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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gastbote bis gästen (Bd. 4, Sp. 1473 bis 1474)
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[Bd. 4, Sp. 1473]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gastbote, m. bote des gastgebers, der 'zu gaste bietet' (s. DWB gastgebot), im 17. jh. geistlich: hier stehe ich als ein gastbot gottes und bitte euch, höret meine werbung und kommet zum groszen abendmahl. Otho 655; die Bethlehemiten, die im brodhaus wohnen und geben den gastbotten den repuls. Dannhauer ev. mem. 523, d. h. die weltkinder welche die zum h. abendmahl einladenden geistlichen abweisen; vgl. u. gast 10, b.
 
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gästchen, n. kleiner gast: ein grimmiges wetter bricht herein und wird deinen gästchen unfreundlich nach hause leuchten. Göthe an frau v. Stein 2, 237, kinder die bei ihr zu gaste gewesen.
 
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gäste, gäst, n. viehfutter, doch mit besonderm sinne.
1) gäst, geschr. gäszt, als futter schlechthin: das gäszt, als hirsen, habern und gersten, soll man trocken durcheinander mischen. Hohberg 2, 336b, als mast für gänse. von solchen körnern im kropfe von vögeln: was aber kranawetsvögel und lerchen betrifft, die weidet man gleichermaszen also aus, theils (d. h. manche) nehmen nur alles gäszt aus den kröpfen und thun kranawetbeer hinein. ders. 1, 215a.
2) gäste, das halbverdaute futter im vormagen von wiederkäuern: wann sie (die kühe) den inndruck verlieren, das ist, wann sie nicht wiederkäuen, so nimm von einem schaf oder einer andern kuhe den inndruck, das ist, das gäste, so sie im maul behalten, und gib ihnen das im brot. ders. 2, 282a. auch dergleichen in den därmen, denn östr. heiszen gästdärme 'die kleinen därme, welche das geätze, nämlich die gekäuete nahrung unmittelbar aufnehmen' Höfer 1, 274.
3) zur auslegung der form schreibt Hohberg selbst auch das geäste 2, 336b, wie Höfer unter 2 geätze (genauer geæze), und aus Baiern gibt Schmeller 1, 116 beides als eins, nämlich g'äsz, aber auch gäst gesprochen, 'geäsze, aftergetreid, abfall der zum futter für geflügel verwendet wird', das erste auch in der form gæz, d. h. mhd. geæʒe n. (als taubenfutter Schiltberger 110), gewiss auch geæze, coll. zu âʒ, nhd. asz (vgl. DWB etzen). Aber das -t, obwol ein solches oft genug an formen auf -s und -z rein willkürlich antritt als lautliche stütze, erinnert doch zugleich an das gast sp. 1380 gleich garst, garstiges das man wegwirft, wahrscheinlich zu gären gehörig, wie nord. gor das halbverdaute futter im viehmagen oder gedärmen (sp. 1347 fg.), also wie gäste 2. da scheinen denn wieder zwei verschiedene worte sich verflochten zu haben; entscheidend wäre es, wenn für gäste vocalkürze nachweisbar wäre. vgl. DWB gätz n.
 
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gastechniker, m. techniker in gaswerken.
 
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gastehre, f. die ehre des hauses die man an gästen zeigt (s. unter gästen 2), mhd. gastêre Lexer 1, 742, nhd. sicher nur zufällig noch nicht gefunden; vergl. des hûses êre unter gastlich 2.
 
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gasteinladung, f. einladung zu gaste, ergibt sich aus gasteinladungs-brief Butschky kanzl. 245.
 
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gasteln, beim brot backen Schottel 1323, s. DWB gasseln.
 
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gastempfang, m. empfang von gästen:

vornehm willkommnen gastempfang verkündet es.
Göthe 41, 209.


 
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gasten ,
1) zu gaste sein, erst seit dem 18. jahrh., und nur dichterisch: wenig wich er von ihrer seite, wenn er in Zäringen gastete. mahler Müller erzähl. 110, zu besuch war;

denn beim erhabnen Oeneus gastete
der unbescholtene Bellerophon
einst zwanzig tage lang.
Bürger 171b (verm. schr. 1, 133),

Οἰνεὺς γάρ ποτε δῖος ἀμύμονα Βελλεροφόντην
ξείνισ' ἐνὶ μεγάροισιν, ἐείκοσιν ἤματ' ἐρύξας Il. 6, 217,

bei Bürger auch 167b. 277a. 281a;

eh der mensch ein haus erbaut,
wo habt ihr (schwalben) gerastet?
eh vom rind ein stall war laut,
wo habt ihr gegastet?
wenn des menschen hütte fällt,
wo dann wollt ihr gasten?
wenn kein stall die kuh mehr hält,
wo dann wollt ihr rasten?
Rückert lieder u. sprüche 56. 57;

o zeit ... in der ich noch so wolgemut
am tisch der ruhe gastete.
Platen (1847) 2, 55.


2) zu gaste haben, bewirten, im ältern nhd. (vgl.begasten): alle notwendige zugehör, zu einem guten mal dienende, anrichtete und die Juden auf sieben tage gastete. Züricher bibel 1530 685b (3 Macc.); auch intr., gasterei oder gastung halten, wie wie noch nl. gasten:

viel zehren und gasten
leert keller und kasten. zeitvertreiber 1668 451 (1700 s. 464).

