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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gart bis garten (Bd. 4, Sp. 1382 bis 1386)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gart, gard, garde, f. das herumtreiben der herrenlosen landsknechte u. ä.
1) es ist wirklich das franz. garde, wie schon Adelung behauptete und vor ihm Frisch, Stieler u. a. wuszten, Schmellers zweifel erledigen sich eigentlich in der neuen ausgabe von selber durch das später von ihm nachgetragene.
a) den franz. ursprung gibt noch im 16. jahrh. Hans Wilh. Kirchhof, selbst ein alter landsknecht, an, zur erkl. des wortes garthaufen, im 55. cap. des 3. buchs seines Wendunmut (2, 319 fg. Öst.), auch in seiner milit. discipl. 215: ein gwardi nennet man auch bei uns Teutschen nunmehr die anzahl knechte, so etwan in einer festung für und für, ob es gleich fried ist,

[Bd. 4, Sp. 1383]


liegen ... vor zeiten (d. h. in der ersten zeit des landsknechtwesens) auch solche knechte, die zu bewarung des lands unterhalten, hin und wider auf die bauwrn gelegt worden, welche sie mit essen und trinken versehen musten (angeblich auf grund eines kais. privilegiums, s. unter DWB gartknecht), und so bald ein dorf oder ort aufgefressen, wechselten sie das ab für ein anders, da noch backenfutter zu finden (diesz ist das eigentliche auf der gart liegen). hieraus noch die gewonheit erwachsen, dasz die landsknecht, welche keinen herren haben (also einzelne), den vatter *) umb ein zerung (bleibts darbei) oder ein par hüner (gäns legen grosz eier) ansprechen, und hat hiervon den namen auf der gard gesprungen, garden, und die darauf umbziehen, gardbrüder; er fügt als ihr alter kamerad eine mahnung hinzu, darin masz zu halten und lieber zu ihrem handwerk zurückzukehren, denn stätig solches erwerbens gewonen hat geringen unterscheid und vortheil (d. i. vorzug) vom betteln. in der milit. disc. 215 steht gardt, gardtbrüder, aber garden, im wendunm. aber auch gardknecht 3, 107, gardhaufen 2, 324. in Schmellers 2. ausgabe 1, 940 steht gard aus einem briefe vom jahre 1525, von der hand eines Schwaben: es sind in den Niderlanden etwas vi oder viim niderlendisch knecht auf der gard umbgezogen und dienst begert, so man ir aber nit bedorft .. sind si Frankreich zugeruckt u. s. w.; s. auch DWB gard bei Wickram unter 2, b, garde bei Henisch das.
b) das franz. garde (s. d.) wurde, vom hofe Karls des kühnen ausgehend, gegen 1500 im deutschen nordwesten und norden ein beliebter name für ein landsknechtheer, einen kriegshaufen; dabei war die andere bedeutung des franz. wortes, hut, bewachung, wolbekannt (s. z. b. garde 2, a), in dem es denn die landsknechte, gewiss auch und wol zuerst ihre obersten, auf die von Kirchhof bezeichnete aufgabe anwandten: auf der garde liegen, eigentlich auf der wache dem feinde gegenüber oder zur hut eines landstrichs. das auf ist wie heute noch auf der wache, auf seiner hut sein, und da ursprünglich hut, mhd. huote auch im kriegsgebrauch gleich franz. garde war, sagte man gewiss auch auf der hut liegen, das denn in der franz. gestalt fortgesetzt wurde. begreiflich wandten dann auch die einzelnen landsknechte auf ihr herumliegen und lungern bei den bauern das neue vornehme wort an, das eigentlich strategisch gemeint war. Als dann aus Karls V. heere die span. ital. form guardia dazwischen kam, die auch Kirchhof oben mit der franz. wechselnd braucht, gieng auch diese in jene bedeutung über, wie diesz noch aus Schlesien im 17. jh. bezeugt ist: se liget ihr .. uff der qvarde ze lande. Gryphius Dornr. 32 (s. DWB garde am ende), zugleich noch im alten eigentlichen sinne, von einquartierung bei den bauern im gegensatz zur städtischen garnison.
c) nach Frisch 1, 320a hätten übrigens auch die gartenden knechte selber garde sg. oder garden pl. geheiszen: garde, abgedankte soldaten, die andere dienste suchten und im lande herum bettelten; er bringt aus der Jülchischen polizeiordn. s. 9 bei: der streifenden garden und herrnloser knecht halber einsehens haben, wenn da nicht gemeint ist garden- und h. knecht, s. DWB gardenknecht. auch in der gewöhnlichen bed. gibt er 320b auf der garde herum laufen, auf der garde betreten werden, 'bettelei', stipis collectio sive potius extorsio, fortgesetzt bis jetzt in dem fechten (s. d.) der arbeitslosen handwerksburschen, die einst oft zugleich dienstlose landsknechte waren, s. oben Kirchhof.
2) in rheinischem, oberdeutschem munde muszte aber garde zu gard und diesz zu gart werden. das dann auch andere annahmen.
a) auf der gart ist die hauptsächlich gebrauchte wendung, gerade an ihr hieng die alte kräftige bedeutung, die dem landsknechte diente (s. 1, b): die auf der gart streifen, equites, pedites palati. Henisch 1357, 29, zugleich noch im alten kriegssinne; disz haben sie die fromme landsknecht gelehret, die nur gleich auf der gart unten in die keller nach dem wein stürmen. also haben ihnen die bauren darnach die müh (zugleich noch 'ärger') gemacht, dasz sie leitern suchen muszten ... Garg. 133b (Sch. 243, wo auf die gart);

