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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gassatengang bis gasseln (Bd. 4, Sp. 1434 bis 1447)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gassatengang, m. nocturna discursatio et vociferatio. Stieler 636, er hat auch gaszatengehung, vgl.gassengehn.
 
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gassatengänger, m. pl., noctambulones, grassatores corvique nocturni (s. DWB nachtrabe). Stieler 636; man hat keine gefahr von den müszigen gassaten-gängern, welche dessentwegen herum schwärmen, dasz sie wollen händel haben. Chr. Weise polit. academ. 14. s. gassatim, auch gassengänger.
 
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gassatennarr, m. gassatengänger als narr: von gassatennarren. Scheibles kloster 1, 558.
 
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gassatim u. ä., in der redensart gassatim gehn u. ä., auf den gassen herumschwärmen wie studenten; s. DWB gasse II, 3, d.
1) es ist ein stück macaronisches latein, dem schulwitz entstammend, von dem durch die studenten manches in die sprache kam, wie albertät, kühlität, grobianus, knospus grobian, vgl. unter knospe 4, c, auch kurle. jenes ist von gasse gemacht, nach lat. vicatim, ostiatim (Cic.), von gasse zu gasse, von thür zu thür; vgl. ostiatim gehen von fechtenden handwerksburschen u. ähnl. (die damals latein konnten) unter fechten 4. in dem libellus formularis der Leipziger universität vom jahre 1495 wird z. b. auch geboten, dasz kein student fortan die vel nocte facie velata seu larvata ostiatim plateatimve discurrat aut arma deferat sive clamores horribiles excitet (Zarncke univ. im ma. 1, 170); das ist eben das gassatim gehn nächtlicher zecher und bewaffneter raufbolde (s. noch Weise unter gassatengänger), ob es im munde der Leipziger studenten damals schon so hiesz, an der stelle des officiellen, unclassischen plateatim? in der schrift de gener. ebr., aus Erfurt v. j. 1515, wo gelegenheit genug dazu war und macaronisches schon vorkommt (cum stadtknechtibus 130, 14), find ichs doch nicht, nur nachtraben (nach dem nächtlichen gesange), pflastertreter u. ä. 130, 7 Z.; aber macaronische verse finden sich schon in dem monopolium der schweinezunft, aus Erfurt vom j. 1494, s. bei Zarncke 111, 27.
2) die zeugnisse freilich sind weit später, aber nach 3 gewiss nur durch zufall.
a) im 17. jh.: aufs bulen und saufen war er (mein praeceptor) am meisten geneigt, ich aber von natur aufs balgen und schlagen. daher gieng ich schon bei nacht mit ihm und seines gleichen gassatim und lernete ihm in kürze mehr untugenden ab als latein. Simpl. 1, 428 Kurz, von studentischem treiben, nachher 429, 30 herumschlingeln genannt, dem begriffe nach sowol raufhändel als liebeshändel, besonders auch nächtliche ständchen einschlieszend (s. 3); brafe edelleute und frische studenten, die courtesiren, debauchiren, gassatim agiren für ihre beste kurzweil halten. ped. schulfuchs 70.

[Bd. 4, Sp. 1435]



b) an seiner richtigsten stelle (in macaronischen versen) noch um 1700:

bursa studentorum cum tempore finstere (d. i. finsterae) noctis
cum cytharis gigisque gaszatim laufen et harpfis
inque steinos hauen etc. certamen studiosorum cum vigilibus nocturnis, vom j. 1689, weim. jahrb. 2, 444;

si bene schmausistis, tandem gassatim eatis.
hauite in steinos, ut feurum springat ab illis ... trumphierendes prosit u. s. w. das. 453.


c) im 19. jh.: ich lobt' es oft an Sokrates und Christus, dasz sie nicht in Hamburg, in Wien, oder gar in einer brandenburgischen stadt dozirten und mit ihren philanthropisten gassatim giengen. J. Paul Titan 1800 1, 72 (1, 44 der Berl. ausg., mit weglassung der auf Berlin bezüglichen worte), nicht im alten sinne, wo zudem nur nächtliches streifen in den gassen so hiesz, ob ers aus gelehrter oder lebendiger quelle hatte? vergl. Schmellers angabe 2, 73 »gassieren, gassaten oder gassatim, gassatum gehn, auf den gassen, sonderlich des nachts, herumschwärmen, durch alle provinzen Deutschlands bekannt«, bestätigt aus Nassau von Kehrein 152, aus Schwaben gassatim, in der abenddämmerung spazierend Schmid 221. auch Adelung führt es noch aus dem gemeinen leben an, wo es auch gassaten laute. seit es allgemein wurde, werdens die studenten haben fallen lassen, in Zachariäs renommisten erscheint es nicht mehr.
3) schon seit dem 16. jh. auch gassaten, mit abgestumpfter endung, die selber den häufigen gebrauch und längeren bestand bezeugt.
a) studentisch: dann fahen sie (die studenten) wider an gassaten zu gehn, und so sie in der vorigen nacht etwann einer nicht gelöffelt haben, so thun sie solches dise. Hönigers narrenschiff 99a, von nächtlichen liebeshändeln, wie im folg.;

das haben die freien studenten gethan,
die des nachts gassaten gehn. Ambr. liederb. 84, 33;

letzlich weil der bosz ist gerathn,
so geht der bawr mit Hans gassatn.
Herlicius musicomastix G 5;

die pursche gehen gassaten mit einer music. Schoch studentenleben K 5; gaszaten gehen, discurrere noctu per plateas Stieler 636, er gibt nur diese form, wie Rädlein 321b.
b) volksmäszig, nicht mehr studentisch (vgl. 1, c):

ein junger knab gassaten gieng
wol um der jungfern willen,
er gieng vor ihr schlafkämmerlein ...
Erk liederhort s. 303, volksl. des 18. 19. jh.;

jetz westa was gosategeh ist. wunderh. 3, 69,

triumphierend von einer Schwäbin gesagt zu einem burschen der zu ihr einsteigen wollte und den sie auf den mist fallen läszt. auch in Straszburg ist es noch bekannt.
c) auch bloszes gassaten, als wäre es für sich ein verbum: fressen, saufen, spielen, bulen, gassaten, schwürmen, reiszen grobe unzüchtige zotten. ganskönig vorr. 6b.
d) auch kassaten, schon im 16. jh.: bin mit i. f. g. eine ganze nacht mit der musik auf dem walle rum kassaten gegangen und der fürstin hoferecht machen laszen (d. h. ein ständchen bringen). Schweinichen 3, 71, vgl. unter 4, b;

der sperling ist ein wunderthier,
er geht des nachts cassaten,
er kömmt der magd vor die kammerthür ...
Hoffmanns v. F. findlinge s. 89,

aus einem gassenhauer in einem liederb. das frisch und voll eingeschenkte bierglas Merseb. 1685 s. 85, in obscöner anwendung. vergl. das anklingende kaschandern.
4,
a) in voller form aber auch gassatum gehn, lascivire per plateas, obambulatio nocturna Schönsleder S 4a, nachts auf der gassen muhtwillen treiben Denzler 1, 590a: nach dem nachtessen .. giengen sie herumb gassatum, hipenspilatum, mummatum, dummatum, fenstratum, raupenjagatum. Fischart Garg. 171b (Sch. 314); den 31. dec. 1634 hielte der Stelzen Mayor ein mahlzeit (in dem belagerten Augsburg), mitten in der nacht gienge er mit spilleuten gassatum und liesze mit etlichen salven das alte jahr ausschieszen. Schm.2 1, 945; noch jetzt z. b. in Österreich bekannt nach folg. (vgl. aus Baiern u. 2, c):

sub tempore nachti,
quum sterni leuchtunt ab himmlo, ibamus gassatum. weim. jahrb. 4, 381.


b) also gassatum ire mit supinum von einem macaronischen gassari, wie spatiatum ire von spatiari u. ä.; dazu gassatio, noch jetzt bair. gassation, eine serenade, z. b. »die endsgassation, nachtmusik bey fackelschein die ehmals, z. b. in München von den studierenden ihren schulvorständen, professoren

[Bd. 4, Sp. 1436]


gemacht zu werden pflegte« (am ende des schuljahres) Schmeller 2, 73, immer noch studentisch, aber zu einer art amtlicher geltung zugelassen und erhoben (wie etwa neuerdings kneipe, frühkneipe u. ä.). die besondere bed. des musicierens, ständchen bringens hat auch gassieren (s. d.), jenes gassari wieder deutscher gemacht.
c) bei gassari wird aber auch lat. grassari sich eingemischt haben, zumal es auch völlig gleich dem urspr. gassaten gehn ist, s. z. b. in juventutem grassantem in Subura incidere Liv. 3, 13, bacchari atque grassari Suet. Calig. 56. und wirklich heiszt es auch grassaten gehen, to revel, to go catterwauling (katzenmusik machen) Ludwig 806, eigentlich grassatum gehn, und noch dänisch, wo zudem gasse nicht vorhanden ist, gaae grassates, löbe grassat, 'gassaten, gassieren, bummeln auf der gasse, namentlich um ungebührlichkeiten zu begehen'. aber das ältere und ursprüngliche musz doch gassatim, gassatum sein, hervorgerufen durch gasse, das in gleicher bed., besonders vom nächtlichen liebewerben gebraucht war, s. gassengehn, DWB gasseln, DWB gassen, gasselreim.
 
