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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gärste bis garstig (Bd. 4, Sp. 1375 bis 1376)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gärste, f. subst. zu dem adj. garst, ist zu vermuten, wie mhd. gerste; bezeugt ist ahd. gerstî rancor Graff 4, 265, Diut. 1, 280a, nhd. aber wird es in dem schles. schimpfworte stecken: du satan aus der gerste! Weinhold 27a, denn in der hölle ist garst, gerste, stank und unflat, s. Servat. 3482, garst m. 1.
 
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garstechtig, subrancidus Henisch 1359, Stieler 610, der auch sordidulus angibt, etwas ranzig, garstig, nl. garstachtigh Kil.; vgl. DWB garstet.
 
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garsteln, s. DWB garsten 3.
 
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garsten ,
1) garstig sein, rancere Dasyp. 335d, noch oberd. 'verdorben, ranzig sein' nach Gangler lux. id. 165, gewiss alt, vom adj. garst gebildet, ahd. vermutlich garstên.
2) ein transitivum garsten, garstig machen bei Stieler 610 als dichterisch (auch begarsten, entgarsten, vergarsten), das eig. gärsten, gersten heiszen sollte; vgl. altn. gersta unter dem adj. garst 5, und garzen.
3) ein nd. trans. garsten beim bäcker, das brot so behandeln, dasz es rasch eine braune rinde bekommt, s. Brem. wb. 5, 177 (auch gasseln 2, 489, gesseln Danneil 63b), ostpreusz. garsteln, gêrsteln Hennig 80, götting. gerstern Schamb. 60a, volksmäszig aber das. gastern, wie in Fallersleben Fromm. 5, 145, Braunschweig; es mag mit dem vorigen und garst einen urspr. zusammenhang haben. vgl. DWB garstern.
 
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garsterei, f. unfläterei, unreines thun:

wenn einer etwas hat studiert ...
und doch dabei ein solcher gast,
der ordentliche keuschheit haszt,
und wie ein flieg, die umb sich schmeist,
sich nur der garsterey befleist ...
Ringwald laut. warh. 170 (152).


 
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garstern, unrein machen, verderben o. ä., ergibt sich wol aus garsterei, steckt wol auch, mit ausgefallnem r, in nd. gasterblad n. unflätiger mensch Schamb. 60a (vgl. DWB garst 3). s. auch garstrig unter garstig II, 1, b, gerstern unter garsten 3.
 
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garstet, gleich garstig: rancida caro, garstet vel pfinnet fleisch. Dief. 483c aus Brack, mit -et aus mhd. -eht; vergl. garstechtig. Auch mit umlaut gerstet (wie gerst adj. und gerstig): gedigen fleisch oder fisch, die den geschmach verlohren, gerstet und schimmlet worden sein, salsamenta evanida, rancida et mucida. Henisch 1521, von altem eingemachtem.
 
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garsthammel, m. unflätiger mensch.
1) von unreinem wesen überhaupt, äuszerlich und innerlich: ein unflat, garsthamel und sawschelm. Melander jocos. 2, 25; man findet manchen unfletigen schelmen und garsthamel. 2, 36;

weg flucher, lästermund,
nachtschwärmer, lügener, garsthammel, geiler hund,
wo zarte kinder sind!
Rachel 4, 40 (kinderzucht).

noch in Ostpreuszen Hennig 80, in Pommern garsthamel, ein scheltwort auf unflätige, besudelte leute Dähnert plattd. wb. 143a, in Posen, besonders von kindern Bernd 71.
2) besonders von unflätigem wesen in bezug auf frauen und frauenliebe (so schon bei Rachel mit):

garsthämmel liegen in den ställen,
und nicht bei saubern junggesellen,
wie Scaramutza ist.
Filidor Wittekind E 2a;

ein loser slepsack und geiler garsthammel. mägdelob 29; ihr jungfrauen, wann ihr .. der narrentheidung, die manchmahl ein garsthamme. treibt, ohne röthe zuhört, so habt ihr euch

[Bd. 4, Sp. 1376]


schon ziemlich beramet und das jungfräuliche gemüth befleckt. Scriver goldpredigten 113. göttingisch gasthâmel, ein in reden unflätiger mensch Schamb. 60a. s. auch garsthans.
3) es heiszt auch garstiger hammel, z. b.: ein jede dieser garstigen hämmel. Happel acad. rom. 35, von unflätigen weibsbildern (s. IV2, 311). übrigens hat sowol garst für sich schon diese bedeutung (s. dort 3) wie auch hammel für sich (s. dort 7, vgl. 10), zur 2. bed. vergl. bock 9. s. auch garstvogel.
 
