geht. windige gäste, im leibe: herr, es meldet sich bei mir auch ein solcher gast an, soll ich ihm die thür aufthun? franz. Simpl. 1, 48, doch zugleich nach gast gleich kerl (s. 3, c), wie bruder, bursch II, 549 m.
d) nichtmenschliche gäste im hause, in der gemeinde, im lande u. a. (vgl. mhd. pfenninge als geste 2, d):

zwo büchsen solt man bringen,
die waren gest im land,
thaten uf dem In her flieszen (zur belagerung Kufsteins).
Körners hist. volksl. 118,
Soltau 2, 49.

von thieren, die zum menschen auf besuch kommen:

thier und menschen schliefen feste,
selbst der hausprophete schwieg,
als eîn schwarm geschwänzter gäste
von den nächsten dächern stieg.
Lichtwer fab. 1, 21;

wir wollen, sagte die fürstin, bei unserer rückkehr doch absteigen und die seltenen gäste näher betrachten. Göthe 15, 309, den löwen und tiger in der marktbude; was von diesen grauen und bösen gästen (wölfen aus den Ardennen) nach Deutschland herüberkommt ... Kinkel erz. 232, auch besuch der wölfe, einen winterbesuch abstatten das. Eigen schon mhd. gast schlechthin von garstigem nachtbesuch, Ulr. v. Lichtenstein erzählt aus einer nacht, wo ihn die ungenanten würme bissen:

mich peiʒ die naht vil manic gast
und ouch für wâr manc gestîn. frauend. 340, 12;

ob darin das gast gleich garst sp. 1380 mitspielt? die wanzen u. dergl. sind ja recht eigentlich garst, garstig.
e) von abstractis, z. b.: der schadewacht (eine zu verzinsende schuld) wird zuletzt ein unleidlicher gast in meinem hause sein. Luther 7, 375a, haus zugleich als das gebäu und das hauswesen;

die tugend, welche sich der dankbarkeit befleiszt
und gar ein seltner gast in diesem alter (zeitalter) heiszt.
Fleming 138;

aus der ästhetik, wohin sie gehört, verjagt man die tugend,
jagt sie, den lästigen gast, in die politik hinein.
Schiller 96a;

vgl.armt ein unwerder gast Frank unter 6, b u. ähnl., mhd. armuot was in gast, war ihnen fremd Serv. 114, vergl.fröude als gast 2, c.
11) hervorzuheben ist noch, wie gast auch von femininis gebraucht wird, obwol gästin schon seit mhd. zeit besteht, und nicht nur von abstracten, wie eben unter 10, e; z. b.:

[Bd. 4, Sp. 1472]


nu sliefens beide vaste,
der wirt bî dem gaste.
Haupt 2, 464,

der könig bei der königin als neuvermählter, die aus der fremde gekommen; die muder is gast in des sons geweren. Sachsensp. I, 20, 7;

die nacht wird schier des himmels gast. Hätzl. 302a (s. 2, b);

Venus, du unrüwiger gast.
Murner geuchmatt 968 Sch.;

ersahe er ongefähr Minervam als einen gast bei der thür stehend. Schaidenreiszer Odyss. 5a; die frau soll mein gast sein. Stieler 613; sie (Ottilie) ward den männern vorgestellt und gleich mit besonderer achtung als gast behandelt. schönheit ist überall ein gar willkommener gast. Göthe 17, 65; eine sehr hübsche dame .. die er seiner schwester als ihren gast vorstellte. Kinkel erz. 335. es ist wie bei freund, feind u. a., wo der begriff mit seiner allgemeinheit so überwiegend ist, dasz er die grammatische form gleichsam durchschlägt, beseitigt.
12) noch weiter geht diese grammatische starrheit dem begriffe gegenüber, indem gast, ja ein gast selbst mit pluralischem inhalt erscheint:

beschlüsz den spicher und d die hüener in,
wir mechtent ir sus (sonst) wol ein gast sin.
Mones schausp. d. m. 2, 380 (s. 2, a);

vgl.: mein volk zoch ... hinab in Egypten, das es daselbs ein gast were. Jes. 52, 4; ebenso in der wendung unter 9, b auch von mehrern immer nur zu gast essen, laden u. a., nie zu gästen, als gäste, daher auch in der stelle aus Göthe I, a willkommner gast ganz berechtigt wäre.
 
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gäst, n. s. DWB gäste.
 
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gäst, gleich ginster, auch gast, s. Nemnich.
 
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gäst, m. schaum, hefe, zu gären (s. d. I, 1, b), mhd. gëst neben gist, auch nhd. anfangs und noch lange lieber gest geschrieben: gäst, spuma. Frischlin nom. 45, Henisch 1331 (neben yest, d. i. jest), Rädlein 321b, biergäst, hefen Ludwig 694; auch nd. gäst, gäste Brem. wb. 2, 491, Dähnert 140b, schwed. gäst. Nebenformen zunächst einmal jäst, z. b. schwäbisch Schmid 296, anderseits gäscht (s. d.); s. auch gest, und gästen, gästig.
 
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gastanstalt, f. anstalt für bewirtung von gästen: den verkehr .. durch öffentliche wege- und gastanstalten zu beleben. Göthe 6, 195.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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