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gasschlosser, m. schlosser im dienste einer gasanstalt oder der schlosserarbeit für das gaswesen macht.
 
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gasschlüssel, m. schlüssel zum öffnen des gasmessers im hause oder auch des gashahnes.
 
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gasse, f. vicus, platea.
I. Form und verbreitung.
1,
a) ahd. gaʒa, gaʒʒa, vicus (civitatis), platea Graff 4, 105, mhd. gaʒʒe, schwachformig; auch nhd. hat die schwache form auch im sing. noch lange als schriftmäszig gegolten, nicht oberd. blosz, auch md.: unde wer do besehen wirt, daʒ er uf der gassen futtert .. Leipz. urk. 1, 175, vom j. 1446; zwene reuter sollen bestalt .. werden, die in der gassen hin und wider reiten in fewers nöten. Leipziger ordn. 1544 N 4b; wir wollen uber nacht auf der gassen bleiben. Luther 1 Mos. 19, 2 u. o.; mit einem geschrey .. so sich eher auf der gassen als in einem engen zimmer .. schicket. Liscow 139; was ists das auf der gassen ausgerufen wird? Ludwig 693;

grosz' und kleine kommen zu haufen
auf der gaszen einher gelaufen.
Rost, der teufel an hrn. Gottsched, n. Berl. monatschr. 1805 13, 39;

darf mich, leider, nicht auf der gassen
noch in der kirche mit (damit) sehen lassen.
Göthe 12, 149.


b) aber auch starke form kommt schon mhd. vor (ob auch im plur.?), z. b. in der gaʒʒe MSH. 2, 82a, s. unter II, 2, b, vgl. das. unter c, α aus den Nürnb. poliz. gassen und gasse dat.; über die gaʒʒe. Freiberger stadtr. s. 161;

Erkenbolt rief oben in der gaʒʒe
'ir enwert mir nimmer holt, her Nîthart ligt im vaʒʒe'. Neidhart xxxv, 9.

so nhd. im 16. jh., neben der starken in demselben schriftstück: sol niemants auf der gasse one latern und liecht gehen. Leipz. ordn. 1544 L 4a; des abends auf der gasse. das.; und giengen hin eine gasse lang. Luther apostelgesch. 12, 10.
c) im nom. gassen voc. inc. teut. h 3a, gasse voc. 1482 k 3a, gasz Dasypod. 335d, Schönsl., gassen und gasz Maaler 157c. schon um 1400 selbst von gasz ze gasz Lil. 1, 180a (s. II, 1, a).
2) im nd. gebiete ist auffallender weise das wort eigentlich nicht entwickelt, um so auffallender weil es im nord. und engl. besonders reich entwickelt ist (s. II, 2). kein alts. gata, kein mnd. gate bisher verzeichnet, nur im ältern nl. in schwachen spuren gatte, gat, gaet, s. im nl. wb. III, 1, 306. aber die hochd. form ist hie und da eingedrungen.
a) selbst im nl. erscheint neben dem gewöhnlichen straat auch gas, plur. gassen, demin. gasje, früher auch bei schriftstellern, dichtern, schon mnl. auch gasse, gas; jetzt besonders noch in Geldern, demin. gesken, gaske Schuermans 139a. die vermittelung geschah durch das nrh., wo es früh schon bestand, z. b. in Aachen im 14. jh. neben dem vorherschenden straisze, strasze auch drei gassen, wie des Kalen gasse, eine platea Mutzersgasse, s. Laurent stadtrechn. 421; gasse, steege, vicus, viculus, van gasse to gasse vicatim Teuth. 100b (straite platea 262a); vicus, straete, gasse. Cölner gemma 1511 Z 6d, gasz Harf 176, 9.
b) auch ins nd. ist oder war es eingedrungen (s. II, 2, e, β): vicus, gasse, strate, wech. Dief. nov. gl. 381b; strata, strate, gasse. 350a;

ick wil min har laten flegen,
den leidigen kramern to sehen,
de up der gassen gan.
Uhland volksl. 243.


c) in nnd. wbb. aber find ich nur gatze, im Göttingischen Schamb. 60a, auch in Braunschweig, doch mit eingeschränktem gebrauch

[Bd. 4, Sp. 1437]


und verengtem begriffe (s. II, 2, e, β); auch Frisch 1, 322c gibt an, 'einige Niderteutsche' sprächen gazze aus, und schon im 15. 16. jahrh.: vicus, gatze. Dief. 381b aus dems. voc., das strata gasse hat;

do sloch men de trummen in allen gatzen,
so gar in allen straten.
Liliencron 3, 608b;

den büssen makde men gatzen. 2, 552c, vgl. II, 5, b, γ.

auch fläm. gats neben gas Schuermans 139a. ebenso tritt hd. -s gleich mhd.entlehnt im nd. nrh. als -z auf in kreiz, nl. kreits, s. V, 2144. vgl. übrigens gatz unter III, 1, a am ende.
3) selbständig dagegen im nordischen, in der form genau zum hd. stimmend (auch schwachformig), doch mit weiterem begriffe (s. III, 2): altn. altschw. gata f., noch isl. norw. schwed. gata, dän. gade. Englisch in der form stimmend, im begriffe aber noch weiter: gate, yate, thor, weg, altengl. gate Stratm. 234, schott. gate, gait.
4) auch goth. einmal bezeugt, aber in auffallender gestaltung, gatvô schw. f. (vergl. III, 3): usgagg sprautô in gatvôns jah staigôs baurgs, ἔξελθε ταχέως εἰς τὰς πλατείας καὶ ῥύμας τῆς πόλεως Luc. 14, 21, in plateas et vicos vulg., auf die straszen und gaszen der stad Luther (bei Beheim umgekehrt gaʒʒin und strâʒin), gassen und gäszchen, gatvô deutlich unser gasse, wie der staiga entsprechend noch im 15. jh. vicus geszchin vel steig Dief. 618b, im Teuth. 100b steege viculus (s. 2, a), nnl. steeg f. enges gäszchen.
5) auswärtig sind entlehnungen, von Diefenbach goth. wb. 2, 394 gesammelt, aus dem hd. litt. gásas m., sloven. gása f., niederwend. gassa, oberwend. hassa, churwelsch gassa, aus dem schwed. lapp. gato, finn. katu (katu-puoti taberna, schwed. gatubod, gassenbude). aber merkw. lettisch gatwa f., weg zwischen zwei zäunen, durchgang, allee, auch fahrwasser, in der ersten bed. auch gate, s. Ulmann 1, 72b; in gatwa sieht Diefenbach 'die älteste deutsche form erhalten', Ulmann vergleicht litt. gátwe viehtrift.
II. Bedeutung und gebrauch.
1) gasse in städten, orten, dörfern, in neuerer zeit von strasze immer mehr bedrängt, verdrängt (vgl. 2).
a) gaʒʒe, gasse ist im hd. das alte wort, das da von haus aus den platz hatte:

die gaʒʒen wâren spils vol,
als eʒ ze hôchzîten (festtagen) sol. Erec 248;

ze Wienen, dô ich zuo in reit,
die gaʒʒen wâren alle vol
von vrowen ...
Lichtenstein 251, 27 u. ö.;

ein îklich man, der hûs und hôf hât, der .. mac bûwen vîrdehalben vûʒ über die gaʒʒe. Freiberger stadtr. Schott 3, 161;

drütusent liefen hinden nach,
hin und her von gasz ze gasz.
Liliencron 1, 180a,

in Würzburg bei einem aufruhr ende 14. jahrh.; (die ernde war so reich) das men .. dröschete in den kirchen und hüsern und in den gassen. Straszb. chron. 685, 24; das hinfür alle die, die do pawen .. ir ertrich, steinhewig .. über zwei monad an der gassen nit ligen laszen. Nürnb. poliz. 279; sollen der rat und unser borgere zu Erfort wasser (aus der Gera) in die gassen zu leiten nach der stat nottorft macht haben. rechtsd. aus Thür. 131; es sal auch .. kein kolgertener .. die do uf dem markte phlegen veile zuhaben krut .. kein stro adir haw mit sich brengen, (sich) daruf zu setzen, davon der markt adir gassen bestroet adir bemist würden. Leipz. urk. 1, 175, v. j. 1445, mit 'markt oder gassen' ist alles umfaszt was in frage kommen kann; die von Regenspurg .. verschlossen alle gassen mit den ketten. Avent. 502b; in disem biechly wirt .. anzeigt ... wie vil gassen, collegia und kilchen in der .. statt Paris sind. Basel 1536 (Zarnckes Brant s. cxviia); er erhaltet sie (der papst die juden) in seiner statt Rom, und gönnt ihnen ein oder zwo der besten gassen die da seind. Fischart bien. 1588 188a, übersetzt aus nl. straten Marnix 178b;

die häuser sind geschlossen,
die gassen sonder volk.
A. Gryphius 1, 225;

was noth dasz man die stadt durch disz gekreisch erschrecke ...
und gassen rege mach? 1, 229;

weil ich nunmehr ganz verlassen
pflaster tret' auf allen gassen. 2, 69;

wehe, wenn sie losgelassen ...
durch die volkbelebten gassen
wälzt den ungeheuren brand.
Schiller 78b;

reinliche gassen breiten sich aus ... 83a, Pompeji und Herculanum;

die stadt voll prächtiger gassen.
Voss Il. 2, 329;