ja in dem läger, auf der gart,
bei junker würfel und der kart ...
da überkömpt manch gut gesell
sein allergröstes ungefell (wunden im streite)
und selten für dem feind im feld.
Ringwald laut. warh. 120 (107);

*) vater nannte der landsknecht den bauer, mutter die bäuerin (wendunm. 3, 108), die ihn mit lieber mein son anredete (Wickram rollw. 65, 13. 24), d. h. es war wie auf der gesellenherberge, vergl. landsknechtherberg Wickram 64, 13.

[Bd. 4, Sp. 1384]


denn welcher kriegsman wolte thun
wie der vergeszne (gottvergessene) Hans von Hun,
der seiner diebschen händel wart,
die bawren lauset auf der gart,
von einem dorf zum andern leuft u. s. w. 15 (13).

wie auf der gart liegen, so auch sich auf die gart legen, z. b. bei Schöpf 177 aus der Tiroler landordn. von 1603: die gartknechte so sich auf die gart legen. dann auch garte, bei einem Norddeutschen: das sie mit ihm hett gessen, was er auf der garte kriegen. Ambr. Pape bettel- und garteteufel Q 3b.
b) gewöhnlich auf der gart umziehen: (arbeitsscheue landsknechte, die) niemals auf den munsterplatz kommen noch erschienen, sondern in unser gnedigsten herren landen auf der gart umbgezogen. Reutter kriegsordn. 71; es haben die frummen lantzknecht, gott verzeich mirs (dem frumm geltend), einen brauch im land und sonderlich im land z Schwaben und auf dem Schwarzwald, das sie winterszeit auf der gard umbzihen, sturmen die armen bauren umb speis u. s. w. Wickram rollw. 64, 1;

S. Peter. wer klopft drausz? sagt balt, wer ir seid!
Hans Latz. ei wir seind gut ehrlich krigsleut,
die auf der gart umbzogen sein,
wolten itzt gern in himmel nein
und zu mittag drinnen essen.
Ayrer fastn. 123b (2952);

er soll nicht ziehen auf der gart
nach der diebischen lauser art.
Philander 2, 746.

Auch kräftiger umlaufen, laufen: auf der garde laufen, vivere ex stipe a rusticis extorta, hortos, pomaria, agros et villas depraedari. Henisch 1357, entlehnt aus Kilian 120b, der es unter gaerde hortus hat, op de gaerde loopen;

du laufst vielleicht umb auf der gart
untern bawern, bist ein landsknecht?
H. Sachs 5, 367c;

denn musz ich laufen auf der gart,
übel essen und ligen hart. 2, 2, 6d;

da loff ein armer lantzknecht hart
zerrissen, frostig auf der gart. 2, 4, 104c;

sonder (wir) laufen selbst auf der gart,
essen oft übl und ligen hart.
Ayrer 2958, 15.