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garsthans, m. gleich garsthammel 2:

ein garsthans nur nach unzucht tracht.
Wolfh. Spangenberg lustg. 160;

unflätige garsthansen. 202. 674; und wie die rechten garsthansen, befleiszen sie sich dafür mit der sawglocken zu leuten. ders. ganskönig vorr. 6b. vielleicht mit veranlaszt durch das ältere karsthans, bauer, das gerade im Elsasz länger lebte; vgl. gastfrei im verhältnis zu kostfrei.
 
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garstheit, f. garstigkeit, rancor Henisch 1359, wie nl. bei Kil., und vielleicht nur dorther.
 
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garstig, adj. zu garst m., seit dem 15. jahrh.
I. Bedeutung und gebrauch.
1) eig. verdorben, ranzig, faulig, stinkend: rancidus, garstig, nd. garstich Dief. 484a, rancidulus garstik 483c; ranceo ich stinke, bin schimelechtig, garstig Dasyp. 204b, Alberus n 3b.
a) zuerst hauptsächlich von fleisch: rancidus, garstig, vinnecht Schröers voc. v. 1420 31a, vgl. unter garst adj. 3 und garst m. 1 (rancor finne, finnicheit Dief. 484a, eine krankheit der schweine); caro rancida, garstich fleisch voc. opt. Leipz. 1501 Z iija, garst fleisch gemma (ein schulvers daselbst muscidus est panis, caro rancida, pendula vina), garstig oder stinkend fleisch Dasyp. 204a; hüt dich vor .. gereuchten fleisch, vor garstigen fleisch, feisten fleisch. küchenmeist. d vj; garstig speck Henisch 1359, noch im 18. jh. garstiger (gelber) speck M. Kramer 1719, Rädlein 320b, Ludwig 692, aber schon bei Steinbach, Frisch nicht mehr, wo dann die übertragnen bedeutungen den platz einnehmen, bei Adelung nur als oberdeutsch; doch gilt es noch in dieser ganzen 1. bed., obwol vor ranzig zurücktretend, z. b. in Thüringen.
b) von anderm eszbaren u. ä., vgl. schon in Schröers voc. 39b garstig viscosus (so zu lesen): garstiger speck und garstige butter gehören zusammen. Neander spr. 16 (16. jahrh.); nimm frischer süszer mandelkernen, die nicht garstig oder ölig sein ... Ryff spieg. 285a, vgl. die garsten (mandeln) unter dem adj. garst 2; nux rancida, ein schimlige edder garstige nut. Chytraeus 421; garstige hefen, garstige kes (käse), garstiger cresem Luther bei Dietz 2, 11a; das fett wird leicht garstig. Henisch 1359; garstige butter, that smells rank Ludwig 692; garstigs wasser (trinkwasser) Frisch 1, 321b. auch nl. z. b. die boter smaakt garstig.
c) garstig riechen, schmecken M. Krämer 500b, die butter, der speck riecht garstig, daher auch garstiger geruch von faulen und verdorbenen eszwaaren Ludwig, s. schon mhd. garst als gestank unter garst m. Daher auch von anderm was den appetit verdirbt, beim essen ekel erregt: soll auch der küchenmeister .. genaue acht geben .. damit man keine haare oder sonst etwas garstiges in dem essen finde, welches leicht einen groszen eckel verursachen kan. Döpler rechnungsb. 2, 17 (s. u. küchenjunge).
2) daher dann ekelerregend überhaupt, ekelhaft.
a) z. b. eine garstige wunde, bildlich: so gar sind die groszen herrn gewonet, das man inen heuchle (d. h. sie hätschele) und schmeichle, das sie auch fürgeben, der christliche glaube sei aus, wenn man inen die warheit sagt und salzt inen ire garstige wunden und maden. Luther 2, 137a, antwort an kön. Heinr. von England, salzt statt sie zu salben (im ersten druck übrigens garstrige, s. II, 1, b); und die reine lere haben besuddelt mit irem garstigen und madichten zusatz. ders. bei Dietz, im garstigen fleische, käse treten ja auch maden auf, wie in der garstigen wunde.
b) auf allerlei anderes übertragen, z. b.: garstige sau, coenosum pecus. Frisch 1, 321b; ir garstiges stankbuch. Luther; ein alt zerrissen garstig hederlin (lumpen). ders.; meine garstige und schnöde poeterei. ders. br. 4, 195; und hat ihm seine garstige solution nicht geholfen. 1, 315; klagt doch .. auch der alt Niclaus Herman in seinen jochimsthalerischen liedern über solche garstige schulhäuser .. da man mitten unter ratten und mäusen, flöhen, wanzen und läusen .. Fischart Garg. 236a (Sch. 442); ein garstig hemd, schnuptuch Ludwig;