[Bd. 4, Sp. 1438]


mich dem münster (in Straszburg) zu nähern, welcher .. mir schon lange .. im auge geblieben war (bei der ersten ankunft im j. 1770). als ich nun erst durch die schmale gasse diesen koloss gewahrte. Göthe 25, 225; gasz aus gasz ein kam er endlich (in Amsterdam) an den meerbusen, der da heiszt het Ey, oder auf deutsch das ypsilon. Hebel schatzk. 155; giengen nach den vier sich kreuzenden gassen (in Köln). Kinkel erzähl. 170.
b) auch dorfgasse, schon mhd. u. I, 1, b; er (der hauptmann) besach das dorf .. wo er die weitesten gaszen fünt, da den veinden (die das dorf besetzt hatten) am basten abzugewinnen .. wer .. er macht sein ordnung und trat in ainer engen gaszen, da nit mehr dan sechs man neben einander gehn mochten, gegen den veinden. Wilw. v. Schaumb. 113; dasz alle gassen zu Wellhausen, die den ausz dem dorf gahnd, also weit sollen sein, dasz sich ein (d. h. der) keller darin mit einem geleiterten wagen wol bekehren mag. weisth. 1, 256; gieng dann die gassen des dorfes hinunter nach dem schultheiszenhause. Kinkel erz. 252 (straszen 245).
c) unterschieden wird
α) im allgemeinen weite und enge gasse (s. unter b aus Wilw.), während jetzt an gasse von selbst der begriff des engen hängt, aber keineswegs ursprünglich (vgl. mhd. wîte gaʒʒe 5, a); grosze weite gasze, platea consularis, militaris Stieler 636, wofür heute nur strasze möglich wäre. die gassen und gäszlein einer stadt, the streets, lanes and alleys Ludwig 693, ebenso alle umfassend; er gibt auch z. b. die breite gasse als gassennamen, the broad street, aber auch 'eine gasse da man zum andern end nicht auskommen kan, ein sack', auch sackgasse oder strumpfgasse, blinde gasse (vergl. kehrwieder, derber 'hundsfutt kehr um!' in Augsb. Birl. 181b, in Aschaffenburg hollagäszchen Schm.2 1, 945, das einem holla zuruft), worin der genaue begriff eigentlich aufgehoben ist. auch ganz schmale durchgänge zwischen häusern, z. b. die brandgasse (s. d.), für feuersgefahr. s. auch DWB gäszchen, DWB gäszlein.
β) nach bedeutung, lage, form u. ä. hauptgasse, nebengasse, seitengasse, hintergasse, ober- und untergasse, mittelgasse, kreuzgasse, quergasse (mhd. twerchgasse) u. a., sehr verschieden nach örtlichem herkommen; die würtemb. bauordnung Stuttg. 1654 spricht z. b. von engen zwerch- und nebengassen s. 49, dieweil die creuz- und abgassen in unsern städten gemeiniglich so eng 43, entgegengesetzt den gemeinen creuz- oder täglichen wandelgassen 42, freien offnen wandelgassen 48, d. h. allmeindstraszen und gassen darin man streng und täglich wandlet und gehet 26, allmeindgassen und strenge (frequente) wandelstraszen 66.
γ) nach richtung, ziel, nachbarschaft, zweck, inhalt u. ähnl. berggasse, thalgasse, kirchgasse (domgasse, münstergasse), schulgasse, schloszgasse, burggasse, wallgasse, spital- oder spittelgasse, marktgasse, brückengasse, feldgasse, waldgasse, mühlgasse, papiermühlengasse, windmühlengasse, die nach den windmühlen vor der stadt führt, galgengasse (s. u. DWB galgenthor), in der richtung nach dem galgenberge zu, auch armesündergasse (Germ. 16, 279), ziegelgasse nach der ziegelei zu, holzgasse nach dem holzhofe zu o. ä. (mhd. holzgaʒʒe); krautgasse, z. b. in Erfurt, worin der krautmarkt ist o. ä., kohlgasse (Straszburg), weingasse, borngasse, rittergasse; salzgasse worin das städtische salzhaus steht oder stand, klostergasse, münzgasse, worin ein kloster, die münze sich befinden oder befanden, frohngasse mit dem alten frohnhause, rosengasse, liliengasse, paradisgasse, brandgasse (worin ein brand gewesen), natürlich meist auch mit -gäszchen.
δ) bemerkenswert in den alten städten die gassen nach den gewerben unterschieden, z. b. schon mhd. (Kehrein samml. 69) in rhein. städten mezzelergaʒʒe, îchergaʒʒe, henfergaʒʒe, spurergaʒʒe, in Straszburg bei Closener 95, 2 sporergasse, wie noch z. b. in Dresden (sporergäszchen Leipzig), münzergasse, schon im j. 776 in Mainz munzergaʒʒa. im spätern mittelalter z. b. in Nürnberg eine schustergasse Baader poliz. 180, scherergasse, platnergasse 181, pintergasse (d. i. böttchergasse, s. u. kleinbinder, vergl. DWB kufband), messingslagergasse, beckslahergasse, spieglergasse 182, irchergasse 157 (weiszgerbergasse), smidgasse 181, ledergasse 157, eigentlich lederergasse. besonders häufig, bis in die gegenwart, krämergasse, badergasse, färbergasse, fleischer- oder metzgergasse, gerbergasse, pergamentergasse, fischergasse, schlossergasse, töpfergasse, webergasse, s. die reichen sammlungen von E. Förstemann Germ. 14, 1 ff., 15, 261 ff., 16, 265 ff., zur bedeutung der benennung s. 4, a, β. übrigens auch kurz schuhgasse, braugasse, malzgasse, spiegelgasse (Straszb),

[Bd. 4, Sp. 1439]


kupfergäszchen (Leipzig, für die kupferschmiede) u. a. auch die judengassen hierher.
ε) die unterscheidung geschieht aber auch ganz einfach z. b. durch neue gasse, auch neugasse (neüwgasz Straszb. 16. jh.), alte gasse, kurze oder lange gasse, halbe gasse, krumme gasse, breite oder weite (z. b. Augsburg) und schmale gasse, weisze und grüne gasse (Ludwig 693), die letztere zwischen gärten, vergl. 4, d. die kirchgassen heiszen auch genauer z. b. frauengasse (zur frauenkirche), heilige geistgasse oder kurz geistgasse, Johannisgasse, St. Georgengasse u. a., die klostergassen auch genauer barfüszergasse, predigergasse, brüdergasse u. a., auch pfaffengasse, was denn immer mehr in die örtlichen eigennamen übergeht, wie im Rheinlande die Rheingassen, an der Saale, Elbe die Saalgassen, Elbgassen u. s. w.
2) gasse und strasze im verhältnis sind aber genauer zu betrachten, wie das deutsche und das römische wort sich zu einander stellen, dem begriffe wie der verbreitung nach.
a) beide erscheinen zwar gleich anfangs auch als wesentlich gleichgeltend, beide der stadt angehörig, denn schon ahd. wird sowol gaʒʒa als strâʒa mit platea glossiert (nur das erste öfter mit vicus, das zweite nie); mhd. und nhd. z. b.:

seht dâ gehôrte er und vernam
in gaʒʒen und in strâʒen
von klage al solch gelâʒen ... Trist. 152, 27 (6025),

das in allein zeigt, dasz auch mit strâʒen städtische, nicht landstraszen gemeint sind; die zusammenstellung hatte lange die geltung einer zusammenfassenden formel, überdiesz mit halbem reim, z. b.: zwen hoef, da haben die vogtherrn nichst zu gepieten, wan sich die hoifleude uf iren hoefen halden. aber wan sie sich misbrauchen (sich vergehn) zu gaszen und straszen, sollen sie abtragen ... weisth. 2, 524; ich wil aufstehen und in der stad umbgehen auf den gaszen und straszen. Luther hoh. lied 3, 2, vulg. per vicos et plateas, vergl. unter I, 4 straszen und gaszen, plateas et vicos; aus einer auflösung der formel stammt denn folgendes:

der reiter auf die gaszen trat,
er trat wol auf die straszen.
Uhland volksl. 247.