das laufen auch als springen, im witz gesteigert: auf der gard gesprungen. Kirchhof unter 1, a, er kannte es aus eigner erfahrung. ein andrer landsknechtwitz bezeichnete es als ein schiffen im lande herum, s. unter DWB gartsegel.
c) seltener die gart schlechthin u. ä.:

und wenn du (landsknecht) nümmen hast ein herren,
so thst du dich mit bettlen neeren,
verquantests dann (s. gewandsweise), es sei die gart,
damit plagst du die bauren hart. spil wie man die narren von einem beschweren soll (1554) E 2a;

das auch ein junger lantzknecht, so noch nit gar wol gstudiert hatt, im groszen hunger und armt sich mszt der gart behelfen. Wickram rollw. 64, 19. später auch kurz garde gehen Stieler (s. e), wie ähnlich wache stehen.
d) schon im 16. jh. wird es auch einfach mit bettelei als eins behandelt: laufen dauszen auf der gart umb, das z teütsch bettlen heiszt. S. Frank chron. 217b;

betteln hin und her auf der gart. Peter Lewe 273 (weim. jahrb. 6, 433);

dasz er sich auf die gart oder bettelei begeb. Fronsperger kriegsb. 1, 111a; man sol nicht auf dem bettel oder gart umbziehen. 1, 200b, doch alles noch von landsknechten. im 17. jahrh. erscheint es z. b. im Simplicissimus nicht mehr, bestand aber noch in Österreich: alle soldaten und ander umbschwaifent herrnlos gsindel sambt iren weibern sollen durchaus auf der garth nit mehr gestath .. werden. österr. weisth. 1, 62.
e) aber von bettelei überhaupt auch über das landsknechtwesen hinaus; Stieler 2440 gibt so garde gehen (vgl. DWB gartgeher), und noch aus Baiern Schmeller 2, 68 gart gehn, von haus zu haus betteln gehn, auch in oder auf der gart sein, selbst sich auf die gart legen, noch wie in der ersten zeit. österr. bei Höfer 1, 177 'in unserem gebirge heiszt es auf der gard, in der gard sein', gleich auf dem gäu, wol von herumtreibern.
3) in der ursprünglichen bedeutung auf andere verhältnisse angewandt: derselbig (graf) enpfurte ein junge closterfrau zu Heiligcreuztal ... er enthielt sie etliche zeit hin und wider uf der gart seins gefallens. Zimm. chron. 3, 389, indem er sie hie und da wechselnd einquartiert, sodasz sie doch wie ein gartender landsknecht nur eben geduldet ist.
4) s. auch garten (garden, garren), auf der gart liegen, dann gartbruder (gardenbruder, gartenbruder), gartknecht, garthaufe, auch gartsack, gartsturm, gartstreifig, gartläufig.

[Bd. 4, Sp. 1385]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gärt, stimulus, s. DWB gart m. 2.
 
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gartbruder, gartenbruder, m. gleich gartknecht.
1) gartbruder, landsknecht der auf der gart umzieht (s. DWB gart f. 2, b), bruder weil sie sich als bruderschaft ansahen und aufführten, wie denn bruder Veit für landsknecht geläufig war: erwuscht den lantzknecht oder gartbrder bei der kartausen ... Wickram rollw. 146, 2 (vorher oft gartknecht); wo denn einer der schlecht frommen gartbrder in ein stuben kumpt .. 64, 9, nachher auch der gt brder Veit 65, 19; einsidler, gartbrüder, nollbrüder. Fischart groszm. 60;

denn jetzund überall gemein
der gartbrüder gar zu viel sein.
Z. Poleus trag. v. d. belag. Samariae B 5;