kahl von haaren, er trug einen stab und garstigen ranzen,
allenthalben geflickt ...
Voss Odyss. 13, 435.

[Bd. 4, Sp. 1377]



c) von thieren, menschen mit ekelhafter erscheinung: er ist eine garstige sau, a slovenly fellow. Ludwig; wir garstigen, lausigen, grindische münche. Luther; narren ... so die schönsten und frömesten weiber haben und sich etwo an schendliche unfletige garstige belge und secke hengen. ders.; garstige wänste. Petr. 15b; ein volls (trunkenes) weib ein garstiger leib. Henisch 1359;

wie dasz ihr dann die schaar der tollen hunde (christen) liebt?
die garstig, gottlos, arm, in ihren hölen stecken,
die vor dem hellen glanz des lichten tags erschrecken?
Gryphius 1, 495.


d) auch vom teufel (in der hölle ist ja garst, s. d. 1): er ist ein rechter garstiger trawriger gast. Joh. Rhau geistl. gesangb. 1589 vorrede; der unsaubere geist, der garstige unflat und schwarze köler. Mathesius Sar. 122a.
e) von menschlichem thun und treiben: ich habe so eine garstige gewohnheit. Chr. Weise comöd. 87, eine garstige angewöhnung u. ä.; s. weiter 4. 6.
3) abgeschwächt nach dem äuszeren des begriffes.
a) von schmutz überhaupt, schon im vorigen mehrfach mit enthalten: seine kleider garstig machen. Ludwig; dasz er sich das kleid nicht garstig mache. Lessing 3, 41; sich garstig machen, sich besudeln. Adelung; eine garstige, schmutzige arbeit. ders.; bei den Juden siehet es garstig aus, Judaei sordent. Steinbach 1, 559. Von weg und wetter: garstig wetter. Krämer 500b; ein garstiger oder kothiger weg. Ludwig; wenn es garstig wetter war. Felsenb. 3, 99; es ist garstig (drauszen), il fait un vilain tems. Rädlein 320b.
b) häszlich, unschön, unangenehm im äuszeren:

die welt ist garstig alt, drum trägt sie schöne muster.
damit sie scheine schön, musz flicken schneider, schuster.
Logau 2, 9, 44,

das garstig alter 2, 3, 21; fromm oder bös, schön oder garstig. Schuppius 644; ein guter kerle, der in der sonne reisen musz, kan auch nicht davor, dasz er ein garstig gesichte bekömmt. Chr. Weise überfl. ged. (1701) 388;

wie wir schöne frauenzimmer
mehr als garstige beschenken.
Göthe 3, 276;

