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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gartheu bis gartling (Bd. 4, Sp. 1418 bis 1420)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gartheu, n. gleich hartheu Nemnich, johanniskraut, s. DWB gartheil 2, auch garthagen 2, d.
 
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gartine, gärtine, f. als flurname, eine lehrreiche weiterbildung von garten.
1) das erste bei Adelung (auch Krünitz 16, 404), aus der gegend von Könnern an der untern Saale beigebracht aus einer gerichtlichen anzeige, in der ein bäuerliches grundstück feil geboten ward, bestehend in einem busche, einer gartine auf der Pernener mark und 12 morgen acker, nach der stellung zwischen wald und feld vielleicht weidegrund. beide formen bei Vilmar 117 aus dem westfäl. theile von Niederhessen, in der breiten garthine, in der obersten gärthine u. ä., von Zierenberger flurtheilen; da er keine betonung angibt, ist wol gartîne gemeint, als wäre es romanisch.
2) es gehört ohne zweifel zu gart, garten als landmasz sp. 1392 und mag samt diesem sehr alt sein. die bildung ist im grunde dieselbe wie theils in ahd. wuostinna wüste, theils in dem altfränk. hôbunna hube, hufe (Graff 4, 753, Schilter 470b): duae ecclesiae cum atriis suis et duabus hobunnis ... una ecclesia cum atrio suo et una hobunna. Eccard. Franc. orient. 2, 883 fg., als kirchenhube; denn letzteres stellt sich zu der alts. form des ersten: wôstunnia, neben dem aber auch wôstinnia steht, das erste aber erscheint mhd. als wüestene oder wüesten f. wb. 3, 813a (wuosten Parz. 117, 9 var.), mnd. aber als wôstine desertum Diut. 2, 211b, mnl. woestîne (: scîne) de Vries wb. 1, 87, also zu dem nd. gartine stimmend; eine rein nd. aufzeichnung müszte gardine oder gerdine zeigen, gesprochen wahrscheinlich gárdîne, so wie im Hel. 1026 betont ist nicht wôstínnia, sondern wóstìnnia. über die endung und ihren vocalwechsel vgl. H. Kern die glossen in der lex salica s. 40 fg. (Zachers zeitschr. 4, 356).
3) die bildung wird aber vormals auch andern germ. stämmen eigen gewesen sein, denn sie ist wol auch die mutter von mlat. gardinum, gardinium (vgl. das alts. wôstinnia vorhin), die auch Adelung dazu stellte, und somit die mutter von franz. jardin u. s. w. (sp. 1399), es kann eine neutrale nebenform gegeben haben (vgl. Weinh. al. gr. s. 222), aber auch das fem. liegt rom. vor in ital. giardina. ebenso gieng wuostinna, wofür wahrsch. auch wastinna bestand (vgl. sp. 1380), ins frz. über in altfrz. woestine, guastine wüste (selbst adj. gastin) Diez 189, vgl. gâtine bei Littré. Alle drei bildungen und begriffe gehn auf das altgerm. landbauwesen zurück, gartine vermutlich ein eigentlich umzäuntes landstück als besitzeinheit (s. sp. 1392 unten), hôbunna, eigentlich hôbunnia ein solches in der grösze einer hube, wüestinne ein solches das nicht mehr gebaut wird, vielleicht auch wüste gartine, wüste hube. garten, hube, wüste erscheinen aber da mit der endung wie vermenschlicht? vgl. gramm. 3, 319. 1002. oder verkleinert? vgl. DWB V, 2515 (2, b).
 
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gartknecht, gartenknecht, m. gartender landsknecht.
1) gartknechte, vagabundi milites Stieler 994: frag nur kein landstreicher noch gartknecht newer zeitung, dann sie sagen gar nichts dann erlognete ding und was du gern hörst. Wickram pilger L 3; in dem kam ein guter vogel, ein gartknecht .. spricht sie an umb ein zeerpfennig. rollw. 144, 9; vgl. gartbruder.
2) gartenknecht Schönsl. S 4a, Stieler 613, vermutlich aus gartend knecht entstanden, vgl. gartenbruder sp. 1385; ein bauer beklagt sich über viele heimsuchung durch gartende knechte:

wie lang werd in Ungern der zug,
kann ich je kaum gewinnen gnug,
dasz ich die gartenknecht abweis.
Ayrer 2949, 3,

d. h. die knechte abzufertigen (mit speisung), die sich auf den währenden kriegszug nach Ungern berufen (vgl. unter 3). man bezog es aber nachher auch auf garten, wie gartenbruder (s. gartbruder 4), weil sie die gärten plünderten, s. z. b. Scherz 473. Ein nachklang des wahren ursprungs (s. 3) ist gardenknecht, S. Schertlin z. b. meldet am 8. julij 1546 aus Rosshaupten, wie die underthanen des bischofs uns proviand gnueg zugefuert .. und sind meiner zukunft (ankunft) erfreut, darumb das sie verhoffen, sie sollen nun füran mit den gardenknechten .. nit beschwert .. werden (die einzeln umziehend sich auf die gart beriefen). briefe an die stadt Augsb. 79.

[Bd. 4, Sp. 1419]



3) daneben gardknecht, denn es geht auf franz. garde zurück (sp. 1383): zur zeit Maximilian I .. hat sich der landsknechtorden angefangen .. und darmit man sie immerdar bei der hand, da es des erbfeinds, des Türken halben die noth erfordert, schleunig haben möchte, ward .. geordnet, das iederman in der Steiermark, Kernten, Binzgaw etc., sonderlich das volk auf dem land, einem ieglichen gardknecht .. einen pfenning reichen .. solte. darfür solten sie sich (geschahe es auch?) hüner und gäns schlagen enthalten. Kirchhof wend. 3, 107 Öst., vergl. von ihren angeblichen privilegia, selbst einer fryheit vom babst Wickram rollw. 64, 14 ff. (wegen der hühner und gänse Uhland volksl. 523. 520). auch gardeknecht Henisch 1356. vgl. übrigens gwardiknecht, gewardiknecht u. ä. sp. 1342 fg.
 
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gartkoch, gartküche, s. DWB garkoch, DWB garküche.
 
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gartland, s. DWB gartenland.
 
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gartläufig, auf der gart laufend (sp. 1384), gartleufig Fischart Garg. 62b, Sch. 103.
 
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gärtlein, n. zu gerte oder gart (vergl.gärte): gärtlin, gertlin, virgula. Henisch 1363, gärtlein Stieler 611.
 
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gärtlein, n. zu garte, garten hortus, mhd. gertelîn, gertel (Lexer 1, 888), im voc. inc. teut. gertel ortulus neben gertel virgula (s. das vor.) h iija, und noch nhd. bes. bair. gärtel (s. u. 1). alem. gärtle Maaler 155c. nd. gardelîn s. 3. vgl. DWB gärtchen.
1,
a) im eigentlichen sinne: item das pad (ein eepad als eigenthum eines klosters) hat auch neben sein (sich) und hinter im ain gärtel mit ettleichen phelzern (pfälzer apfelbaum Schm. 1, 310) und hat auch ain chlaines städel (s. DWB stadel) .. in dem gärtlein. weisth. 6, 167, bair. vom j. 1439, die erstere form im 17. jh. (wie heute noch) bair.: der guete formme priester hatte in seinem gärtel ein wenig kraut und gelbe rueben. Reginb. Möhners reise als feldcaplan im j. 1651 s. 73. dazu gewürzgärtlein, küchengärtlein u. a. Stieler 612.
b) auch ein einzelnes gartenstück in dem ganzen oder groszen garten; so deutlich im folg.: mein freund ist hinab gegangen in seinen garten, zu den wurzgertlin, das er sich weide unter den garten und rosen breche. Luther hoh. lied 6, 1, vulg. descendit in hortum suum ad areolam aromatum, ut ibi pascatur in hortis et lilia colligat, bei Willeram übersetzt ze demo wurzbette, im 12. jahrh. aber z den wurzpetten 91, 11 J. Haupt, pluralisch wie bei Luther, denn es sind die einzelnen stücke, beete gedacht, auf denen die kostbarsten kräuter gebaut werden, vergl. hoh. lied 5, 13 die wachsende wurzgertlin der apoteker Luther (vulg. areolae aromatum consitae a pigmentariis). ebenso bei Stieler wenn er küchengärtlein mit areola olitoria erklärt, das stück oder beet im garten für die küchenkräuter, noch heute auch das küchengärtchen genannt, wie auch das blumengärtchen im groszen garten u. ä.; areola ein bomgertelin (area die hofstat) Schröers voc. 6b; übrigens scheint auch bei den worten das er sich weide unter (zwischen) den garten Luther an die einzelnen stücke eines groszen gartens gedacht zu haben, vgl. den pl. gärten für park sp. 1394.
c) blumengärtchen vorm fenster: wurzgarten im scherben, oder gärtlin von blumenwerk für den fensteren, horti imaginarii (Plin.). Henisch 1362; vgl. Göthes gartenzimmer.
2) bildlich, sinnbildlich.
a) letzteres besonders im minneleben (vgl. unter garten sp. 1398 fg.), z. b.:

ich kam wol in ein gärtelein,
darinnen ich entschlief,
mir traumet also süsze,
wie mein feins lieb gegen mir lief ...
Uhland volksl. 68, vgl. 70;

het mir ein gertlein bawen
von viel und grünem kle,
ist mir zu frü erfroren ... 129.

besonders auch wurzgärtlein so, gewiss zugleich im anschlusz an das im hohen liede (s. 1, b), z. b.:

ich zeunt mir nechten einen zaun ...
wol umb ein freuntlichs wurzgertlein,
darinne was freuden vil.
Uhland 102,

die geliebte ist darin die frau gertnerin das.
b) selbst des herzens gärtlein, z. b.:

in meins herzen gärtlein
wächset auf ein blümelein fein ...
es ist aller tugend voll ...
wie es war gepflanzet fein
in meins herzen gärtelein ...
Hoffmann gesellschaftsl. 87;

sie (das tugendsame weib) träget keine lose kräuter in ihres herzens gärtlein ... sondern gute kräuter als mannstreü, keüschbaum .. Reineke Fuchs Rost. 1650 s. 328. vgl. in seinem eignen garten gäten, in se descendere sp. 1396.

[Bd. 4, Sp. 1420]



c) wie garten II, 3, c von ländern, nd. gârdelîn von Deutschland in einem liede von der wahl Karls V., wo es von der franz. betheiligung an den wahlumtrieben heiszt:

Frankrik het wat geseiet (gesäet, böses)
in adelars gardelin.
it is noch ungemeiet:
it mot all unkraut (so) sin.
Liliencron 3, 236a.


 
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gartlen, den garten bestellen (vergl. DWB gärten und gartnen): gärtelen, garten-bauen M. Kramer 1719; worzu soll das mädigen andere sprachen reden? lerne es teutsch haushalten, teutsch nehen, sticken, wäschen, backen, kochen, gärtlen. Quasi 19; ist zu merken, dasz um diese zeit herum unsere brüder anfangen zu gärtlen. Schöpf 177, vom j. 1753, aus einem kloster wie es scheint, das wort ist noch tirol., bair. Schm. 2, 67 (garteln), schwäb. Schmid 220; schweiz. gärteln, aus liebhaberei die gartenkunst treiben (dazu gärtler, gärtlerin), während jenes da gartnen heiszt, s. Stalder 1, 425, Tobler 212b.
 
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gärtler, m. gärtner, z. b. von Jesu (s. Joh. 20, 15):

in aller weis, in aller bärd,
sam es der herr ein gärtler wär. ein christl. kath. rüefbüechl (hs.) v. j. 1601 bl. 87a (
L. Erk).

schweiz. gärtler s. unter gärtlen.
 
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gartling, m. ein landmasz im Hannöv., ein gartling land, ein gartling wiese in amtlichen bekanntmachungen, nd. gardling, gerdling gleich ¾ morgen Schambach 59b, gebildet wie vorling m. n., landmasz von morgen 277a. letzteres aber war ahd. (Landau territor. 49) furhlanc Dronke trad. Fuld. s. 99, nrh. furlang Lacomblet urk. 1, 23, also 'eine furche lang' (vgl. DWB furche als ackergrenze sp. 676); so könnte auch in gartling das ling aus lang geschwächt sein, s. DWB gart als landmasz sp. 1392 und 'einis veldis lanc' Anno 795 (s. III, 1476), eines ackers lang I, 172, ackerlänge, ackerlang adj. (Gökingk lied. zw. lieb. 35); vgl. gartine.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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