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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gartenzwiebel bis gartknecht (Bd. 4, Sp. 1416 bis 1418)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gartenzwiebel, f. allium fistulosum, winterzwiebel, hohllauch. Nemnich.
 
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garter, m. gartknecht. Stieler 613, zu garten sp. 1386.
 
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gartgeher, m. subst. zu gart gehn (s. DWB gart 2, e): der minnesinger und gartgeher Anton von Schneeberg. A. Nagel bei Schmeller 2, 68, noch oberbair. gartgêer bettler.
 
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garthafen, garthafenkraut, ein kraut (s. folg. 1, f):

garthaffen, salven, maseran.
H. Sachs 3, 3, 68b;

beifusz, pappeln, garthaffenkraut. 5, 378b.


 
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garthagen , u. ä., ein kräutername.
1) die stabwurz, ebenreis, artemisia abrotanum, heiszt bei Nemnich 1, 466 auch gartenhahn, garthan, garthegen, garthau, gartheil, gertel, gertwurz (gartenwurz) u. ähnl., formen, die groszentheils weit zurückgehn.
a) garthagen z. b.: etliche salsen (saucen) stoszt man ab mit meilant, garthagen, ampfer. küchenmeisterei d 1, noch jetzt auch in der küche verwendet, z. b. als füllsel für die gans, daher auch DWB gänsekraut Nemnich 1, 467 (sp. 1273 nachzutragen). garthagen in vocc. des 15. jahrh. Dief. 4c, schon mhd. garthagen abrotanus sum. 21, 25, Graff 4, 798, ahd. garthago tricolanum Haupt 3, 380b (tricolagum sum. 18, 66), sodasz die pflanze in alter zeit irgendwie mit dem hag verknüpft scheint und gart- wirklich garten meinen wird (vgl. DWB gartenhag unter b), während anderseits gart gerte nahe liegt (sp. 1381) nach den langen schlanken zweigen der pflanze, die auch durch stabwurz, gertwurz, gertenkraut,

[Bd. 4, Sp. 1417]


ebenreis bezeichnet sind; doch gart gerte und gart garten mischen sich ohnehin in form und sinn (s. z. b. gart 1, d), und gartenwurz, gartenkraut können sogar selbst zu garte gerte gehören (sp. 1386). auf diesz gart- geht wol auch der ältere franz. name garderobe (Junius nom. 88a) zurück, aber mit umdeutung, weil man das wolriechende kraut zwischen die kleider im schranke legt (Nemnich 1, 467), wie es zu sträuszen beliebt ist, besonders für die bauern zum kirchgange (Vilmar 117).
b) auch deutlich gartenhag, 16. jh., z. b.: nim peterlinsomen, gartenhag .. Gersdorf wundarzn. 29, vgl. gartenhain, gartenhân unter c.
c) aus garthagen erklärt sich garthain, freilich für millefolium (schafgarbe), schabgarb vel garthain voc. inc. teut. bb 5a; aber noch hess. gartenhain m. artemisia abrotanum Vilmar 117; ebenso garthan: nimm rauten, salvien, wermut, garthan (der weiber monat zu fürdern) Wirsung arzn. 122, bei Nemnich garthahn, gartenhahn, letzteres noch z. b. hessisch, wie hain und hân aus hagen, für sich wie in ortsnamen und zusammensetzungen wie haindorn, hândorn Dief. 483c. 8c.
d) daneben aber garthaim Dief. 4c, Schm. 2, 69, diesz aber im voc. inc. teut. so: garthaim, satureia, aliqui dicunt millefolium idem. h iija. wieder auch gartham im 15. jh. Dief. 4c und noch bairisch, wo auch gartaun, mit verlust des h, wie schon ahd. in gardago tricolanum (s. unter a) Graff 4, 257. solcher wechsel von heim und hain kommt umgekehrt in ortsnamen vor, z. b. Holzhûsinhein, jetzt Holzheim Förstem. 2, 796, Hegeheim und Hegeheyn Weigand oberhess. ortsn. 291.
e) garthaglen, abrotonum mas, stabwurz, gertwurz Junius 88a, wie verkleinert (scheint zugleich plur.), und dazu stimmend (wie garthain zu garthagen) gartheil Nemnich, gartenheil Popowitsch 555. auch Nemnichs garthegen hat neben sich einfaches hägen, hegen gleich hagen, hag (IV2, 149. 775).
f) aber auch weiter entfernt und wirklich entstellt garthade abrotanum Dief. nov. gl. 3b (vgl. gartheide), und auch das garthafen vorhin bei H. Sachs wird nichts anderes sein; Adelung hat auch garthafer gleicher bedeutung.
2) aber auch von andern kräutern.
a) am begreiflichsten mhd. paliurus, garthagen sum. 40, 10, Graff 4, 798, wol eins mit paliurus hagendorn (auch blosz hagen) Dief. 406c, dem zu den hagen besonders beliebten strauche, in garthagen als den garten hegend bezeichnet; der name ist da so natürlich, dasz man diesz als die ursprüngliche bedeutung denken kann, während die stabwurz bei uns nicht von haus aus heimisch scheint (doch besenkraut, die wilde stabwurz, zu besen gesammelt Popowitsch 555). vgl. übrigens paliurus karte, kartdistel, distel Dief. 406c und dazu karde.
b) eigen im voc. 1482 k ijb garthag, satureya, oder ysopp oder reyenwurz, gartenkol, gartenkumel, s. auch aa 6b (wo gartkol, gartkumel); auch in einem rhein. voc. garthan saturegia Dief. 514b, im voc. inc. teut. garthaim (s. 1, d); vergl. DWB gartenkresse, DWB gartenisop, s. auch unter 3.
c) millefolium, schafgarbe, s. 1, d, vgl. 3.
d) in den bair. alpen weiszer gartaun (s. 1, d) dryas octopetala, silberkraut, gelber gartaun geum reptans, eine bergnelke, s. Schm. 2, 69, das erste auch garthau Schm.2 1, 941 (vgl. gartheu).
3) garthaim für schafgarbe (1, d) berührt sich mit garte gleicher bedeutung und aus gleicher quelle, und stützt dieses weiter (s. sp. 1385), wie das seltsame barbune ebenda anklingt an barthün artemisia abrotanum Nemnich 1, 466. auch für satureja (2, b) erscheint einfach garten, gerten (pl.?) Dief. 514c, letzteres aber auch für die stabwurz: gertten, abrotanum. Schm.2 1, 941, gleichfalls aus dem 15. jh., für die letztere sehr begreiflich nach ihren gertenartigen zweigen, vgl. gertenkraut unter 1, a.
 