Auch wbb. bringen sie ohne unterschied: platειa, ein gasz oder breite strasz in den stetten. Dasypod. 185d; gassen, straasz, via, platea, vicus. Maaler 157c; ein grosze gasz oder straasz, platea. ders., Junius 278a; platea, eine gasz oder strasz. Kirsch 1, 837a; gemeine strasz oder gasse, da immer leuthe gehen, via regia, publica, praetoria, militaris. 2, 129b; ein jeder, der ein keller under der erden an gemeine straszen oder gassen .. bawen will, der mag kellershäls .. gegen der straszen oder gassen .. machen. würtemb. bauordn. 1654 s. 55, der ausdruck nimmt nach art der rechtssprache der sicherheit halber beides zusammen.
b) dabei wird doch auch schon früh ein unterschied gemacht, wie er noch jetzt in geltung ist, strasze als die breitere, gröszere, gasse als die engere, kleinere: vicus gassa, platea strasz. Wackernagel voc. opt. 15b; platea, ein strasze in urbibus. vicus ein gasse. Trochus J 4a; nrh. in der Cölner gemma 1511 zwar vicus straete, gasse Z 6d, aber nur platea strate off plaen Q 5b. Daher wol auch früher schon strasze als der feierlichere ausdruck, z. b. in dem rechtlichen zu strasze gehn, zu kirchen und straszen gehn (vgl. 3, c): sie hat mit uns zu strosze gegangen in der stad, zu wegin und zu kirchen. Magd. fragen s. 229 (zu wegin unde stegen 105); zur gerade (gehören) .. des weibes kleider .. darinnen sie uf einen sonntag .. zur kirchen und straszen gegangen. Schott land- u. stadtr. 2, 169, aus Querfurt vom j. 1662, während das. 167 nur von häusern und gaszen der stadt die rede ist; doch kann sich das zugleich aus dem folg. erklären, in einem tanzleiche des Tanhausers:

diu schar
wirt aber michel, komen wir zesamne in der gaʒʒe von den strâʒen. MSH. 2, 82a,

nachher gleichbed. ûf den anger und bî der linden, vgl. 4, c.
c) aber auch dieselbe gasse wird zugleich als strasze bezeichnet, in verschiedener auffassung, schon mhd. und heute noch.
α) mhd. z. b.: in der gaʒʒen bergeshalben, dâ man in den zwein vrîen jârmärkten aller leie gewant .. veile hât, daʒ (da) nieman sîn vordreʒ tor her ûʒ in die strâʒen über die nuosche (rinne) .. mit gewant .. verschrenken noch vermachen sol. stadtrecht von Meran § 19, Haupt 6, 428, niemand soll sein vordres hausthor, das straszenthor, mit waare verstellen über die rinne, gosse in die strâʒe hinaus, also gaʒʒe die strasze samt den häusern (vgl. 4, a), strâʒe der gemeine verkehrsweg in

[Bd. 4, Sp. 1440]


der gasse, zu dem im genauen sinne auch der theil der gasse nicht gehört der noch innerhalb des trupfstals (das. s. 429) oder 'unter der dachtraufe' und eigenthum der einzelnen hausbesitzer ist, s. aus dem Freib. stadtr. unter δ und RA. 549. ebenso im folgenden: eʒ schol auch nieman kain haut schinten an der strâʒe, âne an (auf) der ledergassen oder an der irchergasse. Nürnb. poliz. 157 (14. jh.), d. h. wo die gerber wohnen.
β) nhd.: an der Zigelgassen was über die strosz doselbst ein umbgeender (drehbarer) schranken gemacht. Tucher Nürnb. baum. 212, 9, im berichte über die von ihm gebaute lantwer umb die statt; die gassen und strosz hinter Albrecht Kressen garten hinab gegen dem Judenpühel zu, die was auch verschrankt. 214, 16; auf der strosz gen dem Schoppershofe was an der gassen auf dem eck .. ein htheuslein, darinnen auch stetigs schutzen waren, und hetten ein umbgeenden gatter über die strosz. 214, 20, das wachthäuschen zur hut der strasze ist an der gassen angebracht, d. h. an den häusern, an einer ecke; so selbst ein gäszlein mit strasze: so was in dem klein geszlein, das gen der klein Reut geet, ein umbgeender gatter über die strosz. 214, 7.
γ) ebenso in dörfern, die bestimmung über die weite der gassen in Wellhausen im Thurgau unter 1, b fährt dann fort: und sol ein keller eins geleiterten wagen wisbaum nemmen auf ein ros und sol das ros in mitten in der strasz fren und den wisbaum mitten auf dem ros han und sol also durch das dorf faren all gassen ausz, und was der wagenwisbaum erregen mag, das mag man abhauen mit recht. weisth. 1, 256.
δ) daher begreift sich dasz in manchen fällen beide wörter stehn können, z. b.: ein îklich man, der hûs und hof hât, der hât gewalt und vride alsô verre alse sîne troufe vellet, daʒ dâ nîmant gestên noch gevarn mac wider sînen willen, und der mist (der vom verkehr bleibt) der ist sîn vor sîme hûse .. biʒ mittene in die gaʒʒe. Freiberger stadtr., Schott 3, 163; schweinmist soll .. nicht uf die gaszen geschüttet .. werden. dergl. soll ein ieglicher bürger .. seinen mist auf der gasze vor den thoren (thorfahrten) wegfüren laszen. stadtordn. von Budissin das. 2, 43. dagegen: eʒ sol nieman .. keinen harn noch hûspâht (s. DWB bocht, koth) .. in die strâʒe niht werfen. Meraner stadtr. 12, Haupt 6, 424; swer mist treit an die strâʒe .. Nürnb. poliz. 276; holz verbeut man auch .. ze legenne gegen der strâʒe. 277; dem (höker) sol der burggrâfe wol erlauben, daʒ er in (den häring) verkaufe ûf der strâʒe bî dem phenewärde, d. h. im einzelnen, nachher einzähtin an der strâʒe oder in hûsern. Augsb. stadtb. s. 201. da ist strâʒe der genauere ausdruck, weil es sich um den verkehrsweg, die gemeine strasze handelt und im strengsten sinne der bereich der dachtraufe ausgeschlossen war oder ausgedingt werden konnte; aber gasse umfaszt nach der stelle aus Freiberg doch auch die strasze mit, wie denn auch von der gemeinen gasse (3, a) die rede ist.
d) das führt aber auf den genaueren ursprünglichen begriff von strasze, mit dem es sich dann von gasse durchaus trennt: strasze die durchs land geht, und sich auch in und durch städte fortsetzt. so erklärt Brack vicus mit gasz, platea aber als ein grosze gasz do die landstrasz geet Dief. 441a (Lpz. 1491 21b). und noch im 17. jh.: in unsern fürnehmen städten, da landstraszen durchgehen. würt. bauordn. 44; denen städten, die an der straszen ligen. 71. daher auch kurz gasse und strasze beisammen als stadtgasse und landstrasze, z. b.: sie hingegen (die juden) halten über der heiligung des sabbaths sehr strenge und ernstlich .. dasz man den ganzen tag über nicht leicht einen juden auf der gassen, vielweniger auf der straszen siehet. Gerber unerk. sünden 1386. 'die strasze' im dorfe: (gesetzt) in dem dorfe schege ungerichte binnen des dorfes zunen in der strosze vor dem kruge .. adir (überhaupt) in dem wege binnen des dorfes grenize .. Magdeb. fragen s. 52, die landstrasze, an der auch der krug steht; mhd. des dorfes strâʒe Neidhart 62, 31. 10.
e) aber die geltung der beiden worte ist nicht überall gleich, sie zeigen eine merkwürdig verschiedene vertheilung über die deutschen, germanischen lande hin.
α) im hd. gebiete ist von haus aus gasse heimisch (vgl. 1), im niederd. strâte; erst in ziemlich neuer zeit dringt auch dort strasze vor, ungefähr seit dem allgemeiner werdenden öffnen der städte durch das abbrechen der mauern und thore. der erste anlasz dazu wird nach dem vorigen der gewesen sein, den auch Schmeller 3, 689 angibt (im j. 1836): »während in städten die zwischen ältern häuserreihen liegenden räume, sie mögen schmal oder breit, kurz oder lang sein, vom volk ausschlieszlich gaszen

[Bd. 4, Sp. 1441]