[Bd. 4, Sp. 1474]


Stieler 614 gibt gasten und gastieren, convivas vocare, convivari, transitiv auch begasten, begästen. neuerdings wieder bei Rückert: dasz ein kaufherr des ortes gastete — der zu seinem salz und brot — ergehn liesz ein allgemeines aufgebot. poet. w. 11, 334 (15. mak.);

wenn du fastest,
so thus für dich allein.
wenn du gastest,
so lasz die welt herein. ges. ged. 2, 403.


3) ein mhd. gasten ist noch nicht bezeugt, Schmid schwäb. wb. 222 bringt aus einer undeutlichen quelle (sprüche christl. mystiker?) eine stelle, die auf eine spät mhd. quelle zurückgehn könnte: wo man also im glauben und liebe gastet, vom abendmahl; ebenda aus dem 16. jahrh. übergasten, durch langen besuch beschwerlich fallen. Auszer dem hd. altengl. gesten, gisten, to lodge (gestening lodging, feasting), s. Halliw. 397 fg., Stratm. 235; altn. gista, gast sein, besonders übernachten (gisting f. wie altengl. gestening), norw. gista, gjesta, dän. gjeste, zu gaste sein, besuchen, schwed. gästa, auch schmausen. es ist wie gr. ξενίζειν bewirten, ξενίζεσθαι gastfreundschaft genieszen, zu gaste sein, lat. hospitari. s. auch das zweite gästen.
 
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gästen, gesten, schäumen, gären: gästen, gesten, gischen, wie bier, wäsche vom seifen Ludwig 694, gästen, gisten Rädlein 321b; (wenn der wein zähe ist) giesz ein wenig weinstein-öl ins fasz, so hebt der wein an zu gesten und kommt wieder zurecht. Hohberg 1, 379b. s. dazu gäst, gäschten.
 
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gästen , zu gast, nhd. eigentlich nur in zusammensetzungen.
1) nhd. begästen, bewirten, als gast haben, von Stieler 614 neben begasten angeführt (oben I, 1278 übersehen) und schon mhd. bezeugt, in den wbb. fehlend, aber in der umgekehrten bedeutung als gast besuchen:

ein gezelt ir vor iu sehent stân ...
dâ stôʒent ûf diu banier rîch,
daʒ si diu baʒ enkennen sich (so l., s. DWB kennen I, 1, c),
die uns hânt hie begestet. Berl. heldenb. 5, 64b,

damit die hôchgelobeten geste (339, 3) sich in dem festgewirre auf dem plan zurechtfinden können; begesten also als reiner gegensatz zu bewirten.
2) sich gesten, sich zum gaste machen, davon gehn, wie sich fremden (sp. 129), im 15. jh.:

wo neid ist und auch hasz,
da muesz die rechte lieb sich gesten.
Vintler blumen der tugend 1031.


3) mhd. sich gesten, sich auf gäste rüsten, zu einem gastempfang vorbereiten (in den wbb. unbelegt): und wenne der waibel also umb vert (das geding kündend), bî welem er denne benahtet, der sol im und sîm pherit gên (geben) kost die naht als ers denne hêt, und sol sich ûf in nit gesten. weisth. 4, 488, wie er die kost eben im hause hat, ohne besondere zurüstung und anschaffung; und wâ ain waibel benahtet bi ainem armen man, dâ sol sich der arm man nützit ûf in gesten, er sol im des (davon) geben, sô er hât ze eʒʒen und ze trinken ungevârlich. 4, 497, vom Oberrhein, anf. 14. jh. auch in den dichterstellen, die im wb. 1, 486 unter die bed. schmücken gestellt sind, liegt öfter vielmehr diese zurüstung des hauses auf gäste vor, um an ihnen die gastehre zu begehn (s. DWB gast 7, d), z. b. von den zurüstungen zu einer hochzeit:

daʒ er si mit im füerte hain
und gaste sich gastlîchen gar
ûf den brûtlouf aldar. lieders. 1, 275,

gastlîchen, stattlich wie es zu einer gastunge gehört (vgl. gastlich 3);

er began sich vaste gesten,
wan er den muotes vesten (den kaiser)
wolt in sîn hûs enphâhen. gut. Gerh. 659;

dasz da auch haus- und kleiderschmuck aller art eingeschlossen war, liegt in der sache. wesentlich auf letztern aber beschränkte sich der begriff, wenn es auch von den gästen gesagt wird, die zu einem feste geladen waren, z. b.:

mîn herren êrten alle mich (s. unter gast 7, d),
grâven, frîen, dienstman ...
die sich geruochten gesten
ûf mînes sunes hôchzît
rîterlîche enwiderstrît. g. Gerh. 3422, auch 3436. 5741.


4) daher sich gesten, sich festlich schmücken, eigentlich um 'sich sehen zu lassen' (wie oft genug auch dazu bemerkt wird, z. b. Reinfr. 12183, Staufenb. 1044), der wirt vor den gästen, die gäste vor dem wirte und den seinen, daher denn auch sich gesten mit der bedeutung sich brüsten, prunken, sich rühmen. endlich

[Bd. 4, Sp. 1475]


auch gesten schmücken mit fremdem objecte, und rühmen, preisen. ein rest davon in entgästen (s. d.), entstellen, verunzieren, noch schweiz., auch vorarlb. Fromm. 5, 480; s. aber auch das verschiedene engesten unter gast 4, a zuletzt.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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