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garthaufe, m. haufe von landsknechten die auf der gart liegen (s. unter gart): anno 45 versamlet sich ein gardhauf im land zu Hadeln, in die 1500 zu ross und 8000 landsknecht ... welche .. es so machten, dasz die armen leut sie gern sahen da sie weg zogen. Kirchhof wend. 2, 320 Öst.; was sie beide .. im Oldenland .. bei eim gardhaufen (da auch wenig gnug regiment wird gehalten) viel lästerliche .. händel getrieben. 324, d. h. zu dem garthaufen gehörend; vgl. s. 319 die erklärung von garthaufen (gardthaufen mil. disc. 215), s. spalte 1382, wo auch seine doppelte schreibung sich erklärt.
 
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gartheide, f. tausendgüldenkraut: gartheyd, centhauria. voc. 1482 k ijb; goltplum, centhauria .. ertgal, bieferkraut .. garthayde. l 5a, gartheid' g 6b; auch in einem andern voc. gartheyd Dief. 112b, aus Rösslins kräuterb. das. gartenheyde. auch goltheit centaurea Mones anz. 7, 157. vgl. fieberkraut.

[Bd. 4, Sp. 1418]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gartheil, n.
1) gleich garthagen, s. dort 1, e, wo auch gartenheil. vgl. auch gartengeil.
2) gartheil, S. Johans blümlin, hypericum, klein wild gartheil hypericum verum, minimum, ruta silvestris, erdkiferlin Henisch 1363, johanniskraut, in zwei arten, s. Nemn., vgl. DWB gartheu. in einem voc. des 15. jh. ipericon, veltraute, gartuyl (hartuel) Dief. 278a.
3) Andreaskraut, ascyrum. Nemnich.
 
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gartheu, n. gleich hartheu Nemnich, johanniskraut, s. DWB gartheil 2, auch garthagen 2, d.
 