wie dann auch mit den bettlern, marktschreiern, gartbrüdern gute ordnung zu machen (auf jahrmärkten). Hohberg 1, 53a, hier, wie später überhaupt, über die landsknechte hinaus erstreckt. in nd. fassung gardbruder Schottel 1323, s. Frisch 1, 320b.
2) gleichbed. gartenbruder, gebildet wie gartenknecht (eig. wol gartend bruder, gartend knecht): ich weisz inen (den landsknechten) keine besser namen zu geben als thu kein gut, gartenbrüder, hünerdiebe, marterhanse, wundenknechte ... Pape bettel- und garteteufel O 2b; das die gartenbrüder inen gewalt gethan. O 5a; die aus den söldnerheeren erwachsenen wilden, räuberischen bettlerscharen, die gardenbrüder und zigeuner. Stüve wesen u. verf. 120.
3) später gardebruder Stieler 2440, miles vagabundus, praedo, mendicus, dazu ebend. selbst gardeschwester mendica, praedatrix, aus der zeit des 30jähr. krieges begreiflich (doch vgl. auch unter 4); bei Schmid 221 noch aus der würtemb. almosenordnung von 1724 gardebrüder, umher streifende bettler (auch wurstsammler genannt). in dem garde- ist gart zur franz. form zurückgeführt.
4) gartenbruder aber auch von wiedertäufern, eig. von einer ihrer secten: der widertaufer glauben, der gartenbrueder glauben. Schm.2 1, 939; daraus dann und aus solcher zwispeltiger lehre so mancherlei .. secten und unschickligkeit entstanden were mit widertäufern, sacramentschwermern, bildstürmern und gartenbrüdern und schwestern (also auch gartenschwestern, vgl. u. 3). Luther 5, 105a, aus dem schriftenwechsel zu Augsburg 1530; dasz der gartenbruder Hetzer bei vier und zwenzig ehelicher weiber hatte beschlafen gehabt. Luthers tischr. 326b; ain rat hie hat den merer teil der gartenbrüedern und wiedertäufern die stadt wiederumb erlaubt. Birl. Augsb. wb. 181 aus einer Augsb. chronik; auch allhie in den winkeln und gärten hatten die wiedertäufer versamlungen, daher sie den namen gartenbrüder bekamen. ebend.; dasz die letztere auffassung des namens auch sonst gangbar war, zeigt die übers. hortenses, vgl. Liebknecht de fraternitate hortensium Gieszen 1724; aber es ist urspr. der landsknechtname, wie z. b. folg. zeigt. S. Frank in der 3. chronica in dem capitel von den wiedertäufern erzählt von einer secte: etlich haben die gewissen mit dem spruch verwickelt 'wer nit alles verlaszt, weib, kind, äcker' etc., und so gar manchen mit diser schrift (schriftstelle) gedrungen, das er alles verlassen hat, weib und kind sitzen (lassen) und ins elend zoch ... umbher gartet wie ein geistlicher landsknecht. chron. 1543 2, 199a, übrigens ohne erwähnung des namens der gartenbrüder. — Dazu das adj. gartenbrüderisch, bei Fischart: Platons lacedemonisch gartenbrüderisch weibergemeinschaft. Garg. 63a (Sch. 105), die wiedertäufer hielten zum theil die ehe für einen unrechten zwang, die gartenschwestern vorhin werden frauen sein die auf diese freie ehe eingiengen. s. auch W. Scherer zeitschr. f. d. östr. gymn. 1867 s. 484.
 
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gärtchen, n. kleiner garten, die md. form, älter gertichin, gertechin, das letzte z. b. im 15. jh. in einem mrh. voc. Dief. 402a, gärtichen noch Steinbach 1, 560; aber die oberd. form gärtlein allein geben noch Stieler, Rädlein, Ludwig. niederd. gärdeken Chytraeus 399. beispiele:

mein vater hinterliesz ein hübsch vermögen,
ein häuschen, und ein gärtchen vor der stadt.
Göthe 12, 162;

die kleinlichen lauben und kindischen gärtchenanstalten. 21, 141, versuch von gartenanlagen, wie im kinderspiele; das kindergärtchen des verliebtseins. J. Paul Katzenb. 1, 42. auch kohlgärtchen, krätzegärtchen u. a.
 
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garte, m. hortus, s. DWB garten.
 
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garte, f.? gleich garbe, schafgarbe, in dem vermutlich ersten drucke des voc. inc. t.: gartte oder barbune, millefolium. h iija, in späteren drucken in garbe geändert trotz der alphab. ordnung, in die nur gartte paszt; gestützt wird es durch 'gertel, barbune,

[Bd. 4, Sp. 1386]


millefolium' i ija, das auch andere ausgaben beibehalten bei Dief. 361b (doch in einer auch dafür gerbel g 6b), wie in Kellers voc. Augsb. 1468 millefolium gertel, barbune Dief. nov. gl. 253b.
 
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garte, f. gerte: sehet hie das bündlein garten, versuchet es, ob ir sie könnet brechen. schausp. des herz. Heinr. Julius v. Br. 346 (ungerat. sohn 2, 4), es sind häseln stöcke, wie es nachher heiszt. ebenso schon im voc. inc. teut. garten virga, s. u. gart 2, b sp. 1382, und noch tirol. gart' f. Schöpf 176, vgl. wîngarte weinstock sp. 1381. auch ostfries. garde gerte Stürenburg 66a, nl. garde, gaert f. neben geerde, s. garde im nl. wb.
 