gar mancher ist schön und geschniegelt und beträgt sich doch kaum wie ein mensch, während andere garstig erscheinen und dabei eine natürliche anmuth an den tag legen. Eichendorf graf Lucanor 78. jetzt noch hauptsächlich in nicht garstig, hübsch, z. b. das mädchen ist nicht garstig, was mit besonderm tone selbst sehr hübsch bedeuten kann, mehr als nicht häszlich; schon bei Ludwig sie ist nicht garstig, she looks handsom.
c) in beiden fällen ist die eigentliche bedeutung ungefähr die von abscheulich, und garstiges wetter, garstiger weg meint auch nicht blosz den schmutz, sondern noch heute auch abschreckend überhaupt.
4) schmutzig im sittlichen sinne.
a) unsittlich, namentlich auch 'unzüchtig' (M. Kramer 1719): ein garstiger schendlicher hurenbalk. Luther; garstige hure Stieler 610, Rädlein; ein garstiger hund, improbus cinaedus, spurcidicus. Stieler; garstige zoten, ein garstiges schandlied. ders.; ein reuterliedlein, mit garstigen bossen geflickt. Philander ges. (1644) 484; aber es ist seltsam, sie (die Russen) lassen niemals die ganze bibel in ihre kirche kommen, sagen, es wären im alten testament viel garstige unkeusche sachen. Olearius reis. 141;

wenn Scrifax ohne scham ein garstig wort hersagt ...
Wernike (1704) 322,

vgl. in der anm. die geschichte von der garstigen redensart in Molières malade imaginaire (parler à des cus), die man auspfiff und die er dann geändert;

muszt all die garstigen wörter (im Götz) lindern.
Göthe 56, 66 (an Gotter).

garstige bilder, bücher. Adelung.
b) besonders auch von schmähsucht, schmutzigen schimpfen: wer von frawen, jungfrawen, obrigkeit und priesterschaft übel und garstig redet, der ist nicht ehrenwerth, sagt er. Mathesius Luther 130b; es ist alles so garstig erlogen und erstunken, als der cresem selbs ist (nämlich garstig, stinkend). Luther winkelmesse 1534 L ija; wo einer hat ein garstig maul .. so hat er auch ein bübisch herz. Henisch; sie hat ein garstig maul, sie giebt lose worte. Ludwig, noch jetzt von einem der gern schimpft, räsonniert u. ä.
c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.: du hast eine wüste, garstige seele. Pestalozzi Lienh. u. G. 3, 51; wenn es doch nur einen schleier

[Bd. 4, Sp. 1378]


hätte, das garstige laster. Schiller räuber 1, 3; so hat sie (die ehre) auch kronen, welche sie denen austheilet, die nichts fürchten als was garstig und schändlich ist, turpe et inhonestum. Comenius orb. p. 2, 69; es stehet garstig, an einem andern etwas strafen, was man noch in sich selbsten findet, inprobum est. 197; alle garstig-geizige, sordide avari. 147 (jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist was garstiges von ihm, dis stehet sehr garstig von ihm, ce procédé-là est fort mal-honnête. Rädlein 320b; pfuy, das steht garstig! that's a foul or base action. Ludwig 692, überhaupt alles, zu dem man pfui! sagt oder sagen möchte, heiszt garstig, wie man bei tische zu etwas garstigem im urspr. sinne pfui sagt.
5) überhaupt spricht man daher mit garstig abscheu, widerwillen, ärger, verdrusz aus, in verschiedenster abstufung der stärke.
a) besonders in aufwallung eines widerwillens, ärgers, z. b.: kurz, wir sind geschiedne leute! du unverschämte, garstige — Lessing 1, 257; sie (Friederike) betrachtete mich mit erstaunen, nahm sich aber gleich zusammen und sagte nach einem tieferen athemholen: garstiger mensch, wie erschrecken sie mich! Göthe 25, 357;

ein garstig lied! pfuy! ein politisch lied! 12, 104;

pfui, sagte man, das garstge thier (der esel)!
er brüllt dasz uns die ohren klingen.
Lichtwer fab. 2, 13.