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gartine, gärtine, f. als flurname, eine lehrreiche weiterbildung von garten.
1) das erste bei Adelung (auch Krünitz 16, 404), aus der gegend von Könnern an der untern Saale beigebracht aus einer gerichtlichen anzeige, in der ein bäuerliches grundstück feil geboten ward, bestehend in einem busche, einer gartine auf der Pernener mark und 12 morgen acker, nach der stellung zwischen wald und feld vielleicht weidegrund. beide formen bei Vilmar 117 aus dem westfäl. theile von Niederhessen, in der breiten garthine, in der obersten gärthine u. ä., von Zierenberger flurtheilen; da er keine betonung angibt, ist wol gartîne gemeint, als wäre es romanisch.
2) es gehört ohne zweifel zu gart, garten als landmasz sp. 1392 und mag samt diesem sehr alt sein. die bildung ist im grunde dieselbe wie theils in ahd. wuostinna wüste, theils in dem altfränk. hôbunna hube, hufe (Graff 4, 753, Schilter 470b): duae ecclesiae cum atriis suis et duabus hobunnis ... una ecclesia cum atrio suo et una hobunna. Eccard. Franc. orient. 2, 883 fg., als kirchenhube; denn letzteres stellt sich zu der alts. form des ersten: wôstunnia, neben dem aber auch wôstinnia steht, das erste aber erscheint mhd. als wüestene oder wüesten f. wb. 3, 813a (wuosten Parz. 117, 9 var.), mnd. aber als wôstine desertum Diut. 2, 211b, mnl. woestîne (: scîne) de Vries wb. 1, 87, also zu dem nd. gartine stimmend; eine rein nd. aufzeichnung müszte gardine oder gerdine zeigen, gesprochen wahrscheinlich gárdîne, so wie im Hel. 1026 betont ist nicht wôstínnia, sondern wóstìnnia. über die endung und ihren vocalwechsel vgl. H. Kern die glossen in der lex salica s. 40 fg. (Zachers zeitschr. 4, 356).
3) die bildung wird aber vormals auch andern germ. stämmen eigen gewesen sein, denn sie ist wol auch die mutter von mlat. gardinum, gardinium (vgl. das alts. wôstinnia vorhin), die auch Adelung dazu stellte, und somit die mutter von franz. jardin u. s. w. (sp. 1399), es kann eine neutrale nebenform gegeben haben (vgl. Weinh. al. gr. s. 222), aber auch das fem. liegt rom. vor in ital. giardina. ebenso gieng wuostinna, wofür wahrsch. auch wastinna bestand (vgl. sp. 1380), ins frz. über in altfrz. woestine, guastine wüste (selbst adj. gastin) Diez 189, vgl. gâtine bei Littré. Alle drei bildungen und begriffe gehn auf das altgerm. landbauwesen zurück, gartine vermutlich ein eigentlich umzäuntes landstück als besitzeinheit (s. sp. 1392 unten), hôbunna, eigentlich hôbunnia ein solches in der grösze einer hube, wüestinne ein solches das nicht mehr gebaut wird, vielleicht auch wüste gartine, wüste hube. garten, hube, wüste erscheinen aber da mit der endung wie vermenschlicht? vgl. gramm. 3, 319. 1002. oder verkleinert? vgl. DWB V, 2515 (2, b).
 
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gartknecht, gartenknecht, m. gartender landsknecht.
1) gartknechte, vagabundi milites Stieler 994: frag nur kein landstreicher noch gartknecht newer zeitung, dann sie sagen gar nichts dann erlognete ding und was du gern hörst. Wickram pilger L 3; in dem kam ein guter vogel, ein gartknecht .. spricht sie an umb ein zeerpfennig. rollw. 144, 9; vgl. gartbruder.
2) gartenknecht Schönsl. S 4a, Stieler 613, vermutlich aus gartend knecht entstanden, vgl. gartenbruder sp. 1385; ein bauer beklagt sich über viele heimsuchung durch gartende knechte:

wie lang werd in Ungern der zug,
kann ich je kaum gewinnen gnug,
dasz ich die gartenknecht abweis.
Ayrer 2949, 3,

d. h. die knechte abzufertigen (mit speisung), die sich auf den währenden kriegszug nach Ungern berufen (vgl. unter 3). man bezog es aber nachher auch auf garten, wie gartenbruder (s. gartbruder 4), weil sie die gärten plünderten, s. z. b. Scherz 473. Ein nachklang des wahren ursprungs (s. 3) ist gardenknecht, S. Schertlin z. b. meldet am 8. julij 1546 aus Rosshaupten, wie die underthanen des bischofs uns proviand gnueg zugefuert .. und sind meiner zukunft (ankunft) erfreut, darumb das sie verhoffen, sie sollen nun füran mit den gardenknechten .. nit beschwert .. werden (die einzeln umziehend sich auf die gart beriefen). briefe an die stadt Augsb. 79.

[Bd. 4, Sp. 1419]



3) daneben gardknecht, denn es geht auf franz. garde zurück (sp. 1383): zur zeit Maximilian I .. hat sich der landsknechtorden angefangen .. und darmit man sie immerdar bei der hand, da es des erbfeinds, des Türken halben die noth erfordert, schleunig haben möchte, ward .. geordnet, das iederman in der Steiermark, Kernten, Binzgaw etc., sonderlich das volk auf dem land, einem ieglichen gardknecht .. einen pfenning reichen .. solte. darfür solten sie sich (geschahe es auch?) hüner und gäns schlagen enthalten. Kirchhof wend. 3, 107 Öst., vergl. von ihren angeblichen privilegia, selbst einer fryheit vom babst Wickram rollw. 64, 14 ff. (wegen der hühner und gänse Uhland volksl. 523. 520). auch gardeknecht Henisch 1356. vgl. übrigens gwardiknecht, gewardiknecht u. ä. sp. 1342 fg.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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