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gärte, pl. s. DWB garten und gart; auch gärte für gerte, s. d., z. b. gärte Henisch 1363, gärten virga Schönsleder S 4a, vgl. das zeitwort gärten. Im folg. für engl. yard gesetzt mit richtiger rückübersetzung durch einen Schwaben (vgl. in Zachers zeitschr. 2, 259): item für sammet zu hosen und wammes 6 gärten und 3 virtel, die gärten 3 kronen ... item ein gärt futterduch u. s. w. Breuning v. Buchenbach 81 fg., in der rechnung für sein ehrkleid, staatskleid als würtemb. gesandter am hofe der königin Elisabeth in England; so nl. een engelsche gaert, s. das nl. wb. unter garde 2.
 
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garteisen, n. das spitze eisen vorn am treibstecken, gart (s. dort): garteysen, stimulus, auch prickel, stechel. voc. 1482 z 7b. ff 5b, gartysen Dief. nov. gl. 348b, wo auch gerteysen aus Kellers voc. rer. Augsb. 1468, wie gert für gart (s. d. 2, a); und sol ein knecht hinder inen (den ochsen) gon, und der sol den gart in der hend haben und sol den tumen uf dem gartysen han und sol den tumen under dem kinne han, ob er schlofen welle, das in das gartysen wecke. weisth. 1, 360; der (ochsenknecht) soll haben einen molen, der iedweder site ein spitz gartisen habe .. so soll er den molen setzen uf sinen fuesz und under sin künne, ob er entschlafe, dasz er in steche. 4, 155. ahd. gartîsarn Graff 4, 256.
 
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gärtel, s. gärtlein.
 
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garten, garden, von den landsknechten, gleich auf der gart liegen, umziehen u. ä., s. dazu DWB gart sp. 1382 ff.
1,
a) anfangs auch noch garden, als nachklang der entstehung aus dem franz. garde, z. b.: die laufende knecht (landsknechte ohne dienst) untersteen sich uf unser und euer arm lüt (unterthanen) zu garden und zu legern. kais. verordn. vom j. 1518 bei Scherz 472 (legern gleich sich auf die gart legen sp. 1384); und wie er (der landsknecht) also bisz heim garden oder bettlen mst, kame er für eines bauren haus. Wickram rollw. 43, 16 Kurz; gardten und hausieren. Scherz aus einer tirol. landsordnung 7, 7.
b) ebenso nd. garden exire praedatum Schottel 1323, z. b.: a. 1363 gardede grave Engelbardt von der Mark im Viehlande mit grootem volke, und brande dar veele husen, darum dat to Bremen ein leed op em gedichtet was. Brem. wb. 2, 487 aus Renners brem. chron., d. h. aus dem 16. jahrh., dem der ausdruck angehört, nicht dem 14., über den begriff s. unter DWB gart 1, b, es steht dem ursprünglichen begriffe näher als das gewöhnliche garten; s. ebend. 488 subst. garding und legering der knechte (vgl. DWB garden und legern unter a), mehr hd. gardung, auch gartung, aber auch mit roman. endung garderinge und legeringe der landesknechte, wie bei Frisch 1, 320b gartierer von gartenden knechten, die rom. endung stimmt zu dem rom. ursprunge. auch Dähnert 142b bringt aus pommerischen quellen gardende knechte bei, Frisch 1, 320b aus magdeb. ordn., ebenso sich aufs garden begeben oder legen (vgl. DWB auf der gart liegen sp. 1384). auch nl. im 16. jh. gaerden, s. im nl. wörterb. unter gaarden.
c) aus garden erklärt sich dann nd. garren, viritim mendicare Schottel 1323 (daher bei Stieler 2440): garren, fechten, umb reuterzehrung ansprechen Praetorius (s. u. fechten 4), auch von handwerksburschen u. ä.
2) garten, bis ins 17. jahrh. hinein.
a) garten schlechthin: gieng also zwen tagrais garten. Fortunatus D 7b;

er (der landsknecht) garrt und nimmet oft ein pewt,
die er musz zalen mit der hewt.
H. Sachs 1, 531d;

das unchristlich verloren volk der landsknecht, deren handwerk ist hawen, stechen ... garten, schinden, schätzen. S. Frank chron. 217a; welcher gwar wirt, was betlen, garten und terminieren, die drei geschwistergoten thn, und wie sie die faulen schluffel müszig so reichlich neren, der boret kein dick bret nimmer mehr (thut nicht wieder handarbeit), als betler, mönch und landsknecht. ders. sprichw. 2, 76b; ein landsknecht klagt:

[Bd. 4, Sp. 1387]


das garten, mausen und das rauben
wil man uns auch nicht mehr erlauben.
Waldis Es. II, 79, 21;

wenn ich gleich schon gar kein herrn het,
so wolt ich mich mit garten nehrn,
mich an mein weib und kind nicht kehrn,
mich auch der baurn fluchen nicht gremen,
gebns mir nichts, so thu ichs nemen,
thro in zu schieszen auf die haut.
Ayrer fastn. 122b (2948, 8);

dort ligt ein dorf, drein wöll wir gahn
garten wie ander arm landsknecht. 122c;

die mutwilligsten und schedligsten aber unter diesen sein die gartenknechte und starken galgenschwengel, die gar keine tüchtige ursache haben vorzuwenden, das sie garten und betteln. Pape bettel- u. garteteufel J 5a; das nun diesen meineidigen und gottlosen tropfen das garten und die armen leute zu schetzen vergünnet und zugelassen sein soll, kann ich nicht für recht erkennen. O 3a; ein jeder, der sonst nirgend zu töcht, auch kaum ein vater unser beten und funf zelen kan, itzund musz ein landsknecht sein, einen spiesz auf die achsel und ein weib hinter ihm treten haben und die dörfer gartende besuchen. O 4a, wo leute, die den landsknecht nur spielten, gemeint scheinen.
b) mit bezeichnenden zusätzen:

der (landsknecht) sprach: Petter, wiltu mit mir purschiren?
ich wil gartten in jenem dorf. Berl. meisterl. f. 23 no. 232;

es soll kein landsknecht garten
für eines pauren haus,
denn er musz rotten und hacken
dasz im der schweisz bricht aus u. s. w.
Uhland volksl. 522,

sie hatten eig. dem bauer, bei dem sie eingelegt waren (s. DWB gart 1, b. 2, b), bei der arbeit zu helfen, in jenem liede aber mahnt ein landsknecht seine genossen vom garten ab, weil ein frischer krieg sold und beute in aussicht stellt;

auf den pawrn ich denn gart.
H. Sachs 2, 4, 2c;

neun armer landsknecht zogen aus
und garteten von haus zu haus,
dieweil kein krieg im lande was. 1, 494a,

so kommen sie auch vor den himmel,

da klopften sie auch an darvor,
wolten auch in dem himel garten. das.;

bald sie in himel kamen nein,
gartens herumb bei aller welt. 493b,

das garten ist da nichts weiter als ein geld sammeln, zum bloszen betteln geworden, vgl. unter c.
c) die behörden kämpften früh dagegen, bis ins 17. jh., z. b.: auch soll den lantzknechten, frembden personen und pettlern nit gestat werden, on erlaubnis eins erbaren raths bei den burgern also zu garten, zu samlen oder zu pettlen. Schmeller 2, 68 aus dem Amberger stadtb. von 1554 art. 122; die bair. landesordnung von 1553 handelt von dem täglichen garten herrenloser feirender umlaufender gartender landsknecht oder gartknechte und abschaffung der gart, s. dens.; dasz das garten im lande abgestellet sei. verhandl. der schles. fürsten u. stände vom j. 1618 s. 128; die landsknechte beriefen sich übrigens auf ein angebliches kais. privilegium, wenigstens den bauern gegenüber, s. unter DWB gartknecht. zuletzt erscheint es gegen ende des 17. jh. (s. schon u. 1, c), gleich betteln, fechten: faule starke lendenlahme (d. h. so stellen sie sich) bettler, die nicht arbeiten mögen, wenn sie schon können, garten und fechten lieber (wie sie reden), ziehen die glocken in den häusern an. Otho 623.
3) einzeln auch transitiv: ein armer verriszner lantzknecht, welcher nichts umb oder an hett dann ein alts fischernetz, das er villeicht kürzlich von einem fischer gegartet hatte. wegkürzer 25b, in einem andern drucke gartet hat (Uhland schr. 4, 187). wol auch im folg.: darauf fulen sie mit gewalt ein .. blünderten, raubten, garteten, brandschatzten alles was sie ankamen. Garg. 201b (Sch. 373). nl. bei Kil. gaerden het land, populari agros, vermutlich in dem sinne wie u. 1, b aus Renner im lande garden. Auch ergarten transitiv, in einem schwäb. politischen liede vom jahre 1534:

bei Laufen an dem rein
wolt er des hirschen warten,
ihn schinden auf die schwarten,
so er in möcht ergarten.
Mones anz. 8, 192,
Liliencron 4, 82a.


4) dazu gartenknecht, gartenbruder, worin eig. das part. gartend enthalten sein musz, während gartbruder, gartknecht mit dem subst. gart gebildet sind.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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