ähnlich abscheulich, das doch stärker ist, weil jünger. auch als schimpfwort, z. b.: so wolte doch solches Gertot nicht leiden, sondern setzte einen garstigen vetter darauf, wenn jemand sagen würde dasz er nach art der spitzbuben gespielet hätte. Salinde 208, doch wol: drohte den einen garstigen vetter zu heiszen.
b) in der ruhigeren form eines urtheils: Damis. wenn sich ein bedienter vermietet, so vermietet er auch seinen buckel mit (zum prügeln). diesen grundsatz merke dir. Anton. aus dem bürgerlichen recht ist er? o das musz ein garstiges recht sein. Lessing 1, 251; wollte ich mich eben empfehlen, und wartete nur, bis der graf vom garstigen gewäsche frei wäre (um mich bei ihm verabschieden zu können). Göthe 16, 104; der fürst fühlt in der kunst, und würde noch stärker fühlen, wenn er nicht durch das garstige wissenschaftliche wesen .. eingeschränkt wäre. 114, geschwätz, gelehrter kram, wie sie jedesmal Werthers ärger aufwallen lassen;

zwei freistaaten begrenzten den garstigen staat (Piemont).
Platen 141.


c) daher von ärgerlichen, verdrieszlichen, mislichen dingen, zuständen: das, das (die inspiration) ist der garstige breite graben, über den ich nicht kommen kann, so oft und ernstlich ich auch den sprung versucht habe. Lessing 10, 38, garstig weil er ohne aussicht den fortschritt des denkens hemmt; die schäden, woran die welt durch garstige übereinkommungen krank liegt. Klinger theater 4, 160, an denen der gesunde sich immer wieder ärgert;

es geht ja manchmal wol ein wenig konterbunt
und garstig zu auf diesem erdenrund.
Wieland 10, 309.

das ist eine garstige geschichte, die störend zwischen einen plan kommt, oder schlimme weiterungen in aussicht stellt o. ä., dagegen das ist nicht garstig! d. h. erfreulich, hübsch, förderlich, vergl. 3, b am ende.
6) einige besondere seiten des begriffes hat es noch entwickelt vom menschen und seinem thun und wesen.
a) garstig heiszt einer der gern zankt, murrt, unzufrieden ist, auf andere nur verstimmend wirkt; so wol schon im folg.:

in der welt sei was da wil, find ich doch nichts beszres drinnen,
als dasz fromes bieder-volk selig endlich sterben künnen,
destomehr, weil nun die welt wie ein kindisch-alter greis
beiszig, garstig, satsam wird, blosz auch nur zu nuseln weisz.
Logau 2, 2, 70;

vgl. schon im 15. jh. 'rancidus, garstig, zornig' Dief. n. gl. 313a, falls nicht zornig allein auf rancidus geht, s. aber ein garstig bitter herz bei Luther unter garst m. 2, wo 'garst, gift und hasz' im herzen, sodasz diesz garstig unmittelbar von der ersten bedeutung entwickelt sein kann; die frau hatte zwei töchter mit ins haus gebracht, die schön und weisz von angesicht waren, aber garstig und schwarz von herzen. kinderm. nr. 21.
b) garstig in der behandlung anderer, z. b. brüder, verwandte sind garstig gegen einander, ein diener klagt über einen garstigen herren u. ä.: der alte Moor. garstiger Franz! willst du ihn (den Karl) auch meinen träumen entreiszen? Schiller räuber 2, 2 (2, 46 Göd.); oh ich sage euch, es gibt garstige menschen, garstige brüder, garstige herren — aber ich möchte um alles gold meines herren kein garstiger knecht sein. 4, 3

[Bd. 4, Sp. 1379]