genannt werden, läszt es den erst seit menschengedenken mit häusern besetzten ehmals eigentlich bloszen straszen die letztere benennung.« neu angelegte gassen wird es seit der eisenbahnzeit kaum geben, eine bahnhofsgasse, eine Göthe- oder Schillergasse sind undenkbar (doch z. b. in Siebenbürgen); aber auch die alten gassen müssen sich immer mehr umtaufen lassen und werden zu straszen erhöht, nur die gäszchen bleiben vor der hand von dieser titelerhöhung verschont (vgl. DWB straszen und DWB gäszchen schon Göthe 41, 255) und diejenigen gassen welche gar zu wenig den heutigen ansprüchen an eine strasze entsprechen, sodasz für gasse nur der begriff des engen, geringen, winklichten u. ähnl. übrig bleibt. Aber noch weiter geht die bedrängung des alten wortes von den gröszeren städten aus; eine eben erschienene straszenpolizeiliche verordnung des Leipziger rathes z. b. spricht nur noch von öffentlichen wegen, straszen und plätzen, trotzdem dasz es hier noch eine Johannisgasse (volksmäszig bettelgasse, schon im 14. jh., mitth. d. d. ges. 1, 118), Ulrichsgasse, Fleischergasse, Klostergasse, Schulgasse, Rosenthalgasse gibt: d. h. gasse ist als lebendiges wort für sich von amtswegen beseitigt, fristet nur einzeln als alterthum sein absterbendes leben, während früher gassen das zusammenfassende wort war, das selbst die plätze umfassen konnte (4, c), s. z. b. unter 1, a markt oder gassen aus einer straszenpolizeilichen anordnung des Leipziger rathes vom j. 1445. doch hiesz es schon um 1630 die Nickolstrasze, Peterstrasze, Ritterstrasze, Reichsstrasze (Heydenreich Leipz. cron. 29. 53), die hauptstrasze aber die Grimmische gasse (s. 346. 373), wie noch vor nicht langer zeit; die Katharinenstrasze aber erscheint schon im 15. jh. als Katterstrasze (mitth. d. d. ges. 1, 124), und die Reichsstrasze geht bis in die älteste zeit zurück als strata quae ad imperium pertinet, dazu schon im 14. jh. eine twerstrâʒe (Posern-Klett Leipziger urk. 1, xxvi); jenes ist das mhd. des rîches strâʒe, s. darüber unter königsstrasze, auch in Braunschweig noch eine Reichsstrasze und Kaiserstrasze aus alter zeit (Braunschw. chron. 1, xiv), d. h. eigentlich straszen im ursprünglichen sinne. der plan von Straszburg vom j. 1577, nach Specklins modell von jenem jahre (städtechron. bd. 9), zeigt unter allen gassen nur 4 oder 5 straszen, davon eigentlich nur eine in der alten inneren stadt, die Oberstrasz, als durchschneidende hauptstrasze erscheinend (als wäre nach ihr die stadt benannt), drei andere in der vorstadt, wie die Steinstrasz, in der bedeutung wie anderwärts steinweg, z. b. in Leipzig (im 15. jh. mitth. d. deutsch. ges. 1, 119. 124), Frankfurt a. M., Braunschweig, schon alts. stênweg, in Speier im 12. jahrh. platea lapidea (Mones zeitschr. 19, 131), eine rhein. steinstrâʒa im j. 1006, 'die röm. strasze von Bingen nach Trier' Förstem. 2, 1304; vermutlich sind alle alten städtischen straszen ursprünglich solche steinstraszen, viae lapide (silice, saxis) stratae altrömisch zu reden, obwol nachher auch gepflasterte gassen, strata viarum Stieler 636, platea Kirsch 2, 129b (vgl. mehr u. gassenbesetze); schwed. ist gata sogar auch das pflaster selbst, gatsten pflasterstein. dagegen in Aachen erscheinen schon im 14. jahrh. weit mehr straiszen als gassen, s. Laurent stadtrechn. 420 fg. (ein steinwech 358), wie in Wien im 13. 14. jahrh. noch weit mehr strâʒʒen als gaʒʒen, s. font. rer. austr. II. 18, 580b fg., was auf älteren und tiefer gehenden einflusz aus der römischen zeit deutet. Bemerkenswert ist noch, wie strasze und gasse auch tauschen, z. b. die heutige Leipziger Burgstrasze (dicht bei einer Schloszgasse) heiszt schon im j. 1455 so, aber auch Burcgasse 1428 (cod. dipl. Lips. 1, 251. 106), vgl. dazu 2, c; auffallend gibt der Leipziger voc. opt. 1501 für platea wie für vicus blosz strasz. die ursprüngliche vertheilung beider genauer zu bestimmen wäre aber wertvoll für die geschichte der römischen und der heimischen cultur; am fraglichsten ist dabei das herschen des röm. wortes in dem nd., also dem röm. einflusse entrücktesten gebiete.
β) denn nd. z. b. im 15. 16. jahrh. nur strate, für enge wie weite gassen: contracta, hd. gasse, nd. aber ein cleine strate. Dief. 147b; plateae wyde straten, angiportus ein klen enge strate. Chytraeus 58, cap. 12, wie nl. bei Junius 278a: platea, alem. grosze gassen oder straasz, belg. een wijde, breede strate, angiportus al. ein klein enges geszlin, belg. een enge strate oft ganck. in Braunschweig z. b. finden sich im 14. 15. jahrh. nur straten, z. b. joddenstrate (hd. judengasse) städtechron. 6, 170, kostrate (kuhgasse) 171 anmerk. 2, lange strate, guldenstrate, echterenstrate u. a. 165; ebenso in Göttingen, s. urk. des hist. vereins f. Nieders. 6, 469a. 7, 485b. 419; auf dem plane von Magdeburg aus dem 17. jh. zum 7. bande der städtechron. nur straszen, im 15. jh. z. b. up der Hertzstraten 377, 31, im 17. jh. Hartstrasze. noch jetzt gibt es in nd. städten nur

[Bd. 4, Sp. 1442]


strât, strasze, wie ich z. b. aus Meklenburg, Holstein, Hamburg, Oldenburg berichtet bin, auch vom kleinsten gäszchen wenn das nicht einen besondern namen hat, wie gang (s. Junius vorhin und sp. 1226), twiete. Ausnahmen allerdings fehlen nicht, s. das entlehnte gasse neben strate I, 2, b, das doch wieder beseitigt ist, während gatze (I, 2, c) in der bed. ganz verengt erscheint, wie ein verächtlich behandelter eindringling: 'der schmale durchgang, der aus einer strasze in die andere führt oder zwischen gärten hinläuft' Schamb. 60a, fläm. gats, gas, smal en onrein straatje, smalle gang tuschen twee gebouwen Schuerm. 139a (vergl. DWB mehr gang als gäszchen Göthe sp. 1225 unten), vgl. ostfries. 'n gatt van'n strâte, enge schlechte strasze Stürenburg 66b, zu gatt loch (s. III, 1). Im osten dagegen reicht mit der mitteldeutschen sprachfärbung dort auch gasse in einer schrägen linie von der Saale aus nordwärts bis an die see, in Königsberg heiszen oder hieszen langgasse sogar 'die drey hauptstraszen weil sie sich durch ihre länge unterscheiden' Hennig preusz. wb. 80 (langgassenträger, eckensteher 142), in Danzig herscht gasse vor, s. Förstemanns verz. Germ. 14, 3 ff., auch in Berlin sind noch gassen genug. wenn auch auf ursprünglich rein nd. boden doch gassen vorkommen, mag das eine spätere umtaufung aus der hd. zeit sein, wie bei der Kesselbeiszergasse in Magdeburg, früher Ketelböterstrasze Germ. 14, 10 (s.kesselbüszer); vgl. gassenwärts.
γ) auch bei den Germanen über see beide worte. in England herscht jetzt zwar street, aber völlig nur im süden, schon in York z. b. ist eigentlich gate der straszenname, z. b. the Stonegate, Peter-gate die Steingasse, Petergasse (vgl.gate-door, thür nach der strasze Halliwell 393b), ebenso in Schottland z. b. in Aberdeen the Castle-gate, the Braid-gate, the Overkirk-gate, und Netherkirk - gate, Gallow - gate, Schloszgasse, Breitegasse, Galgengasse, s. Jamieson 1, 451a, suppl. 1, 456b, freilich mit der klage dasz man sie nun englisch übersetze in Broad-street u. s. w. In Scandinavien dagegen behauptet umgekehrt das germ. wort den ersten platz, das römische hat den geringeren (wie umgekehrt gatze auf nd. gebiete unter β), schwed. norw. gata, dän. gade, gasse, strasze, dagegen schwed. dial., norw. sträte n., dän. sträde, enge kleine gasse, gäszchen (altn. stræti n., ags. stræt f.); in Kopenhagen ist z. b. Nörrebrogade eine der längsten hauptstraszen, zu der als nebengäszchen, selbst sackgäszchen Nörrebrosträde gehört.
3) weiteres über gasse selbst.
a) die gasse gilt als dem 'gemeinen' verkehr und gebrauch gehörig, keines eigenthum (mit der ausnahme 2, c, δ), als 'publicum', daher 'über die gasse, per publicum' Kirsch 2, 129b, z. b. wein über die gasse holen lassen Ludwig 693, einem nicht über die gasse trauen, wie sonst nicht über den weg. Dabei sind straszen, plätze, selbst der markt oft eingeschlossen: auf der gasse spielen, von kindern;

du pflegst um diese zeit die gasse nicht zu lieben (dich auszer dem hause sehn zu lassen).
Hagedorn 1, 56.

auch die gemeine gasse, z. b.: nachdem .. vil lewte .. ir horb, ertrich, kerich und anders zu mist nit dienende (vgl. unter 2, c, δ) .. vor iren hewsern an der gemeinen gassen nider schüten .. Nürnb. pol. 279, vgl. DWB auf die gemein schüten 280; ebenso die gemeine strasz würt. bauordn. 25, vergl. 2, a am ende. auch die freie gasse, rechtlich, wie freie strasze (sp. 96): ein hunt lyf mich odir mein vy an uf der freien gassin. blume von Magd. s. 68; auf freier gassen, in the open streets. Ludwig 693. daher einem die gasse zu eng machen, wie einem weg und steg eng machen (s. unter eng 3), ihn verfolgen, auch da 'ins enge treiben' wo alle freien weg haben; der wolf z. b. klagt über den fuchs:

er macht mir alle gassen zeng.
Waldis Es. IV, 94, 44;

die wîten gaʒʒen wurden mir vil enge. Neidhart 169, 62.


b) daher auf der gasse gleich vor den leuten, öffentlich, in publico, auf öffentlicher gasse Adelung: wölle sie (die päpstin) selig werden .. so müsse sie zur busz offentlich auf der gassen on ein hebamme kindern. G. Scherer (s. u. kindern 1); von der fasnachtsmummerei heiszt es:

was ie verwurfen unser eltern,
zurissen, faul ist und verlegen,
musz als herfür und sich erst regen
und auf der gassen laszen schauen. fastn. 383, 4;

wan mir die faulkeit gar wol dut,
so ich ge auf der gassen glunkern
und mich selb schatz für einen junkern. 792, 18;

stolz auf der gasse,
kein heller in der tasche.
Simrock spr. 3030;

schön auf der gassen,
wenig in der taschen.
Henisch 1364, 32.