(2, 146), Daniel zu Karl Moor, andeutungsweise vom Franz redend. diesz garstig ist im leben, im hause vielfach eine bezeichnung der selbstsucht, die z. b. andern nichts oder nur unwillig zukommen läszt, der andere nur im wege sind, sodasz sie es empfinden müssen.
c) natürlich auch garstiges wesen, garstige behandlung, z. b. eines dieners durch den herren, garstiger ton der stimme u. ä.; das ist garstig von dir heiszt es unter geschwistern, besonders wo sichs ums geben oder theilen handelt, gut und garstig sind da vielfach die gegensätze, zwischen denen sich das sittliche urtheil bewegt. so im Götz: Elis. hundert thaler. und darnach wollten sies ihm nicht geben. Maria. gelt, das ist garstig, Karl? Karl. garstige leut! Göthe 8, 21, im sinne des knaben gesagt.
7) das adv. als steigerndes kraftwort in gewissen wendungen: sie wollten mich knebeln ... aber ich kam ihnen aus den händen und hieb garstig zu. Klinger theater 4, 231; ich weisz wol, dasz derjenige auf ewigkeit hofft, der hier zu kurz gekommen ist. aber er wird garstig betrogen. Schiller räub. 5, 1 (2, 182 Göd.); er wird sich garstig erbost haben. Göthe 8, 6;

manche wunde kneipten sie ihm und hatten das fell ihm
garstig zusammen geruckt. 40, 204 (nd. to degen Rein. 6068).

es liegt zugleich eine schadenfreude drin, das garstig scheint daher ursprünglich vom standpunkte des betroffenen aus gemeint. auch mit dem adj., z. b. da setzte es garstige hiebe. übrigens auch nicht garstig wieder, z. b. der ist nicht garstig zugedeckt worden (geprügelt), wie nicht schlecht u. ä., wo denn dasselbe wie mit garstig gemeint ist, nur vom andern standpunkt aus gefaszt. ähnlich gilt abscheulich, häszlich, arg, bös u. a.
8) bergmännisch eine garstige wand, die einen edlen gang plötzlich abschneidet.
9) volksm. garstiges fieber umdeutend für gastrisches fieber, z. b. schwäb. Birl. 181a; siebenb. grstich krinkt (krankheit) das nervenfieber Haltrich 112; nd. det gastrige fîwer, das gastrische Schambach 60a, wie ebenda gastrig für garstig, s. II, 1, c.
II. Nebenformen, verwandtschaft.
1) nebenformen
a) mit umlaut gerstich rancidus, gersticheit rancor Dief. 484a aus einem rhein. voc. mit nd. färbung, gerstig, gerstigchait nov. gl. 313a; mnl. gherstich hor. belg. 7, 12a, und noch bei Kil. gherstigh neben garstigh. ebenso neben dem adj. garst (s. d. 3) schon gerst, s. auch gärste.
b) garstrig, in einem einzeldruck bei Luther garstrige wunden (s. Dietz 2, 11a und vorhin I, 2, a), gewiss richtig, denn anderes, wie garsterei (s. auch garstern), spricht für eine solche erweiterung von garst; garsterig berührt sich dann mit dem gleichbedeutenden nd. galsterig.
c) bedeutsamer auch gastrig: 'garstich, gastrich, ut quidam, sed perperam legunt' Henisch 1359, 50, also aus einem buche; so nrh. in der Cölner gemma von 1511: rancidus, slymich of gastrich S 3b (darauf caro rancida gastich vleysch); in vollerer form mnd. gasterich raneidus Schambach 59a und noch niederd. gastrig Schamb. 60a, Danneil 61a, ostpreusz. Hennig 325, neben garstig (unflätig, unrein, häszlich, ekelhaft) Dähnert 143a.
d) aber auch gastig, so nd. z. b. am Harz, en gastigen kerel u. ä.; nrh. in der Cölner gemma von 1517 Dief. 483c, gastich in der von 1511 (s. unter c), nl. in der noch älteren gemma von Deventer ghastich rancidus, mit ghastheit rancor (s. garstheit) Dief. nov. gl. 313a, belege für gastig aus dem 17. jh. bei Oudemans 2, 356 und bei de Vries nl. wb. Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik (neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108, schwäb. gastig Schmid 222 (der franz. gâter zuzieht).
e) merkwürdig auch mnd. kastich rancidus hor. belg. 7, 28b, noch holst. kastig von korn, mehl, 'muffig, angekommen' (gleich angegangen) Schütze 2, 234, aufgefaszt als 'nach dem kasten schmeckend'? vgl. das. kastern, unbrauchbares wegwerfen. und dasselbe ist wol westerw. kaschtig, nass. karstig geizig Kehrein 216, vgl. garstig I, 4, c von geiz.
2) zwischen und hinter diesen formen ist das weitere zu suchen; es fragt sich hauptsächlich um gastrig und gastig.
a) bei gastrig denkt man zuerst an umsprung des r; doch ist eine solche gewaltsame bildung weder recht glaubhaft, zumal nach der vollen form gasterich, noch auch notwendig, es kann aus garsterig (1, b) erleichtert sein durch ausfall des einen r, kann sogar echt sein nach folg. vergastern verderben:

(die welt) ist in sünd und schand so gar vergastert (: lastert)
und ist in eitlem unglück alt ...
ist rostrig, schimlig, seiger, kamig,
unfletig, schwarz, rüszig und ramig u. s. w.
Waldis Esop IV, 100, 162 (2, 297 Kz.),

[Bd. 4, Sp. 1380]


vergastert wol gleich gasterig, eigentlich von verlegner waare oder speise, wie die folgenden bezeichnungen andeuten, vgl. zu galsterig livl. vergalstern ranzig werden Hupel 247, und kärnt. dergastern in unordnung bringen Lexer 109.
b) auch gastig ist wol im einzelnen falle als aus garstig entstanden denkbar, aber kaum bis um 1500 zurück als bedachte schreibform, und noch jetzt nicht überall, z. b. in Augsburg, wo volksmäszig nur gaschtig gilt, aber z. b. die gerste ihr r nie verliert. es hat aber ein echtes gast hinter sich.
α) hinter dem nl. gastig ranzig steht ein mnl. adj. gast verdorben, schlecht, s. Oudemans 2, 356, besonders Jonckbloet die dietsche doctrinale s. 340 fg. (leider ohne bezeichnung der betr. stelle); als subst. verwandt in der minnen loep 1, 1804, gleich schade oder verdrusz, soe enbrinct him (dem treuen) wandel gheen gast, vielleicht dem m. garst entsprechend, vgl. das hd. gast unter β, und das altn. gesta neben gersta verbittern unter dem adj. garst 5. Jonckbloet sieht in dem mnl. gast das altfranz. guaste verwüstet, verdorben, noch jetzt mundartlich gâte (dazu gâter verderben), dessen entstehung bei Diez 189 (1, 233) getheilt ist zwischen lat. vastus, vastare und einem germ. stamme wast (ahd. wastio vastator, engl. waste, als unbrauchbar verworfen).
β) aber auch dem oberd. gastig (1, d) fehlt es nicht an einem solchen gast, adj. oder subst. (wie garst beides ist), wo franz. einflusz auszer dem spiele ist:

alles (altes?) musz werden zegast,
nüwe ding lieben fast. Amor E iij,

neues ist beliebt, altes wird notwendig zuwider, gleichsam verlegen, garstig, vergastert (s. a), wie waare oder speise; vgl. tirol. einen zgast haben, necken, mishandeln, gast m. häszlicher mensch Schöpf 177. 178. es scheint auch enthalten in gäste n. (s. d.) von dem halbverdauten futter im vormagen der wiederkäuer, im kropfe der vögel (was beim schlachten weggeworfen wird), spielt vielleicht auch mit in entgästen (s. d.), entstellen, verunstalten Stalder 1, 426, vorarlb. Fromm. 5, 480, das nicht ganz aus mhd. gesten schmücken begreiflich scheint.
γ) gleich garst m. erscheint aber auch gascht. so in Frankfurt, in der Wetterau als schimpfwort gleich 'erzlump', auch unsauberer mensch (plur. gäscht), wetter. âm d'gascht mache, einem den gascht machen, ihn heruntermachen wie einen lump, s. Weigand im oberhess. intelligenzbl. 1846 s. 300 fg., der darin gast hospes sieht, das durch das judendeutsch so ausgeprägt wurde in aussprache und bedeutung, indem besonders auch 'der heimatlos umherziehende arme bündeljude' so hiesz, der 'von den ansässigen juden von ort zu ort als gast aufgenommen und beherbergt' wurde. Aber wenn auch darin gast hospes wirklich mitwirkt, zumal diesz auch selbst sich früh zu einer scheltenden bedeutung entwickelt hatte (s. dort), stimmt es doch zugleich zu nahe zu garst (gespr. garscht), schmutziger kerl, wie gast unter β zu dem adj. garst, und in der Wetterau selbst sagt man für garstvogel (gleich garsthammel, schmutzkerl) gaschtvuel, gaschtvogel, und das ist wie dreckvogel (wetterauisch), sächs. thür. dreckfinke. Übrigens auch in Kärnten, wie gaschtik garstig, so gascht m. schmutz und schmutziger kerl, im Lesachthale, wo sonst ausfall des r in dieser art nicht vorkommt (Lexer 108 und brieflich); da garst, garstik anderwärts dort daneben bestehn, wird jenes damit nicht schlechthin eins sein, vgl. tirol. gast unter β.
c) merkwürdig auch gaist für gast, nicht nur nrh., wo ai für â vorkommt: rancor, stank of gaystheit. Cölner gemma 1511 S 3c, 1517 Dief. 484a, sondern auch in dem Nürnberger voc. von 1482 pfynne, rancor, oder gaistigkeit .. oder stinkheit des fleisch y 8a. ff 3a. pp 8b, gaystigkeit aa 8b (vergl. garstheit, garstigkeit); s. auch 3, a und nd. geistern, begeistern besudeln Brem. wb. 2, 493, das an vergastern unter 2, a erinnert.
3) die formenfülle stimmt fast genau zu der bei gäscht.
a) wie gaist- rancor 2, c, so mnd. geist hefe, bodensatz, gischt (s. DWB gären I, 3, c), wie kärnt. gascht schmutz, so östr. gascht n. dicker schaum (auch schlecht zubereitete speise) Castelli 137, und auch garst, garscht hat einen nahen anklang in thür. gärscht, girscht gischt, gerscht Stieler 610 (s. DWB gären I, 1, e), sogar das nahverwandte garz, als subst. finnen des schweinefleisches, als adj. bitter, garstig in mnd. gert fex Dief. 232b. Adelung spricht von einem veralteten garst hefen, von dem man garstig auch herleite; ein solches garst, freilich nicht belegt, ist wirklich glaubhaft.
b) für die entstehung von garst und gast aus gären (s. d. I) bildet freilich das g- einen anstosz, es müszte dann eig. jarst, jast heiszen; aber es sind bei gären und zubehör mehr solche ungewöhnliche g- eingemischt (vgl. DWB gare hefe), und beiden, garst

[Bd. 4, Sp. 1381]


und gären, kann nicht wol fremd sein ein nd. garren, upgarren vom aufstoszen zu fetten essens Dähnert 142b (s. DWB gären II, 3, c); s. auch garmilch, verdorbene milch.
c) in der bedeutung aber kommen garst und gären völlig zusammen; denn der bodensatz, die hefe, was ausgärt, ist zugleich im eigentlichen sinne garstig, und gären selbst (II, 2, c und d) gilt ausdrücklich auch von eintretender fäulnis, wie denn alle fäulnis eine art gären ist, im kreise von gären aber stehn näher oder ferner auch andere wörter die garstiges im eigentlichen sinne bezeichnen, wie nord. gor n. halbverdautes futter im viehmagen (s. unter gare 5, c, auch 2, e); besonders nahe tritt nl. goor verdorben, ranzig, sauer geworden, nrh. aber gleichbedeutend gôl, die sich zu einander verhalten wie die gleichbed. garstig, garsterig und galsterig, s. d.; zu weiterem sicheren vordringen wären ältere zeugnisse nötig. die slav. anklänge, die J. Grimm gramm. 3, 658 zuzog (vgl. Diefenbach goth. wb. 1, 191. 2, 743) können nur zufällige sein.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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