[Bd. 4, Sp. 1443]



c) formelhaft zu gassen und straszen, s. unter 2, a, auch vervollständigt zu kirchen und gassen u. ä., wie zu kirchen und straszen, weil in der kirche die gemeinde am völligsten versammelt ist (s. kirche II, 1, e):

wir sehen ze gaʒʒen unt ze chirchen
umbe die armen tagewurchen (taglöhnerinnen) ... erinnerung 319;

diu müet uns ze kirchen und ze gaʒʒen.
Neidhart 38, 5;

darf mich leider nicht auf der gassen
noch in der kirche mit sehen lassen.
Göthe 12, 149.


d) dagegen mehr heimlich als öffentlich auf die gassen gehn von jungen burschen, bei nacht, einen besuch beim mädchen machen Schm. 2, 72, s. mehr unter gässeln. von mädchen aber im schlimmen sinne, auf der gassen gan (wie ein verkäufer), sich selbst verkaufen Ambr. lb. 70, 52, s. V, 191; vgl. DWB gassenhure, DWB gassenfahrerin. von jungen männern gleichfalls nächtliches auf der gassen gehn gleich gassatim gehn, s. unter gassentreter, vgl. gassengehen.
e) vom leben auf der gasse, volksleben, öffentlichen leben. von etwas, das stadtbekannt ist, heiszt es: das wissen (sogar) die kinder auf den gassen, any body knowes that. Ludwig 693, vgl. von den gänsen sp. 1260; die kinder auf der gassen wusten, das eitel betrug in klöstern war. Mathesius Luther 106b;

die kinder es an gassen sagen.
Murner schelm. 11a.

die weisheit auf der gasse, von den sprichwörtern des volkes, jetzt selber sprichwörtlich (Körte sprichw. s. xviii), wol erst nach dem buche von Joh. Mich. Sailer die weisheit auf der gasse, oder sinn und geist deutscher sprichwörter Augsb. 1810. im gegensatz zum 'salon': gehet hin und prediget auf allen gassen, steht geschrieben. Auerbach n. leben 2, 113.
f) aber auch geringschätzig, auf der gasse auf lesen, ex trivio arripere Steinbach 1, 560, Denzler, auf der gasse gefunden, aufgelesen u. ä., von alltäglichem oder gemeinem, von der gasse geholt, das erste beste, z. b.: o, sagte Uli, es machte mir wenigstens zehn thaler unterschied, und .. zehn thaler findet man nicht auf der gasse. Gotthelf 3, 247. auch von menschen: damit die doch inne würden, wie man nicht ab der gasse sei und nichts d'r gotteswille begehre. 13, 166. nd. vielmehr mit strât, in der Altmark 'k bin ôk nich upp de straot funn, nicht so arm, von schlechter geburt u. ä. Danneil 214b.
g) auf oder in allen gassen, überall in der stadt oder im dorfe: auf allen gassen, trivialis, trivialiter. Kirsch 2, 129b; unkraut wächst allenthalben, das bös ist auf allen gassen feil. Lehman flor. 1, 117; sonderlich wenn das quartal kam, dasz ifgn. ihm sollten geld geben, brannte es in allen gassen. Schweinichen 2, 70, war grosze not; es ist nicht gut mit unreiner lust sich schleppen und durch deren getrieb ihm (sich) ein böses geschrei in allen gassen machen. Scriver goldpredigten 116 (vergl. gassengeschrei); solte denn ja unser nechster mit einem feil (fehler) übereilet sein (sich übereilt haben), so sollen wir nicht alsbald es .. in allen gassen austragen. 124. Hans in allen gassen, maister Fürwitz, ardelio, homo inquietus et curiosus, alienis se immiscens negotiis Henisch 1363, s. mehr IV2, 459 fg. ähnlich: wer in allen gassen wohnet, der wohnet übel. Henisch 1364, 33.
h) die gasse kehren, als pflicht der einzelnen hausbesitzer wenigstens an jedem sonnabend; daher das sprichwort (vgl. V, 407): ein jeder kehr vor seiner thür, so wirds auf der gassen allenthalben sauber, oder so werden alle gassen rein. Henisch 1364, 27. als ausdruck tiefster verachtung mit einer die gasse kehren:

so solt man dir dein maul drein pern (in den eignen dreck)
und dann die gassen mit dir kern. klopfan, weim. jahrb. 2, 118.


4) aber der begriff bedarf noch genauerer prüfung.
a) gasse mit inbegriff der sie bildenden oder einschlieszenden häuser und höfe.
α) so ausgehet der befelh das Jerusalem sol widerumb gebawet werden .. so werden die gassen und mauren wider gebawet werden. Luther Dan. 9, 25 (vulg. plateae et muri); gewaltiger unterschied, wenn ein land oder eine gasse zwischen ihnen (unsern thorheiten) und uns liegt! Thümmel 2, 177; die schmeckenbrätlin, so ein leckerbiszlin über 3 gassen riechen. Frank spr. 1, 37a, vgl.übers dritte haus (etwas hören) II, 1422; ihr rufen allein (wenn sie allein rufen) wird er nicht drei gassen weit hören. Lessing 1, 342.
β) auch mit einschlusz der bewohnerschaft und ihres gesamten lebens: durch zusamenwachsung und vernachbaurung einer

[Bd. 4, Sp. 1444]


ganzen freundschaft wird ein gasz besetzt, ausz vielen gassen ein flecken, ausz eim flecken ein statt, ausz stätten ein land .. Garg. 65a (Sch. 108); das hus ist die erst ordnung der elichkeit und ist vor der gassen, wie vorher ehliche gemeinschaft im unterschied von der gemeinschaft der gassen. Birl. Augsb. wb. 182a aus d. Münchner cod. germ. 201. solche sind die gassen in denen die zünfte sich geschlossen ansiedelten, wie ein ort für sich in der stadt (oft auch mit ketten oder thoren verschlieszbar), s. die webergassen, gerbergassen, judengassen u. s. w. 1, c, δ. vielleicht auch in der bedeutung stadtviertel, s. DWB gassenhauptmann, besonders gassenmeister.
γ) der unterschied von der gewöhnlichen bedeutung drückt sich eigentlich auch aus in dem unterschiede von in und auf, auf den Adelung aufmerksam machte: »in oder auf der langen gasse wohnen, d. h. an derselben«; auf (früher auch an, z. b. 3, a) meint genau die strasze, den weg, in die häuser, z. b. eine seuche ist ausgebrochen in der und der gasse, aber die kinder spielen auf der gasse; doch gilt bei engen gäszchen auch vom wege in, nicht auf.
b) ob gasse ursprünglich auch eine solche gasse für sich, also einen ort bezeichnete? so war lat. vicus auszer gasse, häuserreihe, stadtviertel auch dorf, flecken, ort, und mhd. kommt gaʒʒe einmal als übers. dieses vicus vor: diu hôchgezît was in einer gaʒʒon, diu hieʒ Chana. Grieshaber pred. 2, 16 (wb. 1, 490a). bei Melber wird viculus erklärt: dorflin, wylerlin vel gasz die da kein muer hat, vergl. Dief. 618b. in dem Münchner cod. germ. 201 kommt vor: in einer guten gassen oder in einer guten statt. Birl. Augsb. wb. 182a, wenn nicht zu a, β gehörig. man müszte dann freilich gasse in ortsnamen finden, wie es doch in engl. Ramsgate, Margate, namen von marktflecken, wirklich vorliegt (vgl. auch Newgate), ags. z. b. Corfesgeat in Dornsœtas, Dorsetshire, auch Corfget, jetzt Corfe Gate, Dûnget, jetzt Downgate, auch Gatatûn, Gatawîc u. ähnl., und blosz Geat, jetzt Yate, s. Kemble cod. dipl. 6, 274a. 281a. 290b.
c) anderseits auch gleich platz im orte, wie ja platz selber aus platea hervorgegangen ist, eigentlich eine gasse an einer breiten stelle, die breite stelle einer gasse (platea, plan, strasz, gasz Dief. 441a), vgl. ahd. strâʒa für forum Tat.; so mhd. beim Tanhauser unter 2, b (gaʒʒe gleich dem anger des dorfes) und noch in Luthers bibelübers., s. Dietz 2, 11b; vgl. DWB wallgasse in festungen, der freie platz zwischen wall und stadt. ähnlich noch z. b. in Kärnten gasse der freie platz vor dem hause, wo gewöhnlich eine bank angebracht ist, auf die gasse gên, dort zur unterhaltung zusammenkommen, mit der erweiterung dasz auch die zusammenkunft und unterhaltung selber gasse heiszt (gassen sich plaudernd unterhalten) und zu einem auf die gasse gên sogar überhaupt ihn besuchen (eigentlich vor dem hause), s. Lexer 109, Fromm. 2, 346.
d) gasse ohne häuser.
α) z. b. in gärten des alten franz. geschmacks:

prinz Roccocco, hast die gassen
abgezirkelt fein von bäumen ...
Eichendorf prinz Roccocco (
Gruppes musenalm. 1854).

auf dörfern, vor den städten grüne gasse, zwischen zäunen, gärten, auch nd. gatze (2, e, β), schwed. gata.
β) eine solche ist auch die alem. hein gasse, als viehweg. item die heingassen, da dʒ vihe usz und in gat, die sol man befriden über jar. wer dʒ nit dt, der bessert 2 sch. dn. der burschaft. weisth. 1, 418, der weg der vom dorfe zur almende führt (s. 420) zwischen äckern oder wiesen, und dessen einzäunung jährlich in stand zu setzen ist durch die anstöszer, angrenzer, dasz das vieh nicht ausschreite; das hein- kann vor dem g- für heim stehn (vergl. heimburger s. 417), wie in heingarten spalte 1395 fg., als die gasse die zur heimweide führt, wie bair. die almende heiszt, heim als das dorfgebiet, vgl. altfries. hêmeswegan plur., hêmwei dorfweg Richthofen 795b.
γ) aber auch hagen gasse kommt alem. vor und scheint dasselbe: 1 fl. 2 sch. d. denen, so die hagengassen plestern laszen, z stewer (als beitrag aus gemeindemitteln). Mones zeitschr. 19, 145, aus Mosbach v. j. 1537; jener viehweg, wie er anderwärts heiszt (vgl. den häufigen namen Vieweg, Fiebig), ist oft auch gepflastert, mit hagen- mögen die einfassenden zäune gemeint sein, doch ist die form vielleicht eine spätere ausdeutung des älteren heingasse, heimgasse. sie heiszt auch gasse schlechtweg, s. z. b. weisth. 1, 360, und gesselin, elsäss. 15. jh.: der meier hat auch ein recht, dasz er .. soll han (halten kann) vier ochsen, die sollent uszgahn zue dem gesselin in den ban .. weisth. 4, 155, d. h. sie haben freie weide, sind aber zur ausfahrt auf denselben weg beschränkt wie das dorfvieh.

[Bd. 4, Sp. 1445]



e) endlich auch ganz unabhängig von ort und wohnung hohle gasse, hohlweg im felde oder walde: bisz das er kam gän Küsznach in die holen gassen. Etterlin 16a (leseb. 31, 73); der Tell aber luff .. bisz uf die höhe an der landstrasz zwüschend Art und Küsznach, da ein hole gasz ist .. und wie sie der gemelten holen gassen nachneten .. Tschudi 1, 239a, d. h. eine stelle wo die offene landstrasze in eine gasse übergeht, eingeschlossen durch felsen wie sonst durch häuser;

durch diese hohle gasse musz er kommen.
Schiller Tell 4, 3.

aus der Heanzenmundart bringt Schröer gassen allgemein als feldweg. Fromm. 6, 181, ob auch als offener? vgl. III, 2.
f) auch gassen im lager, feldlager, wieder mit verschiedener bezeichnung, s. z. b. brandgasse; auch eine feuergasse, mit geschützen zu bestreichen.
g) eigen heimliche gasse, geheimer gang, zugang, in einem klag- und preisliede auf Tilly:

mancher kund es nit fassen,
wo doch herkäm sein glück:
Tilly hat haimbliche gassen,
dort her kams oft und dick.
Körners hist. volksl. 319,

geheime gänge, durch die das glück ihn besuchte.
5) in übertragener verwendung.
a) im kampfleben, eine gaʒʒe die sich einer durch die feinde haut (auch eine strâʒe machen En. 211, 24 nach limitem agere Aen. 10, 514):

sîn swert Schoyûse daʒ er truoc,
dâ mit er sölhe gaʒʒen sluoc,
des manc storje (schar) wart zetrant.
Wolfr. Wh. 40, 18;

dâ von sô muosten dicke werden dünne
unt wîte gaʒʒe ûʒ engen pfaden. Lohengr. 4434;

vil lücken unde gaʒʒen wart
von in ... gemachet. 4604;

auch altn. höggva götu Möbius 133. nhd.: sich eine gasse durch den feind hauen. Frisch 1, 322c aus Brotuff Merseb. chron.; der löw fehlet irer (der heiden) auch nit, sondern er macht ein weite gassen umb sich. buch d. liebe 28d, mehr zu der bed. platz unter 4, c; lanzen hätten sie ergriffen, niedergerissen und sich eine gasse geöffnet. Niebuhr 3, 120, wie von Arnold von Winkelried im Sempacher liede:

hiemit do tet er fassen
ein arm voll spiesz behend,
den sinen macht er ein gassen ...
Wackernagel leseb. 14, 1112,
Lil. 1, 131a;

drück dir den speer ins treue herz hinein,
der freiheit eine gasse!
Th. Körner leyer u. schwert 37 (aufruf);

dir, gott, befehl ich weib und kind ..
und also sprengt er pfeilgeschwind
der freiheit eine gasse ...
und durch Europa brechen wir
der freiheit eine gasse.
G. Herwegh i. j. 1841 ('der freiheit eine gasse!').


b) gasse, von menschen gebildet.
α) so bei den landsknechten, wenn sie über einen der ihren gericht hielten und ihm den tod gaben: ist es nun an dem, dasz der beklagte .. keine gnad erbitten mag, wird von den spieszen (d. h. spieszträgern) eine gassen gemacht also, dasz der arme gegen aufgang der sonnen laufe. Kirchhof mil. disc. 225. daher das spätere spieszrutenlaufen (d. h. die spiesze durch ruten ersetzt), das auch gassenlaufen hiesz: anstatt vieh und pferde zu pfänden sollte man die ... säufer und zänker fleiszig durch die gassen laufen lassen (meint ein officier). Möser phant. 3, 286, noch mit schwachem acc. sing.; durch eine preuszische grenadiergasse von 500 mann .. gejagt. Bürger 476a; kritische spieszruthen oder gassen laufen müssen (schlimm recensiert werden). J. Paul Nepomukkirche 133, kurz gassen l. statt durch die g. l.; noch jetzt z. b. tirol. gassenlaufen (müssen), etwas herbes, mühvolles unternehmen Schöpf 177.
β) ähnlich gasse der helfer beim löschen einer feuersbrunst, die sich die feuereimer u. a. zureichen, in der gasse eine lebendige gasse bildend, die zugleich den verkehr frei läszt: ich sah gar bald, dasz wenn man eine gasse bildete, wo man die eimer herauf und herabreichte, die hülfe die doppelte sein würde ... die anstalt fand beifall .. die gasse vom eintritt bis zum brennenden ziele war bald vollendet und geschlossen. Göthe 18, 20.
γ) die gasse öffnen, platz machen in gassenform, von einer menge:

Tell (sich zum schusse rüstend). öffnet die gasse! platz!
Schiller Tell 3, 3.

[Bd. 4, Sp. 1446]


in einer schlachtordnung: dasz gassen geöffnet blieben, leichte truppen durchzulassen. Niebuhr 3, 120. ähnlich gasse für geschütze, freie flugbahn für die geschosse, bei einer belagerung:

den büchsen macht man gassen,
liesz sie an drinkmur gan.
Körners hist. volksl. 116,
Lil. 2, 552b.


c) in buchdruckereien im setzersaale der gangartige raum zwischen den setzerkasten, auf der bühne zwischen den coulissen; in bienenstöcken der zwischenraum zwischen den scheiben ( Adelung), wo die bienen geschäftig gehn; s. auch DWB schnepfengasse. die raine oder pfade zwischen dem hohen korn:

als ich müszig daher gezogen
durch des korns hoch wallende gassen.
Schiller 491a.


d) auch für todtes das sich bewegt, z. b. im hüttenwesen feuergasse (s. d.), ähnlich darrgasse im darrofen, saigergasse am saigerherde, in welche die absaigernde legierung flieszt, letzteres aber auch gosse, s. unter f. bair. sogar die leinwand hat gassen, fehlerhaft dünner oder dichter 'fortlaufende' stellen Schm. 2, 73. auf dem kegelschub heiszt die gasse die öffnung zwischen dem vordersten kegel und dem vordersten nachbarkegel nach links und rechts, die linke und rechte gasse, man strebt in die gasse zu kommen mit der kugel, das kommen wie in nit in dscheiben kommen vom schützen selber Haupt 3, 251 (s. DWB kommen II, 10); vgl. gassenkegel.
e) gasse zur see, durchfahrt, passage:

wir haben Thulen nicht die länge bleiben lassen
das letzte land der welt, gefunden eine gassen
durch frost und dicke nacht (nach Neu-Zembla).
Opitz 1, 109, lob des kriegsgottes 802.

es entspricht dem nd. nl. gaten pl., von dem Opitz wol kenntnis hatte: seegaten heiszen die gänge der see zwischen dem festen lande und den inseln an Ostfriesland, da nicht allein die schiffe in der flutzeit durchfahren, sondern in zeit der ebbe die leute eine halbe meile zu fusz hinüber gehen können. Frisch 1, 322c; doch im sing. nur gat n., mündung eines flusses als einfahrt, hafeneinfahrt, enge durchfahrt, s. Brem. wb. 2, 491, Richey 71, seegatt meerenge Stürenburg 66b, daher das Kattegat, zugleich als katzenloch (s. d.); s. dazu III, 1, a.
f) nur misverständnis des niederdeutschen sprachgefühls ist gasse für gosse: diese engen straszen (in Paris) haben nur éine gasse, das pflaster läuft abwärts von den häusern zur mitte. J. E. Bollmann (aus Hannover), brieflich im j. 1792, bei Varnhagen v. E. denkwürd. 1, 16; die gosse heiszt nd. auch gate (für gote) Dähnert 144a, aus dem Göttingischen gibt Schambach 67a 'gôte f., die gosse, wassergasse'; s. auch unter d gasse und gosse tauschend. im begriffe vermittelt werden beide durch gang, vgl. DWB wassergosse und DWB wassergang canalis Dief. 94a, auch mlat. strata gleich canalis Graff 6, 759.
III. Verwandtschaft und herkunft.
1,
a) ganz nahe liegt nach form und inhalt das nd. nl. alts. gat n. loch, öffnung, auch altn. norw. schw. dän. gat n., ags. geat, gat n., engl. nur mundartlich noch gat a gap, an opening Halliw. 393b, sonst vielmehr gate thor, zugang u. ä., wie auch ags. geat schon, schott. aber gate strasze, gasse (sp. 1442) gleich dem nord. gata. Das sind deutlich zwei schwesterbildungen, ein neutr. mit der bed. öffnung, ein fem. mit der bed. gasse, weg; im nord. stehn auch beide von jeher zusammen, bei uns sind sie vertheilt sodasz dem hd. das f., dem nd. das n. zufällt, ob von jeher? wenn als plur. neben gaten (schon im Rein. 3342) auch gette erscheint, z. b. Tunnicius nr. 103, wie noch ostfries. gäte und gaten Stürenb. 73a, so weist diesz schwanken vielleicht auf eine urspr. doppelheit auch im nd. hin und gaten ist möglicher weise der rest eines f.; auffallend ist es dasz engl. fast nur gate (yate), ags. aber nur geat, gat erscheint (vgl. besonders II, 4, b), kein gate, geate, dem jenes entsprechen würde. bemerkenswert ist übrigens, dasz auch md. gaz, gatz loch vorkommt, z. b. in einer md. hs. des Ssp. I. 63, 1 houbitgazze dat., gaz bei Kirchberg 750, 66 (Lexer 1, 744), und selbst im Brem. wb. 'gat, auch wol gatz', vgl. DWB gatze für gasse I, 2, c.
b) wie nahe sich beide ursprünglich auch innerlich stehn, läszt sich noch am mhd. erkennen, z. b. wenn das durchbrechen durch den feind als ein gaʒʒen machen bezeichnet wird, noch deutlicher als lücken unde gaʒʒen machen Lohengr. 4604 (s. II, 5, a) und wenn das. 4622 das bild vervollständigt wird, indem von den angegriffenen diu tür versloʒʒen wird mit den swerten unde verrigelt. da ist die gaʒʒe zugleich noch die öffnung, d. h. der anfang und die entstehung der gaʒʒe, ein gebrochnes loch, zugleich auch mit engl. gate thor zusammenfallend. wie aber an

[Bd. 4, Sp. 1447]


diesem punkte die begriffe der öffnung und des dadurch gewonnenen weges in eins fallen, zeigt z. b. engl. gate-way, gleich unserm thorweg.
c) danach scheint gasse ursprünglich nichts als eine öffnung (zum durchgehn) und diesz gat, gaʒʒe stimmt zu griech. χαδ in χανδάνω offen stehn; s. dazu sp. 1137. auch bei der nächstverwandten stammbildung gap zeigt sich der ansatz zu gleicher verwendung in engl. gap mauerbresche, schwed. mundartl. gap n. (eigentlich loch, öffnung, wie engl. gap), loch in einem zaune, sowol ein solches das nicht sein soll (altschwed. gapa syn, gemeindliche besichtigung der zaunbeschädigungen) als eins das als durchgang dient, auch für menschen, und dann mit einer einfachsten art thür versehen die man entfernt und wieder einsetzt (mittelst sog. gapstänger pl., zaunlochstäbe), s. Rietz 186a; ebenso gatt n. 188b als zaunloch z. b. für schweine zum durchgange. jene schwed. art der zaunthüren mag uralt sein, und auch gata, gaʒa ist vielleicht ursprünglich nichts als ein solches zaunloch, zaunthor, im hofzaune wie im dorfzaune u. ä.; denn da das germ. wort sicher über die zeit des städtebaues zurückgeht, musz man ohnehin seine urzeit im dorfleben aufsuchen. an die urbedeutung zaunöffnung konnte oder muszte sich die des weges leicht anschlieszen, sobald der name fest übergieng auf die zaunöffnung für alle, an die sich ja der weg ins dorf für alle, die gasse, anschlieszen muszte. im engl. gate ist die erste bedeutung fast allein geblieben, in gasse allein die zweite.
2) in frage kommt dabei freilich, dasz engl. und nord. das wort weg überhaupt bedeutet, gelöst von zaun, dorf, stadt. so altn. gata, z. b. gata himinrîkis weg zum himmel, auch koma af götu vom wege, von der reise ankommen, selbst bildlich wie weg, daher z. b. alla götu gleich alla vega, in jeder hinsicht, allerwegen, immer u. ä. (Fritzner 194a), wie altengl. alle gate, algate Stratm. 234, noch nordengl. algates gleich always u. ä. Halliw. 42a. Altengl. z. b. im prompt. parv. 188b gate or wey, via, iter, unterschieden von gate or ʒate porta (vgl.yate Stratman 256), dazu gateschadyl wegscheide, kreuzweg, gebildet wie mhd. wegescheidele Schm. 3, 323; und wie altn. auch für das gehen selber (engl. auch geschrieben gait), z. b. to take the gate fortgehn, im prompt. gate downe descensus, z. b. vom untergang der sonne. ags. geat, get, gät oft in schilderungen von flurgrenzen, z. b. Kembles cod. dipl. 6, 42. 104. 182 (neben weg, stræt), wo grenzwege gemeint sein müssen. Wie das aus dem vorigen geworden, wird vorstellbar wenn man sich denkt wie man zuerst in der nähe der wohnungen, innerhalb des dorfzaunes auf eine künstliche behandlung der wege verfallen muszte, die dann mit dem namen auch ins offene land übergieng (vgl. umgekehrt damm 5 in die stadt übergegangen als straszenpflaster). an eine entstehung von gehn zu denken, wie man seit Stieler oder länger thut, ist nicht nötig, oder nicht möglich, da jenem doch wol nur gang zu grunde liegt (vgl. DWB gankeln am ende).
3) auffallend bleibt dabei die goth. bildung gatvô, freilich nur auf einer stelle beruhend. äuszerlich stimmt dazu ags. geatwan parare, ornare, geatwe pl. f. rüstung, schmuck; letzteres altn. götvar pl. f., das erste aber, götva in der bedeutung bestatten mit errichtetem steinhaufen, götvaðr so bestattet (Egilsson 262a, Möbius 147). war also gatvô eig. der mit steinen beschüttete, bereitete weg? vgl. schwed. gata straszenpflaster, dammweg. die bedeutung schmücken kann aus dem bestatten erwachsen sein, vgl. dazu kummel.
 
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gassel, gässel, n. gäszlein. ohne umlaut gassel n. viculus im voc. inc. teut. h iija, bair. gässel 15. jh. weisth. 6, 167; bair. ins gässel gehn, fensterln Schm. 2, 72, tirol. ins gaszl gehn Schöpf 177, s. DWB gässeln.
 
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gässelgehn, bair. östr. gleich ins gässel gehn (s. DWB gässeln) Schm. 2, 72, tirol. gasselgehn Schöpf 177, kärnt. Lexer 109; (verboten) das gäszlgehen, weil nichts als sünd und laster, leichtfertigkeiten und andere ungelegenheiten darausz entstehen. östr. weisth. 1, 327, aus dem 18. jahrh.
 
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gasseln, nordd., beim bäcker, den brotteig so in den backofen schieben dasz er rasch eine braune rinde bekommt, s. Dähnert 143a, Stürenb. 66a; andere (bäcker) sagen, zum gasseln des brotes sei der ofen (mit steinkohlenfeuerung) nicht zu gebrauchen. industriebl. von Hager u. Jacobson 1865 nr. 22. vgl. das gleichbedeutende garsten 3 (nl. garstelen, gorselen), gasseln mag eigentlich garseln sein; dän. heiszt es gjestne, gestne, vgl.gassa bei Rietz 188a. s. auch das zweite garben.
 
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gasseln, gässeln, oberdeutsch, zu gasse.
1) bair. östr. gasseln, gässeln, auf nächtlichen besuch zum liebchen gehn Schm. 2, 72, Schöpf 177, Fromm. 5, 343, s. gässelgehn

[Bd. 4, Sp. 1448]


und gasse II, 3, d, mehr unter fenstern 2, wo nachzutragen fenstern gehn Simpl. 1, 331 Kurz (3, 21 überschr.), fenstratum gehn Garg. 171b. s. gassatim, auch gassieren.
2) dasselbe scheint altschwäb. gaszlen:

secht, do wurdens gaszlent her
und rumplen unter enander
sam wildeu swein von Flandern.
Wittenweiler ring 8d, 23,

von einem haufen der daherbraust, beim nachturnier; vgl. gaslen in den straszen das. 56d, 23 und gassatim gehn von tollem umherschwärmen, bair. gasselbub nachtschwärmer.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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